Platzhalter für Profilbild

JohannaMaus

Lesejury Star
offline

JohannaMaus ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit JohannaMaus über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Ozean und Innenwelt: eine sehr persönliche Suche nach Urvertrauen

IMUA Reise ins Urvertrauen
0

Mit „IMUA – Reise ins Urvertrauen“ legt Sharon Makana Seban ein sehr persönliches Memoir vor, das weit über den Rahmen eines klassischen Reiseberichts hinausgeht. Vor der eindrucksvollen Kulisse Hawaiʻis ...

Mit „IMUA – Reise ins Urvertrauen“ legt Sharon Makana Seban ein sehr persönliches Memoir vor, das weit über den Rahmen eines klassischen Reiseberichts hinausgeht. Vor der eindrucksvollen Kulisse Hawaiʻis erzählt sie von einem inneren und äußeren Aufbruch, vom Loslassen und von Neuanfängen sowie dem Versuch, dem Leben wieder mit mehr Vertrauen zu begegnen.

Der Begriff „IMUA“, der sinngemäß für mutiges Voranschreiten steht, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die Autorin nimmt die Lesenden mit in ihren Alltag auf den Inseln, schildert Begegnungen, Naturerlebnisse und spirituelle Erfahrungen, die sie Schritt für Schritt näher zu sich selbst führen. Besonders die atmosphärischen Beschreibungen von Meer, Landschaft und Naturgewalten sind eindrucksvoll gelungen – man spürt die Hitze, hört das Rauschen des Ozeans und kann sich die Weite der Inseln gut vorstellen.

Sharon Makana Seban schreibt sehr ehrlich über Verletzlichkeit, Zweifel und innere Prozesse. Themen wie emotionale Abhängigkeiten, falsche Sicherheiten und das Vertrauen in die innere Führung werden offen angesprochen und regen zum Nachdenken an. In diesen Passagen entfaltet das Buch seine größte Stärke, da viele Gedanken und Erfahrungen universell wirken und eigene Fragen widerspiegeln können.

Gleichzeitig blieb für mich eine gewisse emotionale Distanz. Die vielen spirituellen Konzepte, Begriffe und inneren Dialoge wirkten stellenweise abstrakt und eher aneinandergereiht, sodass sich nicht immer eine tiefe Verbindung aufgebaut hat. Manche Erlebnisse hätten mehr Raum gebraucht, um nachzuwirken. Auch kulturelle Hintergründe und Entscheidungen der Autorin blieben mir teilweise fremd, was das Eintauchen erschwert hat.

Trotzdem ist „IMUA – Reise ins Urvertrauen” ein ehrliches und authentisches Buch, das genau weiß, was es sein will: eine Einladung, das Leben weniger kontrollieren zu wollen und sich seinen eigenen Wellenbewegungen anzuvertrauen. Wer offen für spirituelle Selbstfindung ist, innere Prozesse reflektieren möchte und sich von der Magie Hawaiʻis berühren lässt, kann aus diesem Memoir viel Inspiration ziehen.

Für mich persönlich war es atmosphärisch stark und in Teilen sehr berührend. Inhaltlich war es jedoch nicht immer zugänglich. Dennoch ist es ein Buch, das zum Innehalten einlädt und sicher die richtigen Leser:innen finden wird.

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Wüste, Schuld und Selbstfindung: Ein fordernder Abschluss der Elias-Trilogie

Du bist der Totem
0

Mit Du bist der Tod legt Peter Nathschläger den dritten und abschließenden Band der Elias-Trilogie vor – und wählt dafür keinen einfachen Weg. Der Roman setzt an einem Punkt tiefster Verletzlichkeit an: ...

Mit Du bist der Tod legt Peter Nathschläger den dritten und abschließenden Band der Elias-Trilogie vor – und wählt dafür keinen einfachen Weg. Der Roman setzt an einem Punkt tiefster Verletzlichkeit an: Elias steht nach der Trennung von Stefan emotional am Abgrund. Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und ein Gefühl des Verlorenseins treiben ihn zu einer überstürzten Reise, die sich bald als weit mehr als eine bloße Flucht entpuppt.

Was zunächst wie eine klassische Selbstfindungsgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer komplexen, moralisch aufgeladenen Erzählung. Die Begegnung mit zwei trauernden Vätern konfrontiert Elias mit seiner Vergangenheit und mit Max Villeneuf alias Le Fantom, dessen Entstehung in diesem Band erstmals greifbar wird. Die Rückblicke auf Max’ Jugend in Namibia, seine Begegnung mit dem geheimnisvollen Monument und die philosophischen Ideen dahinter verleihen der Geschichte eine düstere, beinah mythische Ebene. Dabei geht es nicht nur um Macht und Gewalt, sondern auch um die Frage, wie Zivilisation, Moral und Manipulation zusammenhängen.

Besonders eindrücklich ist die Gegenüberstellung der beiden Hauptfiguren: Elias, der zweifelt, reflektiert und sich seiner eigenen Schwächen bewusst wird, und Max, der seinen Weg längst gewählt hat und auf ein Leben voller Grausamkeit zurückblickt. Die Reise durch Afrika verändert Elias' Wahrnehmung der Welt – und seiner selbst. Briefe, innere Monologe und Begegnungen zeigen, wie sich seine Werte verschieben: weg von Oberflächlichkeiten, hin zu Nähe, Verantwortung und echter Verbundenheit.

Der Roman erzählt ruhig und nachdenklich, scheut aber auch nicht vor drastischen, brutalen Momenten zurück. Die Genregrenzen zwischen Abenteuerroman, psychologischem Roman, Thriller und philosophischer Parabel verschwimmen. Dies verlangt den Lesenden Geduld und Offenheit ab, belohnt sie jedoch mit einer intensiven Atmosphäre und einem überraschenden Ende, das nicht alles auflöst.

„Du bist der Totem“ ist kein leichter, schneller Abschluss, sondern ein anspruchsvolles Finale, das vor allem im Zusammenspiel mit den vorherigen Bänden seine volle Wirkung entfaltet. Wer Elias’ Weg von Anfang an begleitet hat, erhält einen runden, emotionalen und nachwirkenden Schlusspunkt – eine Geschichte über Verlust, Verantwortung und die schwerste aller Fragen: Wie weit darf man gehen, um das Richtige zu tun?

Ich gebe 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Zwischenwelten und Nebenrollen – menschliche Schicksale in Momentaufnahmen

Der Tod der Löwenbändigerin
0

Der Tod der Löwenbändigerin ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2013 von Bernd Richard Knospe. Sie beschäftigen sich intensiv mit Menschen in Grenzsituationen. ...

Der Tod der Löwenbändigerin ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2013 von Bernd Richard Knospe. Sie beschäftigen sich intensiv mit Menschen in Grenzsituationen. Es geht um Figuren, die selten im Rampenlicht stehen, die eher Nebenrollen im eigenen Leben einnehmen und doch nach Bedeutung, Nähe und einem Platz in der Welt suchen.

Die Texte greifen oft nur kurze Ausschnitte aus dem Leben ihrer Protagonist:innen auf. Vieles bleibt bewusst offen. Vorgeschichten werden angedeutet, Zukünftiges bleibt offen. Genau darin liegt eine Stärke des Buches: Es fordert die Lesenden dazu auf, mitzudenken, Lücken selbst zu füllen und eigene Deutungen zuzulassen. Dabei verschränken sich Realität und Fiktion immer wieder so eng, dass die Ebenen ineinander übergehen und eine gewisse gewollte Irritation entsteht.

Thematisch ist die Sammlung vielfältig: Tod, Einsamkeit, Scheitern, Liebe, skurrile Begegnungen und leise Alltagsdramen wechseln sich ab. Viele Geschichten sind melancholisch, manchmal sogar düster, nur selten leicht oder humorvoll. Wer Fröhlichkeit oder Flucht aus dem Alltag sucht, wird hier eher nicht fündig. Stattdessen dominieren nachdenkliche, oft ernste Töne, die noch lange nachwirken können.

Sprachlich überzeugt Knospe mit einer klaren, bildreichen Ausdrucksweise. Charaktere, Stimmungen und Emotionen werden präzise gezeichnet, oft mit nur wenigen, aber treffenden Sätzen. Besonders in den realitätsnahen Szenarien entfalten die Geschichten eine starke Wirkung. Gleichzeitig verlangt das Buch Aufmerksamkeit: Diese Texte eignen sich weniger zum beiläufigen Lesen, sondern wollen konzentriert und am besten dosiert genossen werden.

Nicht jede Geschichte trifft gleichermaßen den eigenen Geschmack, was bei Kurzgeschichtenbänden kaum ausbleibt. Manche Perspektiven und Darstellungen mögen polarisieren, doch das erzählerische Können ist stets deutlich spürbar. Knospe versteht es, mit kurzen Momentaufnahmen lebendige Bilder zu erzeugen und existenzielle Fragen aufzuwerfen.

„Der Tod der Löwenbändigerin” ist somit kein Buch für zwischendurch, sondern eine Sammlung, die man langsam liest, auf sich wirken lässt und gedanklich mitnimmt. Empfehlenswert für Leser:innen, die literarische Kurzformen schätzen, offen sind und bereit sind, sich auf menschliche Zwischenwelten einzulassen.

Veröffentlicht am 30.12.2025

Wenn Denken tödlich wird – eine Dystopie, die unter die Haut geht.

Dogma der Wahrheit
0

Mit „Dogma der Wahrheit” legt E.X. Behemoff einen intensiven dystopischen Sci-Fi-Thriller vor, der weniger auf schnelle Effekte, sondern auf Tiefe, Atmosphäre und unbequeme Fragen setzt. Der Roman ist ...

Mit „Dogma der Wahrheit” legt E.X. Behemoff einen intensiven dystopischen Sci-Fi-Thriller vor, der weniger auf schnelle Effekte, sondern auf Tiefe, Atmosphäre und unbequeme Fragen setzt. Der Roman ist der Auftakt der Honeypot-Protokoll-Reihe, in sich abgeschlossen, aber mit spürbarem Sog zur Fortsetzung.

Die Welt, in die man als Leser eintaucht, ist gnadenlos: Gedanken sind kein privater Raum mehr, Wahrheit ist staatlich definiert und Abweichung wird öffentlich bestraft. Das sogenannte Grid wirkt wie ein digitaler Käfig, in dem Kontrolle, Ablenkung und Gewalt zur Unterhaltung werden. Diese Zukunft fühlt sich nicht fern oder überzeichnet an, sondern beunruhigend nah an unserer Realität.

Im Mittelpunkt steht Hagen, der sich an eine andere Zeit erinnert, aber lange wegschaut, bis Verlust und Schuld ihn zwingen, Haltung zu zeigen. Seine Suche nach dem sagenumwobenen Root Chip treibt die Handlung voran und verwandelt seinen inneren Konflikt in eine tödliche Jagd. Dabei bleibt die Geschichte stets mehr als reine Action: Sie lebt von moralischen Grauzonen, psychologischem Druck und der Frage, wie viel Anpassung ein Mensch erträgt, bevor er sich selbst verliert.

Der Schreibstil ist fordernd, aber lohnend. Das Setting entfaltet sich schrittweise, Details gewinnen im Verlauf an Bedeutung und verlangen Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer dichten Cyberpunk-Atmosphäre, vielschichtigen Charakteren und starken Bildern belohnt. Besonders gelungen ist, dass trotz aller Brutalität immer wieder Menschlichkeit aufscheint – in Erinnerungen, Beziehungen und kleinen Momenten des Widerstands.

„Dogma der Wahrheit” ist kein Thriller für zwischendurch, sondern ein Roman, der nachhallt. Er stellt unbequeme Fragen zu Wahrheit, Freiheit, Überwachung und Identität und lässt einen damit nicht sofort wieder los. Eine klare Empfehlung für Leserinnen und Leser, die dystopische Stoffe mit Tiefgang schätzen und bereit sind, die eigene Vorstellung von Wahrheit zu hinterfragen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2025

Kurz, ehrlich und mitten ins Gefühl!

Ich bin dann mal schwanger
0

„Ich bin dann mal schwanger“ von Jasmin Müller ist ein ehrlicher und sehr persönlicher Blick auf das Schwangersein – fernab von Hochglanzbildern und perfekter Instagram-Idylle. Die Autorin beschreibt diese ...

„Ich bin dann mal schwanger“ von Jasmin Müller ist ein ehrlicher und sehr persönlicher Blick auf das Schwangersein – fernab von Hochglanzbildern und perfekter Instagram-Idylle. Die Autorin beschreibt diese besondere Lebensphase so, wie sie sich für viele wirklich anfühlt: chaotisch, emotional, manchmal überfordernd, dann wieder überraschend schön.

Mit ihrem einfachen, leicht zugänglichen Schreibstil nimmt Jasmin Müller die Leserinnen mit durch das Hormonchaos, die körperlichen Beschwerden, die inneren Zweifel und die kleinen, stillen Glücksmomente, die oft zwischen all dem Trubel liegen. Gerade diese Mischung aus Humor und leisen, nachdenklichen Passagen macht das Buch so authentisch und nahbar. Es liest sich weniger wie ein Roman, sondern eher wie ein ehrliches Gespräch mit einer guten Freundin.

Die Kürze des Buches ist dabei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits passt sie gut zum lockeren, schnellen Lesefluss und macht das Buch ideal für zwischendurch. Andererseits bleibt stellenweise ein leicht wehmütiges Gefühl zurück, weil man gerne noch tiefer in manche Gedanken und Situationen eingetaucht wäre. Einige Emotionen hätten ruhig noch etwas mehr Raum bekommen dürfen.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – überzeugt das Buch durch seine Echtheit. Es ist schlicht gehalten, aber voller Gefühl, Offenheit und Wiedererkennungswert. „Ich bin dann mal schwanger” ist kein Ratgeber und will es auch nicht sein, sondern ein ehrlicher Begleiter, der zeigt: Es ist okay, wenn nicht alles perfekt ist.

Ein lesenswertes Buch für werdende Mütter und alle, die Schwangerschaft einmal ohne Filter, dafür mit Herz und Humor erleben möchten.