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Veröffentlicht am 25.09.2022

Die Geschichte einer Außenseiterfamilie zur Zeit des ersten Weltkriegs

Die Bagage
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Monika Helfer beschreibt in diesem Roman die Geschichte ihrer eigenen Großeltern. Josef und Maria Moosbrugger sind „Die Bagage“, denn sie leben abgeschieden, außerhalb der Dorfgemeinschaft. Als Josef im ...

Monika Helfer beschreibt in diesem Roman die Geschichte ihrer eigenen Großeltern. Josef und Maria Moosbrugger sind „Die Bagage“, denn sie leben abgeschieden, außerhalb der Dorfgemeinschaft. Als Josef im ersten Weltkrieg eingezogen wird, vertraut er seine Frau und die Kinder dem Schutz des Bürgermeisters an. Während Josefs Abwesenheit kommt Georg aus Hannover in die Gegend und macht auch Marias Bekanntschaft. In dieser Zeit wird Maria schwanger. Sie erwartet ein kleines Mädchen, das die Mutter der Autorin ist. Nach dem Krieg wird Josef nie das Wort an die kleine Grete richten.
Die Ereignisse sind mit einfachen Worten erzählt. Die Autorin schreibt wie die Menschen wohl damals gesprochen haben, und doch hat ihre Erzählung etwas Poetisches. Dass ihre Großeltern Josef und Maria hießen, erscheint fast gleichnishaft. Die Geburt der kleinen Grete steht unter keinem guten Stern, und der Unterschied zu dem gleichnamigen Paar aus der Bibel ist, dass Josef Moosbrugger seiner Maria anscheinend kein großes Vertrauen entgegenbrachte. Er vertraute lieber auf den Bürgermeister. Die Wahrheit erkennt Josef zu spät, am Ende seines Lebens.
Der Roman hat Eindruck bei mir hinterlassen. Monika Helfer beschreibt das damalige Leben mit einfachen Worten und doch sehr plastisch. Zwischendurch gibt es immer wieder Zeitsprünge in spätere Jahrzehnte, die zeigen, dass die damaligen Ereignisse ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen, denn innerhalb der Familie spielen sich noch einige Tragödien ab. Manchmal hatte ich kleinere Probleme, mich bei den Wechseln in den Zeiten zurecht zu finden, aber die Irritation war jeweils nur von kurzer Dauer, zu bewegend ist das, was Monika Helfer hier erzählt. Mit 160 Seiten ist dies ein kleines, feines Buch über eine außergewöhnliche Familiengeschichte aus alter Zeit.

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Veröffentlicht am 20.09.2022

Idealer Ratgeber für Neueinsteiger in die vegane Ernährung

Ganz entspannt vegan
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Die Autorin geht das Thema „vegane Ernährung“ aus verschiedenen Richtungen an. Sie erzählt über ihre eigenen Erfahrungen und hat hier sinnvolle und hilfreiche, bewährte Tipps parat. Alles beschreibt sie ...

Die Autorin geht das Thema „vegane Ernährung“ aus verschiedenen Richtungen an. Sie erzählt über ihre eigenen Erfahrungen und hat hier sinnvolle und hilfreiche, bewährte Tipps parat. Alles beschreibt sie gut verständlich. Sie selbst wuchs in einem Forsthaus am Waldrand auf, wo nicht nur ein Obst- und Gemüsegarten dazu gehörte, sondern wo ihre Familie auch Tiere hielt und das nicht aus reiner Tierliebe, wie sie berichtet. Aber irgendwann fand ein Umdenken statt, und ihr wurden die Hintergründe ihres eigenen Handelns bewusst. Inzwischen ernährt sie sich komplett vegan und ist ausgebildete Ernährungsberaterin. In ihrem Buch äußert sie sich zu veganen Mythen, die sich hartnäckig halten, wenn das Gespräch auf die Ernährungsweise kommt. Sie beschäftigt sich auch mit Ideen, ob vielleicht die Jagd und der Verzehr von Wildfleisch die bessere Lösung wären. Sie spricht über die Auswirkungen unserer Ernährung auf Umwelt und Gesundheit. Zwei ausführliche Kapitel widmet sie der Lebensmittelkunde und dem Nährstoffwissen, und weitere Abschnitte des Buches beschäftigen sich mit versteckten Zutaten und auch mit den Problemen und Herausforderungen, die der vegane Alltag mit sich bringt. Dabei wirken ihre Ausführungen zu keinem Zeitpunkt belehrend oder dogmatisch.
Im Anhang gibt es noch ein paar vegane Rezepte, über die ich mich gefreut habe, denn hier ist beispielsweise auch ein Rezept für Tortenboden dabei, und hierfür war ich schon lange auf der Suche nach einer guten und leckeren Lösung. Ich beschäftige mich ja schon seit einiger Zeit mit vegetarischer bzw. veganer Ernährung, und die meisten Fakten, welche die Autorin in ihrem Buch aufzählt, waren mir bereits bekannt. Für Neueinsteiger bietet dieses Buch jedoch einen Fundus an wichtigen und interessanten Informationen. Schön und praktisch ist auch die Aufmachung, denn in den beiden Buchklappen findet man wichtige Informationen noch einmal übersichtlich gegliedert, beispielsweise kann man da auch nachschlagen, womit man Eier, Milch, andere Molkereiprodukte oder Fleisch sinnvoll und schmackhaft ersetzen kann. Im Oktober erscheint ein Kochbuch der Autorin, auf das ich schon sehr gespannt bin, denn abwechslungsreiche, gute, alltagstaugliche vegane Rezepte kann man nie genug haben.

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Veröffentlicht am 14.09.2022

Sehr spannender sechster Fall für Toni Sanftleben

Raue Havel
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Hauptkommissar Toni Sanftleben wird diesmal mit seinem sechsten Fall konfrontiert. Dieser führt ihn nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch zu seiner eigenen Familiengeschichte.
Der Prolog zeigt ...

Hauptkommissar Toni Sanftleben wird diesmal mit seinem sechsten Fall konfrontiert. Dieser führt ihn nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch zu seiner eigenen Familiengeschichte.
Der Prolog zeigt uns das Jahr 1946. Im Untersuchungsgefängnis des sowietischen Geheimdienstes in Potsdam warten einige Schüler der Einstein-Oberschule auf eine Nachricht über ihr gestelltes Gnadengesuch. Das „Verbrechen“ der Schüler war lediglich, dass sie den Russisch-Unterricht geschwänzt hatten, und das wurde mit dem Tode bestraft. Der Krimi basiert auf wahren Begebenheiten, denn die Verurteilung der Schüler hat damals real stattgefunden.
In der Gegenwart werden drei uralte Skelette in einem Bootshaus gefunden, und wenig später wird eine junge Journalistin umgebracht. Toni hat sehr bald eine Ahnung, dass die Fälle zusammenhängen könnten, denn die Journalistin recherchierte einen Spionagefall aus dem Jahr 1949. Hatte sie etwas entdeckt, was nicht ans Tageslicht kommen sollte? Musste sie deshalb ihr Leben lassen? Toni tut alles, um den Fall zu lösen, hat er es doch dem Vater der jungen Frau versprochen. Dabei geht ihm die Geschichte näher als gedacht, denn urplötzlich sieht er eine sehr persönliche Verbindung, die in die eigene Familie führt.
Die Ereignisse in der Gegenwart wechseln sich mit Rückblicken in das Jahr 1949 ab, und man kann gar nicht anders, man muss am Ende eines Kapitels einfach weiterlesen, weil es immer wieder kleine Cliffhanger gibt. Die Geschichte entwickelt sich sehr fesselnd, und die verschiedenen Charaktere sind so plastisch dargestellt, dass man das Gefühl hat, sie persönlich vor sich zu haben. Die Protagonisten haben sich weiter entwickelt, was mir besonders bei Tonis Assistenten Wong aufgefallen ist. Ein weiterer Aspekt, der mir an Tim Piepers Krimis sehr gefällt, ist, dass man Toni Sanftleben auch persönlich sehr nahe kommt und an seinen Gedanken, Gefühlen und Ängsten teilhaben kann. Die beiden Zeitstränge werden am Ende geschickt zusammengeführt, und alle auftauchenden Fragen klären sich auf. Auch wenn der Fall irgendwann von höherer Dienststelle abgeblockt werden soll, finden Toni und Wong einen mutigen und raffinierten Weg, ihn zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen.
Es ist ein sprachlich sehr angenehmer und niveauvoll geschriebener Krimi, der keine Effekthascherei nötig hat, sondern durch einen gut recherchierten und durchdachten Plot überzeugt, der einen mitreißt. Mir haben alle bisher erschienenen Krimis von Tim Pieper sehr gefallen, so dass ich den Eindruck hatte, es wären sicher keine Steigerungen möglich. Hier hat der Autor aber nochmal „draufgelegt“, und der sechste Fall ist absolut genial.

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Klassiker der orientalischen Küche vegan interpretiert

Orient trifft vegan - Köstlichkeiten der orientalischen Küche (Veganes Kochbuch)
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Die orientalische Küche fasziniert mich schon seit langem, und ich habe schon immer gerne Rezepte daraus ausprobiert. Hier nun ein veganes Kochbuch mit orientalischen Rezepten zu haben, fand ich gleich ...

Die orientalische Küche fasziniert mich schon seit langem, und ich habe schon immer gerne Rezepte daraus ausprobiert. Hier nun ein veganes Kochbuch mit orientalischen Rezepten zu haben, fand ich gleich sehr interessant. Der erste Blick ins Buch zeigte mir eine tolle Aufmachung, denn die Titelseite eines jeden Kapitels wird von einem wunderschönen, filigranen Mosaik geschmückt. Zur Einführung erzählt die Autorin ein wenig von sich und ihrer persönlichen Einstellung zur Natur, zu allen Lebewesen und auch zum Essen und wie es dazu kam, dass sie sich so intensiv mit der veganen orientalischen Küche befasst hat. Man merkt schnell, dass sie für das was sie tut, viel Begeisterung mitbringt.
Im Anschluss an dieses persönliche Kapitel sind die wichtigsten Zutaten der orientalischen Küche aufgeführt, und man findet hier nicht nur eine Menge wichtiger und interessanter Informationen, sondern auch eine Art Einkaufsliste mit häufig benötigten Grundzutaten und Gewürzen. Das finde ich sehr praktisch, vor allem für Einsteiger, die sich noch nicht mit der orientalischen Küche befasst haben und denen sonst viele Zutaten erst einmal fehlen würden.

Nun folgt auch schon der wichtigste Teil des Buches, die Rezepte.
Sie sind in folgende Kapitel aufgeteilt:
Vorspeisen
Hauptgerichte
Kindheitsessen
Desserts
und Getränke.

Jedes Rezept wird durch ein verführerisches Foto ergänzt. Schon beim Betrachten läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Mir sind gleich viele bekannte Gerichte aufgefallen, die ich zum Teil früher schon selbst zubereitet oder auch in einem orientalischen Restaurant gegessen habe, beispielsweise Hummus, Kisir, Falafel, Couscous, Köfte, Börek und viele mehr. Hierfür nun vegane Rezepte zu haben, ist wirklich toll. Im Kapitel „Kindheitsessen“ hat die Autorin Klassiker wie Döner Kebap, Shawarma, Adana Kebap, Menemen und viele weitere Gerichte vegan überarbeitet, was ich besonders gut finde, denn gerade die Kindheitserinnerungen an leckere Gerichte, wie sie die Mutter oder Großmutter zubereitet hat, sind so wertvoll, und dieses schöne Gefühl nun in veganer Form wieder zu beleben, ist wichtig und gut. Auch auf orientalische Desserts muss man in der veganen Küche nicht verzichten, wie die Autorin anhand von Baklava mit osmanischer Puddingfüllung oder saftigem Grießkuchen zeigt. Ich erwähne hier nur als Beispiel einige Gerichte, die mir bekannt sind und die ich bereits in anderer (damals noch nicht veganer) Form bereits gegessen und sehr genossen habe. Darüber hinaus sind noch viele weitere tolle Gerichte in Wort und Bild umgesetzt und warten darauf, ausprobiert zu werden.

So raffiniert die Rezepte kreiert sind, so einfach und unkompliziert lassen sie sich größtenteils herstellen. Sie sind übersichtlich aufgebaut, haben eine überschaubare Zutatenliste und sind mit dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad sowie der Anzahl der Portionen, die das Rezept ergibt, gekennzeichnet. Bei jedem Gericht gibt die Autorin auch noch persönliche Tipps für Abwandlungen bei den Zutaten und Beilagen, Varianten der Zubereitung oder einfach für gutes Gelingen. Bei Zutaten wie Joghurt, Milch etc. gibt die Autorin meist ein veganes Ersatzprodukt an und hält sich dabei neutral. Das ist auch gut so, denn gerade bei pflanzlichen Milchalternativen gibt es eine große Vielfalt und auch gewaltige Unterschiede. Hier sollte jeder die Sorte wählen, die ihm am besten schmeckt, denn da gehen die Vorlieben weit auseinander. Ich persönlich mag am liebsten Haferdrink, aber davon schmeckt mir bei weitem nicht jede Sorte von jedem Hersteller. Es macht also Sinn, die Rezepte mit Ersatzprodukten nachzukochen, die einem wirklich gut schmecken, denn einfach nur eine beliebige Pflanzenmilch zu wählen, kann den Geschmack eines Gerichts völlig verändern. Vegan kochen ist vor allem in der ersten Zeit ein Ausprobieren verschiedener Zutaten, und jeder muss für sich individuell die besten Lösungen finden. Aber es lohnt sich, hier ein wenig Zeit zu investieren, denn dann kann man mit diesen Rezepten richtig tolle Ergebnisse erzielen, die nicht nur vegan lebenden Menschen, sondern der ganzen Familie schmecken.

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Veröffentlicht am 30.08.2022

Über das Leben einer außergewöhnlichen Frau, die vom Rollstuhl aus nach den Sternen griff und sie erreichte

Fräulein Steiff
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Die bezaubernden Plüschtiere der Firma Steiff, mit dem Knopf im Ohr, sind weltweit bekannt und beliebt. In diesem biografischen Roman lernen wir Margarete Steiff kennen, die Begründerin des Unternehmens. ...

Die bezaubernden Plüschtiere der Firma Steiff, mit dem Knopf im Ohr, sind weltweit bekannt und beliebt. In diesem biografischen Roman lernen wir Margarete Steiff kennen, die Begründerin des Unternehmens. War es Mitte des 19. Jahrhunderts schon ungewöhnlich, dass Frauen ein Unternehmen gründeten, so kann man Margaretes Entwicklung geradezu als phantastisch bezeichnen. Im Alter von 18 Monaten erkrankte sie an Kinderlähmung und war zeitlebens auf den Rollstuhl und auf Hilfe angewiesen. Aber wir lernen hier eine starke Persönlichkeit kennen, die einerseits ihr Leben mit festem Willen, soweit irgend möglich, selbst in die Hand nahm, dabei aber ein liebenswertes und herzliches Wesen hatte. Was im Jahr 1877 mit einem Filzkonfektionswarengeschäft begann, das Margarete mit ihren Schwestern eröffnete, entwickelte sich unter ihrer Regie zu einem riesigen Unternehmen. Sie erkannte den Zeitgeist und hatte das richtige Gespür, dass Kinder etwas zum Liebhaben und Kuscheln brauchen. Das war neu, denn zu der Zeit gab es als Spielzeug nur Zinnsoldaten, Holzfiguren oder Porzellanpuppen. Schon der Prolog, in dem das Gespräch zwischen Margarete und einem kleinen Mädchen stattfindet, zeigt die Empathie und auch Phantasie dieser großartigen Frau.

Die Historikerin Maren Gottschalk zeichnet den Lebensweg dieser außergewöhnlichen Frau mit viel Feingefühl nach. Oft lesen sich biografische Romane sehr sachlich und trocken. Das ist hier gar nicht der Fall. Ich war von der ersten Seite an völlig fasziniert von Margaretes Persönlichkeit und ihrem Schicksal. Die Geschichte ist so kurzweilig und leicht geschrieben, dass man nur so durch die Seiten fliegt, und doch ist sie zu keinem Moment oberflächlich. Man erhält intensive Einblicke in Margarete Steiffs Leben und Schaffen, man nimmt an ihren Gedanken und Gefühlen teil. Die Autorin hat sehr gründlich recherchiert und ihren Roman auf historisch belegten Tatsachen aufgebaut. Die meisten Personen, die im Roman vorkommen, haben wirklich gelebt. Nur einige treue fiktive Freunde hat die Autorin dem Gretle, wie Margarete von ihren Lieben genannt wurde, an die Seite gestellt. Alles gibt ein lebendiges und rundes Bild von damals, als das „Elefäntle“ unter den Händen der jungen Margarete entstand und quasi ein bedeutendes Unternehmen daraus erwuchs. Es gibt einen Film über Margarete Steiff, den ich aber bisher nicht gesehen habe, so dass ich an das Buch ganz „ahnungslos“ herangegangen bin. Das Lesen dieser Romanbiografie hat mir sehr viel Freude gemacht, und ich habe Hochachtung vor dieser starken Frau, die in vielen Bereichen über sich selbst hinausgewachsen ist. Es ist ein richtig gutes und absolut lesenswertes Buch und eine Hommage an Margarete Steiff.

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