Zuviel Drumherumgerede killt die Interessante Ausgangssituation
Ein guter Blick fürs BöseEine kalifornische Vorstadt in den späten Sechzigern. Drei Frauen, deren Ehemänner als Serienmörder entlarvt und verurteilt wurden. Das Getuschel der Nachbarn hinter vorgehaltener Hand, die Zweifel an ...
Eine kalifornische Vorstadt in den späten Sechzigern. Drei Frauen, deren Ehemänner als Serienmörder entlarvt und verurteilt wurden. Das Getuschel der Nachbarn hinter vorgehaltener Hand, die Zweifel an deren Ahnungslosigkeit haben, während selbst Beverly, Elsie und Margot sich immer wieder fragen, wie sie die Anzeichen übersehen konnten. Kann man mit diesen Selbstvorwürfen, dieser Schuld, diesem Stigma weiterleben?
Sie können, weil sie müssen, denn das Leben geht weiter. Beverly kümmert sich um ihre beiden Kinder, archiviert aber gleichzeitig Zeitungsausschnitte über gewaltsame Übergriffe auf Frauen, Elsie legt den Fokus (vergeblich) auf ihre berufliche Karriere in einer Nachrichtenredaktion und Margot betäubt ihre Schuldgefühle mit Alkohol und wechselnden Männerbekanntschaften.
Doch dann häufen sich in den Nachrichten Meldungen über junge Frauen die eines gewaltsamen Todes gestorben sind, und ja, es scheint, als würde einmal mehr ein Serienmörder sein Unwesen treiben. Die Polizei tappt im Dunkeln, hat weder Plan noch Verdächtige, ist aber gleichzeitig auch blind für die Hinweise, die Beverly ihrem Polizisten-Lover gibt.
Wäre das nicht eine perfekte Ausgangslage für das Freundinnen-Trio, um den Mörder zu stellen? Wer, wenn nicht sie, können das Böse erkennen, sind prädestiniert dafür, den Täter zu entlarven und sich damit auch von peinigenden Schuldgefühlen zu befreien? Und so entschließen sie sich (auf Initiative von Beverly), den Täter ausfindig zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen.
„Ein guter Blick fürs Böse“ wird zwar vordergründig als Kriminalroman vermarktet, versucht aber über weite Strecken einen feministisch geprägten Blick zurück in die Zeit eines beginnenden gesellschaftlichen Wandels zu werfen, in der die drei Frauen die ihnen zugedachten Rollen - zumindest in Ansätzen - in Frage stellen. Auch und gerade dann, wenn man ihnen Steine in den Weg legt. Und ja, ich scheue mich, das Buch als historischen Roman zu bezeichnen, denn dafür hätte es meiner Meinung eine intensivere Sicht auf die gesamt gesellschaftlichen Veränderungen im Kalifornien der sechziger Jahre bedurft.
Arnott baut die Story langsam auf, zu langsam für meinen Geschmack, kreist immer wieder um die Themen Geschlechterrollen, Freundschaft, aber auch Schuld und Sühne, was leider insbesondere in der ersten Hälfte zu Lasten der Spannung geht. Hier hätte sie straffen können und sollen, was dem Tempo durchaus zuträglich gewesen wäre, insbesondere weil die Anzahl der Verdächtigen sehr übersichtlich ist. Und auch die Konzentration auf die Charakterisierung der drei Frauen war dem Spannungsfaktor nicht wirklich zuträglich, hat sich wiederholt und meine Geduld überstrapaziert, so dass ich mich stellenweise fast schon zum Weiterlesen zwingen musste. Von einem Kriminalroman erwarte ich mir mehr: Mehr Tempo, mehr Action, mehr Spannung. Und vor allem weniger Drumherumgerede.