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Veröffentlicht am 05.04.2025

Anni und Tristan – Zwillinge fühlen sich auch in der Ferne verbunden

Maikäferjahre
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Sarah Höflich hat mich mit ihrem Roman überrascht und begeistert. Ich weiß viel über die Nazizeit, den Holocaust, den Krieg, die Nachkriegsjahre, habe selbst für eigene Bücher recherchiert und kann hier ...

Sarah Höflich hat mich mit ihrem Roman überrascht und begeistert. Ich weiß viel über die Nazizeit, den Holocaust, den Krieg, die Nachkriegsjahre, habe selbst für eigene Bücher recherchiert und kann hier bestätigen, dass die Autorin an Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, an Empathie und beim Erzählen einer tragischen Familiengeschichte dem Leser nichts erspart. Eben aus meinen eigenen Erfahrungen zum Thema empfinde ich alle Ereignisse und die psychischen Belastungen als echt und unverfälscht. Es gibt tatsächlich die unwahrscheinlichsten Zufälle, die in diesen schwarzen Jahren des 20. Jahrhunderts von den Menschen erlebt wurden.
Erzählt wird die Familiengeschichte der Baumgartners, einer bürgerlichen Familie, die in Dresden auch im Krieg noch verhältnismäßig gut leben kann, ihren Ältesten aber schon an den Krieg verloren hat. Die Zwillinge Anni und Tristan, zwei die im Inneren zusammengeschweißt sind fürs Leben, versuchen diesen Krieg zu überleben, jeder auf seine Art und jeder mit furchtbaren Erlebnissen. Anni ist 1944 frisch verheiratet mit Fritz Angerer, ihrer großen Jugendliebe, und erwartet ein Kind, Tristan ist Bomberpilot am Ärmelkanal. Der Roman unterteilt sich in Kapitel, die jeweils von einem der beider erzählen und sie begleiten, Anni und ihr Baby Clara durch die Bombennächte von Dresden, Tristan durch die Hölle des Abschusses und der Kriegsgefangenschaft. Und dann ist da noch Adam, der begnadete Geiger und Halbjude, der von Annis Vater wider besseres Wissen, ohne Rücksicht auf sich selbst oder die Familie, versteckt und so gerettet wird. Anni aber verliert dadurch erst den geliebten Vater, dann auch die Mutter. Wie sie mit Adam zusammen dem Inferno Dresdens entkommt, ist eine sehr berührende Geschichte. Mehr will ich zum Inhalt aber nicht schreiben, die Spannung wuchs bei mir jedenfalls von Seite zu Seite.
Sarah Höflich hat in diesem zweiten Roman, nach „Heimatsterben“, einen Schreibstil gefunden, der sehr gut lesbar ist, ohne Schnörkel, ohne abgehackte Sätze auskommt und mich bei Weitem mehr gefesselt hat.
Besonders der Konflikt den Tristan erlebt, der als deutscher Kriegsgefangener in England dem Hass seiner (ehemaligen) Feinde ausgesetzt ist, aber auch Empathie und Solidarität erlebt, sogar Liebe, das ist sehr berührend. Mich lässt es an den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine denken, an die Feindschaften und den abgrundtiefen Hass, der Jahrzehnte, wenn nicht ein Jahrhundert dauern wird, ehe er sich auf beiden Seiten vielleicht wieder abschwächt. Mir wird das insbesondere dann bewusst, wenn ich zum Beispiel in Frankreich oder Polen im Urlaub bin, es gibt zwar keine offene Ablehnung der Deutschen, das würde der Tourismusbranche sicher nicht gut zu Gesicht stehen, aber jenseits der touristischen Pfade, bei Unterhaltungen mit Landsleuten werden die Ressentiments immer wieder deutlich. Wie muss es da erst kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewesen sein, als alle Wunden noch offen waren? Das Vernarben dauert sehr lange.
Die andere Problematik ist der Hass, die Abneigung und Ausgrenzung von Adam, der im Roman der zurückhaltendste Protagonist ist. In sich gekehrt, vorsichtig und feinfühlig, aber auch todesmutig kümmert er sich um Anni und die kleine Clara. Und wieder kommen mir auch hier Gedanken an das Heute, den aufschäumenden Antisemismus seit dem 7. Oktober 2023, der für viele Juden den Tod bracht, einige sind noch immer Hamasgeiseln und vom Tode bedroht, anderen ist die Welt auf den Kopf gestellt worden. Die sogenannte deutsche „Staatsräson“ hat aus meiner Sicht einen tiefen Riss bekommen, wenn die Täter mehr unterstützt werden als die Opfer, wenn Universitäten und Hochschulen zulassen, dass jüdische Studenten ausgegrenzt, geschlagen und verletzt werden, aber gleichzeitig Pro-Palästina-Demos und -Camps unterstützt werden. Das jüdische Volk wird diese Haltung nicht vergessen, so wie nach 1945 auch der Holocaust nicht vergessen werden konnte. Manches ist niemals aus und vorbei.
Gut gefallen haben mir die historischen Überblicke über die jeweiligen Zeitabschnitte 1944, Februar 1945 bis hin zum Sommer 1947. Ich glaube, dass der Roman für jüngere als mich ein guter Einstieg sein kann, wenn etwa der Geschichtsunterricht lange her ist oder die Themen gar nicht behandelt wurden. Mit dieser Faktenklammer, die immer vom persönlichen Erlebnis des Romanteils beendet wird, werden die Probleme von Anni, Tristan, Adam und ihren Familien auf eine gemeinsame Ebene gestellt.
Der hervorragend gelungene Schutzumschlag würde mich im Buchladen sofort einfangen, auch die Typografie gefällt mir gut. Die Aldus Nova als Schrift ist sehr gut lesbar, einzig die Briefe, die sich mit ihrer Schreibschrift vom Text abheben sollen, sind nicht ganz gelungen. Besonders die fette (für Tristans Schreiben) liest sich schlecht, die feine Variante (für Annis) ist etwas augenfreundlicher. Wären alle Briefe in etwas größerer Schriftgröße gesetzt, wäre es angenehmer, zumindest für mich als Brillenträger. Was mich aber sehr gefreut hat, ist das graue Lesebändchen, das die Farbe der Blüten auf dem Umschlag wieder aufnimmt und einen schönen Kontrast zum Orange des Bucheinbandes wie des Umschlags bildet.
Am Ende des Romans angekommen hatte ich nun einen Gedanken, den ich der Autorin ans Herz legen möchte: Dieser Roman schreit förmlich nach einem Folgeband! Was wird im Laufe der Jahre aus Anni, Clara, Tristan, Rosalie, Fritz, Adam oder Jonathan und ihren Verwandten und Freunden? Können sie das Erlebte und Erlittene hinter sich lassen und ein ganz neues Leben leben? So sehr sind mir die Protagonisten ans Herz gewachsen, dass ich fast vergessen konnte, dass sie einem Roman entsprungen, dass die Personen fiktional sind.
Fazit: ein Roman, der sich mit der deutschen Geschichte und ihren tragischen Auswirkungen auf jeden einzelnen Menschen auseinandersetzt, und das in einer fesselnden und Mut machenden Art, die man selten findet. Unbedingt 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannend - aber etwas langgezogen

Teufels Tanz
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Es ist schwierig, hier über die Geschichte zu schreiben, ohne nennenswerte Spoiler einzusetzen, denn der Verlagstext ist eigentlich schon die schönste Rezension, die mir einfallen könnte: "Wer temporeiche ...

Es ist schwierig, hier über die Geschichte zu schreiben, ohne nennenswerte Spoiler einzusetzen, denn der Verlagstext ist eigentlich schon die schönste Rezension, die mir einfallen könnte: "Wer temporeiche Hochspannung zum Miträtseln liebt, kommt an Ursula Poznanski nicht vorbei. In ihren Krimi-Bestsellern aus Wien geht es ebenso blutig wie geheimnisvoll zur Sache. Und wie die junge Ermittlerin Fina Plank sich in einem eingeschworenen Männer-Team Respekt verschafft, ist einfach nur ein großes Vergnügen."
Ich habe die ersten beiden Bände dieser Reihe nicht gelesen bzw. gehört, das werde ich nun nachholen, denn mir hat Fina Plank als Ermittlerin gut gefallen. Man kann "Teufels Tanz" auch gut hören oder lesen, ohne die ersten Bände zu kennen, und ich verspreche nicht zu viel, wenn ich gute Unterhaltung wünsche. Mir hat es Spaß gemacht, Julia Nachtmann zuzuhören.
Was ich noch anmerken muss: Das Cover ist sehr gut gelungen, ein absoluter Eye-Catcher.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Auf der Suche zwischen den Tagen

Von Stufe zu Stufe
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Ein österreichischer 35-Minuten-Stummfilm aus dem Jahr 1908 gibt dem Roman seinen Namen. Ein Künstler namens Heinz Hanus ist in Dreifaltigkeit Regisseur, Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller, Louise Fleck ...

Ein österreichischer 35-Minuten-Stummfilm aus dem Jahr 1908 gibt dem Roman seinen Namen. Ein Künstler namens Heinz Hanus ist in Dreifaltigkeit Regisseur, Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller, Louise Fleck ist die andere Drehbuchautorin. An diesen Film erinnert sich Marc, der Hauptdarsteller des Romans von Felix Kucher, gleich zu Beginn, „da war doch was?“ Marc ist ein mitteljunger Mann mit Universitätsabschluss in Filmgeschichte, aber ohne eine nennens- oder bemerkenswerte Karriere. Vielmehr wird er um Weihnachten 2021 auch noch seinen Job im Filmarchiv los und seine ganze Freude bleibt das „Roofen“. Das ist zwar nicht sonderlich erhellend, begleitet aber den ganzen Roman mit immer wiederkehrenden Blicken von ganz oben auf die da unten.
Der Roman teilt sich bei Kapitel vier in ein davor und danach, vom Jahr 2021 geht es nahtlos über ins Jahr 1906 und man begegnet der oben erwähnten Louise. Diese outet sich schon auf den ersten Metern als feministische Verfechterin des Neuen und Schönen, von Films (nein, das ist kein Schreibfehler, so wurde 1906 noch der Plural von Film gebildet) und Kinematographentheatern ist die Rede, die viel später erst und nun immer noch kurz Kino heißen. Ehrlich gesagt fand ich die ersten 50 Seiten recht ermüdend, danach wurde es zwischenzeitlich aber anregender.
Die Geschichte der Louise Fleck ist interessant und birgt das Potential für ein eher biografisches Buch über sie, ihren jüdischen Mann Jakob und die weitere Entwicklung bis zu ihrem Tod 1950. Sie war eine hübsche und blitzgescheite Frau in einer noch sehr männerdominierten (Film)-Welt. Als Leser dieses Romans muss man sich in dieser Hinsicht mit Wenigem begnügen, er endet für Louise schon 1908. Und Marc wird nach manchem Abenteuer feststellen, dass der Blick von oben auch nicht alles ist und man nicht alles findet, was man sucht.
Der etwas betuliche Schreibstil und die langatmig erzählten Ereignisse haben mich nicht überzeugt, Marc versucht jedenfalls alles, um wieder ins Filmgeschäft zu kommen. Ich lasse offen, ob es ihm gelingt, das muss jeder Leser selbst herausfinden.
Das Cover ist gut gelungen, der etwas geknickte Zelluloidfilm lässt ahnen, dass es nicht geradeaus geht in diesem Buch. Die Haptik des Festeinbandes gefällt mir sehr, aber die Schrift der Rückseite ist für das Strukturpapier etwas zu fein. Zumindest für mich als Brillenträger. Die Typografie hat mich angesprochen, sehr locker und gleichzeitig klassisch.
Fazit: Der Blick in die Filmwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat mir besser gefallen als die Monologe der verkrachten Existenz Marc. Für Cineasten sehr zu empfehlen. Gute drei Sterne.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Ich bin ein Libertin

Peggy
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Peggy Guggenheim, der Name verbindet sich bei mir mit den drei Sehnsuchtsorten New York, Venedig und Bilbao, mit den Guggenheim-Museen, mit der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts. Zuletzt gelesen habe ...

Peggy Guggenheim, der Name verbindet sich bei mir mit den drei Sehnsuchtsorten New York, Venedig und Bilbao, mit den Guggenheim-Museen, mit der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts. Zuletzt gelesen habe ich über sie bei Uwe Wittstock, der in „Marseille 1940“ ihre Flucht aus Frankreich vor den Nazis beschreibt und ihr Kennenlernen mit Max Ernst, ihrem späteren Ehemann. Beides wird in diesem Buch nicht thematisiert.
Die amerikanische Schriftstellerin Rebecca Godfrey hatte viele Jahre zu diesem Buch über Peggy Guggenheim recherchiert und es bereits zu rund zwei Dritteln fertiggestellt, als sie 2022 an Krebs starb. Leslie Jamison, ihre Freundin, und einige andere haben ihr Werk zu Ende geführt. Das ist sehr berührend, mit diesem Roman wurde Rebecca Godfreys Vermächtnis intellektuell und emotional erfüllt.
Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben, Peggy erzählt ihre Geschichte. Aber im Gegensatz zur Autobiographie „Ich habe alles gelebt“ geht dieser Roman selektiv vor. Er ist in drei Teile gegliedert, zuerst Kindheit und Jugend, dann das Leben in Paris, die brutale Ehe mit Laurence Vail, der letzte Teil bezieht sich hauptsächlich auf ihre Beziehung zu Samuel Beckett und auf ihre Emanzipation als Galeristin. Das Buch endet 1958, Peggy lebt in Venedig und ist mit sich selbst im Reinen.
Mir hat besonders der erste Teil des Buches sehr gefallen, weil die Beschreibung eines Lebens im goldenen Käfig sehr authentisch und emotional ist. Der Verlust des Vaters, der beim Untergang der Titanic stirbt, ist ein Wendepunkt im Leben der Guggenheims. Peggy wird bis zum Schluss diesen Verlust beklagen. Dass es danach in ihrem Leben weitere Verluste geben wird, lässt sie irgendwann zu dem Schluss kommen „Ich war eine Überlebende.“ Um überleben zu können brauchte sie mehr als das ererbte Geld, wie sie es schaffte, das kann man im Roman beinahe tagebuchartig nachlesen. Ihr Leben lang wird sie damit hadern, dass möglicherweise gerade das Geld ihr die Männer, aber auch Frauen zu Füßen warf. Beinahe ist das ererbte Vermögen verbraucht, als ihre Mutter stirbt und dies ihr die Möglichkeit gibt, ihre erste Galerie in London im Januar 1938 zu eröffnen. Das ist bereits zu einer Zeit, in der Hitler über die deutschen Grenzen hinaus Furcht und Angst verbreitet. Und Juden beginnen zu begreifen, dass sie „einer fremden Rasse“ angehören, wie es bei der BBC übersetzt wird. Dass es nicht mehr lange dauerte bis zu einem Krieg und es tatsächlich auch in Frankreich gefährlich wurde, nicht nur für alle Menschen, besonders für die Juden, sondern auch für die Bilder, erzählt der kurze Rückblick im Epilog.
Peggy, die „Überlebende“, sagt an einer Stelle „Sentimentalität ist Selbstmord.“ Man möchte es ihr glauben, nur mit eisernem Willen und großer ideeller Vorstellungskraft kann einem so ein Lebenswerk gelingen. Rache, Ehre und Triumph, das könnte auch auf ihrem Grabstein stehen.
Ich bewundere diese Frau sehr, die am Ende mit ihren übergroßen, exzentrischen Sonnenbrillen endlich das schaffte, was keinem noch so teuren Chirurgen gelang: Kein Mensch interessierte sich noch für ihre „Kartoffelnase“. Genial. Außerdem hinterließ sie ein unendliches Kunstvermächtnis, das jeden Sammler in den Schatten stellt. Dass für sie nicht das Schrille, sondern das Feine und Zurückhaltende von besonderem Wert war, davon zeugt das sechzehnte Kapitel „Vogel im Raum“.
Ich habe mir nach der Lektüre ihre Autobiographie sowie den Dokumentarfilm „Peggy Guggenheim – ein Leben für die Kunst“ von 2018 gekauft. Über einige der Protagonisten im Roman gibt es ausführliche und interessante Beiträge im Internet. Auf diese Weise habe ich z. B. auch über die Anarchistin Emma Goldman gelesen, die von Peggy sehr unterstützt wurde. Bei Emma hatte ich dann auch endlich einmal das Gefühl, dass sie zu ihrer Gönnerin mehr als das Geld zog, die Freundschaft der beiden gehört zu den wundervollen Erfahrungen aus dem Roman.
Das Nachwort gibt einen Einblick in die mühevolle Arbeit, ein fremdes Buch zu vollenden. Die Danksagungen, die der Ehemann von Rebecca Godfrey, Herb Willson, und die Agentin Christy Fletcher schrieben, zeigen nicht nur die Mühe mit dem Buch, sondern auch die Leerstelle, die die Ehefrau, Mutter, Freundin und Kollegin hinterlässt.
Das farbige Cover gefällt mir sehr gut, es wird auf jedem Ladentisch auffallen. Mich erinnert es unweigerlich an die Künstler der Moderne, an Farben und Formen von Max Ernst oder Picasso. Genauso gut könnte es von ihrer Tochter Pegeen sein, die das Malen sehr liebte. Jenny Offills feministische Eloge auf dem Cover hätte ich nicht unbedingt benötigt, bei anderen englischen Buchausgaben (auch auf amazon.de) gibt es zusätzlich noch einen kurzen Text von Gary Shteyngart, den man mit „elegant, sinnlich und nachdenklich“ übersetzen könnte. Das entspricht schon eher meiner Empfindung für dieses Buch.
Zum Schluss: Ein wenig verwundert war ich über diesen Text im Impressum: „Alle Figuren in diesem Roman sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten zu realen Personen, lebend oder tot, sind rein zufällig.“ Diese Aussage stimmt nicht.

Fazit: Biografisch-fiktiver Roman über eine amerikanische Millionenerbin, die weit mehr zu Stande brachte, als nur das ererbte Geld wieder auszugeben. Peggy Guggenheim ist ein Freigeist im besten Sinne, eine bemerkenswerte Frau, mit einer noch bemerkenswerteren Lebensgeschichte. Gut lesbar, sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Aus der Kurve zu fliegen ist keine Kunst

Die Kurve
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Die Leseprobe hat mir so gut gefallen, da wollte ich unbedingt den kompletten Thriller lesen. Dirk Schmidt ist der Autor von Die Kurve und mit ihm verbinde ich den Radio Tatort aus Hamm, der mich mehr ...

Die Leseprobe hat mir so gut gefallen, da wollte ich unbedingt den kompletten Thriller lesen. Dirk Schmidt ist der Autor von Die Kurve und mit ihm verbinde ich den Radio Tatort aus Hamm, der mich mehr oder weniger regelmäßig supergut unterhält.
Aber dieses Buch ist viel kurviger als es der Titel vermuten lässt, ich habe ständig wie im Bus nach einer Haltestange Ausschau gehalten. Und hinter jeder Kurve ist man als Leser froh, wenn man bei Carl auf der Terrasse oder bei Ridley im Kopf landet. Wo genau die Terrasse ist, ist Carls gut gehütetes Geheimnis, auf jeden Fall hat Carl nicht Aussicht aufs blaue Meer, sondern auf eine Hauswand mit „Grünspan“. Carl ist ein wohl mittelalter, meist cholerischer Krimineller, der für alles seine Handlanger, für jeden ein extra Telefon hat, die mehr oder weniger intelligent und willig tun, was er fordert. Nur Ridley fällt etwas aus dem Rahmen, er zieht Wurzeln, schneller als andere eins und eins addieren, Quadratwurzeln kann er auch. Nur mit dem weiblichen Geschlecht hat er ab und an Probleme (zu lösen).
Mir hat am besten das tolle Cover gefallen, inklusive der bedruckten Innenseiten. Wo ich als erstes las: „Unbedingt lesen.“, von Uwe Ochsenknecht. Das ist der, der bei der Taskforce Hamm der Scholz ist. Ich habe den Rat befolgt, aber mir war die ganze Geschichte einfach zu kurvig, mit dem Personal wurde ich auch nicht richtig warm. Am ehesten noch mit Betty, aber das ist reine Geschmackssache.
Wirklich zum Lachen hat mich wenig gebracht, ist vielleicht auch bei einem Thriller nicht das Ziel. Aber ein Zitat will ich hier einfügen: „… und Schleswig-Holstein ist so ausgedehnt inhaltslos — das hat schon wieder was. …“ Volltreffer auf mein grünes Bundesland. Besonders die Northvolt-Baubrache hatte Ridley da wohl vor Augen.
Fazit: keineswegs unblutig, nichts für schwache Nerven. Nach 275 Seiten hatte ich mich dann doch an Schmidts Schreibstil gewöhnt. Gute drei Sterne.

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