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Veröffentlicht am 26.04.2026

Über Freundschaft und Verluste

Ein Lied für die Vermissten
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Der Libanon war einst die Schweiz des nahen Ostens, mit Skipisten in den Bergen und Jetskis am Strand. Allerdings, so führt der Autor aus, hat die Bevölkerung noch keinen Tag echte Demokratie erlebt. Unter ...

Der Libanon war einst die Schweiz des nahen Ostens, mit Skipisten in den Bergen und Jetskis am Strand. Allerdings, so führt der Autor aus, hat die Bevölkerung noch keinen Tag echte Demokratie erlebt. Unter der schönen Oberfläche brodelt es.

Das spürt man deutlich in diesem Roman, in dem Amin 1994 als Zwölfjähriger nach Beendigung des Bürgerkriegs (1975 bis 1990) in sein Geburtsland zurückkehrt. Nach dem Tod seiner Eltern hatte seine Großmutter mit ihm das Land verlassen. Zuviel war ihr genommen worden und sie wollte das Kind in Sicherheit aufwachsen lassen.

Im Buch begleiten wir Amin durch die Straßen von Beirut, wo er vieles entdeckt, das ihm fremd ist. Diese Fremdheit macht sich auch beim Lesen breit. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich an manchen Stellen überlegte, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Denn über weite Strecken war ich enttäuscht, weil das Buch so ganz anders war, als Pierre Jarawans erster Roman „Am Ende bleiben die Zedern“ (zwar ging es auch darin um den Libanon, war aber sehr viel einfacher zu lesen). Allerdings kamen dann auch immer wieder Abschnitte, die mein Interesse so sehr auf sich zogen, dass sich alles in mir gegen einen Abbruch wehrte. Letztendlich bin ich froh, durchgehalten zu haben.

Obwohl ich den Libanon schon in anderen Büchern kennenlernen durfte, erfuhr ich viele neuen Tatsachen über die Geschichte dieses kleinen Landes im Osten des Mittelmeeres, das mit Syrien eine lange gemeinsame Grenze hat. Zum Beispiel verschwanden hier während des Bürgerkriegs über 17.000 Menschen spurlos. Auch die Zerstörung Beiruts wird auf Amins Erkundungszügen deutlich. Dabei begleitet ihn sein Freund Jafar, der sich ihm nach und nach immer mehr entzieht und eines Tages unauffindbar ist.


Pierre Jarawan (*1985) wurde als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Jordanien geboren. Beide Eltern waren vor dem Bürgerkrieg geflohen und nahmen ihn im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland, wo er bereits 2012 Meister im deutschsprachigen Poetry Slam wurde. Heute lebt er mit seiner Familie in München.


Fazit: Das Buch erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Es eignet sich nicht zum Nebenbeilesen. Aber es lohnt sich, und es bleibt in Erinnerung!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Ferienlager

Schneckenmühle
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Schneckenmühle nennt sich ein Kinderdorf in der Nähe von Liebstadt in der Sächsischen Schweiz, das es auch heute noch gibt.

Jens aus Berlin erlebte als 14jähriger hier 1989 seine Ferien. Seine naiven ...

Schneckenmühle nennt sich ein Kinderdorf in der Nähe von Liebstadt in der Sächsischen Schweiz, das es auch heute noch gibt.

Jens aus Berlin erlebte als 14jähriger hier 1989 seine Ferien. Seine naiven Erzählungen aus diesem geschichtsträchtigen Sommer haben mich mehrmals laut auflachen lassen. Gerade diese Naivität hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht. Aber auch die Schilderungen der Örtlichkeiten, die ich als eine, die hier eine Wahlheimat gefunden hat, alle kenne, haben mich sehr angesprochen und mir noch einmal verdeutlicht, wie gut meine Wahl war. Erstaunlicher Weise hat sich – wenn man dem Buch glauben darf - vieles gar nicht so sehr verändert, wie man nach über 30 Jahren annehmen könnte. Allerdings fahren heute keine russischen Lastwägen mehr durch das Gebiet und Plumpsklos gibt es auch keine mehr.

Besonders gefallen haben mir Abschnitte, in denen der Unterschied zwischen Berlinerisch und Sächsisch deutlich wurden. Das Verschwinden von zwei Betreuern und die Spekulationen, wo sie hingegangen sein könnten, erinnern an die damalige Zeit und die schon absehbaren Veränderungen. Auch Jens ist verunsichert, als er noch vor dem offiziellen Ende von seinen Eltern im Auto abgeholt wird und spürt, dass etwas besonderes bevorsteht.

Fazit: Ein Buch, dessen Lektüre sich lohnt!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Midlifekrise

Die Architektur des Knotens
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Die Autorin lässt uns an Yvonnes Gedanken teilhaben. Die hat alles, was sie sich einst erträumt hat und sollte sie eigentlich glücklich sein. Doch der Alltag in der Ehe zermürbt sie. Jonas und sie sprechen ...

Die Autorin lässt uns an Yvonnes Gedanken teilhaben. Die hat alles, was sie sich einst erträumt hat und sollte sie eigentlich glücklich sein. Doch der Alltag in der Ehe zermürbt sie. Jonas und sie sprechen nicht so miteinander, „dem anderen unter die Schädeldecke gucken zu wollen.“

Yvonne steckt in einer typischen Midlifekrise, wie auf Seite 35 deutlich wird:

„Jetzt ist Zeit etwas, wogegen ich ständig kämpfen muss. Sie läuft mir davon, sie geht einfach vorbei, ohne sich zu verabschieden. Manchmal steh ich im Wohnzimmer und stelle fest, dass mir schon wieder mehrere Jahre abhanden gekommen sind. Einfach weg.“

„ Ich denke kurz über all das Müssen und Sollen nach, das ständig in meinen Gedanken vorkommt, aber ohne wirkliches Ergebnis.“

Yvonnes Gedanken drehen sich im Kreis. Obwohl sie ihre Familie liebt, ist sie unzufrieden. Ihre Innenansichten geben ein gutes Bild ab, lassen Verständnis für ihren immer gleichen, geregelten Alltag aufkommen. Aus dem würde sie gerne ausbrechen, aber ohne jemanden zu verletzen. Doch das gelingt ihr nicht. Sie schläft mit einem anderen Mann und für Jonas bricht eine Welt zusammen… Er wirft sie aus dem gemeinsamen Haus und kümmert sich um die Kinder. Diese ungewohnte Aufgabe bringt ihn an den Rand seiner Existenz.

Mühsam suchen die beiden nach einer erträglichen Lösung für ihre Probleme, ohne ihre Ansprüche an sich selbst und an den Rest der Familie zu übersehen. Dabei wird das Bild des Knotens immer wieder sehr anschaulich. Ebenso wie auf dem Cover, auf dem zwei Menschen so nah zusammenstehen, dass sie wie ein doppelköpfiges Wesen aussehen.


Fazit: Ein Buch, das mich angesprochen hat, da mir so manche Gedanken bekannt vorkamen.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Elefanten in Afrika

Der weiße Knochen
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„Die Essenz des Daseins: die Schinderei, die kurze Erholung, die Schinderei…“

Grausam, das Leben der Tiere in Afrikas Steppe während einer lange anhaltenden Trockenperiode mitzuerleben!

„Am Mittag ...

„Die Essenz des Daseins: die Schinderei, die kurze Erholung, die Schinderei…“

Grausam, das Leben der Tiere in Afrikas Steppe während einer lange anhaltenden Trockenperiode mitzuerleben!

„Am Mittag brennt die Sonne vom Himmel, die aufgepickte Stelle am Bein pocht. Der Körper fühlt sich an wie ein Felsblock, der nicht weiter rollen will, die Kehle ist ein trockener rauer Krater und der Geist versinkt in Erinnerung, schlüpft von einem vergangenen Ereignis zum nächsten, durch Löcher hindurch, die damals Pausen, Geheimnisse, Missverständnisse waren.“

Die kanadische Schriftstellerin Barbara Gowdy hat für ihren Roman Elefanten als Hauptdarsteller gewählt. Sie erzählen aus ihrem Leben in der afrikanischen Steppe, so dass LeserInnen unmittelbar daran teilhaben können.

Um sie auseinander zu halten, bekamen sie sehr fantasievolle Namen. Bei der Protagonistin Matsch wurde gerade der Geburtstunnel gegraben, was bedeutet, dass sie nun ein Kalb erwartet. Und, wie es bei Elefanten üblich sein soll, bekommt sie einen neuen Namen: „Sie-Schmollt“ aus der Familie der „Sie“. Doch sie möchte ihren alten Namen behalten…

Matsch hat also sehr menschliche Eigenschaften, ebenso wie die anderen Familienmitglieder eindeutig zu erkennen sind. Das hat mich beim Lesen sehr erheitert.

Weniger lustig war das Gemetzel, das sie durch Menschen ausgesetzt waren. Die Größe der Steppe wird beim Lesen der Wanderungen erfahrbar.


Insgesamt ist der Roman gut lesbar, allerdings ging mir zwischendurch die ständige Namensnennung etwas auf die Nerven. Andererseits sind einige Stellen im Buch ausgesprochen spannend. Das Buch beginnt mit mit Matschs Geburt und endet mit der Geburt ihres Kalbes, wodurch es passend abgerundet ist. Gut fand ich die Aufstellung der Elefantenfamilien um die es im Buch geht. Auch die Übersichtskarte am Anfang des Buches habe ich des öfteren benutzt.


Fazit: Da Elefanten mich schon immer fasziniert haben, habe ich es sehr gern gelesen. Ich habe einiges neues über sie erfahren und vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Brüder - oder nicht?

Der Junge aus dem Meer
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Eines Tages taucht am Strand ein Findelkind auf. Das ganze irische Fischerdorf kümmert sich abwechselnd darum, bis der Fischer Ambrose sich entschließt, es in seiner Familie aufzunehmen. Sein eigener Sohn ...

Eines Tages taucht am Strand ein Findelkind auf. Das ganze irische Fischerdorf kümmert sich abwechselnd darum, bis der Fischer Ambrose sich entschließt, es in seiner Familie aufzunehmen. Sein eigener Sohn ist etwa zwei Jahre alt und von Anfang an dem Eindringling skeptisch. Während sein Vater überzeugt ist, eine gute Tat vollbracht zu haben, schaukelt sich die Eifersucht auf. Nachdem Ambrose eine Zeitlang finanziell ganz gut dastand, verdient er nun nicht mehr genug für die Familie und Schulden häufen sich auf. Gleichzeitig macht Phyl ihrer Schwester Christine, Ambroses Frau, die Hölle heiß. Sie möchte, dass sie sich mehr um den alt gewordenen Vater kümmert und da das wegen der eigenen Familie mit zwei Kindern nicht möglich ist, fordert Phyl häufig Geld von ihr.

Die beiden „Brüder“ sind nicht nur vom äußeren her sehr unterschiedlich, auch ihre Charaktere sind konträr. Brendon, der schmächtige, adoptierte Sohn ist von der ganzen Dorfgemeinschaft gern gesehen, weil er auf die Menschen zugeht. Er redet zwar wenig, aber hört gerne zu, was alle sehr schätzen. Bei ihm können sie ihre Sorgen und Nöte abladen. Der robuste Declan dagegen ist unbeholfen und störrisch und kommt ganz nach dem Vater. Er versucht ständig, bei seinem Vater die erste Geige zu spielen, was ihm aber nicht so recht gelingen will. So entstehen natürlich viele Spannungen, der der Autor auszubauen weiß.

Das Leben im Dorf, wo jeder jeden kennt, verläuft ruhig und plätschert zwischendurch vor sich hin. Doch gibt es auch durchaus spannende Episoden, die ich sehr gern gelesen habe. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches sieht es so, als würden sich die Brüder nach dem Tod des Vaters endgültig entzweien. Oder vielleicht doch nicht?

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