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Veröffentlicht am 12.01.2026

ein sehr intensives Leseelebnis

Halbe Leben
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Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.

„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ...

Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.

„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ein Buch geschrieben, was sich mit der Situation von Pflegekräften aus den osteuropäischen Ländern beschäftigt.

Paulína ist so eine Pflegekraft. Sie kommt aus der Slowakei, hat zwei Söhne , die noch relativ jung sind, 12 und 8 Jahre alt und ist von ihrem Mann getrennt. Sie entscheidet sich als ausgebildete Krankenschwester den Schritt zu wagen in einer österreichischen Familie als Pflegekraft zu arbeiten. 14 Tage lebt sie bei der Familie, danach ist sie 14 Tage bei ihren Söhnen,die in ihrer Abwesenheit bei ihrer Schwiegermutter leben.
Die Familie in Österreich, bei der sie eine Schlaganfallpatientin betreut, ist Paulina sehr zugetan. Bisher hat Irene alle Pflegerinnen abgelehnt, nur Paulina hat einen Zugang zu ihr gefunden. Klara, Irenes Tochter und ihr Mann, leben in finanziell sehr guten Verhältnissen, Klara hat sich ganz auf ihre Karriere konzentriert. Ihr Tochter ist von ihrer Mutter betreut worden und so sehen sie sich jetzt mit der Pflege der Mutter in der Verantwortung und da man genug Geld hat, hat man Pfleger engagiert, die diese schwere Arbeit leisten. Paulina macht sich unentbehrlich, nicht nur weil Irene sie akzeptiert, sondern weil Paulina nebenher noch anstandslos den ganzen Haushalt schmeißt. Irenes Familie genießt weiterhin ihr unbeschwertes Lesen, bürdet Paulina immer mehr Arbeit auf und Paulina verpasst den Zeitpunkt Grenzen zu setzen. Sie wird immer wieder mit Extrazahlungen belohnt, doch sie merkt selbst, dass das Leben was sie da führt, weder ihr , noch ihren Söhnen gut tut. Sie verliert immer mehr den Draht zu ihren Kindern, ist in entscheidenden Momenten nicht bei ihnen, was die Beziehung immer mehr belastet.
Als es dann zu einer entscheidenden Situation kommt, die Paulina zeigt, dass sie, obwohl man ihr immer weiß machen will, dass sie ein Familienmitglied ist, sie doch nur die ausländische Arbeitskraft ist, zeigen sich bei Paulina körperliche und psychische Anzeichen der Überforderung, die in einem Unglück münden. Dieses Buch ist ein Buch das tief ins Herz trifft. Wie unbedacht gehen wir mit Menschen hier mit Pflegekräften um, die sich um unsere Liebsten kümmern und dabei Schwerstarbeit leisten.Die Geschichte dieses Buches zeigt, wie wenig die Menschen gewertschätzt werden.
Ich habe teilweise große Wut beim Lesen dieses Buches in mir gespürt. Wie kann man so unsensibel und egoistisch sein, seine eigenen Bedürfnisse ständig über die anderer Menschen zu stellen, nur weil man meint mit Geld alles ausgleichen zu können.
Wie kann man Menschen, die Familie haben die Heimreise verweigern, nur weil man selbst für sich eine Auszeit beansprucht.
Ich glaube, viele Menschen machen sich keine Vorstellungen davon, was es heißt, regelmäßig von der Familie getrennt zu sein, im Ausland arbeiten zu müssen, um sich ein wenig Luxus leisten zu können.
Der Schriftstellerin gelingt es gut diesen Zwiespalt darzustellen und aufzuzeigen, was diese Pflegekräfte leisten psychisch und auch physisch. Dabei schreibt sie so eingängig, dass ich das Buch nicht zu Seite legen konnte und ich lange brauchte, um mit der Thematik abzuschließen und zu einem neuen Buch zu greifen.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zu diesem wichtigen Thema.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

wieder ein starkes Buch das nachhallt

Lebensbande
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Mechtild Borrmann ist eine von mir sehr geschätzte Autorin deren Bücher „Grenzgänger“, „Feldpost“ und „Trümmerkinder“ mich nachhaltig beeindruckt haben.Für mich ist diese Autorin eine laute Stimme zur ...

Mechtild Borrmann ist eine von mir sehr geschätzte Autorin deren Bücher „Grenzgänger“, „Feldpost“ und „Trümmerkinder“ mich nachhaltig beeindruckt haben.Für mich ist diese Autorin eine laute Stimme zur Aufrechterhaltung unserer Geschichte und des Unrechts des Nationalsozialismus, die heute um so wichtiger ist.

In ihrem neuen Buch „ Lebensbande“ erzählt sie die Geschichte einer Freundschaft zwischen drei Frauen Lene,Nora und Lieselotte.
Das Buch spannt einen weiten Bogen von 1931 bis 1993 und handelt von den Erlebnissen dieser Frauen während des Nationalsozialismus, des Krieges, der Nachkriegszeit bis hin zur Zeit der Wende.

Lotte , die in Kühlungsborn lebt,erhält einen Brief aus dem Westen, der sie aufwühlt und gut gehütete Geheimnisse aus der Vergangenheit wieder hochkommen lässt. Der Leser erfährt die Geschichten der drei Freundinnen, die eng miteinander verwoben sind und über Verlust, Schuld, aber auch über starkes persönliches Engagement handeln.
Wir erleben, wie die Frauen sich kennen lernen, ihr Leben meistern, den Krieg durchleben, teilweise verschleppt werden in einen russischen Gulag und doch nie ihren Mut und ihre Hoffnung verlieren.
Wir lesen,wie Menschen ihr Leben riskieren, um den Schwächsten der Gesellschaft zu helfen, um dafür ihr restliches Leben in Angst und Schrecken zu verbringen.

Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt eindringlich, wodurch die Schwere der Themen nachwirken. Die Bilder, die vor den Augen der Leser entstehen erzeugen große emotionale Nähe zu den Protagonisten, die noch dadurch verstärkt wird, dass man weiß, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht.Trotzdem gelingt es der Autorin auch Raum für Hoffnung , Mitgefühl und Zuversicht zu schaffen.

Dieses Buch wird in meinem Gedächtnis bleiben und ich hoffe, dass es viele Leute lesen, gerade in heutigen Zeiten.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

starker dritter Teil

Rostiges Grab
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„Rostiges Grab“ ist der dritte Teil der Reihe um besondere Fälle mit Leonore Askers als ermittelnde Kommissarin. „Stille Falle“ der erste Fall und auch „Eisiges Glas“ sind in den vergangenen Jahren erschienen. ...

„Rostiges Grab“ ist der dritte Teil der Reihe um besondere Fälle mit Leonore Askers als ermittelnde Kommissarin. „Stille Falle“ der erste Fall und auch „Eisiges Glas“ sind in den vergangenen Jahren erschienen. Diese Vorgängerbände sind auf jeden Fall lesenswert, da sie sehr spannend sind, „Rostiges Grab“ kann aber auch unabhängig von diesen Büchern gelesen werden, da es sich um abgeschlossene Fälle handelt. Die privaten Zusammenhänge unter den agierenden Personen sind zwar von Interesse, erklären sich aber im Laufe des Falles und sind nicht ausschlaggebend für das große Ganze.

Auch bei diesem Fall komme ich nicht umhin Parallelen zur Adler Olsen Reihe festzustellen.Auch hier arbeitet das Team an hoffnungslosen Fällen und auch hier sind die Ermittler etwas skurril, haben so ihre Eigenarten und arbeiten in der Etage - 1.

Der Fall als solches ist superspannend, sehr atmosphärisch und mystisch von der Thematik her.

In einer alten Torffabrik wurde vor zehn Jahren die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihr Mörder, ihr Ehemann ,ist nicht gefunden worden.Die Leiche selbst zeigt große Ähnlichkeit auf zu einer vor Jahrzehnten gefundenen Moorleiche dem „ Graumädchen“, der neben anderen Verletzungen auch ein Finger fehlte. Auch Elena, der aufgefundenen Leiche, fehlt ein Finger. Genau dieser Finger taucht in der alten Torffabrik wieder auf, in die zwei Urbexer eindringen, die zuvor Informationen und den Schlüssel zu dem ansonsten verschlossenen Gebäude erhalten. Dort treffen sie auf eine verwirrte Frau, die genau diesen vermissten Finger bei sich hat.
Asker wird dieser Fall zugetragen, der eigentlich in die Abteilung „Cold cases „ gehört. Ihr ehemaliger Liebhaber und Kollege Hellmann hofft dadurch eine anstehende Beförderung Askers zu verhindern, in dem sie bei diesem Fall in eine Falle tappt. Was er anscheinend nicht weiß ist, dass mehr hinter dem Fall steckt als nur der Mord an Elena.

Wieder bin ich atemlos durch das Buch gehetzt, konnte es nicht zu Seite legen, weil der Fall so spannend und komplex war.Das Team um Asker ist in der Recherchearbeit und auch sonst grandios,auch ihr Freund Hill, ein Urbexer, das sind Menschen, die verlassene oder schwer zugängliche Orte erkunden,meist fotografieren und dann ins Netz stellen, spielt wieder eine große Rolle.
Der Fall entwickelt sich im Laufe der Zeit immer spannender und geheimnisvoller und es kommt zu einigen spannenden Verfolgungsjagden.Auch die Komplexität des Falles war klasse.

Die einzelnen Figuren sind einfach gut beschrieben, agieren realistisch, was den Fall dadurch auch sehr authentisch wirken lässt.

Anders de la Motte braucht sich mit seinen Büchern nicht vor denen von Jussi Adler Olsen verstecken. Das Setting ist zwar immer ein anderes als in seinen Büchern, aber die Spannung ist in den Büchern von Anders de la Motte gleichbleibend hoch, sodass man von Anfang an ein absolutes Krimivergnügen genießen kann.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

ein sehr emotionaler Roman

Sonnenaufgang Nr. 5
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" Sonnenaufgang Nr. 5" von Carsten Henn ist ein Buch das das Herz berührt und mirb gut gefallen hat.

Der neunzehnjährige Jonas hat gerade sein Germanistikstudium abgebrochen und ist auf dem Weg an die ...

" Sonnenaufgang Nr. 5" von Carsten Henn ist ein Buch das das Herz berührt und mirb gut gefallen hat.

Der neunzehnjährige Jonas hat gerade sein Germanistikstudium abgebrochen und ist auf dem Weg an die Nordsee zu einem Ort, an dem die exentrische Filmdiva Stella Dor lebt. Als Ghostwriter ist er von ihr beauftragt worden ihre Biografie zu schreiben. Für Jonas hängt viel vom Erfolg dieses Projektes ab.

Stella Dor lebt in einem Strandpavillon, der kurz davor ist abgerissen zu werden. Umgeben von vielen Büchen und ebenso vielen Zetteln auf denen sie ihre Erinnerungen aufgeschrieben hat , trifft Jonas auf diese beeindruckende Frau und macht sich engagiert ans Werk, das Leben der Diva auf Papier zu bringen. Doch stimmen die Erinnerungen mit der Wirklichkeit überein ?

In diesem Buch dreht es sich um Erinnerungen in all ihren Facetten.Nach und nach merkt man, dass sowohl Stella und auch Jonas Schwierigkeiten mit ihren Erinnerungen haben, jeder hat sein Päckchen zu tragen, wie übrigens auch andere Bewohner dieses Ortes, die als Nebenfiguren auftreten.
Jeder hat seine eigenen Erinnerungen und jeder geht anders damit um. Für den einen bedeuten sie Freude und ein warmes Gefühl das sie umgibt, ein Gefühl, das sie immer wieder neu erleben möchten, um die Erinnerung aufrecht zu erhalten und den Menschen nicht zu vergessen. Für den anderen bedeuten sie Trauer oder auch Angst an Gefühlen zu rühren, die einfach weh tun und sie verschleiern ihre Erinnerungen, um besser weiterleben zu können. Wieder andere stellen sich den Erinnerung erst gar nicht oder haben auf Grund von Krankheit ihre Erinnerungen verloren.

Carsten Henn ist ein sehr feinfühliges Buch gelungen das jeden Leser anspricht, denn jeder hat seine Erinnerungen, ob nun positive oder negative und jeder hat seine Art damit umzugehen .
Die einzelnen Figuren in diesem Buch fand ich schön beschrieben, weil sie eine große Paletten abdeckten. Vom Vater, über Freunde,Söhne und Töchter, eine Witwe , die beschriebene Diva bis hin zu einem Hund, es wurde an alle gedacht.

Obwohl mich das Buch teilweise zu Tränen gerührt hat, hat es doch etwas sehr Hoffnungsvolles und so schließt man das Buch mit einem guten Gefühl.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Gesellschaftsroman vom Feinsten

Aufsteiger
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„Der Aufsteiger „ist der zweite Roman, den ich von diesem Autor lese und er hat mir genauso gut gefallen wie „Der Honigmann“.
Dem Autor gelingt es einfach sehr gut Gesellschaftsromane aus einer Kombination ...

„Der Aufsteiger „ist der zweite Roman, den ich von diesem Autor lese und er hat mir genauso gut gefallen wie „Der Honigmann“.
Dem Autor gelingt es einfach sehr gut Gesellschaftsromane aus einer Kombination aus Witz und Ernsthaftigkeit zu schreiben, die einen sowohl gut unterhalten ,als auch zum Nachdenken anregen.Sie halten der Gesellschaft den Spiegel vor und legen deren Ungereimtheiten schonungslos bloß. Man schmunzelt und schüttelt den Kopf und wundert sich eigentlich über nichts mehr.

Felix, Anfang fünfzig, ist stellvertretender Chefredakteur einer der renommiertesten Zeitungen Deutschlands.Nach dem sich der Chefredakteur eine großen Fauxpas geleistet hat und gehen muss, ist sich Felix sicher, seine Nachfolge anzutreten. Doch leider geht die Rechnung nicht auf. Der Inhaber der Zeitung, ein Mann, der seine Milliarden mit dem Vertrieb von Kleidung in der rechten Szene verdient hat, möchte seiner Frau, die er über alles liebt und die ihre Vergangenheit nun durch die Unterstützung der feministischen Szene rein waschen möchte, ihren Wunsch erfüllen und so stellt diese eine junge Frau ein, die schon ihr Volontariat bei der Zeitung gemacht und sich der linken Szene zugehörig fühlt. Für Felix ein Schock, auch deshalb , weil er Zoe sehr gut kennt und eine spezielle Beziehung zu ihr hat. Die Entscheidungen,die er daraufhin trifft, beeinflussen seinen weiteren Lebensweg maßgeblich.

Es hat einfach Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Vieles wird mit einem Augenzwickern erzählt, ohne den Ernst der Situation zu relativieren. Themen wie Klimakleber, LGPTQ,Feminismus,Gendern,Diversität,Transgender, Social Media stehen Mittelpunkt und zeigen oft, wie verrückt und Ideologie getrieben manche Entscheidungen sind, die dann einfach überhaupt keinen Sinn mehr machen.
Aber auch der Wandel in unserer Informationsbeschaffung wird gezeigt. Gut recherchierter Journalismus, der abgelöst wird durch schnelle populistische Sozial Media Beiträge, die auf die Menge an Klicks abzielen und auf faktische Grundlagen verzichten. Die Hauptsache, die Emotionen werden getriggert, die Massen aufgemischt und die Gesellschaft gespalten.
Ein Bild unserer Gesellschaft auf der Höhe unserer Zeit. Und genau dadurch, dass der Autor dies mit Witz und Ironie beschreibt und nicht mit erhobenem Zeigefinger, kommt es beim Leser noch besser an.


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