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Veröffentlicht am 16.08.2025

Die Unzulänglichkeiten der Welt

Botanik des Wahnsinns
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Leon Engler nimmt den Leser mit auf seinen Weg durch die Botanik des Wahnsinns, der nicht erst beginnt, als er feststellt, dass alle wichtigen Erinnerungen an seine Mutter, seine Kindheit geschreddert ...

Leon Engler nimmt den Leser mit auf seinen Weg durch die Botanik des Wahnsinns, der nicht erst beginnt, als er feststellt, dass alle wichtigen Erinnerungen an seine Mutter, seine Kindheit geschreddert auf der Müllhalde gelandet sind. Er beginnt diesen Wahnsinnsweg schon als Kind, so erinnert er sich an die Merkwürdigkeiten seiner Mutter und seines Vaters. Nur langsam filtert er aus diesem Wahnsinn, der sich oftmals schier versteckt, die Tatsachen und Wirklichkeiten heraus. "Die Mutter bipolar und psychotisch, der Vater todkrank." So erzählt Engler eine Erkenntnis- und Erweckungsgeschichte, der ich oftmals nicht gern folgte. Sie ist bedrückend, auch wenn er die Ironie seiner Erkenntnisse durchscheinen lässt. Der "Hauptdarsteller" ist ein Zweifler an sich, an seinen Eltern, seiner Umwelt, seinen Freunden und er wundert sich manchmal über sich selbst. Nur die Erzählungen über den alten Nachbarn haben mir gut gefallen, als wären sie einer Extra-Story in der Story, warmherzig und liebevoll geschrieben.
Eingewebt in seine Geschichte findet man Zitate von Schriftsellern und Psychiatern und kann sich seinen Reim auf die Unzulänglichkeiten der Welt selbst machen.
Fazit: Vielleicht ein Buch für angehende Psychiater, ich werde es meinem Enkel empfehlen, der studiert noch. Für mich war es eher ungeeignet.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Fernes Japan trifft auf fremdes Deutschland - Ein Familienpuzzle

Onigiri
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Yuko Kuhn hat mit "Onigiri" ihren ersten Roman vorgelegt, der mir sehr gut gefallen hat. Hauptperson und Ich-Erzählerin ist Aki, Tochter einer Japanerin und eines Deutschen, die in Deutschland aufwächst ...

Yuko Kuhn hat mit "Onigiri" ihren ersten Roman vorgelegt, der mir sehr gut gefallen hat. Hauptperson und Ich-Erzählerin ist Aki, Tochter einer Japanerin und eines Deutschen, die in Deutschland aufwächst und nun am Ende des Lebens ihrer Mutter Keiko versucht, die Familiengeheimnisse zu lüften. Was nicht so einfach ist, denn ihre Mutter ist an Demenz erkrankt. Aki versucht, es möglichst allen recht zu machen, aber auch ihre Geduld kommt manchmal an ihre Grenzen. Trotzdem hat sie sich in den Kopf gesetzt, mit ihrer Mutter noch ein einziges Mal nach Japan zur Familie zu reisen, letztlich ist es der Tod der japanischen Großmutter mit über 100 Jahren, der sie aufrüttelt. Auch wenn sie versucht ihrer Mutter, alles zu erklären und zu erzählen, diese vergisst es im Handumdrehen und Aki ist alarmiert. Die Reise nach Japan gestaltet sich trotzdem nicht schwierig, das mag auch mit dem geduldigen Temperament der Japaner an sich zu tun haben. Sei es der fröhliche Onkel oder die alte Freundin der Mutter, die es erträgt, dass Keiko sie nicht mehr erkennt. Die Autorin charakterisiert jede ihrer Figuren sehr einfühlsam, auch wenn sie kritisch ist, bleibt die Liebe immer vordergründig.
Das Buch ist mit rund 200 Seiten nicht sehr umfangreich, aber sehr anrührend und gut zu lesen. Die japanische Kultur, das fremde Essen, die unbekannten Worte, das alles erzeugt eine vertrauliche und empathische Atmosphäre für den Leser. Sehr gefallen hat mir das Glossar. Am Anfang gibt es auch ein Inhaltsverzeichnis mit den japanischen Kapitelüberschriften und deren Übersetzung. Warum die deutsche Übersetzung bei den Kapitelanfängen weggelassen wurde, weiß ich nicht. Ich musste jedenfalls doch immer wieder vorn nachschauen.
Der liebevolle Umgang von Felix, Akis Ehemann, mit seiner dementen Schwiegermutter hat mich tief berührt und ließ mich an meinen Mann und meine Mutter denken, die ein ähnliches Verhältnis hatten. Ebenso gut gefielen mir die Szenen in Japan im Hause des Onkels. Aki erzählt ihre und die Geschichte ihrer Mutter, ihrer Familie in einem ständigen Wechsel der Zeiten und Orte, ein bisschen gewöhnungsbedürftig war dieser ständige Wechsel teilweise. Aber immer noch leichter zu verfolgen als im Hörbuch, das für mich den Anlass gab, dieses Buch in seiner gedruckten Version zu lesen. Als Zuhörer musste man versuchen, die japanischen Worte im Kopf zu behalten, im Buch vor- und zurückzublättern ist leichter. Was Onigiri tatsächlich bedeutet, gibt auch das Buch nicht sofort preis, man kann es natürlich googeln.
Fazit: Ich empfehle das Buch sehr gern, es lässt einen Blick zu auf ein Japan, wie wir Europäer es nicht so gut kennen.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

In Wien gehen die Uhren eben anders

Miss Vergnügen
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Martina Parker hat mit "Miss Vergnügen" tatsächlich einen vergnüglichen Krimi geschrieben, der trotz des poppigen Covers und des netten Titels einiges an Blut und Tod auf Lager hat. Ich habe mich von Anfang ...

Martina Parker hat mit "Miss Vergnügen" tatsächlich einen vergnüglichen Krimi geschrieben, der trotz des poppigen Covers und des netten Titels einiges an Blut und Tod auf Lager hat. Ich habe mich von Anfang an gut amüsiert und unterhalten gefühlt, aber zur Mitte hin fesselte mich das Buch plötzlich nicht mehr so sehr. Das dritte Drittel holte dann in Sachen Spannung und Unterhaltung wieder gehörig auf!
Die Protagonisten machten einfach Spaß, jeder mit eigener Macke und eigenem Talent. Miss Brooks ermittelt in diesem ersten Teil einer geplanten Serie auf ganz spezielle Art. Zu Beginn wird ein Herr bei lebendigem Leibe in einem Porzellanbrennofen kremiert, der eigentlich noch ein bisschen hätte leben wollen. Der Konzern, in dem Franzose Jacques Bernard seine Brötchen verdiente, ist die bekannte Kosmetikfirma Très Loué, was man auch mit "sehr beliebt" übersetzen kann. Offensichtlich traf das nicht auf Bernard zu, denn der ist nun tot. Während Miss Brooks - "Zustechen, Faden packen, Schlinge zuziehen." - noch Wollpüppchen häkelt, geht die Ermittlungsarbeit der Wiener Polizei in der Porzellanmanufaktur Augarten schon los. Denn in deren Räumen stand der besagte Brennofen, am Vorabend hatte ein Barockball stattgefunden.
Wie sich kurze Zeit später Miss Brooks in die tödlichen Angelegenheiten mischt, gebe ich nicht preis. Nur soviel, am Ende ist man wirklich überrascht, wie Klarheit in den (w)irren Fall kommt. Zitat: "In Wien mit seiner Gemütlichkeit hatte sie erkannt, dass es okay war, manchmal einfach nur dazusitzen und zu schauen, was als Nächstes passierte." Denn: "In Wien gehen die Uhren eben anders."

Fazit: gute Sommerunterhaltung mit Wiener Schmäh.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Unheimliches Camp Donkerbloem

Der Trailer (Donkerbloem 1)
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Linus Geschke hat einen gewaltigen Krimi geschrieben, das Hörbuch zieht den Hörer in einen Strudel eskalierender Gewalt und nervenzehrender Beziehungen. Mir hat es gefallen, Richard Barenberg liest mit ...

Linus Geschke hat einen gewaltigen Krimi geschrieben, das Hörbuch zieht den Hörer in einen Strudel eskalierender Gewalt und nervenzehrender Beziehungen. Mir hat es gefallen, Richard Barenberg liest mit zunehmender Empathie und Eindringlichkeit, und wenn man die Protagonisten erst einmal kennengelernt hat, kann man gar nicht mehr aufhören zuzuhören.
Camp Donkerbloem ist ein Campingplatz, der im Jahr 2011 nicht nur normale Campingfreunde, sondern insbesondere auch Freunde von hartem Sex und Gewalt oder Swingerpärchen anlockt, Drogen aller Art inklusive. So landet auch Lisa Martin auf ihrem Urlaubstrip dort, nicht ahnend, dass ihre Nachbarn nicht nur Erholungssuchende sind. Sie wird nach einer Nacht ausufernder Gewaltexzesse verschwunden bleiben. Auch 14 Jahre später glauben alle Beteiligten, dass sie tot ist. Und ihr Verschwinden ein Cold Case. Die gerade erst suspendierte Polizeikommissarin Frieda Stahnke stochert in diesem alten Fall herum, und als sie in einem True-Crime-Podcast darüber spricht, weckt sie wohl schlafende Hunde. Der Fall geht auch Barbesitzer Wout Meertens nicht aus dem Kopf, der in der Nacht des Verschwindens der schönen Studentin Lisa auch auf dem Campingplatz war, als „Zuschauer“. Seine ziemlich psychotische Untermieterin Katinka und sein draufgängerischer Kumpel Taifun fangen an, mitzufiebern und schon bald sind alle in den Fall verstrickt. Doch es stellt sich heraus, dass sie nicht die einzigen sind und dass unliebsame Zeugen beseitigt werden. Sind auch sie in Gefahr? Der Autor hat so manche Schleife eingebaut, damit der Hörer nicht geradewegs aufs Ende und die Auflösung kommt. Ich fand es spannend und auch überraschend. Hörempfehlung mit Aussicht auf noch zwei Teile Camp Donkerbloem.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Emotionaler Vulkanausbruch – Spannung garantiert

Schattengrünes Tal
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Kristina Hauff ist für mich eine neue Autorin, aber es gibt bereits einige Romane von ihr, die stehen nun auf meinem Merkzettel. Und das hat einen triftigen Grund: Schattengrünes Tal hat mich total begeistert!
Ort ...

Kristina Hauff ist für mich eine neue Autorin, aber es gibt bereits einige Romane von ihr, die stehen nun auf meinem Merkzettel. Und das hat einen triftigen Grund: Schattengrünes Tal hat mich total begeistert!
Ort der Handlung: Der Schwarzwald mit seinen Höhen und Tiefen. Die Autorin lässt die Geschichte dort recht fröhlich beginnen, mit einem Fest in einer Waldhütte zum 45. Geburtstag von Simon. Seine Ehefrau Lisa ist bei ihm, beobachtet alles aus einer zurückhaltenden Perspektive, auch ihre Freundin Johanna ist dabei. Die Tochter ist zum Auslandsjahr in Kanada. Lisa singt für ihren Mann, die Gäste sind begeistert. Alles ist ruhig, aber ausgelassen, bis plötzlich der Strom weg ist. Jemand hat den Stecker gezogen am Generator. Ein Witz, ein Streich? Als sich alles beruhigt hat, erhält Simon eine anonyme SMS, eine Gratulation zum Hochzeitstag.
Wer sind die Protagonisten? Simon ist studierter Förster, lebt in seiner Waldwelt und scheint ein friedlicher Ehemann zu sein. Lisa arbeitet Teilzeit beim Tourismusbüro, sie hat dafür auch studiert, und zusätzlich hat sie die Buchhaltung des Hotels ihrer Eltern übernommen. Die demente Mutter Rose lebt im Heim, der Vater Carl ist auch in einem Zustand, in dem er besser Pensionär und nicht Chef und Koch eines Hotels wäre. Er hat sich eine Hilfe engagiert, Margret, die über die Jahre die Hoffnung hegt, die künftige Ehefrau und Chefin zu sein. Noch ist sie nur die bessere Bedienstete und ausgebeutete Freundin. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein im Hotel „Zum alten Forsthaus“. Die Betonung liegt seit Langem auf „alt“, nun stellt sich heraus, dass die Heizung defekt ist. Lisa macht sich auf den Weg zum Hotel, vielleicht kann sie helfen. Mit dem störrischen Vater stellt sich das als schwierig heraus, aber ein Handwerker – von den „feindlichen“ Reichenbachern, die das erste Haus am Platze führen –, wird organisiert. Eigentlich sind keine Gäste mehr im eiskalten Hotel, aber eine hat sich doch eingefunden. Daniela Arnold, die hilfsbedürftig erscheint und ein Bett für die Nacht sucht. Trotz ihrer Ressentiments stimmt Lisa dieser merkwürdigen Einquartierung zu und verspricht, einen Ölradiator zu besorgen.
So beginnt dieser Roman mit einer netten Story und so manchen Gedanken der Protagonisten, die nie laut ausgesprochen werden. Jeder denkt sich seinen Teil. Lisa hat noch einen Bruder, der etwas jünger als sie, die Kurve gekratzt hat und in Frankfurt am Main ein für den Vater völlig inakzeptables Leben als privater Musiklehrer und Teilzeitkellner führt. Für den Vater absolut untragbar, der Sohn sollte Konzertpianist werden und außerdem das Hotel übernehmen. Beide Wünsche erfüllt Felix nicht. Die Geschwister sind sich aber immer trotzdem sehr verbunden, auch wenn Lisa das Gefühl hat, dass für den Vater nur Felix zählt, ihre Mithilfe ist nett, aber mehr auch nicht. Dank kann sie wohl nie erwarten. Aber da geht es ihr wie Margret, so gibt es eine kleine innere Verdrahtung der beiden Frauen.
In diese Gemengelage hinein bohrt sich Daniela Arnold wie ein emsiger Holzwurm, und hinterlässt kleine Spuren, die schwer zu deuten sind. Lisa und Daniela verbindet die Musik, so kommt Daniela mit dem Chor und den Freunden von Lisa in Verbindung. Schon bald wurde ich beim Lesen das Gefühl nicht los, dass sich etwas Unheimliches entwickelt. Wie das leise Rumpeln und Zischen in den Phlegräischen Feldern in der Nähe des Vesuvs, jeder hört es, jeder riecht den Schwefelduft des Bösen, in dem imaginären schattengrünen Tal von Herzogsbronn braut sich etwas zusammen. Dass das Böse auf seine Gelegenheit lauert, wird Seite für Seite klarer. Und das liest sich so spannend, dass ich beinahe zweifelte, ob das Buch fürs falsche Genre deklariert ist. Der Roman weist eindeutig Thriller- und Krimielemente auf, die wahnsinnig gut platziert sind.
Die Protagonisten wechseln mit den Kapiteln, man lernt von jedem die Perspektive kennen, kann sich hineinversetzen in das Gedankenkarussell, das bei jedem im Kopf seine Runden dreht. Die Dialoge sind kurz und natürlich geschrieben, das Ambiente jeder Szenerie trägt dazu bei, dass sich langsam ein Film abspult, der ab der Mitte des Buches ziemliche Fahrt aufnimmt. Nur der Abspann war für meinen Geschmack etwas zu sanft.
Fazit: Bald konnte ich gar nicht mehr so schnell lesen, wie sich die Geschichte weiterentwickelte. Aber ich werde nicht spoilern, wer sich das Buch kauft, weil es schon so viele Sterne am Lesehimmel hat, der wird bestimmt nicht enttäuscht.

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