Ein Bahnabenteuer auf den Spuren des Orient-Express
Sabine Thiele (Übersetzer)
ALLES STEHEN UND LIEGEN LASSEN, in den Zug steigen und ans Ende Europas fahren – genau das haben Tom und Danny gemacht. Mit einem Interrail-Ticket in der Tasche begeben sich die beiden Herren mittleren Alters auf eine unterhaltsame und erhellende Low-Budget-Reise quer durch unseren Kontinent. In 55 Zügen geht es von London über Paris, Nürnberg, die Schweizer Alpen, Budapest und Athen bis in die entlegensten Winkel Osteuropas nach Istanbul und wieder zurück. Sie erleben Bahnstreiks, zwängen sich in Schlafwagen, verirren sich und bleiben an der Grenze stecken. Sie sinnieren über die vorbeiziehenden Landschaften – wie einst die ersten Reisenden des Orient-Express. Und trinken dabei sehr viel Rotwein. Ihr Fazit: Eine wirklich angenehme Sache, dieses Zugreisen.
Eins vorweg, dieses Buch hat mich nicht dazu bewogen, in eine ähnliche Reiseplanung einzusteigen 😉
Die ärmsten Länder Europas mit dem Zug zu bereisen, mag ökologisch sinnvoll sein, ab einem gewissen Alter ...
Eins vorweg, dieses Buch hat mich nicht dazu bewogen, in eine ähnliche Reiseplanung einzusteigen 😉
Die ärmsten Länder Europas mit dem Zug zu bereisen, mag ökologisch sinnvoll sein, ab einem gewissen Alter ist der Charme von billigen Hostels mit Badezimmer am Ende des Flures jedoch nicht mehr erkennbar 😉
„Wir mochten uns zwar in der Europäischen Union aufhalten, doch es fühlte sich nicht danach an“ stellt Tom auf der Fahrt durch Bulgarien fest.
Tom und Danny, zwei Briten mittleren Alters, machen sich mit einem Interrailticket auf nach Istanbul, auf den Spuren des legendären Orient-Express, der heutzutage 17.500 Pfund kostet. Wirklich glamourös ist die Reise mit Interrail nicht, dafür erleben die Beiden einige Abenteuer, interessante Begegnungen und trinken sich manches auch einfach nur schön mit Bier und Wein 🤣
„Russe war ein besonderer Ort. Wir wollten ihn mögen. Doch wir waren unsicher, ob es uns gelang.“
Mir gefällt der trockene Humor, mit dem Tom Chesshyre seine Protagonisten auf die Zugreise schickt, die teilweise skurrilen Begegnungen und die Informationen über Länder, von denen ich einige mit Sicherheit nicht selbst bereisen möchte. Gut gelungen ist auch immer wieder der Bezug zum echten Orientexpress und Hintergründe zu diesem Luxuszug, der nur der Reichen vorbehalten war. Die deutsche Bahn mit ihrer Unpünktlichkeit kommt zu Recht nicht besonders gut weg. Interessant fand ich auch, dass der berühmte Bernina Express durch die Schweizer Alpen ebenfalls mit dem Interrail Ticket befahrbar ist.
Ein amüsantes Buch für alle Zugfreunde und die es werden möchten.
Für die Reise nach Istanbul bedurfte es nur einer Parkbank in London, zweier guter Freunde und der genialen Idee, per Interrail-Pass (33 Länder-Flatrate!) – trotzdem oder obwohl die beiden nicht mehr ganz ...
Für die Reise nach Istanbul bedurfte es nur einer Parkbank in London, zweier guter Freunde und der genialen Idee, per Interrail-Pass (33 Länder-Flatrate!) – trotzdem oder obwohl die beiden nicht mehr ganz jung sind – auf die Reise zu gehen. Passend zum günstigen Interrail-Pass sollte bitteschön auch alles andere auf dem Weg möglichst günstig sein und das Gepäck möglichst tragbar. So gehen die beiden, Tom und Danny, auf den Spuren des berühmten Orientexpresses auf eine gut vierwöchige Reise. Danny wird Tom nur auf der Hälfte der Fahrt begleiten, dann muss er seiner Frau wieder bei der Erziehung dreier Kinder unter die Arme greifen. Tom hat diese Sorgen nicht und gibt sich ganz der Bahnfahrerei hin.
Tom Chesshyre beschreibt die Etappen und die Leute, die sie kennenlernen, er schaut aus dem Fenster und begibt sich nicht nur gedanklich vom Spätwinter in den Frühling. Streiks und andere Unannehmlichkeiten sind inklusive. Von Zeit zu Zeit werden Kirchen oder Sehenswürdigkeiten besichtigt, einen völlig ungeplanten, wunderbaren Ausflug nach Pompeij zum Beispiel hat Tom in Italien gemacht, als er schon allein reist.
Für mich waren insbesondere die Beschreibungen der Länder, ihrer Bewohner und Sitten interessant, die ich selbst entweder noch nie oder nur kurz oder vor langer Zeit einmal gesehen habe. In Ungarn, Rumänien und Bulgarien war ich noch nie, das war ein echtes (Lese)-Erlebnis.
Manchmal tat es mir leid, dass Tom so schnell die Züge wechselte und nicht für ein paar Stunden vor Ort blieb. Wie kann man bloß in Caserta umsteigen, ohne sich den größten Königspalast der Welt anzusehen? Wie kann man in Antwerpen anhalten, ohne den (meiner Meinung nach) schönsten Bahnhof der Welt zu bewundern? Nun, Tom erklärt es das eine oder andere Mal, er ist nicht auf Sightseeingtour, er ist auf einer Bahnreise mit Ziel Istanbul. Alles andere am Rande der Schienen nimmt er nur wahr, wenn es in den Fahrplan passt. In Istanbul hat er aber jedenfalls genug Zeit für Sightseeing eingeplant und hat mir ordentlich den Mund wässrig gemacht, dort war ich nämlich auch noch nicht.
Man erfährt im Laufe des Reisens eine Menge über die Geschichte, nicht nur der Eisenbahn, auch der Länder und Städte. Man erfährt viel über Pünktlichkeit, Sauberkeit und einige Merkwürdigkeiten in den Zügen, auf den Bahnhöfen, in den Orten, speziell in Bahnhofsvierteln. Die bieten sich für eine schnelle Übernachtung nicht weit vom Bahnhof natürlich an, besonders, wenn man immer seinen Rucksack dabeihaben muss. Und er lernt jede Menge bahnverrückte Leute kennen, mit denen sich Tom gern unterhält. Manchmal hätten die Erzählungen darüber etwas kürzer sein können, aber sie waren immer interessant und unterhaltsam.
Schade fand ich es, dass nur auf der Umschlaginnenseite ein paar Fotos abgedruckt wurden. Mir haben passend zum Text eingestreute Fotos etwas gefehlt, selbst Schwarz-Weiß-Fotos hätten mir sicher gefallen. Nur als Beispiele: die Brücke in Bratislava ist so ungewöhnlich, aber ob sie jeder Leser kennt? Und wer war schon mal in Waterloo im Musée Wellington?
Die jedem Kapitel vorangestellten Karten erleichtern die Orientierung, wenn man sich am Ende die Übersichtskarte auf dem inneren Cover hinten anschaut, dann staunt man wirklich ob der Geduld, die der Autor aufgebracht hat, für den langen Weg wie auch für das ausführliche Reise(tage)buch.
Einige Äußerungen fühlten sich für mich etwas belehrend an: Warum sollte der Regierungssitz in Budapest nicht gut bewacht werden in heutigen Zeiten? Warum der Hinweis auf die „postfaschistische“ italienische Ministerpräsidentin? Warum so explizit erwähnen, dass man gut daran tut, wie Greta aus Schweden per Bahn zu reisen?
Nicht alle Strecken ließen sich per Bahn bewältigen, so ging es per Bus, als Tramp und auf der Fähre trotzdem immer weiter und das brachte auch noch etwas Abwechslung in das Geratter der Schienen.
Ganz am Rande gibt Tom auch einige Lesetipps, einen aber werde ich ganz sicher nicht befolgen: Satres „Der Ekel“ hat mir hinlänglich in Toms Beschreibungen gereicht.
Tom Chesshyre hat vor einigen Jahren schon einmal mit einem „Slow Train“ eine Reise auf Schienen durch einen großen Teil Europas unternommen und ein Buch darüber geschrieben. Nach der Lektüre von „Bummelzug nach Istanbul“ werde ich auch dieses erste Buch noch lesen, besonders, weil er darin auch über Polen und die Ukraine – Jahre vor dem Ukrainekrieg –schreibt.
Fazit: Ein abwechslungsreiches Buch, eine Reise im Kopf von London nach Istanbul und zurück. Dass zum Ende hin das Interesses des Autors wie des Lesers vielleicht etwas nachlässt, ist verständlich. Nach Tausenden Kilometern auf Schienen darf man sich wirklich nach Hause sehnen.
Die Idee mit Interrail zu verreisen hat mich sofort fasziniert und in meine Jugend zurückversetzt. Denn in dieser Zeit haben einige meiner Freunde solch eine Reise auch nach Istanbul gemacht. Daher war ...
Die Idee mit Interrail zu verreisen hat mich sofort fasziniert und in meine Jugend zurückversetzt. Denn in dieser Zeit haben einige meiner Freunde solch eine Reise auch nach Istanbul gemacht. Daher war ich sehr neugierig auf die Erlebnisse von Tom und Danny. Das Buch hat mich auch nicht enttäuscht. Alleine wie die beiden Herren auf die Idee gekommen sind, diese spontage Zugreise zu unternehmen, fand ich klasse. Einfach mal darüber gesprochen und schon umgesetzt. Die Art, wie der Autor auch alles wiedergibt, hat mir gut gefallen. Er schreibt einfach so, wie es war - ungeschminkt und frei raus. Seine Gedankengänge wurden uns dabei ja auch offenbart und das macht es zwischendurch ja auch sehr amüsant. Man wird wirklich durch die detailreiche und authentische Wiedergabe der Geschehnisse, der Begegnungen und der Dialoge (samt Gedankengängen von Tom) voll in diese Reise integriert. Das vor jedem Kapitel die Reiseroute bildlich dargestellt wird (samt Fortbewegungsmittel) ist sehr praktisch und man kann sich die Tour noch besser vorstellen. Überrascht hat mich echt, in welchen Ländern es wirklich mit dem Zug und den entsprechenden Informationen dazu geklappt hat und wo nicht. Da hätte ich sogar manchmal etwas anderes erwartet - man sieht: Vorurteile werden nicht bestätigt. Die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen ist spannend und auch wie die Übernachtungsorte so unterwegs sind. Man lernt einiges über die Länder kennen, wobei es sich natürlich nur um kleine Gebiete handelt, die hier erkundet wurden. Und ich fand es sehr erfrischend, dass die beiden Reisenden wirklich nur nach ihren spontanen Launen die Ort besichtigt haben. Keinen Stress - diese Zugfahrt entschleunigt wirklich - sogar beim Lesen. Es hat echt Spaß gemacht den Berichten zu folgen und so einen Teil Europas zu erleben. Und irgendwie hat man auch mal Lust auf eine besondere Zugfahrt bekommen. Und man hat festgestellt, dass die beiden Männer doch sehr spontan handeln und das auch müssen, denn es tauchten ja auch einige Schwierigkeiten auf und Planänderungen waren da echt notwendig.
Mir hat jedenfalls diese lebendige Schildung der Tour gut gefallen und ich möchte das Buch jedem reiselustigen Zugfan empfehlen.
In „Bummelzug nach Istanbul“ begleiten die Leser Tom Chesshyre bei einer Fahrt mit 55 Zügen (und gelegentlichen anderen Verkehrsmitteln) durch einen Teil Europas – ein durchaus interessantes Unterfangen. ...
In „Bummelzug nach Istanbul“ begleiten die Leser Tom Chesshyre bei einer Fahrt mit 55 Zügen (und gelegentlichen anderen Verkehrsmitteln) durch einen Teil Europas – ein durchaus interessantes Unterfangen. Inspiration ist der Orient-Express, aber Tom und sein Kumpel Danny entscheiden sich für eine günstigere Alternative und fahren die Route per Interrail ab. Das bringt natürlich noch eine ganze andere Note in die Reise und führt zu einigen kuriosen Erlebnissen.
Das Material für ein unterhaltsames Buch ist also vorhanden. Die Umsetzung hat mich nicht vollständig überzeugt, aber insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen. Der Schreibstil ist in Ordnung, aber nicht mehr – der Autor ist Reisejournalist und vielleicht deshalb an das eher nüchtern Berichtende gewöhnt, denn den Texten fehlt es etwas an Pfiff und auch an Charme. Sie schwächeln meistens da, wo es sich vom rein Beschreibenden entfernt. Die Übersetzung ist überwiegend gut, weist aber leider einige kleine Holperer auf und irritiert mehrfach dadurch, daß sie an der englischen Satzstellung kleben bleibt, was zu unschönen bzw. sogar falschen Satzstellungen führt, z.B. „Dafür musste man den richtigen Zug gebucht und aktiviert haben in der Eurail-App“, „Damals kosteten Interrail-Pässe 27,50 Pfund und man konnte mit ihnen einen Monat lang unbegrenzt fahren (was heute etwa 360 Pfund entspricht)“ oder „Die Restaurants waren voller Menschen, die Ouzo tranken und gegrillte Sardinen aßen neben dem Weißen Turm“. Solche Fehler haben in einer guten Übersetzung nichts zu suchen.
Inhaltlich bietet Chesshyre eine Mischung aus Reiseeindrücken, philosophischen Gedanken, Begegnungen/Unterhaltungen und historischen Informationen. Das ist an sich eine tolle Mischung, auch wenn die philosophischen Gedanken verzichtbar gewesen wären. Häufig streut der Autor Informationen über den historischen Orient-Express ein, was mir ausgezeichnet gefallen hat und immer wieder die Verbindung zur Motivation der Reise herstellte. Auch zu den besuchten Orten gibt es historische und andere Hintergrundinformationen, die interessant zu lesen waren. Überflüssig fand ich dagegen die ausführlichen Berichte darüber, was Chesshyre an manchen Tagen in der Zeitung las, inklusive seiner Gedanken dazu. Hier und da eine Schlagzeile, wenn sie etwas Besonderes hat, ist eine gute Idee, aber hier wurde das zu ausführlich gehandhabt. Ich hatte generell öfter das Gefühl, daß der Autor bei der Auswahl, was vom Erlebten ins Buch kommt, nicht immer ein gutes Gespür bewies. Gespräche mit originellen Mitreisenden oder Menschen vor Ort können Reiseberichten eine witzige Note verleihen, aber in diesem Buch werden zahlreiche Begegnungen ausführlich geschildert, die gar nichts Interessantes enthalten. Auch die Gespräche mit Chesshyres vorwiegend missmutigen Kumpel Danny schwächen das Buch eher, und die häufigen Wiederholungen sowie die ständigen Verweise darauf, daß man ja „ein Mann mittleren Alters“ sei und wie erstaunlich es doch sei, daß man mit einer App umgehen könne, enervierten.
Insofern gab es durchaus einige Passagen, bei denen ich mich fragte, warum sie Eingang in das Buch gefunden hatten. Die Beschreibungen der besuchten Orte waren dagegen überwiegend interessant, auch weil der Autor hier eher selten klassische Sehenswürdigkeiten besucht, sondern auch oft ziellos herumschlendert und Eindrücke berichtet, die man als Tourist eher nicht erlebt. Farbige Hochglanzreisebeschreibungen kann man hier nicht erwarten, das ist nicht die Intention des Buches. Diese Herangehensweise gefiel mir, wenn sie auch durch eine etwas weniger trockene Erzählweise gewonnen hätte. Trotzdem finden sich vereinzelt köstliche oder poetische Formulierungen. Insgesamt habe ich von den diversen, sehr unterschiedlichen, Zügen und den besuchten Städten (samt ihrer immer beschriebenen Bahnhöfe) einen anschaulichen Eindruck bekommen und konnte mit dem Buch auf eine unterhaltsame Entdeckungsreise gehen. Komplettiert wird dies leider nur von wenigen Fotos – im vorderen Klappenbroschur findet sich eine kleine Collage von dreizehn Fotos. Eine nette Idee, aber abgesehen von der geringen Anzahl und Größe sowie davon, daß eines der Fotos fast komplett von den anderen verdeckt ist, fehlt hier eine Beschriftung oder Liste, was dort zu sehen ist. Das ist nicht immer relevant – ein Schälchen Fritten ist ein Schälchen Fritten –, aber gerade bei den diversen Bahnhöfen hätte mich interessiert, welcher jeweils abgebildet ist.
Insgesamt hätte man an „Bummelzug nach Istanbul“ also noch einiges verbessern können. Die Idee allerdings ist ausgezeichnet, die Liebe zu Zügen und Bahnhöfen merkt man dem Autor an und die Reise durch bekannte und weniger bekannte Orte macht Spaß.
Auf den Spuren des Orient-Express sind sie gereist – Tom Chesshyre und sein alter Freund Danny, zwei Männer mittleren Alters, wie im Vorwort zu lesen ist. Das Interrail-Ticket ist gerade unschlagbar günstig, ...
Auf den Spuren des Orient-Express sind sie gereist – Tom Chesshyre und sein alter Freund Danny, zwei Männer mittleren Alters, wie im Vorwort zu lesen ist. Das Interrail-Ticket ist gerade unschlagbar günstig, die Idee nimmt Gestalt an, vier Wochen planen sie für ihr großes Abenteuer auf Schienen ein, ihr Ziel Istanbul haben sie fest im Auge.
Mein erster Eindruck zu diesem Bahnabenteuer ist schon mal sehr positiv, die vordere, aufklappbare Buch-Innenseite wartet mit tollen Reisefotos auf, schon da ist mein Interesse auf mehr geweckt. Die endgültige Reiseroute dann findet man auf der hinteren Innenseite – gespannt schlage ich die ersten Seiten auf. Los geht´s.
Die erste Etappe führt von London über Paris nach Straßburg und Stuttgart bis nach Nürnberg, diesem Kapitel vorangestellt (wie allen nachfolgenden auch) ist ein übersichtlicher Plan, was ich sehr zu schätzen weiß. Jede Stadt, jeder Aufenthalt wird ausführlich beschrieben. Es sind Momentaufnahmen im Hier und Jetzt, er geht allerdings sehr viel weiter ins Detail. Berichtet von Klimaaktivisten, vom Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, von Macron und George Orwells Lieblingsplätzen in Paris, er lässt auch die Geschichte des Orient-Express nicht aus, auch von Straßburg und Nürnberg weiß er viel zu erzählen. Nürnberg scheint ihm so gar nicht gefallen zu haben. Obwohl ich diese Stadt zwar nicht allzu gut kenne, aber trotzdem ihren Charme zu schätzen weiß, habe ich vieles vermisst, denn außer den Überbleibseln der Nationalsozialisten, die mit dieser Stadt verbunden sind, fällt ihm nicht viel dazu ein. Schade.
Zehn Kapitel sind es, der Bummelzug macht Halt in Bratislava, in Bukarest und Sofia, in Thessaloniki und Neapel, Bari und Athen, um nur einige wenige Zwischenstationen zu nennen. Dabei kommt das Genießen nicht zu kurz, denn wenn man schon mit einem Bummelzug unterwegs ist, sollte alle Hektik außen vor bleiben. Und genau so sehen es Tom und Danny auch, sie lassen sich treiben, wollen selber entdecken, müssen nicht jede Touristenattraktion mitnehmen. Diese Einstellung gefällt mir sehr, denn wenn man von einem Land, einer Stadt, einem Landstrich mehr wissen will, kommt man einfach später nochmal zurück, um hier intensiv Land und Leute kennenzulernen.
Für diese gut 300 Seiten habe ich mir viel Zeit gelassen. Zum einen wollte ich die mir bekannten Ziele nochmal Revue passieren lassen und dann habe ich mich mit dem doch etwas nüchternen Schreibstil schwer getan. Ein Durchrauschen durch die Seiten wäre mir nicht möglich gewesen, zudem ist der Autor zu sehr ins Geschichtliche abgerutscht, er hat sich auch in Nebensächlichkeiten verloren, was dann oftmals die Leichtigkeit nimmt.
Nichtsdestotrotz werde ich in diesem Buch noch öfter blättern, mir einzelne Sequenzen je nach Lust und Laune aussuchen, der „Bummelzug nach Istanbul“ macht bestimmt so dann und wann bei mir wieder Halt.