Ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nie gesehen hat
Der Schrein der KönigeEs war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen ...
Es war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen die aufmüpfigen Städte Italiens, hier insbesondere Mailand. Der Kölner Bischof Reinald von Dassel, der sich im Gefolge des Königs befindet, entdeckt die Gebeine der Heiligen Drei Könige in einer Kirche außerhalb der Stadt. Als Vertrauter des Königs gelingt es ihm, die Reliquien für Köln zu gewinnen. Hier lernen wir auch bereits Jilles (Ägidius) kennen, einen Waisenjungen, der vom Bistum Köln aufgenommen und ausgebildet wurde. Jilles soll die Bewachung der Gebeine über die Alpen planen und begleiten. Diese Entscheidung Reinald von Dassels war eine wegweisende Entscheidung. Im Mittelalter waren Pilgerfahrten oft der einzige Weg, einmal auch andere Städte oder Gegenden kennenzulernen und so kamen viele Pilger nach Köln und sie waren auch durchaus gewillt, viel Geld in der Stadt zu lassen.
Viele Jahre später, Reinald von Dassel hat bereits das Zeitliche gesegnet, beschließt der neue Bischof Philip von Heinsberg, einen kunstvollen Schrein für die Könige anfertigen zu lassen und schickt Jilles auf die Suche nach einem kunstfertigen Goldschmied. Der findet ihn in Verdun, aber wen er zunächst dort vorfindet, ist ein geschlagener Mann namens Nicolaus, dem das Schicksal zunächst seine Frau und dann auch noch zwei seiner Kinder geraubt hat.
Hier in Verdun beginnt die lebenslange Freundschaft zwischen Jilles und Nicolaus. Dieser lässt sich überzeugen, mit der ganzen Familie nach Köln zu ziehen und die Arbeiten am Schrein zu beginnen.
Diesen Nicolaus von Verdun hat es tatsächlich gegeben, einige sehr kunstvolle Goldschmiedearbeiten in Frankreich, Österreich und Deutschland wurden von seiner Hand geschaffen. Die Geschichte seiner Familie ist allerdings Fiktion und um das Ganze ein wenig spannender zu machen, mussten natürlich auch familiäre Zwistigkeiten mit eingebaut werden.
So erleben wir das schwierige Verhältnis von Nicolaus zu seinem Bruder, seine Probleme mit seinem Sohn Louis, der eher nach dem Onkel schlägt und so gar nicht in die Familie passt. Wir erleben, dass Nicolaus zunächst einmal sehr unwillig von den Kölner Goldschmieden aufgenommen wird, dass das Domkapitel ebenfalls nicht auf seiner Seite steht und dass auch Bischöfe ihre Meinung dauernd ändern können.
Nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten geht es dann endlich ans Werk und Sabine Weiß hat diese Arbeit mit Gold, Silber und Edelmetallen, mit Glas und Edelsteinen sehr anschaulich beschrieben. Ich habe zumindest dabei gelernt, dass Gold ein sehr dankbares Material ist, das man immer wieder, wenn es erforderlich ist, einschmelzen kann und einen Neuanfang wagen kann. Und diese Neuanfänge gab es häufiger, nicht weil die eigene Arbeit schlecht war, sondern weil immer wieder neue Anforderungen geäußert wurden, weil plötzlich ein derzeitiger König zwischen den Heiligen Drei Königen platziert werden wollte oder ein Bischof sich verewigen wollte.
All das ist eingebettet in die Geschichte der Familie, wobei die tatsächliche Historie den zeitlichen Rahmen bildet, aber nicht ständig Erwähnung findet. Zunächst einmal ist es eine reine Familiengeschichte, erst später, schon fast zum Schluss, spielen dann auch die tatsächlichen Ereignisse eine größere Rolle. So wird der Kinderkreuzzug erwähnt, Franz von Assisi hat sich von Rom abgewendet, Otto IV. wird von Philip von Schwaben besiegt, nachdem nur noch Köln zu ihm gehalten hatte. Das ist wie ein Parforceritt durch mehrere Jahrzehnte und diese Ereignisse spielen auch für den Schrein und seine Entstehung keine Rolle mehr, darauf kommen wir erst ganz zum Schluss wieder zurück.
Für mich war das Buch eine im Hochmittelalter angesiedelte Geschichte um ein Kunstwerk und seinen Erschaffer, beim nächsten Besuch im Kölner Dom werde ich mit Sicherheit genauer hinsehen. Die letzten Kapitel, die uns die geschichtlichen Hintergründe der Zeit schildern, fügen sich nicht 100 %ig in die Handlung ein, zumal die Handlung sich dann auch von Köln und dem Schrein entfernt. Erst zum Schluss zur feierlichen Einweihung des Schreines geht es zurück nach Köln. Und das Buch schließt so, wie es angefangen hat: mit Jilles und seiner besonderen Beziehung zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Gerade dieser emotionale Schluss hat mir gut gefallen und rundet das Geschehen ab.
Auch wenn die letzten Kapitel so etwas wie eine geschichtliche Zusammenfassung im Eilverfahren waren, so las sich das Buch doch sehr flüssig und ließ den Leser in die Zeit des Hochmittelalters eintauchen.
Es war auch hilfreich, dass Sabine Weiß ganz zum Schluss noch einmal klar Realität und Fiktion getrennt hat und dass sie auch die Geschichte des Schreins in den folgenden Jahrhunderten zusammengefasst hat.