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Veröffentlicht am 26.04.2026

Nevabacka

Moorhöhe
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„Das Spinnrad surrt am brennenden Feuer, und wir weben der Sagen Band. Lodere Feuer der Vorzeit! Erleuchte unsere Tat! Leuchte durch die Zeit – führe die Söhne zurück zum Hof ihrer Väter!“

Dieses ...

„Das Spinnrad surrt am brennenden Feuer, und wir weben der Sagen Band. Lodere Feuer der Vorzeit! Erleuchte unsere Tat! Leuchte durch die Zeit – führe die Söhne zurück zum Hof ihrer Väter!“

Dieses Gedicht von Alexander Slotte läutet auf Seite 163 das 19. Jahrhundert ein. Doch die Geschichte des Hofes Nevabacka beginnt bereits im 17. Jahrhundert. Sie erzählt vom Aberglauben der frühen Bewohner, von Angst und Respekt vor den Moorgeistern, von Wiedergängern und Abtrünnigen. Sehr deutlich zeigt es die Veränderung der Lebensweise über die Jahrhunderte hinweg. Wunderschöne Naturbeschreibungen lassen vor dem inneren Auge ein Bild der Gegend hoch oben im Norden entstehen; an der Grenze zwischen Schweden und Finnland.

Die 1977 geborene Autorin hat in ihrem ersten Buch für Erwachsene unterschiedliche Schreibstile verwendet,;mal wird von außen erzählt, ein anderes Mal sind es Briefe, die tief ins Innere einer Person hineinschauen lassen. Auch Tagebucheinträge einer 13-jährigen lockern den Stil auf.

So bekommt man als LeserIn einen guten Eindruck über die Entwicklung der Menschen und der Gegend über die Jahrhunderte hinweg, bis der Hof schließlich in der Jetztzeit dem Verfall nahe ist.


Die früheren Jahrhunderte mit ihrem Aberglauben, den Amuletten und Talismane waren mir noch sehr fremd, doch je weiter ich las, desto mehr fesselte mich diese ruhige Erzählung. Die Bewohner und die Besucher des Hofes wuchsen mir ans Herz und ich hätte gerne noch mehr davon gelesen.


Fazit: Ein besonderes Leseerlebnis!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Leben lohnt sich

Die Mitternachtsbibliothek
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„Nicht, was man betrachtet ist wichtig, sondern was man sieht.“

Jeder Mensch hat die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen und jede einzelne Entscheidung beeinflusst die nächsten Schritte im Leben. ...

„Nicht, was man betrachtet ist wichtig, sondern was man sieht.“

Jeder Mensch hat die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen und jede einzelne Entscheidung beeinflusst die nächsten Schritte im Leben. Das könnte das Fazit dieses Romans sein, in dem Nora ihr Leben beenden will, weil sie keinen Sinn mehr darin sieht.

Der britische Autor Matt Haig (*1975) macht eigene Erfahrungen mit Depressionen und Angststörungen zu zentralen Themen in seinen Büchern. In dem vorliegenden schickt er seine lebensmüde Protagonistin Nora Seed in die Mitternachtsbibliothek, wo sie ganz unterschiedliche Leben erlesen kann. So erfährt sie, dass Träume nur manchmal zum Glück führen, weil überall Stolpersteine im Weg liegen. Während sie diverse Möglichkeiten in ihren möglichen Leben näher betrachtet, bemerkt sie, dass es wenig Sinn macht, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie in bestimmten Momenten anders hätte handeln können. Denn nicht in Erfüllung gegangene Träume sind auch nicht das, was sie glücklicher machen würde.

Dieser Roman, der schon viele Leser beeindruckt hat, hat mich leider nur teilweise erreicht. Vielleicht passt er nicht in meine augenblickliche Lebenssituation. Er lässt sich zwar gut lesen, aber die vielen hier vorgestellten Varianten eines Lebens können auch überfordern. Es dauert lange, ehe sich eine klare Ausrichtung herausschält. Es zeigt sich, dass zu viele Variablen ebenso schädlich sein können, wie der verzweifelte Versuch, nichts im Leben verändern zu wollen.

Während ich Das Buch hin und her gerissen zur Seite lege, kann ich mir vorstellen, dass es Menschen in zerstörerischen depressiven Phasen durchaus zum Nachdenken darüber anregen kann, ob es nicht doch Gründe zum Weiterleben gibt.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Einfühlsam

Solange ein Streichholz brennt
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Wenn ich etwas von Journalisten lese, die sich für Schwächere einsetzen, ist das mein Thema. Deshalb habe ich nicht lange gezögert, mir dieses Hörbuch zuzulegen. Immerhin geht es um eine junge Journalistin, ...

Wenn ich etwas von Journalisten lese, die sich für Schwächere einsetzen, ist das mein Thema. Deshalb habe ich nicht lange gezögert, mir dieses Hörbuch zuzulegen. Immerhin geht es um eine junge Journalistin, die eine Reportage über einen Menschen machen will, der auf der Straße lebt. Hatte sie doch selbst schon Angst, bald zu den mittellosen Obdachlosen zu gehören.

Ganz einfach war es für sie nicht, ein „Opfer“ zu finden. Erst ein unerwarteter Zufall brachte sie mit dem Ziel ihrer Begierde zusammen.

Dieses Hörbuch ist ein wahrer Schatz! Zeigt es doch all die Irrwege auf, die Menschen gehen, um zu überleben. Es nimmt uns mit in eine Welt voller Ängste und Widrigkeiten. Aber es ist auch voll zugewandter Menschenliebe. Bei mir hat es einen wahren Sog entwickelt, was auch an den beiden Sprechern Robert Stadlober und Maria Wördemann liegt, deren Stimmen Emotionen wecken können und uns ganz tief in die Geschichte eintauchen lassen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Klassiker von 1908

Das Tränenhaus. Roman
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„Ein feines Surren und Sirren, ein Flirren und Säuseln schwebte über dem Gräsergewoge“.

An der blumigen und farbenfrohen Schreibweise merkt man von Beginn an, dass das Buch vor langer Zeit geschrieben ...

„Ein feines Surren und Sirren, ein Flirren und Säuseln schwebte über dem Gräsergewoge“.

An der blumigen und farbenfrohen Schreibweise merkt man von Beginn an, dass das Buch vor langer Zeit geschrieben wurde. Was mich anfänglich mit Ausdrücken wie „Schelmerei", „wunderbar hold“ und „beseligte Erinnerung“ begeisterte, erschwerte mir mit zunehmender Seitenzahl die Freude am Lesen. So ausschweifende Ausschmückungen zu lesen sind wir heute nicht mehr gewohnt.

Wobei das Erzählte schon interessant ist: Eine junge Frau aus gutem Haus, der einst die Ehe versprochen wurde, sitzt schwanger und verlassen im „Haus der Tränen“, das sehr einfach und alles andere als heimelig ist. Sie teilt ihr Los mit mehreren, viel jüngeren Leidensgenossinnen, die ihre Kinder hinter verschlossenen Türen zur Welt bringen müssen, um die Moral zu halten. Dazu kommt, dass die Herbergsmutter nicht gerade zimperlich mit den Mädchen umgeht.

„Keine von ihnen ließ sich die Kosten für ihren Aufenthalt bei der Uffenbacher von ihrem Liebhaber bezahlen – durch Erniedrigung der bittersten Art, durch Schluchzen und Jammern vor Basen und Onkels hatten sie es alle erreicht, die jungen Männer von dieser Steuer zu befreien, um nur ja nicht darüber ihrer Neigung verlustig zu gehen.“

Einzig Cornelie versuchte sich die Ausgaben durch das Schreiben von Artikeln, also durch eigene Arbeit zu verdienen. Sie erreichte dadurch Anerkennung und konnte es sich so auch erlauben, sich nicht jede Boshaftigkeit ihrer Wirtin gefallen zu lassen. Es gelang ihr sogar, auch für ihre Leidensgenossinnen eine Milderung der Umstände zu erreichen.


Dieses Buch gewährt einen tiefen Einblick in den Beginn des vorigen Jahrhunderts, als die besser gebildeten Frauen kräftig für ihre Emanzipation kämpften, die Mädchen auf dem Land aber noch völlig dem Einfluss von Eltern und Mann ausgesetzt waren. Im Tränenhaus kämpften sie füreinander und versuchten alles, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Während ich nach der anfänglichen Begeisterung im Mittelteil meine Schwierigkeiten mit dem blumigen Text hatte, hat mich das Ende des Romans mitgerissen. Das sind wahrscheinlich gerade die Stellen, die beim Erscheinen des Buches den Skandal auslösten. Hier wird sehr ausführlich das Leid der Frauen bei der Geburt beschrieben, von dem Männer häufig nichts wissen wollten.


Gabriele Reuter wurde 1859 in Ägypten geboren. Die Schriftstellerei war der Tochter eines Import- und Exporthandels von der Urgroßmutter in die Wiege gelegt worden. Ihre Kindheit verbrachte sie zwischen Alexandria und Dessau. Nach dem Tod des Vaters begann sie schon 16jährig mit Texten für die Magdeburger Zeitung das Familieneinkommen aufzubessern. Ihren ersten Roman „Aus guter Familie“ veröffentlichte sie mit 19. Er wurde zum ersten Bestseller des S. Fischer Verlags und war damals sogar bekannter als die gleichzeitig erschienene „Effie Briest“ von Theodor Fontane. Wie ich dem Anhang des vorliegenden Buches, das übrigens sehr ansprechend aufgemacht ist, entnehmen konnte, hat sie im Tränenhaus auch Teile ihres eigenen Lebens aufgearbeitet.


Fazit: eine durchaus empfehlenswerte Leseerfahrung.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Gedanken einer alten Frau

Die späten Tage
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Pünktlich zu ihrem 80sten Geburtstag hat der Rowohlt-Verlag Natascha Wodins neuesten Roman herausgebracht. Darin erzählt die Autorin aus ihrem Leben. Hautnah können wir LeserInnen ihre Sorgen und Nöte ...

Pünktlich zu ihrem 80sten Geburtstag hat der Rowohlt-Verlag Natascha Wodins neuesten Roman herausgebracht. Darin erzählt die Autorin aus ihrem Leben. Hautnah können wir LeserInnen ihre Sorgen und Nöte über das Alter und das sich nähernde Lebensende miterleben. Dabei erfahren wir viel über ihre bewegte Vergangenheit, in der sie gereist ist und gelebt hat. Besonders emotional beschreibt sie ihre jetzige Liebe zu einem um einige Jahre älteren Mann, die sie folgendermaßen definiert: Sie ist das Einzige, was zählt, alles andere ist vergeblich. Sie ist mehr als ein schönes Gefühl; sie erfordert Anstrengung und Freiheit.

Nataschas Wodins Erinnerungen sind innig, aber sie leidet immer wieder unter ihrer Lebenssattheit, die für mich erschreckend war.

Da ich selbst schon über 70 bin, sind mir viele ihrer Gedanken vertraut. Gerne ziehe ich aus den Schilderungen ihres Lebens meine Schlüsse und halte mir ständig vor Augen, wie wichtig tägliche Bewegung ist, um nicht in die körperliche Starre und Schwäche zu fallen, unter der sie zunehmend leidet. Gefallen haben mir ihre Erinnerungen an alte Freundschaften mit Schriftstellern. Außerdem erfuhr ich so manches Neues aus der alten Sowjetunion.

Da mir das Werk als Hörbuch aus dem Argon-Verlag vorlag, möchte ich unbedingt noch Martina Gedeck erwähnen. Achteinhalb Stunden dauert ihre gefühlvolle Lesung, die mir die Schriftstellerin Natascha Wodin, die 2017 für ihren Roman „Sie kam aus Mariupol“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, sehr nah gebracht hat.


Fazit: 5 Sterne für diesen in poetischer Sprache verfassten Roman, der wohl am ehesten ältere Personen anspricht. Junge Leute könnten damit überfordert sein.

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