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Habbo

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Familiengeheimnis, Leichen, Happy End

Die rubinrote Kammer
2

London 1907. Kein Pflaster für alleinstehende junge Frauen ohne Einkommen und ohne nennenswerte liquide Mittel. Zwei Galane - allerdings nicht ganz so galant. Butler, Zugehfrau, ungeliebter Großvater und ...

London 1907. Kein Pflaster für alleinstehende junge Frauen ohne Einkommen und ohne nennenswerte liquide Mittel. Zwei Galane - allerdings nicht ganz so galant. Butler, Zugehfrau, ungeliebter Großvater und ebenso ungeliebte Großtante. Dazu mehrere Tote sowie ein Familiengeheimnis. Gespart wird in diesem Roman wahrlich nicht. Nicht mit Ermordeten, nicht mit Klischees, nicht mit Drohungen jeder Art. Zum Schluss lösen die Protagonisten sowohl die Mordfälle als auch das Familiengeheimnis und ohne Happy End kommt das Buch auch nicht aus. Die Rubinrote Kammer ist spannend geschrieben und vermittelt auch recht gut, das gesellschaftliche Leben in dieser Zeit. Allerdings wird dadurch manches umso unglaubwürdiger, eben weil es d i e s e Zeit ist. Aber wer gerne eintaucht in Sitten und Gebräuche früherer Zeiten und dabei auch noch einen Kriminalroman vorfindet, ist mit diesem Buch ganz gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Nette Urlaubslektüre

Comisario Benitez und der Mord am Strand
1

Es fängt so schön gemütlich an: es ist Sommer, alle haben frei, alle sitzen zusammen auf einer großen Einweihungsparty – man möchte auch dort sein. Dann wird es aber ungemütlich, um es mal so zu sagen. ...

Es fängt so schön gemütlich an: es ist Sommer, alle haben frei, alle sitzen zusammen auf einer großen Einweihungsparty – man möchte auch dort sein. Dann wird es aber ungemütlich, um es mal so zu sagen. Eine Tote am Strand, dann noch ein Toter, dann ein Dritter. Und immer im Fokus der Gesetzeshüter der Neffe des Comisario. Oder eben doch nicht so, weil Neffe. Die Kollegin wirft dem Comisario Befangenheit vor, weil er nicht glauben will, dass sein Neffe irgendwie mit drinhängen könnte. Wobei man gar nicht weiß wo drinnen. Es könnte sich um Eifersuchtstaten gehandelt haben, um Bestechlichkeit, krumme Geschäfte, Drogendeals ... Die Familie sitzt dem Comisario zunehmend im Nacken, er soll den Neffen da rauspauken.
Eine flüssig geschriebene Geschichte m nicht ohne Spannung, aber .. der zunehmend cholerische Comisario geht einem ganz gehörig auf den Keks und Fehler wie völlig unzusammenhängende Satzabfolgen wie die folgende auch:
„Und es wundert mich nicht, dass er zackig antwortet: »Ja, das bin ich. Bruno Guerrero. Was wollen Sie?“
„Kannten Sie?«, fragt Paula.
Er sieht mich fragend an. »Warum? Ist etwas passiert?«
“„Sie wurde ermordet«, sage ich und werfe Paula einen entschuldigenden Blick zu. Ich kann ja nichts dafür, dass er nicht mit ihr spricht.“
Der Padre von Paolo heißt später selbst mal Paolo und es sind etliche weitere grammatikalische oder Satzzeichenfehler enthalten. Das trübt den Lesegenuss.
Ansonsten eine nette Urlaubslektüre eben weil auch eine sehr kurzweilig Beschreibung der Landschaft enthalten ist, die Lust auf Urlaub dortselbst macht.

Veröffentlicht am 19.06.2019

Rasant

Imago. Dunkler Hass
1

Vom Vater verachtet und verprügelt, von der Mutter ungesund verhätschelt, im falschen Körper gefangen, da wurde mehr als 30 Jahre zuvor etwas ganz Ungutes in die Seele eines jungen Menschen gepflanzt, ...

Vom Vater verachtet und verprügelt, von der Mutter ungesund verhätschelt, im falschen Körper gefangen, da wurde mehr als 30 Jahre zuvor etwas ganz Ungutes in die Seele eines jungen Menschen gepflanzt, das sich Bahn bricht in einer Serie brutaler Verstümmelungen und Morde an jungen Frauen. Die Ermittler schon desillusioniert, da der Täter fehlerfrei zu arbeiten scheint und von daher keine Spuren greifbar sind, müssen sich aber nicht nur mit diesen Taten und der bislang erfolglosen Suche nach dem Serientäter herumschlagen, sondern sind auch noch internen Mobbingansätzen ausgesetzt. Der leitende Ermittler wendet sich hilfesuchend an einen zunächst äußerst unwilligen Fallanalytiker und gemeinsam nähern sie sich dem Täter – Stück für Stück -, der sich allerdings perfide zu wehren weiß. Ein rasant geschriebener Thriller, in dem die Ursprünge, die letztlich zu den Taten führten, ebenso akribisch aufgearbeitet werden, ebenso wie die Schritte und Erkenntnisse, die gewonnen werden, um den Täter ermitteln, aber auch beweissicher festsetzen zu können. Ein guter Spannungsbogen, der den/die Leser/in mitfiebern lässt, was der Täter als nächstes plant, was die Ermittler tun können, um auch nur ein winziges Beweisstückchen finden zu können, wie die Opfer ihr Martyrium erleben. Man leidet mit den Opfern, rätselt mit den Ermittlern, verabscheut mehr und mehr den Täter und man liest in einem Rutsch durch. Spannend und sehr empfehlenswert.
Ein kleiner Wermuttropfen bleibt dennoch: es muss einen Auslöser gegeben haben, der zur aktuellen Mordserie führte. Und das wird leider nicht wirklich aufgeklärt oder erklärt.

Veröffentlicht am 10.04.2019

Wendungsreich

Tote Asche
1

Wahn oder Wahrheit? Geschieht das, was geschieht wirklich oder ist sie auf dem besten Weg zurück in eine Psychose, wie schon einmal Jahre zuvor? Die Urne der Mutter auf dem Küchentisch, der rote Ballon ...

Wahn oder Wahrheit? Geschieht das, was geschieht wirklich oder ist sie auf dem besten Weg zurück in eine Psychose, wie schon einmal Jahre zuvor? Die Urne der Mutter auf dem Küchentisch, der rote Ballon am offenen Grab mit ihrem Grabstein und ihren Todesdaten, immer wieder der rote Ballon - am Auto, vor der Wohnungstür, im Schlafzimmer. Und was soll das mit dem Satz: "Sie ist nicht Deine Mutter und Du verdienst es nicht, zu leben?" Kira muss herausfinden, was das alles bedeutet, kann sich aber niemandem anvertrauen, denn die Menschen in ihrem Umfeld benehmen sich zunehmend merkwürdiger. Ein Buch vollgepackt mit teils dramatischen Handlungen. Ein Mensch voller Selbstzweifel und Schuldgefühlen. Diese vielleicht etwas zu intensiv dargestellt. Ansonsten bleibt das Buch von vorne bis hinten spannend mit vielen Wendungen und dramatischen Schlussszenen. Liest sich zügig weg und bleibt stets lesenswert.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Tieftraurig

Dunkelsommer
0

Das ist eine tieftraurige Geschichte. Da fährt der Vater nächtelang durch die Gegend, "grast" eine ganze Landschaft ab, auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter - jahrelang, denn es sind schon ...

Das ist eine tieftraurige Geschichte. Da fährt der Vater nächtelang durch die Gegend, "grast" eine ganze Landschaft ab, auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter - jahrelang, denn es sind schon drei Jahre vergangen, seit die Tochter spurlos verschwand. Er selbst mehr ein Wrack, die Ehe geschieden, die Exfrau längs wieder liiert und schwanger, aber er lässt nicht locker, denn er will sich nicht vorstellen, dass seine Tochter tot sein könnte. Daneben die Geschichte einer 17-järigen, die mit ihrer Mutter in die Einöde ziehen muss, weil die dort einen Mann gefunden hat, von dem sie glaubt, dass er ihr finanzielle Sicherheit geben kann. Das Mädchen ist mehr auf sich allein gestellt, denn die Mutter ist nicht wirklich "bei sich". Natürlich werden sich diese Menschen treffen, aber erst nachdem ein weiteres Mädchen verschwindet und der Vater ganz plötzlich in einen unguten Fokus der Polizei gerät. Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben, man spürt den Verfall des Vaters, man ahnt, das geht womöglich nicht gut aus, aber man wünscht sich, er findet eine Spur. Und man leidet mit dem Mädchen in ihrer scheinbaren Ausweglosigkeit. es lohnt, das Buch zu lesen, auch wenn man betroffen zurückbleibt.