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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.07.2018

Liebesroman mal anders

Verrücktes Herz
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Ava ist Hausfrau und Mutter. Doch in letzter Zeit kann sie sich kaum aufraffen und es niemandem Recht machen. Als dann ihr Mann ihr offenbart, dass er sich in eine andere verliebt hat, bricht ihre Welt ...

Ava ist Hausfrau und Mutter. Doch in letzter Zeit kann sie sich kaum aufraffen und es niemandem Recht machen. Als dann ihr Mann ihr offenbart, dass er sich in eine andere verliebt hat, bricht ihre Welt zusammen und sie findet sich in einer Nervenheilanstalt wieder. Dort trifft sie auf Jacky, Güni und Wulf, und die drei „Irren“ verändern Avas Leben.

Dieses Buch ist aus dem Leben gegriffen. Ava ist eine ganz normale 43jährige Frau mit zwei erwachsenen Kindern, die es nicht wahrhaben will, dass sie „flügge“ sind. So langsam droht sie in eine Depression zu rutschen. Den letzten Tropfen im vollen Fass liefert dann ihr Mann und Ava findet sich aus dem Leben gerissen in einer Gruppensitzung in der Nervenheilanstalt. Doch sie schafft es schnell nicht nur allen anderen zu helfen, sondern vor allem sich selbst.
Dieses Buch hat eine Moral, die sich jeder Mensch zu Herzen nehmen sollte: Bei der ganzen Liebe für alle anderen, sollte man auch die Selbstliebe nicht vergessen. Oder: Man darf sich selbst nicht vergessen, sollte sich auch mal eine Auszeit gönnen. Gerade als Mutter ist es angebracht, mal Zeit für sich zu haben.

Dieses Buch ist aber nicht perfekt; es gibt einige Kritikpunkte, die mich gestört haben. Zum einen ist da die Sprache. Sie würde nicht so sehr ins Gewicht fallen, wenn Ava sich nicht selber darüber beschweren würde:
„Da ist er schon wieder, der Unterschichtenjargon, den ich so verschmähe.“ (S. 120)
Wenn sie diesen „Unterschichtenjargon“ so verschmäht, warum redet sie manchmal so sehr umgangssprachlich, dass mir die Ohren flattern? An einigen Stellen fand ich ihre Bemerkungen einfach sehr derbe und unpassend. Und dabei lasse ich Wulf außer Acht, der sich als Küken der Gruppe in, was ich vermute, Jugendsprache artikuliert. Manchmal etwas übertrieben, bringt aber Witz in die Geschichte und lockert selbst ernste Themen auf.

Auf der andern Seite finde ich Avas Selbstfindung nachvollziehbar und spannend, mit allen Höhen und Tiefen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und man findet schnell in die Geschichte rein. Alles in allem also ein gelungenes Buch, abgesehen von der Umgangssprache manchmal.

Veröffentlicht am 05.07.2018

Selectionfans kommen voll auf ihre Kosten

Wenn die Sterne Schleier tragen
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Cecilia Feyer ist groß, schlank, blond, und dem Kronprinzen versprochen. Ihr Vater hat dem König von Europa einmal das Leben gerettet, weswegen dieser die Familie Feyer unterstützt. Und verlang, dass Cecilia ...

Cecilia Feyer ist groß, schlank, blond, und dem Kronprinzen versprochen. Ihr Vater hat dem König von Europa einmal das Leben gerettet, weswegen dieser die Familie Feyer unterstützt. Und verlang, dass Cecilia den Kronprinzen Noran heiratet. Sie versteht nicht, wieso sie einen Fremden heiraten soll. Doch sobald sie mit ihrer Familie in der Europäischen Hauptstadt Vienna ankommt und im Palast lebt, lernt sie auch die Königsfamilie besser kennen.

Dies ist ein Buch voller Intrigen, Eifersucht, Liebe und Politik. Ein bisschen hat es mich an Selection erinnert, nur dass die zukünftige Königin schon fest steht. Cecilia kommt mir an einigen Stellen sehr blauäugig vor, sehr naiv. Sie lässt sich leicht von ihren Gedanken ablenken, bzw. schiebt sie diese aus ihrem Kopf und denkt auch später nicht nochmal nach.
Noran und Elias, die beiden Prinzen, können kaum unterschiedlicher sein. Und doch verdrehen sie Cecilia den Kopf und eine Dreiecksgeschichte bahnt sich an. Und ja, es ist so aufreibend, wie es klingt. Doch was mich an der Geschichte wirklich fasziniert ist die Geschichte. Wie ist es zu dieser Welt und den drei mächtigsten Nationen gekommen. Warum versuchen die Amerikaner, Europa anzugreifen? Was haben der König und Cecilias Vater für ein Geheimnis? Und was meint ihr Onkel mit „Entdecke, wer du bist“? Diese vielen Geheimnisse machen dieses Buch so spannend.
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Cecilias Sicht geschrieben. Die Kapitel sind manchmal datiert, sodass der Leser nachvollziehen kann, in welchem Zeitraum das alles spielt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und der Leser kommt schnell in die Geschichte rein. Cecilia berichtet, wie sie in diese Situation gekommen ist und stellt auch ihre Familie etwas vor, was mir sehr gut gefallen hat.

Alles in allem ist es ein wirklich schönes Buch. Die Liebesgeschichte ist etwas (auf Teufel komm raus) dramatisch, aber die Politik und Intrigen drum herum machen die Geschichte wirklich spannend. Ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass Selection-Fans ihren Spaß an dem Buch haben werden.

Veröffentlicht am 28.06.2018

Wenn Nebencharaktere ihre eigene Geschichte bekommen

Verliebt bis in die Fingerspitzen
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„In der oberflächlichen Haltung, die seiner Jugend geschuldet war, hatte er vor seiner Beziehung mit Fliss geglaubt, Intimität wäre etwas rein Körperliches. Nackte Körper, animalische Erkundungen. Erst ...

„In der oberflächlichen Haltung, die seiner Jugend geschuldet war, hatte er vor seiner Beziehung mit Fliss geglaubt, Intimität wäre etwas rein Körperliches. Nackte Körper, animalische Erkundungen. Erst mit Fliss hatte er entdeckt, dass echte Intimität etwas Emotionales war. Es war das Teilen von Gedanken, Vorstellungen und Geheimnissen, die eine Beziehung au eine Weise vertiefte, wie heißer Sex allein es niemals könnte.“ (S.131)

Wer Verliebt bis über beide Herzen gelesen hat, erinnert sich bestimmt noch an Daniels Schwestern, Fliss und Harriet. Die Zwillinge führen ein sehr erfolgreiches Hundegassiführ-Unternehmen in Manhattan. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser auch noch an Seth, der unverhofft in Manhattan aufgetaucht ist und Fliss völlig durcheinander gebracht hat. Für alle, die bisher nur Bahnhof verstehen:

Fliss und Harriet führen seit 10 Jahren Die Bark Rangers mehr als erfolgreich. Doch nun ist Setz in Manhattan aufgetaucht und Fliss will sich ihm und ihrer gemeinsamen Vergangenheit nicht stellen. Deswegen kommt der Anruf ihrer Großmutter sehr recht und Fliss flieht in die Hamptons. Doch schon am ersten Tag begegnet sie dem einzigen Menschen, vor dem sie eigentlich fliehen wollte: Seth. Und aus einem Reflex heraus, gibt sie sich als ihre Zwillingsschwester Harriet aus. Und verstrickt sich so immer mehr in einem Netz voller Lügen.
Setz ist erfolgreicher Tierarzt in den Hamptons und hat kurzerhand einem Freund in Manhattan ausgeholfen. Natürlich wusste er, dass er früher oder später Fliss begegnen würde und ein großer Teil hat es sich auch gewünscht. Zu viele Fragen sind offen geblieben, der Schmerz ist immer noch da. Und die Gefühle. Als sie dann vor ihm steht und sich als Harriet ausgibt, wittert er eine Chance.

Sarah Morgan schreibt einfach schön. Die Menschen sind keine reichen, abgehobenen Charaktere, die nichts mit der Realität zu tun haben. Sie schreibt wie aus dem echten Leben. Und dass nach dem Happy End für Daniel und Molly nun die Geschichte zu Fliss folgt, lässt mich auch hoffen, dass Harriet auch ein Happy Ende haben wird.
Fliss ist ein wirklich komplizierter Charakter. Wenn ich bisher dachte, ein Charakter hätte undurchdringliche Mauern um sich aufgebaut, hat Fliss mich eines besseren gelehrt. Ihre Mauern sind unerschütterlich. Aber der Leser erfährt auch, woher ihre Mauern kommen, was eine gute Ergänzung zu den Anspielungen aus Verliebt bis über beide Herzen ist.
Wie Seth es nun schafft, diese Mauern einzureißen? Denn das er es schafft, steht außer Zweifel. Immerhin habe ich von einem Happy End gesprochen. Doch finde ich ihre Geschichte, gerade weil Fliss so verschlossen ist, besonders berührend und spannend und witzig und traurig und aufregend und emotional. Mauerneinreißend.

Veröffentlicht am 12.06.2018

Drei Freunde und ein Lottogewinn

Dreizehn ist mein Glücksbringer
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„Weißt du, was dein Problem ist, Al?“, sagt r mit einer ungeheuer enttäuschten Miene. „Du denkst automatisch, dass jede Veränderung etwas Schlechtes ist.“ (S.141)

Was würdest du tun, wenn du richtig viel ...

„Weißt du, was dein Problem ist, Al?“, sagt r mit einer ungeheuer enttäuschten Miene. „Du denkst automatisch, dass jede Veränderung etwas Schlechtes ist.“ (S.141)

Was würdest du tun, wenn du richtig viel Geld im Lotto gewinnst? Ich meine damit mehrere Millionen. Ich würde ein Haus am See kaufen, das Haus meiner Eltern abbezahlen und vielleicht jedem in meiner Familie ein Auto kaufen. Ich würde shoppen gehen und einen Buchladen kaufen und darin einfach aus Spaß arbeiten.
Teddy hatte es nicht leicht, nachdem sein Vater die gesamten Ersparnisse verspielt und seine Familie verlassen hatte. Und dann bekommt Teddy von seiner besten Freundin Alice einen Lottoschein zum Geburtstag geschenkt, der alles verändert.
Auch Alice hatte es nicht leicht. Innerhalb von 13 Monaten sind ihre Eltern gestorben und sie wohnt jetzt seit 9 Jahren bei ihre Tante, ihrem Onkel und ihrem Cousin und anderen besten Freund Leo. Um das Andenken an ihre Eltern zu wahren, arbeite sie viel ehrenamtlich. Mit Sorge beobachtet sie, was das Geld mit Teddy anstellt und gibt die Hoffnung schon fast auf, dass er sich nicht doch noch fängt.

Dieses Buch zeigt die Entwicklung von Alice und Teddy, die weniger Glück im Leben hatten, und Leo, der der Meinung ist auch ihm müsste etwas schlimmes passieren, da seine beiden besten Freunde bereits so leiden. Jeder der drei hat sein Päckchen zu tragen.
Alice ist ein bemerkenswerter Charakter. Sie trägt das Andenken ihrer Eltern mit sich herum wie einen schweren Rucksack. Man hat das Gefühl, sie strebt einem Ideal nach, dass sie nicht erreichen kann.
Teddy dagegen sprüht vor Leben und Übermut, was durch den Lottogewinn Überhand nimmt. Doch auch er lernt, dass nicht alle Menschen nur Gutes wollen, wenn es um Geld geht.
Leo dagegen bildet die solide Mitte zwischen den beiden. Er scheint ein Ruhepol zu sein, die Ausgeglichenheit in Person.
Zusammen ergeben sie eine schöne Mischung, die dieses Buch sehr abwechslungsreich macht. Man lernt nicht nur, dass jeder anders mit Geld umgeht, sondern denkt auch darüber nach, ob man eher wie Alice, wie Teddy oder wie Leo damit umgehen würde. Ich denke, wir haben mehr Teddys auf dieser Welt.

Veröffentlicht am 11.06.2018

Sehr sympathische Protagonisten

Eigentlich nur dich
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„Es fühlt sich so an, als wäre ich im Krieg gewesen und er hätte mich im Schützengraben alein gelassen.“
„Du warst nicht im Krieg“, widersprach Aneta.
„Krieg ist etwas ganz Stilles in unserem Innern. ...

„Es fühlt sich so an, als wäre ich im Krieg gewesen und er hätte mich im Schützengraben alein gelassen.“
„Du warst nicht im Krieg“, widersprach Aneta.
„Krieg ist etwas ganz Stilles in unserem Innern. Er bricht jeden Tag aus. Und immer wieder aufs Neue“, erklärte Mona. (S.106)

Mona und Milan. Eine Liebesgeschichte mit mehr Hürden als alles andere. Als Mona gerade aus dem Bett von Nico fliehen möchte, stößt sie sich unverhofft den Zeh und auf Milan, Nicos Bruder. Auch wenn sie sich gut verstehen, flieht sie nach Hause. Doch das soll nicht die letzte Begegnung der beiden sein und schnell merken sie: da ist mehr. Doch dann holt das Schicksal beide ein. Mona erleidet einen Unfall, und Milan datet eine andere. Werden sie doch noch zusammen finden? Natürlich! Aber der Weg ist nicht leicht.

Das erste, was mir aufgefallen ist, sind die Kapitelüberschriften: alles Songtitel. Das fand ich sehr ansprechend, vor allem da am Ende die gesamte Playlist nochmal aufgelistet ist und ich die meisten Lieder kenne und viele auch mag. Die Bedeutung der Titel für die Geschichte erschließt sich sehr gut, würde an dieser Stelle aber nur unnötig spoilern.
Mona und Milan sind sehr sympathische Charaktere. Meistens nicht so, wie man sie erwartet. Doch oft sind sie auch genau wie befürchtet. An einer Stelle dachte ich bei mir „Bitte lass es nicht so ein Roman sein“, doch leider wurde meine Befürchtung wahr. Obwohl die Protagonisten also sehr sympathisch sind, und der Beginn ihrer Geschichte schön und tragisch, wird es danach sehr dramatisch, was mir nicht so gefallen hat. Ein bisschen erinnert es mich an „Für immer vielleicht“ (Love, Rosie): immer ist einer zur richtigen Zeit am falschen Ort, nicht körperlich, sondern im Leben. Das hat mich schon etwas genervt. Aber ansonsten ist es ein schöner Liebesroman, der sich nur so weg lesen lässt.