Dachdeckerlehre mit Humor und Hürden
Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – dieser alte Spruch trifft auf Erdmanns Geschichte in vielerlei Hinsicht zu. In „Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen“ erzählt der Autor mit einem Augenzwinkern ...
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – dieser alte Spruch trifft auf Erdmanns Geschichte in vielerlei Hinsicht zu. In „Kein Wetter für Dachdecker und kleine Gänschen“ erzählt der Autor mit einem Augenzwinkern von seiner Lehrzeit in der DDR, die 1983 beginnt, nachdem ihm der Weg zur höheren Bildung durch einen ideologisch motivierten Schuldirektor verbaut wurde. Was zunächst nach einer Zwangslösung klingt – die Dachdeckerlehre – entwickelt sich zu einem unterhaltsamen und prägenden Lebensabschnitt. Zwischen ruppigen Gesellen, harten Arbeitsbedingungen und dem ein oder anderen Bier auf der Baustelle erlebt Erdmann vieles, was heute kaum vorstellbar wäre. Dabei bleibt er trotz allem humorvoll und reflektiert. Der Schreibstil ist leicht, die Sprache direkt, manchmal schnoddrig, aber immer authentisch. Besonders gefallen haben mir die kleinen Anekdoten, die das damalige Leben greifbar machen – sei es das Improvisieren mit Besteck als Werkzeug oder die kleinen Streiche unter Kollegen. Manches wirkt aus heutiger Sicht befremdlich, anderes wiederum überraschend vertraut. Das Buch ist kein Roman im klassischen Sinne, eher eine Sammlung von Erinnerungen, mal lustig, mal nachdenklich – aber nie weinerlich oder verklärt. Gerade wer selbst Erinnerungen an die DDR hat oder sich für Alltagsgeschichten aus dieser Zeit interessiert, wird hier fündig. Auch Handwerker:innen und Auszubildende dürften sich über manche Parallele oder Kontrast zum heutigen Berufsalltag amüsieren. Fazit: Ein ehrlicher, stellenweise sehr amüsanter Rückblick auf das Leben als Lehrling in der DDR – mit Herz, Humor und einer Portion Selbstironie erzählt.