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Veröffentlicht am 18.04.2026

hat mir wieder gut gefallen

Rauhnächte
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Gefällt magdas_buecherwelt und 141 weitere Personen

Die Raunächte sind eine besondere Zeit im Winter zwischen dem 24/25. Dezember und dem 5/6. Januar, in denen Rückschau gehalten wird und die Zeit ...

Gefällt magdas_buecherwelt und 141 weitere Personen

Die Raunächte sind eine besondere Zeit im Winter zwischen dem 24/25. Dezember und dem 5/6. Januar, in denen Rückschau gehalten wird und die Zeit für Reinigung und Neuanfänge liegen.Jeder Tag dieser Zeit steht symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres.Sie sind begleitet von Bräuchen und Mythen, Rückzug und Stille.

Genau in dieses Setting siedelt Ellen Sandberg ihren neuen Roman „Raunächte“ an, den ich sehr gern gelesen habe.

Pia , die Protagonistin dieses Romans, erfährt an Heiligabend per Zufall, dass sie adoptiert wurde.Ihre Mutter, die sie bisher für ihre Tante hielt, ist bei einem Brand ums Leben gekommen und daraufhin hat ihre Schwester sie adoptiert. Ihre Adoptivmutter , bzw ihre Eltern, haben ihr dies aber nie gesagt und Pia fragt sich nicht nur wer ihr leiblicher Vater ist, sondern auch, warum man ihr nie gesagt hat, dass sie adoptiert wurde.
Da sie von ihren Adoptiveltern keine Antworten bekommt, reist sie nach Wasserburg, den Ort, wo sie die ersten Jahre ihrer Kindheit zusammen mit ihrer Mutter verbracht hat.Sie will herausbekommen, wer ihr leiblicher Vater ist. Das was sie dort allerdings nach und nach erfährt, lässt ihr nicht nur das Blut in den Adern gefrieren, sondern verändert auch ihr ganzes Leben .

Obwohl ich das Buch an der einen oder anderen Stelle ein wenig konstruiert fand, habe ich das Buch sehr gern gelesen und es hat mich bestens unterhalten. Es ist nicht nur spannend, sondern auch ein wenig mystisch angehaucht, was der ganzen Szenerie, die sich über die 12 Raunächte erstreckt, sehr viel Atmosphäre verleiht. Ich hatte beim Lesen viele Bilder im Kopf und ich fand auch den Ort gut gewählt, ein Esotherikzentrum von Pia‘s Mutter gegründet und dann später von ihrer Geschäftspartnerin in ein Wellnesszentrum umgewandelt.
Auch die vielen falschen Fährten, die Ellen Sandberg gelegt hat, haben mir gefallen.Ich fand den Roman nicht vorhersehbar. Der Schluss war ein bisschen übereilt und für mich nicht immer überzeugend, aber das hat den Gesamteindruck des Buches nicht so geschmälert, dass es mir die Lesefreude genommen hätte.
Auch die einzelnen Figuren waren gut beschrieben. Pia hat mir, auch in ihrer Weiterentwicklung gut gefallen.
Ich fand sie zu Anfang schon etwas naiv für ihr Alter.Ihre Wandlung war schon überraschend, zumal sie bei allem was sie erleben musste , schon sehr resilient wirkte. Aber jeder wächst mit seinen Aufgaben.

Mir hat es wieder viel Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich freue mich auf weitere Bücher dieser Autorin.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

solider Thriller

Safe Space
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„Safe Space“ ist mein erstes Buch dieser Autorin und es hat mir spannende Lesestunden beschert.

Anna Salomon ist forensische Psychologin, in einer glücklichen Beziehung und hat vor 6 Jahren ihre Schwester ...

„Safe Space“ ist mein erstes Buch dieser Autorin und es hat mir spannende Lesestunden beschert.

Anna Salomon ist forensische Psychologin, in einer glücklichen Beziehung und hat vor 6 Jahren ihre Schwester verloren.
In der Wohnung ihrer Schwester, zu der sie aus familiären Gründen ein angespanntes Verhältnis hatte, wurden Beweise einer blutigen Auseinandersetzung gefunden, die anhand der Blutmenge den Verdacht nahe legen, dass ihre Schwester ermordet wurde. Die Leiche wurde aber nie gefunden.Anna hat aus genau diesen Gründen Psychologie studiert und der ungeklärte Tod ihrer Schwester lässt sie nicht los.
Als sie als forensische Psychologin in einem Hochsicherheitsgefängnis in Köln anfängt, hat sie nur einen Beweggrund, den Mörder ihrer Schwester zu finden, den sie hier vermutet.Doch auch der Mörder hat einen Plan und so beginnt ein Katz und Maus Spiel mit offenem Ende.

Die Idee des Buches ist wirklich gelungen und das Buch hält das Spannungstempo auch relativ stabil über das Buch hinweg.Am Ende kommt es sogar zu einem Showdown. Allerdings fand ich das Ende etwas dick aufgetragen und ein wenig konstruiert. Anna als Protagonistin fand ich etwas blass und nicht immer überzeugend.
Trotzdem ist es ein Thriller,der solide Unterhaltung bietet und wenn man sich an diesen aufgezählten Dingen nicht stört ,auch wirklich Spaß macht zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

tolle Biographie

Der Retter der Mütter
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Das Buch „Der Retter der Mütter“ von Peter Gardos, erschienen im @hoffmannundcampeverlag, ist der biographische Roman des ungarischen Arztes Philipp Semmelweis (1818-1865) der die Ursache des Kindbettfiebers ...

Das Buch „Der Retter der Mütter“ von Peter Gardos, erschienen im @hoffmannundcampeverlag, ist der biographische Roman des ungarischen Arztes Philipp Semmelweis (1818-1865) der die Ursache des Kindbettfiebers entdeckte und posthum als „Retter der Mütter „bekannt wurde.
Semmelweis studierte in Pest und Wien Medizin und trat 1846 seine Assistenzstelle unter Johann Klein in der 1. Geburtshilfeabteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien an. Dort grassiert das Kindbettfieber und tötet fast jede zweite Frau. Semmelweis findet schnell heraus, dass auf der Geburtsstation, auf der nur Hebammen die Geburten unterstützen, die Sterblichkeitsrate erheblich niedriger ist. Anhand vieler Obduktionen, die er vornimmt, erfährt er, dass es sich um entzündliche Prozesse handelt, die zum Tod führen.Als dann ein Freund von ihm stirbt, der ihm bei den Sektionen assistierte und sich dabei eine Wunde zuzog, findet er den Zusammenhang mit dem Leichengift.Er schließt daraus, dass die Ärzte die Überträger sind, die den Frauen den Tod bringen. Er ist dann derjenige, der auf seiner Station das erste Mal eine Desinfektion der Hände mit einer Chlorkalklösung einführt, die auch zum Erfolg führt. Die Sterberate geht zurück. Doch trotz unbestreitbarer Erfolge weigern sich Krankenschwestern und Ärzte diese Praxis durchzuführen. Neid, Bequemlichkeit, Kompetenzstreitigkeiten, aber auch offener Hass von Seiten eines Freundes sind die Gründe und so geht das Sterben weiter.
Semmelweis setzt sich sein Leben lang dafür ein, seine Untersuchungen zu veröffentlichen und zu verbreiten, stößt dabei allerdings an Grenzen, weil er „nicht in der Lage des richtigen Wortes ist“. Er tut sich schwer zu formulieren und die Ergebnisse zu Papier zu bringen. Doch sein Leben widmet er der Aufgabe für den Schutz der Frauen zu kämpfen.Bis zur psychischen Erschöpfung, die ihm dann später auch zum Verhängnis wird und sein tragisches Ende zur Folge hat.
Nach seinem Tod wird er von Robert Koch, der als der Begründer der modernen Bakteriologie und Pionier der Infektforschung gilt und 1905 den Nobelpreis in Medizin erhielt, als einer der größten Ärzte der Welt und für ihn der Wegbereiter zu seinem Erfolg beschrieben.
Peter Gardos‘ Buch ist eine gründliche Recherche vorangegangen. Er beschreibt Semmelweis als charakteristisch starke Persönlichkeit, der seinen einsamen Kampf mit Intelligenz und Hartnäckigkeit führt, aber schüchtern im Auftreten ist und wenig geeignet wissenschaftliche Texte zu schreiben. Den Umständen seines tragischen Todes wurde zu Anfang widersprochen, doch eine Exhumierung ( 1963) unterstreicht die hier geschilderte Hypothese.

Der Schriftsteller hat mit diesem Buch eine ebenso geschichtlich interessante, wie dramatische Lebensgeschichte geschrieben, die zwar ein paar Längen hat, mir aber trotzdem sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

ein Roman der sich zu lesen lohnt

Jetzt ist unsere Zeit
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„Jetzt ist unsere Zeit“, das neue Buch von Virginie Grimaldi, erschienen im @penguinrandomhouse Verlag ,war für mich wieder ein richtiger Volltreffer. Ich liebe die Bücher dieser Autorin, die Leichtigkeit ...

„Jetzt ist unsere Zeit“, das neue Buch von Virginie Grimaldi, erschienen im @penguinrandomhouse Verlag ,war für mich wieder ein richtiger Volltreffer. Ich liebe die Bücher dieser Autorin, die Leichtigkeit mit viel Humor in ihren Büchern verbindet, die schwere Themen erträglich machen. Genau dies ist ihr auch mit ihrem neuen berührenden Roman gelungen.

Julianne ist eine sehr strukturierte Persönlichkeit, die nichts mehr verabscheut als Überraschungen und Chaos. Als ihr mehr als unkonventioneller Vater nach einem Hausbrand bei ihr einzieht, sieht sie dem Ganzen mehr als skeptisch entgegen. Ihr Vater war immer schon „anders“. Er ist ein Freigeist,hat nie das getan, was „man“ oder die Gesellschaft von ihm erwartete, er hat immer „sein Ding „durchgezogen, auch wenn er viel Kopfschütteln erntete. Als Kinder fanden fanden Juliane und ihre Schwester Adele das toll, als Jugendliche haben sie sich für ihren Vater geschämt.Die Ehe der Eltern zerbrach, der Kontakt zum Vater wurde immer weniger und jetzt zieht er bei Julianne ein,ob das gut geht?
Das Zusammenleben gestaltet sich bunt, spontan, chaotisch und immer überraschend, Langeweile ist ein Wort, dass im Leben des Vaters nicht existiert, deshalb fällt es Julianne zu Anfang auch nicht auf, dass ihr Vater immer vergesslicher wird. Doch nach und nach wird ihr bewusst, dass ihr Vater krank ist und unter einer Art der Demenz leidet und das mit 67 Jahren. Für Adele und Julianne ist klar, sie wollen die Zeit, die ihnen mit ihrem Vater noch bleibt genießen und ihm seinen größten Wunsch erfüllen. Was sie dabei alle voneinander lernen, merken sie erst später.

Wir erleben als Leser mit, wie schwer es ist sich dieser Tatsache zu stellen, sie zu akzeptieren, dass der Mann, der dein Vater ist und dich dein Leben lang begleitet hat und vielleicht sogar dein Vorbild war, sich immer mehr „auflöst“ und zu einer dir fremden Person wird. Er verliert seine kognitiven Fähigkeit, seine Orientierung, sein Einfühlungsvermögen, sein Urteilsvermögen und ist plötzlich das Kind in der Familie. Ein schmerzlicher Prozess, den ich leider auch bei meiner Mutter erleben musste,

„Da mein Vater nicht mehr ganz in dieser Welt wohnt, werde ich einen Blick in seine werfen“ S. 211

Dieser Satz sagt so viel über die Liebe, die Kindern ihren dementen Eltern geben können. Sie annehmen , wie sie sind und versuchen ihnen das Leben in ihrer Welt so angenehm wie möglich zu machen, denn alles andere würde sie noch mehr verwirren.

Virginie Grimaldi hat dieses Thema wunderschön in ihrem Buch beschrieben. Mit viel Humor und Situationskomik nimmt sie dem ernsten Thema die Traurigkeit und man erwischt sehr oft dabei lauthals loszulachen und diesen Mann einfach nur zu mögen und am liebsten in den Arm nehmen zu wollen.

Auch überdenkt man seine Sichtweise hinsichtlich Perfektionismus.
Julianne hat einen Sohn, der unter Dysphasie leidet, was eine Störung der Sprache bedeutet, Wortfindung, Satzbildung, Sprachverständnis.
Es war immer schwer für Julianne die Behinderung ihres Sohnes zu akzeptieren. Durch die Erkrankung ihres Vaters und seine Leichtigkeit die er dem Leben abtrotzt, bekommt sie auch dort ein differenzierteres Weltbild.
Perfekt sein ist nicht wichtig, die Hauptsache ist, man ist glücklich und so akzeptiert wie man ist ist.
Ist es nicht einfach schön, wenn man voneinander lernen kann ?

Dieses Buch ist Balsam für Herz und Seele und ich wünsche ihm eine große Leserschaft, denn man verpasst was, wenn man es nicht liest.❤️

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Veröffentlicht am 14.04.2026

drei schräge Vögel für Leo

Pina fällt aus
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Es gibt Bücher , die nimmt man zur Hand und möchte sie niemals loslassen, weil sie einen so tief im Herzen berührt haben, dass es so gar ein wenig weh tut. Genauso ist es mir mit dem neuen Buch von Vera ...

Es gibt Bücher , die nimmt man zur Hand und möchte sie niemals loslassen, weil sie einen so tief im Herzen berührt haben, dass es so gar ein wenig weh tut. Genauso ist es mir mit dem neuen Buch von Vera Zischke gegangen. Schon "Ava liebt noch" war ein Highlight für mich, doch ihr neues Buch " Pina fällt aus" wird für mich ein Jahrzehnte Highlight, weil die Aussage dieses Buches einfach so wichtig für uns alle ist.
Ein Buch über das " Anderssein" und über das Überwinden von Vorurteilen und Unsicherheiten,die wir haben im Umgang mit Menschen, die nicht der "Norm unserer Gesellschaft " entsprechen und die uns davon abhalten,wichtige Erfahrungen über uns selbst und das Miteinander mit diesen Menschen zu machen.

Leo ist 20 Jahre alt und besonders. Er ist Autist und braucht in seiner Welt feste Strukturen und immer wiederkehrende Rituale, die ihm Sicherheit geben, denn jede Abweichung von seinen Routinen bedeuten für ihn Angst. Seine Wahrnehmung ist eine andere als bei gesunden Menschen, er kann viele Reize und Eindrücke nicht richtig verarbeiten und das verunsichert ihn.

"Es ist eine große Aufgabe die Welt passend zu machen, die nicht für ihn geschaffen ist ", aber Pina, Leos Mutter, tut alles dafür und bleibt dabei selbst auf der Strecke.

Als Pina auf der Straße zusammenbricht und für lange Zeit im Krankenhaus bleiben muss, ist die Frage, wer sorgt für Leo, der nicht in der Lage ist , sein Leben selbst zu managen ?

Die 86 jährige Nachbarin Inge Russek,die seit Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat und bei der Leo während Pinas Abwesenheit fern sieht, fühlt sich vollkommen überfordert, als sie erfährt, dass Pina nicht zurückkommt. Sie kennt Leo nur wenig und ist mit seinen Reaktionen nicht vertraut, weiß nicht, wie sie ihm beibringen soll, dass seine "Mutsch" im Krankenhaus ist.
Zusammen mit der 16 jährigen Zola, die gerade die Schule abgebrochen hat und nur wütend ist, auf die Welt, ihren Vater und auch sonst und dem Einsiedler Wojtek, dessen Komunikation sich auf eine Internetfreundschaft im fernen Jakutien beschränkt,versucht man den Alltag mit Leo zu bewältigen.
Was zu Anfang undenkbar schien für die drei, wird im Laufe der Zeit zu einer unschätzbaren Erfahrung für alle, auf die keiner der drei mehr verzichten will.

Ich habe gelacht und geweint bei diesem Buch das den Alltag eines gehandycapten Menschen ziemlich realistisch wiedergibt. Zu beobachten wie sich die Protagonisten Stück für Stück weiterentwickelten, war schon toll zu erleben. Inge , die eigentlich schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, Zola, die nicht genau weiß, wofür sie eigentlich da ist und wohin sie will und wie sie ihre Wut kanalisieren soll und Wojtek, der ähnlich wie Leo in seiner eigens für ihn geschaffenen Welt lebt. Da ich selbst Mutter eines gehandycapten Sohnes bin, habe ich mich in vielen Situationen wiedergefunden und habe oft gedacht " Wäre es schön gewesen, wenn Julian auch solche Menschen um sich gehabt hätte", denn in der Realität sind diese Menschen und somit auch die Angehörigen oft allein, weil man oft auch unsicher im Umgang mit besonderen Menschen ist. Um so schöner war es in diesem Buch mitzuerleben, wie ein Miteinander möglich ist und alle Beteiligten dabei profitieren. Gelebte Inklusion, die leider immer noch nicht selbstverständlich ist.

Ein Buch das für mich ein großes Plädoyer für das Anderssein und ein offeneres Miteinander ist und für das ich mich ganz herzlich bei Vera Zischke bedanke, denn wer legt fest was normal ist und wenn wir ehrlich sind, sind wir doch alle ein bisschen Leo oder nicht ?

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