Tarot und Trauer
Whispered WordsZugegeben – es war das Cover, das mich zuerst magisch angezogen hat. Der Lilaton trifft genau meine Lieblingsfarbe, und die vielen kleinen Fenster, hinter denen unzählige Geschichten lauern könnten, haben ...
Zugegeben – es war das Cover, das mich zuerst magisch angezogen hat. Der Lilaton trifft genau meine Lieblingsfarbe, und die vielen kleinen Fenster, hinter denen unzählige Geschichten lauern könnten, haben sofort meine Neugier geweckt.
Wer bei der Beschreibung allerdings auf tatsächliche Magie hofft (so wie ich), sollte kurz innehalten: Die Tarotkarten spielen hier keine übernatürliche Rolle. Es handelt sich um ganz reale Ziehungen, wie man sie auch im echten Leben kennt – kein Zaubern, keine geheimnisvollen Kräfte. Anfangs war ich davon etwas enttäuscht, aber rückblickend passt es gut zur leisen, realistischen Stimmung des Buches.
Beide Hauptcharaktere bringen ihre eigenen Struggles mit, die sich im Verlauf der Geschichte zu wunderbar berührenden und wegweisenden Botschaften entfalten. Besonders Ames’ Umgang mit Trauer hat mich tief getroffen – an einer Stelle musste ich tatsächlich weinen. Dass eine Geschichte das schafft, ohne ins Kitschige abzurutschen, ist immer ein gutes Zeichen.
Etwas schade fand ich, dass das Hauptpaar trotz der Vielzahl queerer Figuren am Ende cis-hetero ist. Die Diversität im Nebenfiguren-Cast ist großartig, keine Frage – aber inmitten all der Queerness hätte ich mir gewünscht, dass auch die zentrale Liebesgeschichte diesen Weg geht.
Insgesamt war Whispered Words deutlich tiefgründiger, als ich es erwartet hatte. Es ist keine einfache Feelgood-Romanze, sondern eine Geschichte über Verlust, Heilung und den Mut, sich selbst zuzuhören. Mit dem Ende bin ich zwar nicht ganz glücklich geworden, aber der Weg dorthin war auf jeden Fall einer, der mich berührt hat.