Profilbild von Karolina_Hruskova

Karolina_Hruskova

Lesejury Profi
offline

Karolina_Hruskova ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karolina_Hruskova über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2025

Plumpe, aber auch süße Geschichte

Body Check
0

»Body Check« ist die Neuauflage von Elle Kennedys erstem veröffentlichten Roman und ich muss leider sagen, dass man auch merkt, dass sie hier noch am Anfang ihrer Schriftstellerkarriere stand.

Sprachlich ...

»Body Check« ist die Neuauflage von Elle Kennedys erstem veröffentlichten Roman und ich muss leider sagen, dass man auch merkt, dass sie hier noch am Anfang ihrer Schriftstellerkarriere stand.

Sprachlich fand ich »Body Check« sehr plump und simpel. Aber auch zügig und durch die Einfachheit gut zu lesen. Alles ist in der dritten Person geschrieben; persönlich mag ich das nicht so recht, weil es mir so grundsätzlich schwer fällt, wirklich einen Bezug zu den Protagonist:innen herzustellen. Man schwebt als Leser:in eher als Beobachter:in neben den Figuren, statt voll und ganz integriert zu sein. Emotional kann ich mich so nicht binden.

Auch Hayden und Brody waren nicht besonders tiefgründig ausgearbeitet oder mit einem echten Profil. Zusammengefasst ging es nur um S*x mit ordentlich Spice. Aber irgendwo dazwischen haben sich Hayden und Brody auch auf ziemlich süße Weise (v.a. Brody!) angenähert. Mit hinzu kommt, dass die ganze Handlung (auch der Skandal um Haydens Vater) extrem vorhersehbar war. In der Hinsicht hat mich »Body Check« leider nicht erwähnenswert unterhalten, weil mir ein paar echte Überraschungsmomente gefehlt haben.

Trotz allem habe ich das Lesen irgendwie aber auch genossen, weil es ein leichter Roman für zwischendurch ist, der vielleicht gerade durch seine einfache Sprache und Handlung zum Seele-baumeln-lassen und Abschalten einlädt. Auch der Sportteil (immerhin dreht sich vieles um Eishockey) war für mich genau richtig dosiert, um mich nicht zu überfordern.

Für Elle-Kennedy-Fans sicherlich ein Must-Have, andernfalls würde ich eher die neueren Werke von ihr für den Einstieg empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2025

Anstrengend, intensiv und orientierungslos

Nowhere Heart Land
0

Von »Nowhere Heart Land« ist mir der Schreibstil in der Leseprobe besonders aufgefallen – genau deshalb war ich auch so neugierig auf den Rest des Romans. Ein bisschen frech, ein bisschen I-don’t-give-a-fuck. ...

Von »Nowhere Heart Land« ist mir der Schreibstil in der Leseprobe besonders aufgefallen – genau deshalb war ich auch so neugierig auf den Rest des Romans. Ein bisschen frech, ein bisschen I-don’t-give-a-fuck. Es hat gedauert, bis ich mich in den auch extrem sprunghaften Schreibstil einfinden konnte, aber es hat sich gelohnt: Im weiteren Verlauf empfand ich ihn als sehr packend.

Rosa war dann allerdings mit großem Abstand die übergriffigste und anstrengendste Protagonistin, die mir seit langer Zeit begegnet ist. Ich wollte sie so gerne verstehen, habe aus diesem Antrieb heraus Seite um Seite gelesen. Wollte ihre verzweifelte Obsession mit ihrer Schulzeit im Internat, Leni und Conny verstehen. Ihre Nostalgie. Ihren Realitätsverlust. Warum sie dem Strudel der Vergangenheit nicht einmal versuchte zu entkommen. Rosa hat sich irrational und unberechenbar verhalten, gleichzeitig aber so unorganisiert und planlos, dass ihr Weg stellenweise wirklich schmerzhaft zu lesen war.

Ich habe lange gehofft, dass die Geschichte irgendwann einen ausgeglichenen Punkt findet. Eine Erklärung für alles, eine Auflösung. Gleichzeitig habe ich mich intensiv mit der bisherigen Erzählung auseinandergesetzt, da ich möglicherweise ein wichtiges Detail, das fehlende Puzzlestück, übersehen habe.

Aber letztendlich war es nicht so und das hat mich unzufrieden zurückgelassen. Ich bin ratlos wegen »Nowhere Heart Land«, orientierungslos und weiß nicht so recht, was für eine Geschichte ich nun eigentlich gelesen habe. Es war zu viel von allem, zu vage, zu viele Richtungen ausprobiert, und alles hat sich unkontrolliert verlaufen. Aber hey, das schätze ich letztendlich auch an einem Roman: Wenn er mich gedanklich tagelang nicht mehr loslässt und ich vieles hinterfrage.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2025

Dysfunktionale Familienverhältnisse

Kankos Reise
0

Nachdem ich ihren Roman »Idol in Flammen« bereits sehr beklemmend fand, hat es Rin Usami erneut geschafft, mich komplett von der Stimmung ihres neuen Romans zu überwältigen. Während man Kanko auf ihrer ...

Nachdem ich ihren Roman »Idol in Flammen« bereits sehr beklemmend fand, hat es Rin Usami erneut geschafft, mich komplett von der Stimmung ihres neuen Romans zu überwältigen. Während man Kanko auf ihrer Reise, einem Roadtrip mit ihrer Familie, begleitet, haben sich bei mir sehr gegensätzliche Gefühle entwickelt.

Die Story war zeitweise zermürbend. Kanko war sehr ambivalent in der Beziehung zu ihren Eltern. Der Vater ist gewalttätig, kontrollierend und erbarmungslos, die Mutter manipulierend, alkoholkrank und seit einem Schlaganfall stark verändert. Kanko ist diese Toxizität zwar irgendwie bewusst, aber aus einem falschen Verantwortungsgefühl heraus übernimmt sie die elterliche Rolle. Zu ihrem Vater blickt sie ehrfürchtig auf, ihrer Mutter gegenüber ist sie extrem sensibel, was ihren Gemütszustand betrifft. So vieles war falsch daran. Druck bekommt sie zusätzlich durch ihre Brüder, die die Familie schon längst verlassen haben, die Kanko aber nur Vorwürfe wegen ihrer Passivität machen und sie abweisen statt ihr einen konkreten Ausweg zu bieten.

Die ganze Familie war dysfunktional und Kanko mittendrin. Fehlte es ihr an Stärke, um die Eltern genauso wie die Brüder hinter sich zu lassen? War es Bequemlichkeit? Waren es ihre Depressionen, die niemanden interessiert haben? Erst als sie ihren eigenen kleinen safe space findet, findet sie zumindest dadurch Ruhe.

»Kankos Reise« war ein interessanter Einblick in eine Familiendynamik, die von Außenstehenden schlicht unbegreiflich ist. Ein Roman, der noch lange nachhallt und der viel Schmerz, Wut und Unverständnis in sich vereint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2025

Viele positive Entwicklungen

The Monet Family – Shine Bright, Rising Princess
0

Ich bin ganz schön erleichtert, denn im Vergleich zu den beiden Teilen davor hat sich für mich ein großer Kritikpunkt gebessert. Der Rest ist ziemlich gleich geblieben.

Wir machen nämlich große Fortschritte, ...

Ich bin ganz schön erleichtert, denn im Vergleich zu den beiden Teilen davor hat sich für mich ein großer Kritikpunkt gebessert. Der Rest ist ziemlich gleich geblieben.

Wir machen nämlich große Fortschritte, denn Hailie heult nicht mehr auf jeder Seite! Das war mir bisher leider extrem lästig, daher hat es mir sehr gefallen, wie sich Hailie entwickelt hat. Sie wird selbstbewusster, ist nicht mehr so verängstigt und versteckt sich nicht mehr hinter ihren Brüdern.

Viel passiert ist dann aber nicht wirklich. Hailie ist wieder auf Reisen, zofft sich dort mit ihren Brüdern, spielt Daddys kleines Mädchen, ist weiterhin naiv und genießt den Luxus und Reichtum ihrer Familie. Mir fehlte durchweg Abwechslung, denn auch im dritten Teil hatte ich das Gefühl, alles schon einmal gelesen zu haben. Viel mehr als Hailie mochte ich immer ihre Brüder, doch langsam fangen sie an mich zu langweilen. Jeder Bruder entspricht einem klassischen Stereotyp und im Verlauf wurde auch eisern daran festgehalten. Bei ihnen merkt man keinerlei Entwicklung und das finde ich langsam schade. Jeder Bruder ist ermüdend und vorhersehbar.

Und dann wurde ich dann doch sehr überrascht, denn das letzte Drittel war wirklich spannend. Hailie ist dabei über sich hinausgewachsen und hat sich bewiesen. Mir hat es einfach nur gut gefallen. Spannung, Dynamik, Mitfiebern - da hat es mich echt erwischt.

Ich würde behaupten, dass das bisher mein Lieblingsteil der Reihe war, denn vieles hat sich positiv entwickelt. Hailie und ihre Familie haben einfach etwas an sich, dass mich trotz meiner kleineren Kritikpunkte an sie gefesselt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2025

Spricht aus der Seele

Geht so
0

»Geht so« ist oberflächlich eine Erzählung aus dem Alltag. Nett, ohne ausschweifende Handlung. Und ich liebe es! In erster Linie wegen der vielen feinen Beobachtungen und Gedanken zu ihrer Arbeit, die ...

»Geht so« ist oberflächlich eine Erzählung aus dem Alltag. Nett, ohne ausschweifende Handlung. Und ich liebe es! In erster Linie wegen der vielen feinen Beobachtungen und Gedanken zu ihrer Arbeit, die Marisa durchweg in einem Mix aus köstlichem und bitterbösen Humor äußert.

Und der Humor - nur alleine deshalb lohnt sich das Lesen schon! Sehr trocken, sehr direkt. Sarkasmus pur. Ungefähr auf Seite 20 war ich schon hin und weg. Marisa beobachtet ihr Umfeld, während sie "Büro spielt". Sie reflektiert sich und ihre Kollegen messerscharf und äußerst klug und ist dabei so grundauf ehrlich wie abgestumpft: Leider muss sie nämlich Geld verdienen, um sich ihren Lebensstandard aufrecht erhalten zu können. Mittlerweile ist sie im Management einer Madrider Werbeagentur gelandet, kann sich damit nicht identifizieren und hat keinen blassen Schimmer, wie das mit ihrer Arbeitsmoral eigentlich passieren konnte. Wenigstens kann sie nun endlich ihren Arbeitstag ungestört mit Youtube, Deligieren und Angstlösern, die sie wie Smarties einwirft, verbringen.

»Geht so« spricht aus der Seele. Sind wir nicht alle etwas wie Marisa? Genervt von den übereifrigen Kollegen, gelangweilt von Problemen, die eigentlich gar keine sind, und von Meetings, für die eine E-Mail gereicht hätte. In der Tiefe zeigt »Geht so« auch die Schattenseiten der Antriebslosigkeit, was passiert, wenn die Erfüllung fehlt. Wie das Wohlbefinden darunter leidet.

Jede einzelne Seite war wirklich purer Genuss. Ich hätte gerne mehr davon gehabt, mehr von Marisa, die mit ihrer gnadenlosen Ehrlichkeit stellenweise wie ein Spiegel sein kann. Und das Ende, jap, das war total überzogen und hat aber so, so gut zu Marisa gepasst. Wer den Roman nicht liest, ist selber schuld!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere