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Veröffentlicht am 20.07.2026

Da wird man beim Lesen paranoid

Der Tower
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Da wird man beim Lesen paranoid
Nora steht vor dem Nichts: Freund weg, Wohnung futsch, Job perdu. Und nichts, aber auch gar nichts am Horizont sichtbar, das nach einer Lösung aussieht. Da erhält sie die ...

Da wird man beim Lesen paranoid
Nora steht vor dem Nichts: Freund weg, Wohnung futsch, Job perdu. Und nichts, aber auch gar nichts am Horizont sichtbar, das nach einer Lösung aussieht. Da erhält sie die Nachricht, dass sie gewonnen hat. Den Jackpot quasi. Das mietfreie Wohnen in einer voll eingerichteten Wohnung im Pramtower, einem Prestigeobjekt direkt am Alex, wo das Wohnen schlicht unbezahlbar ist. Sie erinnert nur mehr schwach, dass sie darüber vor über einem halben Jahr gelesen und sich spontan an einer Verlosung teilgenommen hatte, die eben diesen Preis ausgeschrieben hatte. Voller Vorfreude zieht sie kurz entschlossen ein, muss aber alsbald feststellen, dass da Einiges nicht zu stimmen scheint. Die KI, die alles im Haus zu steuern scheint, wird scheinbar zunehmend aufmüpfig und bald scheint Nora nicht mehr selbst entscheiden zu können, wie sie ihr Leben zu leben hat. Als sie beim ersten Mietertreffen einen heiß begehrten Job in einer neuen Galerie angeboten bekommt, schiebt sie ihr Unbehagen in den Hintergrund. Ein Fehler. Als sie vom mysteriösen Selbstmord ihrer Vormieterin erfährt, versucht sie, der Sache auf den Grund zu gehen. Der nächste Fehler. Nora wird immer paranoider, weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Sieht sich einer ausweglosen Situation gegenüber. So geht es dem Leser auch. Sehr eindringlich geschrieben. Sehr viele falsche Fährten legend, sehr viel Beklemmung erzeugend. Gelungen.

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Veröffentlicht am 13.07.2026

Nichts für schwache Gemüter

Rätsel
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Eine äußerst merkwürdige Geschichte, teilweise in ihrer Brutalität auch widerlich. Es fängt mit einer Serientäterin an. Sie selbst stellt sich quasi vor. Die Tochter einer schwerreichen Familie in Österreich, ...

Eine äußerst merkwürdige Geschichte, teilweise in ihrer Brutalität auch widerlich. Es fängt mit einer Serientäterin an. Sie selbst stellt sich quasi vor. Die Tochter einer schwerreichen Familie in Österreich, die nach Lust und Laune junge Männer erst in ihr Bett lockt und danach meuchelt. Für die spurlose Entsorgung hat sie eine perfekte Lösung gefunden. Aber dann dreht sich alles von links auf verkehrt. Auf dem Weg zum Treffen mit ihrer Nichte wird sie überwältigt. Von da an beginnt ein einziger Albtraum. Für sie, für die Leser. Und man weiß nicht, was man glauben soll. Denn man ist von Psychopathen, die ein widerwärtiges Spiel spielen, umzingelt. Gleichzeitig wird die Geschichte einer niederländischen Reporterin erzählt, die eben jener Millionenerbin näher kommen will. Sie schreibt an einem Artikel über in der Nazizeit geraubte Kunst, von der man auch Exponate bei der österreichischen Familie vermutet. Dabei hat sie ein sehr persönliches Interesse, denn auch Bilder ihres Großvaters gehören zu dieser Raubkunst. Just an dem Tag, an dem sie einen Termin mit der Tochter hat, verschwindet diese spurlos. Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Die Tochter wieder aufgetaucht, in fürchterlichem Zustand, bar jeder Erinnerung. Aus Sicht der Protagonisten wechselnd erzählt, wird scheinbar aufgerollt, was in den fünf Jahren geschah, aber auch davor schon. Beim Lesen wird man ganz wuschig, denn alles dreht sich um maximale Täuschung, Irreführung, Manipulation, Verzerrung. Man traut seinen eigenen Sinnen nicht. Alle scheinen jeden hinters Licht zu führen und auch die harmlosesten Charaktere haben mindestens einen dunklen Kern. Aber dieses Verwirrspiel ist von dem Autor wohl auch so gewollt. Daher auch der, allerdings für diese heftige Story zu harmlose, Titel. Es ist nur eine Geschichte, schreibt der Autor am Schluss. Aber für die teils sehr pervertierten Abschnitte muss man erst einmal die Phantasie haben, um sie so zu Papier zu bringen. Nichts für zart besaitete Gemüter.

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Veröffentlicht am 04.07.2026

Mischung aus Krimi und Tragödie

So kalt die Nacht
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Es geht um schreckliches Leid, Überfordertsein, menschliches Versagen, abgrundtiefen Hass. Das Alles wird in Retrospektiven, die auf Ereignissen, die fast 40 Jahre zurückliegen, zurückblicken und auf Geschehnisse, ...

Es geht um schreckliches Leid, Überfordertsein, menschliches Versagen, abgrundtiefen Hass. Das Alles wird in Retrospektiven, die auf Ereignissen, die fast 40 Jahre zurückliegen, zurückblicken und auf Geschehnisse, wenige Monate zuvor, akribisch aufgerollt und damit gleich mehrere Tragödien enthüllt. Das wissen Kriminalhauptkommissarin Anna und ihr neuer Kollege Frieder aber noch nicht, als sie mit dem Fund von Leichen konfrontiert werden, die man offenbar qualvoll verdursten ließ. Fieberhaft versucht man, Verbindungen zwischen den Toten herzustellen, um eine mögliche Motivlage und damit auch Verdächtige identifizieren zu können. Dabei tun sie sich schwer. Anna verheimlicht immer häufiger auftretende Panikattacken. Frieder wurde von den Düsseldorfer Kollegen nur all zu gerne an Annas Team abgegeben, weil er anders ist. Er schaut keinem direkt in die Augen, hat mehrere Kontrollzwänge hinsichtlich Reinheit, Hygiene und Ordnung, tut sich schwer im zwischenmenschlichen Interagieren. Leander Lost lässt grüßen. Die Geschichte ist flüssig, temporeich und spannend erzählt, liefert auch einiges an Charakterstudien, ist eine gelungene Mischung aus Krimi und Tragödie und bietet noch eine überraschende Wendung zum Schluss. Man freut sich auf eine weitere Folge.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Schwermütig

Deine Zeit wird kommen
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Um es vorweg zu nehmen: Definitiv nichts für diejenigen, die gerade jemanden verloren haben. Schwermütigkeit, Trauer, die nicht loslassen kann, diffuse Schuldgefühle, Lebensunfähigkeit durchziehen dieses ...

Um es vorweg zu nehmen: Definitiv nichts für diejenigen, die gerade jemanden verloren haben. Schwermütigkeit, Trauer, die nicht loslassen kann, diffuse Schuldgefühle, Lebensunfähigkeit durchziehen dieses Buch. Gefühlssituationen, die die diesem Buch zugrundeliegende Geschichte in den Hintergrund treten lassen. Und die am Ende auch nicht schlüssig beendet wurde. Der durch den Tod seiner Frau schwer angeschlagene Kommissar Björling wird mit der Leiche einer Frau konfrontiert, die offenbar über lange Zeit gefangen gehalten, völlig ausgehungert und dann erdrosselt wurde. Da man im Fall auch nach Wochen nicht weiter gekommen ist, wird Verstärkung aus Stockholm hinzugezogen. Die wiederum traumatische Erlebnisse mit dem Ort des Geschehens verbindet. Hinfort spielen diese traumatischen Erlebnisse der beiden Ermittler die Hauptrolle in diesen Geschehnissen. Insbesondere, als auch noch das Verschwinden der Tochter Björlings ins Kalkül kommt. Wochenlange Ermittlungen führen zu nichts. Björling nach einem Zusammenbruch vom Fall abgezogen, Kollegin Johanna nach einem unautorisierten Zutritt zu einer Wohnung suspendiert. Ein halbes Jahr später tut sich eine neue Spur auf. Die Auflösung aber mangelhaft. An keiner Stelle wird auch nur andeutungsweise erklärt, was die Täterschaft zu den Handlungen motiviert hat. Trauer ist gestreift, sagt der Kommissar. Was, wenn er die Leserschaft im dunklen Teil zurück gelassen hat? Die Lektüre ist atmosphärisch dicht gewebt, erhält ein wenig Spannung durch die eingestreuten Blickwinkel der Opfer. Macht aber definitiv schwermütig.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Humorvoll

Mord mit Schwips
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Romy, früher Investigativjournalistin in München, nun Keramikkünstlerin im heimischen Bayerischen Wald, erhält einen panischen Anruf von ihrer Großtante, die in einem feudalen Alterswohnsitz lebt. Dort ...

Romy, früher Investigativjournalistin in München, nun Keramikkünstlerin im heimischen Bayerischen Wald, erhält einen panischen Anruf von ihrer Großtante, die in einem feudalen Alterswohnsitz lebt. Dort wurde in der zum Gut gehörenden Destillerie der Brennmeister tot aufgefunden, offenbar im Waldmeisterlikör ertrunken. Eine Kopfwunde lässt vermuten, dass er zunächst bewusstlos geschlagen wurde und dann kopfüber in den Destillationstank mit besagtem Likör fiel. Die Großtante steht nun unter Verdacht, weil sie zuvor mit dem Brennmeister gestritten hatte, wie Zeugen angeben. Romy eilt ihrer Verwandten zu Hilfe, muss aber feststellen, dass auch sie verdächtigt wird, denn ihre Telefonnummer ist im Handy des Toten gespeichert und eine SMS mit einer Einladung an sie. Nicht genug damit, ermittelt ausgerechnet ihr Ex in diesem Fall, offenbar strafversetzt in die bayerische Provinz. Das ruft die Schnüfflerin in ihr wach und so ermittelt sie teils an der Seite ihres Ex, teilweise hinter seinem Rücken für sich hin, nicht ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Flott erzählt, mit Wärme, Humor und Spannung, wie auch der Klappentext suggeriert. Und irgendwie auch eine Hommage an den Bayerischen Wald.

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