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Veröffentlicht am 01.08.2022

Neustart eines Berliner Kommissars in der Elbmarsch – gemütlicher Cosykrimi, der überraschend spannend wird

Elbschuld
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Besprochen wird hier das von der Autorin gelesene Hörbuch (ungekürzte Fassung)
In Kophusen geht es eher gemütlich zu, und so sind sich die Dorfpolizisten Hauke Thomsen und Peter Brandt sicher, dass die ...

Besprochen wird hier das von der Autorin gelesene Hörbuch (ungekürzte Fassung)
In Kophusen geht es eher gemütlich zu, und so sind sich die Dorfpolizisten Hauke Thomsen und Peter Brandt sicher, dass die alte Hilde Detering spinnt, als sie erklärt, dass ihr Mann sie umbringen will, schliesslich ist dieser vor drei Jahren gestorben. Ihr neuer Vorgesetzter Philip Goldberg hat da allerdings ein Gefühl, dass der alten Frau wirklich Gefahr droht – und damit macht er sich bei seinen Kollegen nicht gerade beliebt. Doch schon bald gibt es erste Opfer: ein Hund und ein Plüschschaf. Als Goldberg dann noch die Urne von Hildes verstorbenen Mann ausgräbt, wird es immer mysteriöser.
Die Handlung wirkt anfangs sehr gemütlich und humorvoll, doch sie entwickelt sich hin zu einem spannenden Showdown. Besonders die Kinder Hilde Deterings sind verdächtig und immer mehr Familiengeheimnisse kommen ans Licht. Der Spannungsbogen lässt es kaum zu, mit dem Hören zu stoppen, vor allem auch deshalb, weil die Autorin die Story sehr gut vorträgt. Ein angenehmes Lesetempo und eine gute Charakteristik besonders der drei Polizisten, die auch im gemütlichen nordischen Dialekt sprechen. Leider gerät das Ende sehr abrupt und lässt für mich einige Fragen offen.
Bei allem Humor, der durch den ungewöhnlichen Fall (wenn es denn einer ist) und dem Kontrast von Stadt und Land entsteht, ist es sehr erfrischend, dass Hauke und Peter nicht billige Side-Kicks sind, sondern ihre Stärken immer mehr deutlich werden.
Der Auftakt der Serie macht Spass, schön dass es schon einige Nachfolgebände gibt, die es auch als von der Autorin gelesene Hörbuchfassung gibt.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Ayurveda - alles andere als entspannend für Phillip, Hauke und Peter

Elbschmerz
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Besprochen wird hier das von der Autorin gelesene Hörbuch (ungekürzte Fassung)
Nach den nicht sehr entspannenden Ereignissen aus dem ersten Band, haben sich der ehemalige Berliner Hauptkommissar Philip ...

Besprochen wird hier das von der Autorin gelesene Hörbuch (ungekürzte Fassung)
Nach den nicht sehr entspannenden Ereignissen aus dem ersten Band, haben sich der ehemalige Berliner Hauptkommissar Philip Goldberg und die beiden Kophusener Polizisten Hauke und Peter langsam als Team gefunden. Was liegt da näher, als im Ayurveda-Zentrum in Kophusen (!) als teambildende Maßnahme einen Yoga-Kurs zu machen. Peter ist begeistert, Hauke eher nicht. Doch als dann die erste Teilnehmerin spurlos verschwindet, muss das Team ermitteln. Doch hinter den beschaulichen Kulissen des Ayurveda-Zentrums lauern viele Geheimnisse.
Wieder schafft es Nicole Wollschläger, schnell in nordisch gemütlicher Atmosphäre einen unblutigen, aber dennoch spannenden Fall auszubreiten. Viele Geheimnisse um die Vergangenheit des Yogalehrers, um alte und neue Beziehungen, um Verbrechen und Gefühle werden entdeckt und weigern sich lange, den Polizisten eine Lösung oder ein einheitliches Bild zu liefern. Immer mehr Fragen tun sich auf, bis sich am Ende alles überraschend auflöst. Gut eingearbeitet in die Handlung sind auch private Geschichten. Haukes Mutter ist dabei ein besonderes Highlight,
Der Spannungsbogen lässt es auch dieses Mal kaum zu, mit dem Hören zu stoppen. Jedes Kapitel weckt die Neugierde beim Leser. Das angenehmes Lesetempo und eine gute Charakteristik auch bei den Nebenfiguren fördern den Hörgenuss.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Gute Kurzgeschichte, die viel Einblick in forensische Methoden bietet

Kaltes Land
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„Kaltes Land“ ist mein erster Thriller von Michael Tsokos (sieht man von dem mit Sebastian Fitzek verfassten Thriller „Abgeschnitten“ ab). Im Mittelpunkt steht die Berliner Rechtsmedizinerin Sabine Yao, ...

„Kaltes Land“ ist mein erster Thriller von Michael Tsokos (sieht man von dem mit Sebastian Fitzek verfassten Thriller „Abgeschnitten“ ab). Im Mittelpunkt steht die Berliner Rechtsmedizinerin Sabine Yao, die, obwohl persönlich betroffen, die Ermordung ihrer Tante in Kiel untersucht.
Da es sich bei „Kaltes Land“ um eine gut 100-seitige Kurzgeschichte handelt, bleibt nicht viel Platz für eine tiefere Charakterisierung Sabine Yaos oder eine komplexe Mordermittlung. Doch Michael Tsokos beherrscht vor allem sein Fachgebiet, die Forensik. Und so legt er besonderen Wert auf eine gute, übersichtliche rechtsmedizinische Ermittlung, wobei er perfekt die Balance zwischen Fachsprache und Verständlichkeit findet. Die Hintergründe des Mordes und des Täters sind recht schnell klar und auch Sabine Yaos privater Hintergrund (ihre Familienverhältnisse und eine unglückliche Verlobung) können nur kurz, aber dennoch geschickt eingebaut werden. Das Ende lässt einige Fragen offen und wirkt etwas ungeschickt. Aber ein Cliffhanger lässt auf eine Fortsetzung hoffen, dann hoffentlich in einer ausführlicheren Form, die den Personen und der Handlung mehr Platz lässt.
Insgesamt ein netter Band für einen gemütlichen Leseabend, ansprechend geschrieben, aber mit Luft, sich zu entfalten

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Humorvolle Dystopie einer Welt, auf die wir zusteuern

QualityLand
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Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden ...

Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden in Level eingeteilt, und das System – das keine Fehler macht – bringt für jeden personalisierte Werbung, den passenden Partner und der Versandhandel bringt einem alles, bevor man weiß, dass man es braucht. Mit anderen Worten alles ist OK, oder besser gesagt am OKsten. Doch als Peter etwas geliefert bekommt, was er nun wirklich nicht will, kommt er ins Grübeln über seine Welt.
Marc-Uwe Kling ist eine humorvolle Dystopie gelungen, die unseren Weg in die vollständige Digitalisierung und das Ausschlachten unserer Daten, um unser Leben zu optimieren, weiterdenkt und dabei durchaus einen wahren Kern trifft.
Die Romanhandlung selbst ist eher einfach gehalten, andere Dystopien wie Orwells „1984“ haben da mehr Tiefgang. Grundsätzlich findet man nicht viele neue Gedanken. Den Reiz liegt dann in der Aktualisierung, denn der weltweit größte Onlinehandel TheShop, der schon vorher weiß, was man benötigt, hat wohl nicht zufällig Ähnlichkeiten mit einem real existierenden Online-Händler. Dennoch unterhält der Roman mit seinem Humor und regt dann durchaus auch mal zum Nachdenken an, ob es nicht eher erschreckend ist, was in Qualityland passiert und ob wir nicht schon selbst in Qualityland leben.
Was mir persönlich gefallen hat, ist die Idee, die Handlung immer wieder mit (Qualityland-)Werbung oder Social-Media Beiträge nebst den dazugehörigen Kommentaren zu unterbrechen (die dann im Buch weiß auf schwarz gedruckt sind). Schon das Impressum bietet etwas zum Schmunzeln .
Insgesamt ein guter, nicht allzu anspruchsvoll geschriebener Roman, der auf humorvolle Art unterhält und zum Nachdenken anstoßen kann, auch wenn er nicht den Tiefgang von Orwell, Huxley oder Bradbury hat.
Dennoch eine Leseempfehlung für einen schönen Lesetag.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Strafe muss sein – schmunzeln und mitfiebern

Frau Morgenstern und das Böse
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„Strafe muss sein“: diese Regel hat Violetta Morgenstern, 59 Jahre und frühpensionierte Grundschullehrerin, von ihrer Mutter gelernt, auch dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer dasselbe sind. Und so ...

„Strafe muss sein“: diese Regel hat Violetta Morgenstern, 59 Jahre und frühpensionierte Grundschullehrerin, von ihrer Mutter gelernt, auch dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer dasselbe sind. Und so führt sie ein ruhiges Leben, kümmert sich um die Bewohner und Bewohnerinnen einer Seniorenresidenz, gibt Deutschunterricht für Immigranten und eliminiert mit viel Phantasie Menschen, die ihre Strafe verdient haben. Leider wird sie beim letzten Mal erwischt, doch sie bekommt vom streng geheimen Schweizer Tell-Ministerium das Angebot, Auftragsmorde auszuführen zum Wohle der Schweiz. Zusammen mit ihrem Ausbilder Miguel Schlunegger kommt sie einer großen Verschwörung auf die Spur. Und was ist, wenn „Strafe muss sein“ auch für Violetta gilt …?

Marcel Huwyler entwickelt vom ersten Satz an ein Sprachfeuerwerk, seine treffsicheren Formulierungen treffen immer den richtigen Ton. Das ist eine erstaunliche Leistung, denn als Leser:in ist man sich eigentlich nie sicher, welches Genre dem Buch zuzuordnen ist. Die Figuren, die Ereignisse, die Handlungen der Figuren wirken (eigentlich) völlig überzeichnet – aber trotzdem kippt die Handlung nie ins Lächerliche oder absolut Unglaubwürdige um, im Gegenteil, der Autor schafft es, alle seine Figuren individuell und mit vielen Ecken und Kanten zu zeichnen, so dass man öfters sich in einem Drama befindet. Keine Figur ist nur Gut oder nur Böse. Ein sprachlich perfekter Dramady-Krimi, der einen mit den Figuren mitfiebern lässt.

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