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Veröffentlicht am 28.01.2026

Die Macht der Feder

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ...

Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ist anders als seine älteren Brüder, die vor nicht allzu langer Zeit bei einer Epidemie gestorben sind. Jacob ist gebildet und hat den Wunsch, Dorfpfarrer zu werden. Der hiesige Priester unterstützt ihn in diesem Wunsch, arrangiert sogar, dass Jacob geprüft wird. Und er besteht und freut sich bereits auf die Ausbildung - so sein Vater endlich zustimmt.

Und dann wird die Familie auf dem Weg, Waren an eines der nahegelegenen Klöster zu liefern, überfallen und Jacob gefangen genommen und gezwungen, Schanzendienst im weit entfernten Böhmen zu leisten. Den Tod seiner Familie vor Augen schwört der Priesteranwärter Rache und liest Zeichen, die seinen Rachedurst zu unterstützen scheinen.

Dies ist der Beginn einer Trilogie, die während der Zeit des 30jährigen Krieges spielt. Da die Handlung am Ende nicht abgeschlossen ist, würde ich davon ausgehen, dass die gleichen Protagonisten auch in den restlichen beiden Bänden die sind, die die Handlung vorantreiben.

Soeder weiß, wie er diese Welt der frühen Neuzeit zum Leben erwecken kann. Als Leser fühlte man sich wie in einem Sog, der eine Zeitreise ermöglicht. Und er bringt mehr als nur den Krieg in seinen Roman ein. Es geht ebenso um die Hexenverfolgung (dazu an späterer Stelle mehr), um Strategien und auch um währe Figuren, die an der Seite der Protagonstien auftreten.

Seht gut geschildert fand ich die Art, wie zu dieser Zeit mit Schusswaffen umgegangen wurde, sowohl Handfeuerwaffen wie auch die großen Kanonen. Es ist kein einfaches: Bumm, du bist tot!, sondern es braucht Präzession und Geschick, und sehr viel Zeit, denn diese Waffen hatten im Übermaß nur einen Schuss und mussten dann nachgeladen werden.

Überhaupt sind Soeders Darstellungen von Schlachten und Kriegen sehr dicht und beinahe klaustrophobisch zu nennen. Man liest nicht nur, man ist mit dabei und riecht das Schwarzpulver und das Blut, spürt das Adrenalin, aber auch die Angst, die Unsicherheit. Man hört den Lärm, wenn eine der großen Kanonen losgehen, und sieht dabei zu, wenn diese gekühlt werden, ehe man den nächsten Schuss anbringen kann. Männer und Pferde schreien und sterben, den Schmerz der eigenen Wunden. Wirklich sehr überzeugend und nahe an der damaligen Realität geschildert!

Die Protagonisten starten als komplexe Charaktere. Jacob, ein wenig naiv und weltfremd, doch sich so sehr bemühend und doch wissend, dass er auf dem Hof doch nur wieder scheitern wird. Anna, die ihrer Mutter über die Schulter sieht und lernt, und doch schon selbst Salben und Tinkturen anfertigen kann und die meisten Heilkräuter selbst im Schlaf hinunterbeten könnte. Ernst, der sich noch immer in seiner ersten Schlacht sieht und doch mittlerweile weiser und älter ist und stolz darauf, was er in all den Jahren geleistet hat.

Und dann ist da noch Heinrich. Von Anfang an sticht er hervor aus den Figuren. Warum? Nun, würde man Heinrich in die heutige Zeit versetzen, er wäre vermutlich bald so bekannt wie Gacy, The Son of Sam oder ähnliche Serienkiller. Heinrich ist ein Psychopath wie er im Buche steht und der einzige Charakter im Buch, der nicht wirklich wachsen will. Während die anderen sich verändern durch Schicksalsschläge und ihren eigenen Entscheidungen, aber auch durch die Umwelt, bleibt er stagnant auf seiner Stufe stehen. Umgeben von seinen eigenen Leuten, die sein Vater ihm aus der heimischen Grafschaft mitgegeben hat, hat Heinrich auch nicht wirklich Grund zu wachsen oder sich zu verändern. Er spielt die Menschen um sich, versucht ständig seinen Vorteil zu erringen. Als Leser ist man zugleich angewidert und fasziniert von diesem Mann.

Der 30jährige Krieg war eigentlich nicht ein Krieg, sondern viele kleinere Kriege, die gerade den deutschsprachigen Raum Europas so sehr verwüsteten, dass große Teile des heutigen Deutschlands an dessen Ende schlicht leer waren. Es war eine unruhige Zeit, und eine gefährliche Zeit gerade für Bauern und Bürger - vor allem für Frauen, die nicht nur mit Maßenvergewaltigungen, sondern auch mit der Anklage der Hexerei zu rechnen hatten. Dies macht Soeder immer wieder deutlich im Verlauf des Romans, und als Leser ist man schockiert, wenn Anna davon berichtet, warum ihr winziges Haus nicht überfüllt ist mit Soldaten. Man kann auch ihren Hass auf den Pfarrer mehr als nur verstehen. Und der, nun, ich denke, er hat den Hexenhammer einmal zuviel gelesen. Heute ist klar, dass dessen Autor, Heinrich Kramer, höchstwahrscheinlich geistesgestört war und schlicht Angst vor Frauen hatte. Damals aber wurde dessen Wort für wahre Münze genommen. Und das kostete vielen tausend, vor allem Frauen, aber auch Männern, das Leben. Was mich während des Lesens etwas verwirrte war allerdings die Tatsache, dass die Protestanten NICHT auf den Hexenwahn aufspringen, meines Wissens war das in der Realität genau anders herum und es waren die Katholiken, die sich immer weiter distanzierten, während die Protestanten gegen sogenannte Hexen wüteten. Aber das mag sich im Verlauf der Bände noch ändern. Wir werden sehen.

Ein Wort noch über die Fechtkunst, die im Roman erwähnt ist und die Jacob von einem Meister beigebracht wird. Wie ich bereits erwähnte in einer früheren Rezension war ich früher einmal Mitglied in einem Fechtverein und kenne mich dementsprechend in der Materie aus: Die, leider sehr wenigen, Lektionen, die Jacob hier erhält, sind sehr gut geschildert und geben das Fechten tatsächlich wieder. In der Danksagung wird erwähnt, dass tatsächlich ein Fechter über die entsprechenden Stellen gesehen hat und ich muss Soeder dafür wirklich loben. Bisher hatte ich noch nie den Fall, dass ein Autor sich tatsächlich die Mühe machte, solche "Kleinigkeiten" spezifisch zu recherchieren, bzw. einen Kenner der Materie darüber sehen zu lassen. Wirklich ein großes Lob, und diese schlichte kleine Tatsache macht den Roman um so viel glaubhafter.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich dem Erscheinen des zweiten Bandes entgegenfiebere. Der Roman ist sehr gut und verdient an anderer Stelle von mir fünf Sterne, und ich gebe diese nicht sehr oft. Wer sich für diese Zeit interessiert oder einfach nur einen guten historischen Roman lesen möchte, der wird hier sehr gut bedient.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Das Schicksal eines Dorfes

Ankica
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Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr ...

Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr interessierten Mutter und ohne Vater wächst sie zu einer jungen Frau heran, die die Missstände im Dorf anprangert und damit erst recht den Unwillen der Bewohner erregt.

Als sie dann zur Vampirin erklärt wird, bleibt Ankica nichts anderes als die Flucht. Flucht in eine Welt, die so viel größer ist als sie bisher gedacht hat. Sie trifft auf ihrer Reise eine junge Frau etwa in ihrem Alter namens Szofia. Diese nimmt sich ihrer an und bringt ihr Benehmen und eine bessere Sprache bei. Und als das Heimweh zu groß wird, beschließt Ankica, ins heimatliche Dorf zurückzukehren ...

Eines möchte ich hier vorneweg stellen: Dieser Roman ist alles andere als leichte Kost. Was darin geschildert wird, ist nichts für schwache Nerven. Dieser Roman ist weit entfernt von den üblichen gehypten Vampirromanen, wie es nur geht.

Ankica hat es nicht leicht in ihrem Leben. Von Kind an lernt sie, dass ihr Vater gestorben sei, doch das scheint nicht der Fall zu sein, sondern eine Scheingeschichte, mit der ihre Mutter das uneheliche Kind und, vor allem, sich selbst schützen wollte. Dass die Mutter kaum Interesse an ihrem Sprössling hat zeigt sich in den ersten Kapiteln immer wieder. Selbst eine heranwachsende Ankica prallt ungebremst mit ihrer Mutter zusammen, die nichts weiter als Schimpfe und manchmal Schläge austeilt.

Was mich beeindruckte ist Ankicas Wille zum Leben. Stur geht sie ihren Weg, und merkt gar nicht, wie sehr sie ihr Umfeld mit ihrem Verhalten verändert. Ankica hinterfragt früh die Geschlechterrollen in ihrem Dorf: Warum dürfen die Jungen ihren Spaß haben und Mädchen nicht? Warum soll es einer Frau verboten sein, ihre Meinung zu äußern, sowohl in der Öffentlichkeit und erst recht zu Hause in ihren eigenen Vier Wänden?

Ankica, von einem inneren Feuer getrieben, trifft auf den als Vampir verschrienen Almos und schläft mit ihm. Was sie damit für sich selbst auslöst, ist ihr nicht bewusst, nur dass er das Feuer erst wirklich zum glühen gebracht hat.

Eine Zeitlang glaubte ich während der Lektüre, dass Ankica schlicht unter einem übersteigerten Sexualtrieb leidet, denn zumindest in der ersten Hälfte des Buches ist kaum ein Mann vor ihr sicher. Doch dann kommt nach und nach ihre schlimmes Geheimnis zum Vorschein, das mich persönlich sehr getroffen hat. Als Siebenjährige verging sich ein Mann an ihr - und das über zwei Jahre lang jeden Freitag bis Ankica schließlich Asyl in der Kirche suchte und der Pfarrer von der ganzen Sache erfuhr.

Missbrauch von Kindern ist immer noch ein brandaktuelles Thema, in dem regelmäßig neue Skandale an die Öffentlichkeit dringen. Was es für Auswirkungen auf das betroffene Kind hat, da bleibt meist nicht viel mehr als das übliche "es begab sich in Therapie". Nun, ich gehe offen mit meiner psychischen Erkrankung um und habe mehrmals solche Opfer getroffen bei meinen diversen Aufenthalten im Krankenhaus. Oftmals ist es nicht mit einem halben oder einem Jahr Therapie getan. Viele Opfer sind für den Rest ihres Leben psychisch geschädigt, einige schlopfen gar in die Täterrolle, wenn sie erwachsen sind. Ankicas Erlebnis, und das über Jahre hinweg, hat sie tiefer verletzt als sie den ganzen Roman über zugeben will.

Aber was hat es mit diesen "Vampiren" auf sich? Es sind keine Vampire, wie wir sie aus der Literatur, Film und Fernsehen kennen. Ankica stellt uns die Gruppe grob vor, als sie selbst Kontakt sucht. Es sind Menschen, die verstoßen wurden, Menschen, die aneckten und nun im nahen Wald leben. Das Beißen gilt bei ihnen als eine Art innitationsritual. Keiner von ihnen ist auf Blut angewiesen, eine der Vampirinnen hat sogar ein Kind, das sie selbst ausgettragen hat. Also keine jahrhundertealten Schimmer-Vampire, wie sie heute so typisch sind. Menschen, die entweder selbst die Dorfgemeinschaft verlassen haben oder dazu gezwungen wurden.

Doch der Aberglaube lebt weiter. Ankica muss fliehen, weil sie als Vampir verschrien wird. Sie zieht aus und schafft es bis in die nächste größere Stadt. Dort findet sie Anstellung als Wäscherin, aber es hält sie nicht lange an ihrem Arbeitsplatz. Mit Miau zusammen kehrt sie einfach von einem Sonntagsausflug nicht zurück. Miau wird von ihr ebenfalls zur "Vampirin" gemacht, doch sie ist anders. Miau mag keine Männer, sie liebt Frauen und verführt auf dem weiteren Weg der beiden jedes Mädchen, das sie finden kann. Ein Grund mehr für Ankica, sie an einer STelle zu verlassen, nachdem sie in Kontakt mit Szofia gekommen ist.

Szofia ist Ankicas Seelenverwandte, ein Freigeist, die Gedichte schreibt und in verlassenen Häusern lebt. Sie ist die erste, die an Ankicas Geheimnis rührt, was beinahe zum Bruch der Freundschaft führt. Ankica will die Sache einfach vergessen. Dann trennen sich die beiden Frauen und sie beschließt ins heimatliche Dorf zurückzukehren.

Dort allerdings warten noch immer die Anschuldigungen auf sie, und die "Vampire" im Wald wenden sich ebenfalls gegen sie, nehmen sie gefangen und sperren sie in einen Sarg. Ankica versuchte nach ihrer Rückkehr, sich anzupassen. Sie heiratete sogar einen Mann, den junge Bela, und ist schwanger von ihm. Die Gruppe im Wald droht ihr, ihr das Kind nach der Geburt wegzunehmen und ins Dorf zu bringen, wo es von Fremden aufgezogen werden soll.

Während dieser Gefangenschaft wird Ankica von zwei Priestern gefunden. Doch anstatt sie zu retten, versuchen sie den Vampir aus ihr auszutreiben. Als sie schließlich beichtet, dass sie schwanger und damit kein Vampir sein kann, geht der Jüngere der beiden sogar soweit, eine Abtreibung an ihr durchführen zu lassen.

Ich könnte an dieser Stelle weiter erzählen und den gesamten Inhalt des Romans wiedergeben, doch ich denke, ich bin nun weit genug gegangen, um meinen Eingangsabsatz zu erklären. Dieser Roman ist wirklich nicht leicht zu lesen. Zum einen das Thema, dann das, was mit Ankica passiert (und die Abtreibung ist NICHT das schlimmste, was ihr widerfährt von Seiten der Kirche), zum anderen aber auch der Stil und die Tatsache, dass dieses Buch in der Gegenwart geschrieben wurde, womit ich immer große Probleme habe. Der Stil ist ein wenig altertümlich, eben wie im 19. Jahrhundert geschrieben wurde. An für sich eine gute Wahl, denn auf diese Weise verschärft sich der Horror, den man liest, noch. Auf der anderen aber ebenfalls nicht der leichteste Stil zu lesen, gerade zu Beginn, als Ankica noch mächtig Gossensprache gebraucht.

Stellenweise war ich wirklich geschockt darüber, was Ankica passiert, und das ist schwer bei jemanden wie mir. Dieses Buch hat mich nachdenklich gemacht über einiges, vor allem aber darüber, wie dankbar wir Frauen von heute solchen Frauen wie Ankica dankbar sein sollten für das Martyrium, durch das sie gingen, damit wir heute so frei leben können, wie wir es tun. Ich zumindest möchte nicht im 19. Jahrhunder-Ungarn in irgendeinem Dorf landen, mich würde man vermutlich entweder hängen oder verbrennen (beides kommt im Roman vor).

Was mich vermutlich am meisten erschüttert hat war das Schweigen der Kirche darüber, was einer der ihren angerichtet hat. Einzig der Dorfpfarrer fühlte sich zumindest schuldig, doch er wusste es auch nicht besser und kannte die Hintergründe nicht. Einem solchen Menschen wie Melvin gehören nicht in die Öffentlichkeit, sondern in eine geschlossene Anstalt. Sein Hass auf Ankica war einfach unvorstellbar für mich - und ich hege seit 35 Jahren Rachegedanken einigen Personen meines früheren Umfeldes.

Dies ist ein eindringlicher Roman, der uns allen etwas zu erzählen hat. Dabei trägt er keine seidene Maske, sondern reisst sie uns herunter. Die ungeschönte Wahrheit schlägt dem Leser ins Gesicht. Ankica kann nur eines: weitermachen. Und zumindest teilweise verstehe ich, wie schwer das ist und auch, warum sie am Ende beschließt, dass es dieses letzte Mal zuviel war. Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Die Feinde rüsten auf

Die Chroniken von Wetherid II
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Vrenli und seine Freund sind ausgezogen, denn einmal mehr droht Wethered eine Gefahr: der Dämon Xaroth wurde beschworen und droht, Chaos auf den Kontinent zu streuen. Die Gefährten müssen die sieben Artefakte ...

Vrenli und seine Freund sind ausgezogen, denn einmal mehr droht Wethered eine Gefahr: der Dämon Xaroth wurde beschworen und droht, Chaos auf den Kontinent zu streuen. Die Gefährten müssen die sieben Artefakte finden, die als einziges Mittel gelten, um Xaroth wieder zurück in die Höllen zu verbannen ...

Wir sind also noch einmal nach Wetherid zurückgekehrt. Ich bin mir allerdings an dieser Stelle nicht ganz sicher, ob es sich bei diesem Band um einen Teil 2 oder einen Teil 2.2 handelt. Die Handlung setzt später in der Geschichte ein, doch dem Autoren sei Dank, er hat eine Zusammenfassung geschrieben, sodass der geneigte Leser gut informiert in dieses Buch einsteigen kann. Es gibt auch einen weiteren Band unter dem gleichen Titel, es könnte sich demnach tatsächlich um einen Teil 2.2 handeln, sicher bin ich mir dessen aber nicht, denn dieses Buch endet auf einen wirklich sehr bösen Cliffhanger - insofern also sei bereits eine Warnung ausgesprochen.

Was ich nach der Lektüre von Buch 1 letzte Woche anmerkte, kann ich hier und jetzt komplett in den Wind schreiben. So gut wie alle meine Kritikpunkte sind hinfällig. Die Figuren handeln überlegt, die Bösen haben ein Motiv und sind nicht nur böse, weil sie böse sind, die Naivität ist nahezu komplett verschwunden. Und wo sie noch auftaucht, da ist sie Teil des Plots und treibt diesen hervorragend voran.

Wir erleben hier auch den Großteil der Handlung aus der Sicht der "Bösen" und können tiefer in sie und ihre Motivation eindringen. Es erschließt sich mir immer noch nicht, warum sie so vehement Wetherid bekriegen wollen, denn sie haben einen eigenen Kontitent ganz für sich, aber in Hinblick auf den Dämon, der offensichtlich in die Herzen und Seelen hineinsehen und sie manipulieren kann,

Dölder hat seine Welt auch um einiges erweitert. Wir erfahren von neuen Inseln, von einem Eiskontinent, denn die Gemeinschaft ist um ein MItglied von dort angewachsen. Ebenso tauchen hier die Eiselfen auf, wir sind damit bei vier verschiedenen Elfenvölkern, die sich alle an ihre Umwelt angepasst haben.

Die Handlung selbst ist übersichtlich in Teile, hier Kapitel genannt, aufgeteilt. Hinter jedem Kapitel verbirgt sich ein neuer Abschnitt, meist mit einem neuen Handlungsort. So erfährt der Leser erster Hand, wie Verrat und doppelter Verrat die Wüstenvölker in einen neuen Krieg treibt (ich nehme jetzt einfach einmal an, dass die Menschen es sich nicht bieten lassen, was da passiert ist), oder wie sich deutliche Risse in dem Bündnis zwischen den Waldläufern und den Druiden bilden. Die Frage bleibt, was weiter im Glorreichen Tal geschehen wird und wie es um die Hauptstadt Astinhod steht nach dem offenen Verrat der Räten Lady Merdiva.

Dölder hat hier wirklich einen Quantensprung zur "Gabe der Elfen" hingelegt. Während dort die meisten Kämpfe seltsam müde und umständlich geschrieben, wirft er sie hier in einigen kurzen Sätzen hervorragend hin. Plötzlich funktioniert die Action, die Spannung, alles. Ich war vollkommen verblüfft darüber, wie es dem Autoren gelungen ist, eine solche schnelle Entwicklung hinzulegen. Es macht wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen, und das von Anfang bis zum Ende.

Alles in allem bleibt ein Buch, das Spaß macht und seinen Vorgänger um Welten überstrahlt. Kurzweilig und spannend, dass man am Ende Nägel kaut, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Ein Buch sie alle zu beherrschen ...

Die Chroniken von Wetherid I - Die Gabe der Elfen
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Vrenli wächst behütet in seinem Dorf auf. Seine größte Sorge ist es, ob er die Kriegerprüfung bestehen wird, die in einigen Tagen stattfinden soll. Doch dann begegnet er dem Halbelfen Gorathdin, der ihn ...

Vrenli wächst behütet in seinem Dorf auf. Seine größte Sorge ist es, ob er die Kriegerprüfung bestehen wird, die in einigen Tagen stattfinden soll. Doch dann begegnet er dem Halbelfen Gorathdin, der ihn auffordert, mit ihm gemeinsam in die Hauptstadt zu reisen.

Und plötzlich ist nichts mehr, wie Vrenli die Welt kennt ...

High Fantasy ist ein Genre, das immer noch sehr amerikalastig ist.Ohne Frage, es gibt einige deutschsprachige Autoren, die sich diesem Genre verschrieben haben. Doch die erfolgreichsten Romane und Zyklen kommen noch immer über den Großen Teich zu uns. Was ehrlich schade ist, denn auch hierzulande gibt es wirklich gute Autoren, nur bekommen die, gerade jetzt in der Romantasy-Schwemme, kaum eine Chance, sich wirklich zu entfalten.

Dölder ist einer unter vielen, die sich dem Weg der Selbstveröffentlichung gesucht haben. Was schade ist, denn diese Werke verdienen ein weiteres Publikum, das sie aber kaum erreichen. Mein erster Roman war ebenfalls in Selfpublishing, ich kenne also die Zahlen, die sich mit nichts messen lassen, wenn ein Verlag hinter der Veröffentlichung steht. Im Eigenverlag gibt es, neben dem immer noch existierendem Stigma, dass das Werk einfach nicht gut genug war für einen Verlag, nicht sehr viele Wege, um sein Buch bekannt zu machen. Darum suchen solche Autoren oft den Weg über die Rezensionen, um ihre Bücher etwas zu pushen.

Nun, die Gabe der Elfen ist kein kleines Buch. Mit über 700 Seiten ist es schon ein Klotz, nicht negativ gemeint an dieser Stelle. Und der Preis, den ich bezahlt habe, war nicht ohne. Um genau zu sein, es war das teuerste Taschenbuch, das ich mir je gekauft habe. Dies ist nicht als Vorwurf gemeint, eher als ein Denkanstoß, denn die Folgebände sind nicht viel billiger. Vielleicht sollte man sich an den Vorlagen der Verlage halten. Immerhin, die 1000+ Bände "Das Rad der Zeit" kosten 22 €, was deutlich günstiger ist.

Aber genug vom Preis, gehen wir ins Buch.

Der Roman, ja ... Um ehrlich zu sein, war ich bis kurz vor dem Ende des Romans bereit, ihn mehr oder weniger zu verreißen. Mit dem vorletzten Kapitel hat Dölder für mich das Ruder noch herum gerissen, wenn auch knapp.

Die Figuren wirken bis knapp vor dem Ende sehr naiv und redselig, auch dort, wo vielleicht Schweigen mehr angebracht wäre. Ich kann diese Entscheidung bei Figuren wie Vrenli und seinem Freund verstehen. Die beiden sind, für ihr Volk, noch jung und kennen nichts anderes als ihre Heimat. Aber ein gestandener Waldläufer wie Gorathdin? Oder der uralte Magier Drobal, der irgendwie die Fäden zieht hinter allem? Die ständigen Wiederholungen dessen, was gerade passiert war, machten die Sache nicht viel besser.

Was mich wirklich nervte war die Tatsache, dass sämtliche Schwierigkeiten, der die Gruppe begegnete, mit einfachsten Mitteln und im ersten Anlauf beiseite geschoben werden konnten. Manchmal durfte Gorathdin ein wenig nachdenken, kam mit der einfachsten der Lösungen aus seinem Denken zurück, und es klappte dann auf wunderbare Weise. Mit der Lektüre begann es mehr nach einem Kinderbuch zu klingen denn dem Roman für einen Erwachsenen.

Die Schwarz-Weiß-Zeichnung, die sich über weite Teile des Romans zieht, machte die Sache nicht besser. Die Bösen sind böse, weil sie böse sind. Sie bleiben blass, Kanonenfutter (im übertragenen Sinn) für die Helden und ihre Verbündeten. Einzige Ausnahme waren diese Tempelritter, oder zumindest der eine Charakter, der sich der Gruppe anschloss. Und selbst da schien es eher wankelmütig denn Überzeugung zu sein, was ihn letztendlich auf seinen Weg setzte. Ich hätte mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, einen Einblick in die "Bösen", um sie besser verstehen zu können. Das Buch oder das Land, das reichte mir einfach nicht für die Gewalt, die da am Ende entfesselt wurde.

Die meisten Action-Szenen waren nicht gut durchdacht und fanden weit, weit entfernt vom Leser statt. Leider, denn einige der Kämpfe hätte ich mir wirklich gern aus der Nähe angesehen. Zudem fand ich es amüsant, dass ich die ersten etwa knapp 100 Seiten vorhersehen konnte. Es war abgewandelt, ja, aber es war immer noch der Anfang vom "Herrn der Ringe". Das eine Mal, wo tatsächlich jemand dieses Buch kopierte, und er nahm nicht einmal im entferntesten den Ruhm dafür.

Dann aber, ja dann kam die große Schlacht um Wetherid. Und schlagartig änderte ich meine Meinung. Gut, die Bösen waren immer noch böse, weil sie eben böse sind, aber damit konnte ich an dieser Stelle leben. Denn die Schlacht an sich war perfekt geschrieben! Ich hatte alles vor Augen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, Dölder hatte vorher nicht alle Verteidigungsanlagen bis ins Detail beschrieben. Ich wäre gern von dem Ölgraben überrascht worden. Aber das ist meine persönliche Meinung. Der Kampf war einer der besten, den ich in langer Zeit gelesen habe! Und das änderte meine Meinung über diesen Roman.

Ja, die Figuren sind flach, ja, die Handlung ist vorhersehbar, ja, die Sprache ist eher für ein Kinderbuch denn ein Erwachsenenwerk - bis zu diesem Punkt. Plötzlich explodiert alles und das wahre Potenzial Dölders kommt hervor. Wenn das von Anfang an geplant war, dann war es ein riskanter Geniestreich. Wenn nicht, Christian Dölder, schreib weiter so wie die letzten 50 Seiten und du hast in mir einen Fan fürs Leben gewonnen.

Alles in allem bleibt ein über die weiteste Strecke sehr einfaches Buch. Doch wenn man sich tatsächlich durchkämpft bis zum Ende, dann erlebt man nicht nur eine Überraschung, sondern ein Meisterwerk auf den letzten 50 Seiten.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Wie man Drachen schafft

Drachendämmerung
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Zurück zum Beginn der Koloniarisierung Perns führt dieses Buch detailreicher durch die Ankunft, die Katastrophen und die Entstehung der Drachen.

Im Original erschien dieser Roman 1988, hat also schon ...

Zurück zum Beginn der Koloniarisierung Perns führt dieses Buch detailreicher durch die Ankunft, die Katastrophen und die Entstehung der Drachen.

Im Original erschien dieser Roman 1988, hat also schon einige Jährchen auf seinem Buckel. Wie die anderen Pern-Romane, die ich bisher gelesen habe, ist der Stil leicht veraltet, wenn es mir auch nicht ganz so schlimm vorkam wie in einigen der anderen Bände. Es war damals eben eine andere Zeit und das Schreiben war dementsprechend anders. Als jemand, der mit den alten Werken aufgewachsen ist, ist es zwar eine Umstellung von neu auf alt, doch es lohnt sich.

In dem Storyband "Die Ankunft" hatte McCaffrey sich bereits mit der Koloniasierung des Planeten beschäftigt, doch in diesem Roman erlebt man das ganze hautnahe mit. Und es ist meist spannend. Ich gebe zu, ein paar Längen, gerade zu Beginn, gibt es, doch nie mehr als maximal ein oder zwei Seiten, dann nimmt die Handlung wieder Fahrt auf.

McCaffrey beschäftigte sich hier mit den ersten acht Jahren, die die Siedler auf Pern verbringen, und wie und was alles passiert, was schließlich zur Aufgabe der ersten Siedlung führte. Die eigentliche Evakuierung wird besser in "Die Ankunft" geschildert, doch darum geht es hier weniger.

Nach den ersten Jahren, die die Siedler, einmal abgesehen von den üblichen Nachbarschaftsstreitereien, ruhig verbringen, erfolgt der erste Fädenfall. Und der fordert horrende Opfer! Es wurde in keinem der vorherigen Bände erwähnt, doch es befanden sich auch Nomadenstämme von der alten Erde unter den ersten Siedlern. Diese wurden, bis auf wenige Ausnahmen, samt und sonders Opfer der ersten Sporenregen. Und den Siedlern ist klar: sie müssen etwas tun!

Mit den noch vorhandenen technischen Mitteln rufen sie zum Widerstand gegen die Sporen auf, während sie gleichzeitig versuchen, mehr über diesen neuen Feind herauszufinden. Doch es wird schnell klar, dass diese technischen Mittel begrenzt sind. Was aber den meisten Bewohnern auffällt ist das Verhalten der Feuerechsen, die aktiv mit ihnen gegen die Fäden ziehen. Daraus entsteht der Plan, die kleinen einheimischen fliegenden Echsen genetisch zu verwandeln. Doch so einfach ist das auch wieder nicht, selbst nachdem die ersten künstlich herangezüchteten Drachen geschlüpft sind. Niemand hat Erfahrung mit diesen großen Tieren, und die Genetikerin, die das Erbgut manipulierte, starb während der Versuche eines natürlichen Todes.

Nachdem die Lösung des Problems doch nicht so leicht um die Ecke lag wie man hoffte, sondern Zeit und Training erfordert, sind die Bewohner erst einmal alles andere als begeistert. Doch die Drachenreiter, allen voran Sean, geben nicht auf, sondern arbeiten weiter mit ihren Tieren.

Was McCaffrey hier gelungen ist ist ein interessanter Roman über den Ursprung der Drachen und dem Chaos, der durch eine aktive Bedrohung ausgelöst wurde. Die Sporen werden besser beschrieben, auch wenn den Pernern nicht wirklich klar ist, woher sie kommen. Was sie wissen ist dass sich dieses Phänomen immer wieder wiederholen wird. Also brauchen sie eine dauerhafte Lösung in Form der Drachen.

Einzelne Schicksale werden vorgestellt und deren Werdegang mitverfolgt. Das ist natürlich für den einen oder anderen etwas anstregend zu lesen, denn statt eines Protags gibt es gleich mehrere, durch deren Augen gesehen wird. Die Charaktere wachsen, bleiben aber innerhalb ihrer Archetypen. Selbst Sean, der zu Wutausbrüchen neigt in der ersten Hälfte des Romans, treibt es später, als er zum Drachenreiter wird, nicht auf die Spitze oder riskiert einen Bruch mit der Regierung. Statt dessen geht er mit den anderen Reitern seinen eigenen Weg, um am Ende, Vorsicht Spoiler!, den Tag zu retten.

Ein kleines Easter Egg gibt es obendrein noch zu entdecken zu "Moreta". Das allerdings regte mich zum Schmunzeln an, als ich es las. So schließen sich gleich mehrere Kreise innerhalb des Zyklusses und dem Leser werden eine Menge mehr Einzelteile für das Gesamtpuzzle geboten.

Alles in allem ist "Drachendämmerung" ein handfester Roman, der sich gut lesen lässt. Ist es der beste der Reihe? Nein, aber er schließt einen großen Kreis und gibt nicht wenige Antworten. Und schon allein dafür lohnt sich die Lektüre.

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