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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2025

Stimmiger Krimiauftakt mit Atmosphäre und Tiefgang

Gerächt sein sollst du
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„Gerächt sein sollst du“ hat mich positiv überrascht, ein Kriminalroman, der nicht mit Blut und Brutalität punkten will, sondern mit Tiefe, glaubwürdigen Figuren und einer klaren Erzählweise. Für mich ...

„Gerächt sein sollst du“ hat mich positiv überrascht, ein Kriminalroman, der nicht mit Blut und Brutalität punkten will, sondern mit Tiefe, glaubwürdigen Figuren und einer klaren Erzählweise. Für mich hat hier vieles gestimmt: Die Themen sind aktuell und gesellschaftlich relevant, ohne mit dem Holzhammer präsentiert zu werden, und die Charaktere wirken angenehm bodenständig und nachvollziehbar in ihrem Handeln.

Besonders hervorheben möchte ich die gelungene Atmosphäre: Kristiinankaupunki als Schauplatz war nicht nur Kulisse, sondern fast eine eigene Figur in der Geschichte. Obwohl ich noch nie dort war, hatte ich beim Lesen klare Bilder vor Augen, das spricht für die bildhafte Sprache der Autorin. Auch die Länge fand ich genau richtig: kein überflüssiger Ballast, sondern ein konzentrierter, gut strukturierter Plot.

Klar, ein klein wenig mehr Tempo oder ein zusätzlicher Spannungsbogen hätten die Geschichte vielleicht noch intensiver gemacht, aber insgesamt ist es ein sehr gelungener Start einer Reihe, von der ich auf jeden Fall mehr lesen möchte. Ein Krimi, der leise, aber eindringlich bleibt.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine Welt in Flammen, ein Team am Zerbrechen

Four Ruined Realms
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Dieses Mal liegt der Fokus viel stärker auf der Fantasy und nicht so sehr auf der Romantik. Genau mein Ding. Statt großer Gefühle im Vordergrund gibt’s Attentate, Gefängnisausbrüche, Schwertkämpfe und ...

Dieses Mal liegt der Fokus viel stärker auf der Fantasy und nicht so sehr auf der Romantik. Genau mein Ding. Statt großer Gefühle im Vordergrund gibt’s Attentate, Gefängnisausbrüche, Schwertkämpfe und durchgehend den Versuch, irgendwie lebend aus der nächsten Mission rauszukommen. Und das mit einem Team, das so unterschiedlich ist, dass es eigentlich nie funktionieren dürfte, aber es tut’s trotzdem. Irgendwie.

Was ich besonders mochte: Die Handlung nimmt richtig Fahrt auf, auch wenn ein Großteil auf der Straße, im Knast oder mitten in einem chaotischen Auftrag spielt. Es bleibt spannend, manchmal düster, oft blutig, und ich musste regelmäßig kurz durchatmen, weil ich nicht wusste, wer das nächste Kapitel überhaupt überlebt. Dazu kommt ein letzter Twist im Epilog, der mich sprachlos zurückgelassen hat. Ich will jetzt sofort wissen, wie es weitergeht.

Die Liebesgeschichten rücken in den Hintergrund, was mir entgegenkommt, einige Paare verbringen sowieso große Teile des Buchs getrennt. Es gibt trotzdem emotionale Momente, aber sie werden nicht künstlich aufgeblasen, sondern fühlen sich wie ein Teil des größeren Ganzen an. Found Family steht hier deutlich stärker im Vordergrund, und auch wenn nicht jede Figur immer logisch oder sympathisch handelt, passt das zu dieser Welt, in der Vertrauen lebensgefährlich sein kann.

Klar, nicht alles war perfekt: Einige POVs haben sich sprachlich sehr ähnlich gelesen, manchmal hatte ich das Gefühl, die inneren Monologe wiederholen sich zu oft. Und ja, ein paar Figuren haben mich auch dezent in den Wahnsinn getrieben. Aber unterm Strich war das hier genau die Art von Fantasy, die mich packt, mit dreckigen Schlachten, zwielichtigen Allianzen und der ständigen Frage, wem man überhaupt noch glauben kann.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Atmosphärisch und verstörend, aber nicht ganz meins

Das Beste sind die Augen
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Ich bin etwas hin- und hergerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Das Beste sind die Augen hat definitiv etwas Eigenes, der Schreibstil ist stark, das Tempo stimmig und die Figurenentwicklung gut ...


Ich bin etwas hin- und hergerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Das Beste sind die Augen hat definitiv etwas Eigenes, der Schreibstil ist stark, das Tempo stimmig und die Figurenentwicklung gut gemacht. Monika Kim weiß, wie man eine düstere, dichte Stimmung erzeugt, und ich mochte, wie sie gesellschaftliche Themen wie Rassismus und Sexismus verarbeitet.

Trotzdem bin ich emotional nicht richtig reingekommen. Ich konnte mich weder wirklich mit der Hauptfigur noch mit der Handlung verbinden. Vieles fühlte sich für mich eher wie eine surreale Momentaufnahme an als eine durchgehende Geschichte. Es gab Stellen, die mich fesselten, aber insgesamt hat es mich nicht so berührt oder erschüttert, wie es offenbar bei vielen anderen der Fall war.

Das Ende kam mir etwas abrupt vor, als würde etwas fehlen, das ich nicht ganz benennen kann. Vielleicht wollte das Buch gar nicht alles auflösen, aber genau das hat mich mit einem eher leeren Gefühl zurückgelassen.

Unterm Strich: kein schlechtes Buch, nur nicht das Richtige für mich. Ich würde definitiv noch mal etwas von Monika Kim lesen, aber dieses hier bleibt wohl bei einem einmaligen Versuch.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Zwischen Tanz und Täuschung - zu wenig Fantasy für mich!

A Dance of Lies
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3,5 Sterne (aufgerundet: 4*)

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen von A Dance of Lies. Es gab Momente, in denen ich wirklich drin war, in der Welt, in Vasalies Kopf, im Netz aus Lügen und Machtspielchen. ...

3,5 Sterne (aufgerundet: 4*)

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen von A Dance of Lies. Es gab Momente, in denen ich wirklich drin war, in der Welt, in Vasalies Kopf, im Netz aus Lügen und Machtspielchen. Aber genauso oft wurde ich auch wieder rausgerissen. Und obwohl ich nicht bereue, es gelesen zu haben, hinterlässt es bei mir ein leicht enttäuschtes Gefühl. Gerade weil ich mir viel von der Darstellung chronischer Krankheit in einem Fantasy-Setting erhofft hatte und das leider nicht ganz aufgegangen ist.

Vasalie ist eigentlich eine spannende Figur: eine Tänzerin, gebrochen durch eine lange Zeit im Kerker, körperlich und seelisch gezeichnet. Ihre Reise von der Verzweiflung zurück zu einer Form von Selbstermächtigung war stellenweise berührend. Aber das, was als “Behinderung” eingeführt wurde, blieb für mich zu oberflächlich. Sie soll geschwächt sein, ja, doch sie tanzt, kämpft und spioniert oft, als hätten sie diese zwei Jahre kaum mitgenommen. Ich hätte mir da mehr Tiefe und Kontinuität gewünscht, vor allem, weil die Grundidee so wichtig und vielversprechend war.

Spannend fand ich dagegen den politischen Rahmen, die Versammlung mit ihren Intrigen, der Konkurrenz zwischen den Königsbrüdern, der unterschwelligen Spannung und all den kleinen Machtspielen. Auch die Mischung aus Tanz und Spionage hatte ihren Reiz. Was mir weniger gefallen hat, war die Vielzahl potenzieller Love Interests. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte nicht so recht wusste, auf welche Richtung sie hinauswill, was nicht unbedingt schlecht sein muss, aber hier wirkte es eher wie unnötiges Drama als echte Entwicklung.

Der Schreibstil selbst war sehr durchwachsen. Teilweise sehr bildhaft und emotional, an anderen Stellen aber überladen und etwas zu bemüht poetisch. Gerade der Anfang zog sich für mich, während das Ende deutlich an Fahrt aufnahm und für einen gelungenen Cliffhanger sorgte.

Unterm Strich war A Dance of Lies ein lesenswertes Buch mit einigen starken Momenten, vor allem was Atmosphäre und Grundkonzept angeht. Aber ich habe nicht genug Verbindung zu den Figuren aufbauen können, und das Potenzial, besonders im Hinblick auf das Thema chronische Krankheit, wurde nicht ausgeschöpft. Wer gern in Intrigen abtaucht, langsame Romanzen und eine winzige Prise Fantasy ohne Magie mit politischer Note mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Für mich bleibt es ein solides, aber nicht überragendes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mord nach Rezept
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Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mit dem zweiten Fall rund um Emma Ferrari hat mich Sabine Steck wieder mitten ins Herz von Himmelsricht katapultiert, und zwar direkt ...

Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mit dem zweiten Fall rund um Emma Ferrari hat mich Sabine Steck wieder mitten ins Herz von Himmelsricht katapultiert, und zwar direkt hinein in das aufregende Finale eines kulinarischen Wettbewerbs. Schon nach den ersten Seiten war ich wieder vollkommen drin im Geschehen und in dieser so tollen "Ermittler"-Gruppe, als wäre ich nie weg gewesen. Emma und die anderen Damen, die man bereits aus dem ersten Fall kennt, sind für mich mittlerweile wie alte Bekannte/Freunde: sympathisch, bodenständig und mit einer feinen Nase für Ungereimtheiten. Umso schöner, dass Emma sich in diesem Band nicht nur ihrem Feinkostladen widmet, sondern auch gleich wieder auf Mördersuche geht, dieses Mal in einem wirklich delikaten Umfeld.

Die Atmosphäre im Buch ist herrlich lebendig und bodenständig: Man meint, die Düfte des Risottos in der Nase zu haben und die Spannung auf dem Dorfplatz fast greifen zu können. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, manche angenehm/unangenehm vertraut, andere neu, aber alle mit Ecken, Kanten und ganz viel Persönlichkeit. Gerade das Zusammenspiel zwischen Emma und ihren Freundinnen bringt viel Wärme und Witz mit.

Die Handlung selbst ist zwar nicht allzu überraschend, aber das stört überhaupt nicht. Vielmehr lebt das Buch vom Weg zur Auflösung: von den vielen kleinen Details, die Emma so wunderbar zusammenfügt, von den zwischenmenschlichen Spannungen, die sich wie Gewürze durch die Geschichte ziehen, und von der charmanten Mischung aus Ernst und Augenzwinkern.

Für mich ist „Mord nach Rezept“ ein idealer Krimi für alle, die Spannung ohne blutige Grausamkeiten lieben, mit viel Herz, regionalem Flair und einer Prise italienischem Temperament. Und das Beste: Am Ende gibt’s sogar noch etwas für den Gaumen.

Klare fünf Sterne von mir und eine große Vorfreude auf Emmas nächsten Fall!

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