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JohannaMaus

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2025

Dachdeckerlehre mit Humor und Hürden

Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen
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„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – dieser alte Spruch trifft auf Erdmanns Geschichte in vielerlei Hinsicht zu. In „Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen“ erzählt der Autor mit einem Augenzwinkern ...

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – dieser alte Spruch trifft auf Erdmanns Geschichte in vielerlei Hinsicht zu. In „Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen“ erzählt der Autor mit einem Augenzwinkern von seiner Lehrzeit in der DDR, die 1983 beginnt, nachdem ihm der Weg zur höheren Bildung durch einen ideologisch motivierten Schuldirektor verbaut wurde. Was zunächst nach einer Zwangslösung klingt – die Dachdeckerlehre – entwickelt sich zu einem unterhaltsamen und prägenden Lebensabschnitt. Zwischen ruppigen Gesellen, harten Arbeitsbedingungen und dem ein oder anderen Bier auf der Baustelle erlebt Erdmann vieles, was heute kaum vorstellbar wäre. Dabei bleibt er trotz allem humorvoll und reflektiert. Der Schreibstil ist leicht, die Sprache direkt, manchmal schnoddrig, aber immer authentisch. Besonders gefallen haben mir die kleinen Anekdoten, die das damalige Leben greifbar machen – sei es das Improvisieren mit Besteck als Werkzeug oder die kleinen Streiche unter Kollegen. Manches wirkt aus heutiger Sicht befremdlich, anderes wiederum überraschend vertraut. Das Buch ist kein Roman im klassischen Sinne, eher eine Sammlung von Erinnerungen, mal lustig, mal nachdenklich – aber nie weinerlich oder verklärt. Gerade wer selbst Erinnerungen an die DDR hat oder sich für Alltagsgeschichten aus dieser Zeit interessiert, wird hier fündig. Auch Handwerker:innen und Auszubildende dürften sich über manche Parallele oder Kontrast zum heutigen Berufsalltag amüsieren. Fazit: Ein ehrlicher, stellenweise sehr amüsanter Rückblick auf das Leben als Lehrling in der DDR – mit Herz, Humor und einer Portion Selbstironie erzählt.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Ein Herzenspony in Gefahr – und eine Schatzsuche voller Mut und Freundschaft

Die Ponys von Lillasund 2. Schatzsuche auf vier Hufen
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Mit „Schatzsuche auf vier Hufen” entführt uns Kathrin Lena Orso erneut nach Lillasund, wo Ponyträume, Freundschaft und Abenteuer Hand in Hand gehen. Ida darf mit ihrer Mutter dauerhaft auf die idyllische ...

Mit „Schatzsuche auf vier Hufen” entführt uns Kathrin Lena Orso erneut nach Lillasund, wo Ponyträume, Freundschaft und Abenteuer Hand in Hand gehen. Ida darf mit ihrer Mutter dauerhaft auf die idyllische Insel ziehen, was einen wunderschönen Neuanfang bedeutet. Doch die Freude wird getrübt, als ihr geliebtes Pony Floki verkauft werden soll. Um das zu verhindern, starten Ida und ihre Freunde eine aufregende Schatzsuche nach einem alten Wikingerschatz.

Die Geschichte hat alles, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: sympathische Figuren, viel Herz, Spannung und eine wunderbare Atmosphäre. Die Dynamik zwischen den vier Freunden ist liebevoll und authentisch. Besonders schön finde ich, wie sie zusammenhalten und füreinander einstehen. Auch die Landschaftsbeschreibungen sind wieder sehr gelungen. Lillasund wirkt lebendig und einladend, fast wie ein Ort, den man selbst besuchen möchte.

Die Karte am Anfang und die liebevollen Illustrationen machen das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis. Auch als erwachsene Leserin konnte ich mich von der Geschichte mitreißen lassen. Es ist schön zu sehen, wie Werte wie Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und der Glaube an sich selbst auf so kindgerechte und herzliche Weise vermittelt werden.

Eine große Empfehlung für alle kleinen Pferdefans ab 8 Jahren – und für alle, die noch immer vom eigenen Pony träumen! Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Abenteuer in Lillasund. 💛

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Manches weiß man schon – aber es tut gut, es nochmal zu lesen

Unperfekt ist genau richtig
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„Unperfekt ist genau richtig“ ist ein angenehm zu lesendes Buch. Es ruft einem vor allem in Erinnerung, worauf es wirklich ankommt und dass wir selbst ganz oben auf unserer Prioritätenliste stehen sollten. ...

„Unperfekt ist genau richtig“ ist ein angenehm zu lesendes Buch. Es ruft einem vor allem in Erinnerung, worauf es wirklich ankommt und dass wir selbst ganz oben auf unserer Prioritätenliste stehen sollten. Auch wenn reflektierte Menschen hier vielleicht nicht viel Neues lernen, hat mir die Lektüre gutgetan.

Lucinde Hutzenlaub schreibt ehrlich, charmant und mit einem Augenzwinkern über den Anspruch, perfekt sein zu wollen, und darüber, warum wir diesen Anspruch loslassen dürfen. Die Kapitel sind übersichtlich und klar gegliedert, was das Lesen sehr angenehm macht. Auch das fröhlich-gelbe Cover hat mich direkt angesprochen, denn es passt wunderbar zur Grundstimmung des Buches.

Insgesamt erfindet dieser Ratgeber das Rad nicht neu, aber er lädt dazu ein, innezuhalten und sich selbst ein bisschen liebevoller zu betrachten – und genau das kann manchmal schon sehr heilsam sein. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Ein Roman über Trümmer, Erinnerungen und das, was bleibt

Überreste
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„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der ...

„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der Roman fordert Konzentration, Aufmerksamkeit und ein Gespür für Zwischentöne. Oft ist das, was zwischen den Zeilen passiert, eindringlicher als das Gesagte.

Die Stimmung ist dicht und manchmal schwer und immer von einem leisen Dröhnen aus Schmerz, Erinnerung und Schweigen durchzogen. Vieles bleibt fragmentarisch – wie die Welt, die er beschreibt. Und genau darin liegt seine Kraft. Es ist Literatur, die Unbehagen zulässt. Literatur, die nicht glättet, sondern aufreißt. Literatur, die nicht tröstet, sondern das Unaussprechliche aushält.

Stilistisch bewegt sich Delgado zwischen Reportage, Erinnerung und Fiktion. Er versetzt die Lesenden in einen Schwebezustand – irgendwo zwischen Traum, Trauma und Realität. Das Lesen ist wie ein vorsichtiges Tasten im Halbdunkel, begleitet von Gerüchen, Stimmen und Gesichtern, die kommen und gehen.

Es ist ein zutiefst politisches Buch, das nie laut wird. Ein psychologisches Kammerspiel inmitten gesellschaftlicher Katastrophen. Und es ist ein Buch über Sprache selbst: darüber, was sie sagen kann – und was nicht.

Ein leises, wütendes, poetisches Werk. Wer es gelesen hat, wird anders auf das Meer blicken. Und auf das, was wir „Vergangenheit“ nennen.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Eine magische Reise in die Welt der Bücher – mit vielen offenen Fragen

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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„Die Buchreisenden – Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist für mich ein spannender Auftakt einer Dilogie, der mich mit seinem schönen, flüssigen Schreibstil sofort in die Geschichte gezogen hat. Akram El-Bahay ...

„Die Buchreisenden – Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist für mich ein spannender Auftakt einer Dilogie, der mich mit seinem schönen, flüssigen Schreibstil sofort in die Geschichte gezogen hat. Akram El-Bahay schafft es, eine faszinierende Welt zu erschaffen: In einem kleinen, versteckten Buchladen in London können Kunden in die Geschichten berühmter Romane reisen – geführt von Libronauten wie Adam, der mit seiner besonderen Stimme die Reisenden sicher durch die Bücher begleitet.

Der Einstieg ist direkt und fesselnd, und ich konnte mir die geheimnisvolle Atmosphäre in der Buchhandlung gut vorstellen. Die Idee, in Bücher einzutauchen und dort Abenteuer zu erleben, ist einfach toll und spricht alle Buchliebhaber an. Besonders die Begegnungen mit magischen Wesen wie Kobolden sorgen für etwas Humor und Lockerheit in der sonst mysteriösen Handlung.

Allerdings bleiben viele Fragen offen und die Geschichte endet mit einem deutlichen Cliffhanger – das macht zwar neugierig auf den nächsten Band, lässt einen aber auch etwas zurück. Auch die Charaktere haben bei mir gemischte Gefühle hinterlassen: Adam ist sympathisch, aber wirkt manchmal etwas naiv und zurückhaltend, was seine eigene Entwicklung angeht. Einige Nebenfiguren bleiben blass und ihre Rolle im Ganzen nicht ganz klar.

Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, und ich freue mich schon darauf, in Band 2 mehr über die Geheimnisse der Libronauten und die magischen Türen zu erfahren, die plötzlich zwischen den Geschichten auftauchen.

Fazit: Ein schöner Einstieg in eine magische Welt, die noch viel Potential bietet. Empfehlenswert für alle, die gerne in literarische Abenteuer eintauchen und sich nicht vor offenen Fragen fürchten. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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