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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2025

War leider nicht meins

Frau im Mond
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Trotz des interessanten Themas hatte ich große Schwierigkeiten in dieses Buch hinein zu kommen und mit meiner Aufmerksamkeit und meinem Interesse dabei zu bleiben. Die Erzählung springt immer wieder zwischen ...

Trotz des interessanten Themas hatte ich große Schwierigkeiten in dieses Buch hinein zu kommen und mit meiner Aufmerksamkeit und meinem Interesse dabei zu bleiben. Die Erzählung springt immer wieder zwischen Personen, Zeiten und eingenommener Erzählperspektive. Immer, wenn ich gerade rein gekommen war, fand der nächste Sprung statt. Gerne auch zu Nebenpersonen oder zunächst komplett zusammenhangslosen geschichtlichen Ereignisse. Das Erzählen hat etwas filmisches, was wohl Absicht ist, denn Lilit, die Erzählerin, ist Filmemacherin. Ab und zu konnte ich den Reiz dieses Erzählstil nachvollziehen und bewundern, die meiste Zeit aber dachte ich hauptsächlich, dass es eben einen Grund gibt, warum Bücher anders geschrieben werden als Filme gedreht. Mir beim Lesen die ganze Zeit vorzustellen, ich würde einen Film schauen und mir die entsprechenden Bilder zu basteln, habe ich als ermüdend empfunden.

Zumal es gut bis zur Mitte des Buches gedauert hat, bis ich so etwas wie eine emotionale Bindung zu Lilit empfand. Doch auch dann blieb der Erzählton eher distanziert verkopft. Insgesamt also kein schönes Lesegefühl, obwohl es immer wieder berührende und bereichernd Szenen gab und mich die Hintergründe der Familiengeschichte interessiert haben. So, wie wir sie zu Beginn vorgestellt bekommen, hat mich die Eigenheit und Persönlichkeit jeder Familien-Figur eingenommen. Leider wird darauf, gerade am Anfang, wenig aufgebaut. Ab und an finden sich Reflexionen zu gesellschaftlichen Positionen, zu Identität, Kultur und Ambitionen. Diese haben mir sehr gut gefallen, aber sie wirkten auf mich nicht als stringente Konsequenz des vorher Erzählten. Auch die Kapitelzählung als Countdown wirkt seltsam deplatziert angesichts der alles andere als straffen, zielorientierten Erzählung.

Mir hat "Frau im Mond" leider nicht gefallen, es war mir zu ausufernd, ermüdend und distanziert.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ein tintenmagisches Abenteuer

Sepia 2: Sepia und die Verschwörung von Flohall
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Ich war sehr schnell wieder in der Welt von "Flohall" eingetaucht. Die Schwierigkeiten, die ich am Anfang von Band eins hatte, hauptsächlich mit den vielen Wortneuschöpfungen, hatte ich dieses Mal gar ...

Ich war sehr schnell wieder in der Welt von "Flohall" eingetaucht. Die Schwierigkeiten, die ich am Anfang von Band eins hatte, hauptsächlich mit den vielen Wortneuschöpfungen, hatte ich dieses Mal gar nicht, im Gegenteil, diesen stilistischen Aspekt habe ich in Band zwei als immersiv und wunderschön empfunden. Auch mit unseren drei Hauptcharakteren konnte ich nahtlos anknüpfen. Ihre Persönlichkeiten werden so schön deutlich, ich habe sie nur noch mehr ins Herz geschlossen.

Von Anfang an zeigen sich die Hinweise darauf, dass etwas unheilvolles in der Stadt passiert und Sepia, Niki und Sanzio beobachten und sind natürlich am Nachforschen. Im ersten Band haben sie Freundschaft geschlossen und sich kennengelernt, im zweiten wird ihr Band untereinander auf die Probe gestellt, alleine schon durch die anstehenden Lehrlingsprüfungen. Aber bevor es von der Spannung ins Finale geht, gibt es genug Zeit für die drei zusammen zu scherzen und uns mehr von dem zauberhafte Flair der Stadt zu zeigen, zusammen mit ihnen lernen wir neue Viertel kennen und besuchen bekannte Orte mit viel Heimeligkeit. Die Dynamik von Sepia, für die manche Orte genauso neu sind wie uns Lesenden, und ihren Freunden, die ihre Fragen beantworten und mit Begeisterung ihre Stadt vorstellen, hat mir wieder gut gefallen.

Wie schon beim ersten Band, hat mich das Ende sehr überzeugt. Nach Band zwei sind noch Probleme und Fragen offen, die richtig Lust auf den dritten Teil machen.

"Die Verschwörung von Flohall" hat alles, was es braucht. Eine fantastische Erzählweise, eine magische Stadt, eine unheimliche Bedrohung, drei mutige Kinder, Freundschaft, Verrat und Geheimnisse - und, eine edle Gestaltung des Buches, so dass man es doppelt gern zur Hand nimmt. Es ist ein wunderschönes Kinderbuch, das mir einiges an Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Ein ehrliches Mutmachbuch

Wanda
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Wanda ist ein Mutmachbuch, ein gesehenwerdenbuch und ein füreinanderdaseinbuch. Wanda ist auch ein Buch mit den treffendsten mehrwortwörtern. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, ich habe langsamer gelesen ...

Wanda ist ein Mutmachbuch, ein gesehenwerdenbuch und ein füreinanderdaseinbuch. Wanda ist auch ein Buch mit den treffendsten mehrwortwörtern. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, ich habe langsamer gelesen als sonst und musste mich deutlich mehr konzentrieren, weil die Sprache so unvorhersehbar war. Ich wusste nie, was als nächstes passiert und trotzdem kam es mir alles so richtig vor. Die Art wie sich Fantasie und Realität vermischen ist schön und macht eindrückliche Szenen noch eindrücklicher. Manchmal hatte ich kurz das Gefühl alles wäre möglich und manchmal tat das weh, weil es eben alles gar nicht mal so einfach ist. Dieser Zwiespalt wird in "Wanda" von großer Ehrlichkeit und Aktzeptanz und einem "und gleichzeitig" getragen. Beides ist okay, zu Hoffen und vor lauter Schwere nicht in die Leichtigkeit eintauchen zu können. Diese Art des Erzählens, zusammen mit den vielen verschiedenen Lebensthemen, die angesprochen werden, bieten viel Identifikationspotential. Wie hier über Gefühle geschrieben wird ist einfach toll, egal, wie alt man ist.

Das Berlin im Buch gefällt mir, die verschiedenen Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen und herausfordern und die sich mit ihrem sie-selber-sein von der Umgebung abgrenzen, haben mich schnell für sich eingenommen. Sie werden vielschichtig und mit Verständnis erzählt, allen voran natürlich die titelgebende Wanda, die sich selbstständig macht, statt darauf zu warten vom Jugendamt von der, mal wieder gescheiterten, Pflegefamilie abgeholt zu werden. Auch eine Bärin ist in dieser Nacht unterwegs und verändert etwas an der Stadt und den Menschen darin.

Mich beeindruckt, wie ein Buch, das so ehrlich die immer mal sehr schmerzhafte Realität anerkennt, es geschafft hat, mir Mut zu machen, genauso ehrlichen, echten Mut, wie das schmerzhafte an der Realität ist.

Wanda ist eine schöne Geschichte, ein Kinderbuch, das ich empfehle mag. Mir hats gut getan.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Ganz nett

Die seltsamste aller Zahlen
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Eigentlich hat mir das Buch schon gefallen, aber es hatte seine Längen. Allein schon, weil es ziemlich viel um Jamie's Lehrerin und ihre privaten und Eheprobleme ging. Dieser Handlungsstrang hat mich nicht ...

Eigentlich hat mir das Buch schon gefallen, aber es hatte seine Längen. Allein schon, weil es ziemlich viel um Jamie's Lehrerin und ihre privaten und Eheprobleme ging. Dieser Handlungsstrang hat mich nicht wirklich interessiert und ich fand ihn lange ziemlich distanziert erzählt, was mir nicht geholfen hat, emotional zu werden.
Jamie lese ich als autistisch, auch wenn dieses Wort im Buch nicht vorkommt. Ich mag seine Perspektive und Geschichte und ich mag, wie die Erwachsenen mit ihm umgehen. An sich passiert auch in Jamies Handlungsstrang nicht viel, aber hier hat mir die fehlende Spannung und beobachtende Erzählweise nichts aus gemacht. Ich hatte einfach Freude daran, Jamies begleiten zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, dass zum Ende hin alles Fahrt aufnimmt und insbesondere der Epilog Jamies Geschichte rund und zufriedenstellend macht.

Es ist eins dieser Bücher bei denen die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet ist, was ich anstrengend fand. Ich sehe bei diesem Buch auch nicht, was das stilistisch an Mehrwert bringen soll, es fühlt sich einfach wie etwas an, was getan wurde um moderner zu wirken.

Vom Erzählton her hat das Buch mich ein wenig an die Fernsehserie "the A-Word" erinnert. (Die Serie hat mir sehr gut gefallen)

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Grenzenlose Vergangenheit

Nowhere Heart Land
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Dissoziativ, verschluckt dich diese Geschichte und spuckt dich wieder aus. Oder du lässt dich nicht verschlucken:
Der Schreibstil dieses Buches ist recht speziell und ziemlich "hit or miss", entweder man ...

Dissoziativ, verschluckt dich diese Geschichte und spuckt dich wieder aus. Oder du lässt dich nicht verschlucken:
Der Schreibstil dieses Buches ist recht speziell und ziemlich "hit or miss", entweder man geht voll darin auf oder findet es anstrengend und kann nix damit anfangen. Die Erzählung besteht im Grunde aus dem inneren Erleben der Hauptperson Rosa, welches wir assoziativ unsortiert und dabei sehr dissoziativ Raum, Zeit und Identitäten verwischend vorgesetzt bekommen. Oder anders gesagt, hier geht viel durcheinander und es gibt immer wieder Brüche, Zeit- und Ortswechsel, die nur subtil klar werden weil die Übergänge fließen erzählt sind. Das ist zuweilen sehr alltagspoetisch, geht aber auch mit Beschreibungen von Alkoholmissbrauch und anderen Krisenausprägungen einher. Immer wieder kommt es zu Einschüben in anderen Sprachen, die für Rosa eine Bedeutung haben. Es wird nicht übersetzt, was für Lesende zumindest bei den Altgriechischen und Lateinischen Satzteilen Schwierigkeiten bereitet könnte. Auf mich wirkt der Stil zwar etwas gestochen, aber durchaus authentisch, ich habe mich beim Lesen ein wenig mit Rosa verloren und finde, dafür hat sie sich am Buchende zu wenig wieder gefunden, so dass ich selber leicht inkohärent aus der Erzählung gehe.

Hilfreich in dieser dissoziativen Verwaschung der Realität fand ich dann Rosas Interaktionen mit Personen die in ihrer Vergangenheit wichtig waren, weil diese sowohl Realitätsanker für mich als Lesenden waren und erst vor diesem Kontrast das ganze Ausmaß der Krise, die Rosa schiebt, deutlich wird. Persönlicher, realer Kontakt im hier und jetzt, geordnet, mit Vergangenheit und Zukunft, dazu ist Rosa lange nicht in der Lage. Stattdessen verwischt Social media noch weiter die Grenzen.

Gefallen hat mir die Umsetzung der Beschreibung dieser dissoziativen Krise von Rosa sehr, insbesondere mit den eingestreuten poetischen Schnipseln, politisch-gesellschaftlichen mini-Essayetts und die immer wieder kurzen Beschreibung die ganz beiläufig aktuelle Themen aufgreifen.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass es ein Meisterwerk der Gefühle ist, denn die tauchen in der verherrlichten Sehnsucht und Nostalgie nur schwerlich mal als solche auf. Dadurch war bei mir eine spannende Mischung aus Mitfühlen und Distanz zu Rosa. Bisweilen fühlte ich mich beim Lesen ertappt und unsicher, was mein Lesen eigentlich in dieser social media Inszenierung, Stalking etc macht. Reproduzieren wir als Leser das Ganze nicht irgendwo?

Rosas Geschichte, ihre Beziehungen und Identitätssuche haben mich berührt. Mir gefällt, dass es auch für Rosa immer wichtiger wird in der Erinnerung neue Möglichkeiten zu sehen, ihr Narrativ "nützenberg" zu erweitern und damit den Anderen mehr Echtheit und Eigenständigkeit zuzugestehen. Auch das Ende, der Beginn von Rosas Weg raus aus der dissoziativen Krise war für mich sehr stimmig. Es war immer wieder beeindruckend, wie diese meandernde Erzählung so treffsicher auf den Punkt kommen konnte.

Ein Entwicklungsroman der mich persönlich gut abgeholt hat und den ich empfehlen, wenn euch der Stil zusagt.

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