Profilbild von Jackolino

Jackolino

Lesejury Star
offline

Jackolino ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jackolino über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2025

Zu viele Geheimnisse

Wie Risse in der Erde
0

Das Geschehen spielt auf zwei Zeitebenen und wird aus Sicht von Beth erzählt, die zu Anfang, 1955, gerade 17 Jahre alt ist. Handlungsort ist der Ort Hemston in der Grafschaft Dorset, ein offenbar fiktives ...

Das Geschehen spielt auf zwei Zeitebenen und wird aus Sicht von Beth erzählt, die zu Anfang, 1955, gerade 17 Jahre alt ist. Handlungsort ist der Ort Hemston in der Grafschaft Dorset, ein offenbar fiktives Dorf.

1955 verliebt sich Beth in Gabriel, einen Jungen aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht. Seinen Eltern gehört das Herrenhaus, das sich in der Nachbarschaft von Beth‘ Elternhaus befindet. Die längste Zeit seiner Kindheit hat er in Internaten verbracht.

Sie verbringen zusammen einen berauschenden Sommer, doch ihr Glück zerbricht am Ende der Ferien, als Gabriel sein Studium in Oxford aufnimmt und seine Mutter die Beziehung der beiden hintertreibt.

1968 lebt Beth mit ihrem Mann Frank auf einer Farm. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um Land und Tiere und genießen ihre Liebe. Lediglich der drei Jahre zurückliegende Unfalltod ihres Sohnes Bobby trübt ihr Glück.

Eines Tages aber kehrt Gabriel in das Dorf zurück und Beth alte Gewissheit, diese Zeit hinter sich gelassen zu haben, gerät ins Wanken. Ein Chaos der Gefühle bricht mit Wucht über sie herein, zunächst vor allem ausgelöst durch Leo, Gabriels Sohn, der ihrem verstorbenen Sohn Bobby ähnelt.

Risse in der Erde entstehen dann, wenn es lange nicht geregnet hat, wenn Wasser fehlt.

Auch in der Ehe von Beth und Frank fehlt seit dem Tod des kleinen Bobby etwas, beide vermissen den Jungen und doch können sie sich nicht richtig darüber austauschen. Beth beschreibt es wie folgt:

„Frank und ich tanzen um unseren Kummer herum. Jedes Paar, das ein Kind verloren hat, wird dasselbe erzählen. Man sieht den Schmerz im anderen, aber es ist, als säße man auf einer Wippe der Trauer und wollte den anderen bloß nicht nach unten fallen lassen.“

Die Arbeit ist das, was beide ablenkt und so schuften sie von früh bis spät auf ihrer Farm, ohne dass wirklich viel dabei herumkommt.

Beth freundet sich langsam mit Leo, Gabriels Sohn an und damit beginnt sie auch unwillkürlich wieder den Kontakt mit Gabriel.

Frank sieht das überhaupt nicht gerne, aber er reißt sich zusammen. Er gibt sich die Schuld am Tod von Bobby und weiß, dass Beth in Leo einen Ersatz gefunden hat. Und am Anfang ist Beth sich auch sicher, dass ihre Beziehung zu Frank stärker ist als Gabriels Anziehungskraft. Aber so langsam tun sich Risse auf in ihrer Beziehung und sie werden tiefer, je häufiger Beth sich mit Gabriel und seinem Sohn trifft. Und so kommt es, wie es kommen muss und die alte Liebe zwischen den beiden flammt wieder auf.

Beth lüftet die Wahrheit scheibchenweise, sie ist die Einzige, die alles weiß. Weder Frank noch Gabriel sind in alle Geheimnisse eingeweiht und auch Beth Eltern, die ihr immer eine große Stütze waren, kennen nicht die ganze Geschichte.

Durch die Erzählung in der Ich-Form erleben wir als Leser ihre innere Zerrissenheit und ihre Gewissensbisse hautnah, aber natürlich auch das Glück und die Leidenschaft der jungen Liebe und der wiederaufgenommenen Beziehung. Wir können aber auch ermessen, dass sie auch Frank herzlich zugetan ist, sie spielt ihm kein Theater vor, wenn sie ihm sagt, dass sie ihn liebt.

Aber es geht nicht nur um eine Dreiecksbeziehung, das wäre viel zu kurz gegriffen. Tragische Ereignisse sind jeweils die Folge von Entscheidungen, die getroffen werden und sie waren zum Zeitpunkt ihrer Fällung nicht unbedingt falsch, sondern eher folgerichtig und für Beth eine gute und gangbare Lösung. Die letzte Entscheidung, die sie treffen muss, verlangt ihr einiges ab, aber ich denke, es ist die richtige Entscheidung.

Ich hatte das Buch in einem Rutsch gelesen, weil ich es flüssig und spannend geschrieben fand. Ich habe es dann aber ein zweites Mal zur Hand genommen, es bietet doch einiges mehr zum Nachdenken, als man mit einem schnellen Konsum erfassen könnte.

Ich gebe gerne eine Leseempfehlung und volle Punktzahl.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2025

Wenn die Klügeren nachgeben, geschieht immer nur das, was die Dummen wollen

Marconi und der verschwundene Wattschützer
0

Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, ...

Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, was ihm allerdings bei den Kompetenzen eine deutliche Einbuße beschert hat.
In einer Julinacht verschwindet der Wattschützer Piet Laurenzen. Die Tat scheint im Zusammenhang mit der umstrittenen Ölbohrinsel Mittelplate A zu stehen. Zur Klärung der Entführung werden Kollegen aus Flensburg angefordert, zwei arrogante Ermittler, die den „Dorfbullen“ in St. Peter Ording kaum eine Straßensperre zutrauen. Marconi sieht das naturgemäß anders und verhält sich auch entsprechend, was ihm den ein oder anderen Rüffel der übergeordneten Kollegen einbringt. Aber er und noch mehr die beiden ortsbekannten Kollegen, Jens und Eva kennen sich aus, wissen um die Zusammenhänge und finden auch viel einfacher Zugang zu den verschlossenen Peteranern.
Marconi hat die Erziehungsaufgabe für seine 13jährige Nichte Klara und ihren neunjährigen Bruder Stefano übernommen. Nach dem viel zu frühen Tod von Schwägerin und Bruder will man vermeiden, dass die Kinder ins Heim oder zu Pflegefamilien gegeben werden müssen. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes scheint allerdings auch von den Erziehungsqualitäten Massimo Marconis nicht überzeugt zu sein, sie taucht immer dann auf, wenn Marconi gerade gar nicht gut aussieht, bzw. sie gar nicht brauchen kann.
Gerade Klara ist als 13jährige in einer schwierigen Phase. Sie begehrt auf und lässt ihren Onkel nicht nur einmal wissen, dass sie mit seinen Erziehungsmethoden nicht einverstanden ist. Ihr Interesse gilt dem Schutz des Wattenmeers und sie hat sich einer Initiative junger Leute angeschlossen, die demonstrieren, die sich aber auch gerne am Rande der Legalität bewegen. Massimo hat alle Hände voll zu tun, sie aus den Akten herauszuhalten und ihr immer wieder klarzumachen, welche Art von Protest erlaubt ist und welche nicht.
Stefano ist hingegen noch ein Kind, spielt gern mit seinen Freunden und hat Angst, doch irgendwann aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Hier kann sich Massimo in Empathie üben, die bisher so gar nicht seine Sache war.
Der Fall ist ausgesprochen verzwickt und ganz oft müssen sich die drei Polizisten aus St. Peter Ording fragen, wer denn eigentlich aus welcher Sache Vorteile ziehen könnte. Die Kollegen aus Flensburg machen es sich da wesentlich einfacher, sie nehmen einfach jemanden fest, der ihnen verdächtig erscheint. Gut, dass Massimo nicht davor zurückschreckt, sich auch unbeliebt zu machen. Die Kollegen aus Flensburg sind ihm sowieso zutiefst unsympathisch. Tatsächlich weiter kommen die Ermittlungen erst, als die Leiche des Wattschützers gefunden wird. Die sich daran anschließenden Handlungen führen Marconi endlich auf die richtige Spur.
Der Fall schließt sich ziemlich nahtlos an den vorangegangenen Fall an, auf ihn wird oft Bezug genommen und somit ist es zumindest von Vorteil, ihn zu kennen. Dringend notwendig ist es aber nicht, denn auf vieles greift Daniele Palu zurück oder er stellt noch einmal die Personen vor, die auch in Band 1 eine Rolle gespielt haben.
Der Fall spielt zwar die Hauptrolle, die Bemühungen der Wattschützer, seien sie gesetzeskonform oder nicht, nehmen aber auch viel Raum ein. Marconi zeigt, dass es auch für Polizisten schwierig sein kann, selbst privat den Wattschützern zuzustimmen, ihre Handlungen aber auch oft genug als Polizist nicht gutheißen zu dürfen.
Daniele Palu hat auch mit dem zweiten Fall einen sehr lesenswerten Krimi geschrieben, der auch bis zuletzt spannend war und dessen Lösung sich nicht schon ab der Mitte abzeichnete. Aber das Buch profitiert eben auch von den Entwicklungen der einzelnen Personen. So ist es schön, zu beobachten, wie Marconi sich zwar oft nach der Einfachheit seines Lebens in München zurücksehnt, seine Nichte und seinen Neffen aber auf keinen Fall mehr missen möchte. Die Fabel mit dem Fuchspapa passte gut zu diesem Thema und gab dem kleinen Stefano einfach etwas mehr Rückhalt und Gewissheit, dass die Geborgenheit in der Familie auch weiterhin Bestand hat.
Der Autor hat auch in diesem Band italienische Rezepte, die auf den Norden angepasst sind, dem Buch hintangestellt. Den Spaghetti Crabbonara kann man nun eine Labskausagne folgen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2025

Muss die Geschichte umgeschrieben werden?

Was am Ufer lauert
0

Kaum hat die Polizeireporterin Gianna Pitti den letzten Fall gelöst und dabei aber auch leider ihre morgendliche Espresso-Bar eingebüßt, wartet schon der nächste Fall auf sie.
Ihr Vater ist zurückgekehrt ...

Kaum hat die Polizeireporterin Gianna Pitti den letzten Fall gelöst und dabei aber auch leider ihre morgendliche Espresso-Bar eingebüßt, wartet schon der nächste Fall auf sie.
Ihr Vater ist zurückgekehrt und bezieht seine Tochter in seine Ermittlungen ein. Er bittet sie, morgens am See eine Informantin zu treffen, die eine CD mit brisanten Informationen übergeben soll. Nur leider findet Gianna nur noch eine Frauenleiche im Wasser.
Gianna reagiert merkwürdig und meldet den Fall nicht der Polizei. Ganz im Gegenteil, sie informiert ihre Chefredakteurin beim Messagero, der örtlichen Zeitung in Riva. Der letzte Fall hatte der etwas notleidenden Zeitung Beachtung in ganz Italien gebracht, die Verkaufszahlen hatten Höhen erreicht, von denen sie nie zu träumen gewagt hatten. Gianna träumt von einer zweiten Chance für ihren Arbeitgeber.
Als allerdings wenig später ein Überfall in Malcesine passiert, schaltet sich die Polizei doch ein und verfolgt ihrerseits ihre Spuren.
Offenbar galt der Angriff einem Professor, der sich mit Churchills Beziehungen nach Italien und hier vor allem an den Gardasee befasst. Es wird vermutet, dass Churchill vor Beginn des zweiten Weltkriegs durchaus Sympathien für Mussolini hegte und das auch in Briefen kundgetan hat. Diese Briefe, von denen man nicht weiß, welch brisante Informationen sie enthalten, werden von Verbrechern genauso gesucht wie vom britischen Geheimdienst, der italienischen Polizei und den Investigativreportern des Messagero aus Riva.
Der Kriminalfall ist in diesem Buch nur eines von vielen Themen. Nebenher geht es auch immer wieder um die Zukunft von gedruckten Zeitungen, die sich der digitalen Welt verweigern, es geht um die Familiengeschichte der Pittis, um die Eheprobleme von Arnaldo und Carla und ihren jeweiligen neuen Partnern Elvira und Patrick, um die drohende Demenz von Francesco und eine sich anbahnende Romanze Giannas mit einem Polizisten. Alle diese Nebenschauplätze nehmen viel Raum ein, so dass der eigentliche Kriminalfall mehr so am Rande abläuft. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man überhaupt noch von einem Krimi sprechen kann. Die Spannung hält sich auf jeden Fall in Grenzen, auch wenn es einige Passagen gibt, in denen es doch mal etwas gefährlicher wird und wir mit den Protagonisten zittern müssen.
Das Gardasee Feeling kommt auf jeden Fall über das Titelbild rüber, in den Beschreibungen der Locations konnte ich mich an einige Stationen erinnern, für ein Urlaubsfeeling hat es allerdings noch nicht gereicht.
Da das Ende offen bleibt, erwarte ich im nächsten Jahr einen weiteren Band für Arnaldo, Elvira, Gianna und Francesco und bin gespannt, ob Churchills Geheimnis nun bereits gelüftet ist oder noch seiner Enthüllung harrt. Auch wenn mich die Spannung nicht unbedingt mitgenommen hat, so würde ich den Geschehnissen am See doch gerne weiter folgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2025

Rätselhafter Dreifachmord

Mörderisches La Rochelle
0

Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung ...

Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung endet jäh, als sich an der Pointe St. Clément ein brutaler Dreifachmord ereignet. Ein Urlauberpaar wurde mit je zwei Kopfschüssen ebenso getötet wie ein Fahrradfahrer, der wir zufällig getroffen im Straßengraben liegt.

Nach Tod in la Rochelle ist das der zweite Krimi der Reihe um Commissaire Chevalier. Beim Autor haben wir es wie bei so vielen Cozy Crimes aus Frankreich mit einem Deutschen zu tun, der unter einem französischen Namen schreibt. Jean-Claude Vinet heißt eigentlich Maximilian Rosar und lebt in Trier.
Ich kenne Band 1 der Reihe noch nicht, fand aber auch nicht, dass es notwendig war. Der Fall steht für sich und notwendige Informationen aus Band 1 werden in Band 2 eingeflochten.
Die Ausgangslage ist für den Kommissar und sein Team äußerst schwierig. Wer sollte eigentlich getroffen werden? War einer der Morde ein Zufallsmord, nur weil das Opfer Zeuge und in der Nähe war?
Doch nicht nur der Fall selbst lässt sich schwer an, auch im Team gibt es Veränderungen. Der neue Vorgesetzte Vignaud ist so gar nicht nach dem Geschmack seiner Mitarbeiter, er ist ein Erbsenzähler und Pedant und darüber hinaus jemand, der gerne nach oben buckelt und nach unten tritt.
Es dauert seine Zeit, bis die ermittelnden Kommissare Licht in das Dunkel des Falles bringen, aber wie in einem Puzzle gesellt sich ein Teil zum anderen und das Bild wird langsam vollständiger. Ich fand es gut, dass man als Leser tatsächlich jeder Spur und jedem Gedanken folgen konnte und dass damit klar wurde, dass es gar nicht einfach ist, in das Leben von vollkommen Fremden einzutauchen, deren Familie und Freundeskreis auch nicht immer an einer Lösung des Falles interessiert sind.
Und außerdem wird sehr klar, dass Ermittlungen auch gefährlich sein können. Je näher man dem Täter kommt, desto mehr läuft man Gefahr, selbst in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Der Fall war ausgesprochen spannend, bis zum Schluss ergaben sich immer wieder neue Wendungen und Verdachtsmomente, bis dann endlich jedes Puzzleteilchen an seinem Platz gelandet war. Im Fall stand eindeutig der Krimi im Vordergrund, die schöne Region um La Rochelle wurde zwar gebührend erwähnt, der Krimi artete aber nie in einen Reiseführer aus. Von den Beteiligten gefiel mir die Familie Chevalier am besten, Sandrine lebt ihr Leben und für ihre Kunst aber sie bringt auch ganz viel Verständnis für ihren Mann auf und akzeptiert seine Verbundenheit mit seinem Beruf.
Und Clément ist besonnen, achtet auf seine Mitarbeiter, schirmt sie auch vor Presse und ungeduldigen Vorgesetzten ab und sein Bauchgefühl hat ihn noch selten betrogen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2025

Umgeben von guten und bösen Geistern

Bretonische Sehnsucht
0

Am äußersten Rand der Bretagne, inmitten des Atlantiks liegt die tiefgrüne Insel Ouessant. Dort wurde ein keltischer Musiker am Ufer angeschwemmt, kurze Zeit später gibt es weitere Tote.

Kommissar Dupin ...

Am äußersten Rand der Bretagne, inmitten des Atlantiks liegt die tiefgrüne Insel Ouessant. Dort wurde ein keltischer Musiker am Ufer angeschwemmt, kurze Zeit später gibt es weitere Tote.

Kommissar Dupin wird vom Präfekten auf die Insel geschickt, weil die Tochter seiner Schwester dort lebt und wirkt und nach Meinung des Präfekten in Gefahr schwebt.

Dieses Mal müssen wir auf Nolwenn verzichten, die auf ihrem Segelboot eine Atlantiküberquerung gewagt hat. Alle anderen Mitarbeiter stoßen aber bald zu den Ermittlungen dazu und diese gestalten sich ausgesprochen schwierig, weil die eingeschworene Gemeinschaft auf der abgelegenen Insel den Kommissaren das Ermitteln erschwert. Geschichtenerzählerinnen hüllen die Insel in einen Mythos ein, der nur schwer zu entwirren ist, es geht immer auch um Sirenen, Meerjungfrauen, Druiden und Vampire, die die Phantasie der Menschen beschäftigen. Außerdem ist Ouessant die Insel der Musik und der erste Tote war ein genialer Komponist, der allerdings auch oft mit seinen Plänen über das Ziel hinausschoss.

Jean-Luc Bannalec versteht es wie kaum ein anderer, mir Lust auf die Bretagne zu machen. Ich war immer noch nicht da, aber schon seit dem 1. Band der Reihe träume ich von einer Reise dorthin.

Es gab Bände der Reihe, die ich als reine Reiseführer verstanden habe, in die ein kleiner Kriminalfall eingewoben war. Bei „Bretonische Sehnsucht“ hat der Autor es geschafft, die Lösung des Falles mit den Mythen um die Insel zu verbinden. Essen und Trinken spielen dieses Mal eher eine Rolle am Rande, Dupin hungert sich sogar durch einige Tage, dennoch wird natürlich auf die Spezialitäten der Insel hingewiesen und ich fand es ganz bemerkenswert, dass man noch vor einigen Jahrhunderten Selbstversorger war und sich von dem ernährte, was die Insel hergab.

Für mich war "Bretonische Sehnsucht" wieder ein gut lesbarer Bretagne-Krimi, der meine Sehnsucht nach diesem Landstrich noch weiter verstärkt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere