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Kobina

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Sehr schwache Fortsetzung

Geheimnisse des Nil, Band 2 - Where the Library Hides
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Nach What the River Knows war ich sehr gespannt, wie Isabel Ibañez die Geschichte von Inez und Whit weiterführen würde. Der Auftakt hatte mich mit Setting, magischen Artefakten und besonders Whit als Figur ...

Nach What the River Knows war ich sehr gespannt, wie Isabel Ibañez die Geschichte von Inez und Whit weiterführen würde. Der Auftakt hatte mich mit Setting, magischen Artefakten und besonders Whit als Figur überzeugt – auch wenn Inez’ Naivität damals schon mein größter Kritikpunkt war. Leider knüpft Band zwei genau hier an und verstärkt diesen Eindruck eher noch.

Die Handlung wirkt überladen und zerfasert. Statt klarer Abenteuer- oder Mystery-Spannung stolpert man von Wendung zu Wendung: Überdramatische Enthüllungen, plötzliche Verwandtschaftsbeziehungen, Verrat an jeder Ecke. Die titelgebende Bibliothek taucht überhaupt erst sehr spät im Buch auf, sodass der Fokus lange Zeit diffus bleibt. Die wenigen magischen Elemente wirken mehr wie praktische Plot-Abkürzungen als wie organisch in die Handlung eingebundene Besonderheiten.

Besonders enttäuscht hat mich aber, dass Whit, den ich im ersten Band so gelungen fand, hier kaum noch greifbar wirkt. Seine Züge schwanken ständig – mal sensibel, mal verschlossen –, ohne dass dahinter eine klare Linie erkennbar wäre. Auch die Chemie zwischen ihm und Inez hat spürbar gelitten. Ihre Beziehung krankt an Missverständnissen, unausgesprochenen Konflikten und einer ständigen Unfähigkeit zur offenen Kommunikation. Dass Inez Whit sehr schnell und ohne wirkliche Auseinandersetzung eine schwerwiegende Handlung verzeiht, ließ die Romantik für mich endgültig hohl wirken.

Was bleibt, ist das Setting: Das historische Ägypten ist atmosphärisch beschrieben, und man spürt, dass die Autorin hier viel Liebe zum Detail investiert hat. Manche Szenen haben mich wirklich in die Zeit und Umgebung hineingezogen. Doch sobald die Figuren handeln oder die Handlung Fahrt aufnehmen soll, verliert das Buch an Glaubwürdigkeit.

Fazit: Wo mich der erste Band mit Whit und den magischen Artefakten noch positiv überrascht hat, konnte mich die Fortsetzung leider kaum noch packen. Zu viel Drama, zu wenig klare Figurenzeichnung, und eine Protagonistin, die durch Naivität und unlogische Entscheidungen ständig Nerven kostet. Wer den Auftakt mochte, wird sicher neugierig weiterlesen – aber für mich hat Where the Library Hides das Potenzial der Reihe leider verspielt.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Überbordend, queer und opulent

The Pairing
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Ich habe mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut – Casey McQuiston ist schließlich ein Name, der in der Queer Romance kaum wegzudenken ist. Aber selten war ich so hin- und hergerissen. Einerseits: queere ...

Ich habe mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut – Casey McQuiston ist schließlich ein Name, der in der Queer Romance kaum wegzudenken ist. Aber selten war ich so hin- und hergerissen. Einerseits: queere Figuren überall, Foodie-Vibes, Sommer in Europa, Second-Chance-Romance. Klingt nach einer perfekten Mischung. Andererseits hat mich die Umsetzung stellenweise regelrecht wahnsinnig gemacht.

Theo (btw einer meiner absoluten Lieblingsnamen), unser Hauptcharakter, kämpft mit dem „Nepo-Baby-Dasein“ – aber eben auf eine Art, die schwer ernstzunehmen ist, wenn im Hintergrund eine reiche, liebevolle Familie steht, die jederzeit mit großzügiger Unterstützung winkt. Gleichzeitig stolpern wir durch eine europäische Reise, die sich mehr nach „Instagram-Filter“ als nach echter Welt anfühlt: Yachten, makellose schöne Menschen, jeder bisexuell, jeder flirtbereit – und das Ganze ohne Ecken, Kanten oder Überraschungen. Selbst die (sehr ausführlichen) Beschreibungen von Essen und Wein, die eigentlich Genuss pur versprechen, haben für mich irgendwann nur noch das Tempo rausgenommen.

Auch die Liebesgeschichte selbst konnte mich nicht packen. Second-Chance-Romances leben für mich davon, dass man als Leser*in versteht, warum zwei Figuren trotz Vergangenheit wieder zueinander finden. Hier blieb vieles im Off: Wir erfahren, dass Theo und Kit früher eine gemeinsame Geschichte hatten, dass es wehgetan hat, dass da Leidenschaft ist – aber warum genau sie jetzt die große Liebe füreinander sein sollen, hat sich für mich nie richtig transportiert. Vieles wirkte eher wie ein Spiel mit Sex, Mutproben und Flirts als wie echte Nähe.

Das klingt jetzt alles sehr negativ – aber ich sehe auch, warum andere das Buch lieben werden. Es ist sehr queer, sehr sinnlich, sehr hedonistisch. Wer Lust auf eine wilde, üppige, sexy Reise voller Wein, Essen und schönen Menschen hat, wird hier sicher glücklich. Wer sich allerdings eine tiefere, glaubwürdige Liebesgeschichte wünscht, könnte wie ich eher enttäuscht zurückbleiben.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Klassischer Krimi plus queere Identität

Lavender House
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Selten hat mich ein Cover so angesprochen wie es bei der deutschen Ausgabe von "Lavender House" von Lev AC Rosen der Fall war. Versteht mich nicht falsch, das englische Cover ist auch schön echt hübsch, ...

Selten hat mich ein Cover so angesprochen wie es bei der deutschen Ausgabe von "Lavender House" von Lev AC Rosen der Fall war. Versteht mich nicht falsch, das englische Cover ist auch schön echt hübsch, aber die Dunkelheit des deutschen setzt dem Ganzen nochmal die Krone auf. Die Treppen darauf, die leichten Blutspuren, die Blütenblätter (und das alles in meiner absoluten Lieblingsfarbe) ist förmliche Perfektion.
Dann kam der Titel, der wiederum an die Lavendelehen erinnert und da ich dieses Thema schon immer spannend fand, war somit klar, dass ich das Buch lesen muss.

(Ich weiß nicht, WIE ich auf die Idee gekommen bin, aber irgendwie ging ich davon aus, hier einen Fantasyroman in den Händen zu halten. Dem ist NICHT der Fall! Es ist ein historischer Krimi, wie er auch vollkommen korrekt auf dem Klappentext beworben wird.)

Das Setting an sich ist so klassisch, wie man es kennt: Wir haben einen Excop, der sich nun auf andere Weise durchs Leben schlagen muss.
Der Grund für diese Entlassung ist jedoch nicht ganz so klassisch: Unser Protagonist Andy Mills wurde nämlich bei einer Razzia in einer Schwulenbar erwischt, was 1952 schließlich ein No-Go war.

Umso schöner ist, was er im namengebenden Lavender House findet.; ein echtes Safe Space, ein Zuhause für Menschen, die anderswo verstecken und lügen müssten. Hier leben queere Menschen wie er offen, ohne Angst vor Anfeindungen. Doch gerade in diesem vermeintlich sicheren Hafen lauert das Verbrechen – und schnell wird klar: Wenn Irene tatsächlich ermordet wurde, dann war es jemand aus dem Inneren der Familie.

Der Roman ist eine Mischung aus klassischem Whodunit und queerer Geschichtsschreibung. Rosen bringt ein spürbares Film-noir-Flair in seine Erzählung, gleichzeitig fühlt sich die Geschichte an vielen Stellen mehr nach Cozy Mystery an als nach „Knives Out“ (mit dem es oft verglichen wird). Wer auf überdrehte Charaktere, bissigen Humor und absurde Twists hofft, wird vielleicht enttäuscht. Stattdessen stehen Atmosphäre, Identität und Andys innere Reise im Vordergrund.

Ich mochte besonders die Grundidee: Ein queeres „Haus voller Geheimnisse“ in einer Zeit, in der es draußen gefährlich war, man selbst zu sein. Die Figuren sind interessant, auch wenn einige eher blass bleiben, und der Fall selbst ist nicht übermäßig komplex – eher geradlinig erzählt, ohne große Überraschungen. Für mich funktionierte das als ruhiger, nachdenklicher Krimi, andere könnten sich jedoch mehr Tempo wünschen.

Der Sprecher des Hörbuchs schließt sich dabei der angenehmen Ruhe an. Seine Stimme ist unaufgeregt und beruhigend, sodass er perfekt zu unserem Protagonisten passt.

Fazit: Kein nervenzerreißender Thriller, sondern ein queerer Cozy-Krimi mit starker Atmosphäre, viel Herz und einem spannenden Setting. Wer sich davon mehr erhofft als ein „Knives Out in gay und 1950s“, sollte die Erwartungen justieren – dann kann Lavender House ein richtiges kleines Juwel sein.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Odé an die Kunst

Yumi and the Nightmare Painter
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Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich ...

Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich dann das erste Mal einen Blick auf das Cover von "Yumi and the Nightmare Painter" warf, war mir klar, dass ich dem Herren wohl nochmal eine Chance geben muss. Danke an NetGalley für diese Gelegenheit!

Und hui, was bin ich froh. "Yumi and the Nightmare Painter" liest sich wie eine Liebeserklärung an Kunst, Geschichten und die Verbindungen, die wir dadurch schaffen. Die Ästhetik ist auf, wie im Buch atemberaubend! Zwei komplett verschiedene Welten (eine spirituell, eine düster-neonfarben) treffen aufeinander und ziehen die Lesenden gleich mit.
Ich mochte besonders, wie es um Kunst als Ausdruck von Menschlichkeit geht – was sie bedeutet, warum wir sie brauchen, und warum KI das eben nicht ersetzen kann. Auch das Magiesystem (Farben! Rituale! Albtraum-Malerei!) ist gewohnt Branderson-kreativ, ohne dabei bis zum Erbrechen erklärt zu werden wie bei "Mistborn", damit wirklich der Letzte es versteht (vermutlich liegt das auch schlichtweg daran, dass hier nur ein Standalone vorliegt und keine 7-bändige Reihe).

Die Romance ist sehr slow burn und eher auf emotionaler Verbundenheit als auf Chemie gebaut.. Kein großes Drama, keine typischen Tropes, sondern zwei einsame Menschen, die lernen, sich selbst und einander zu verstehen.
Insgesamt bisher mein liebster Sanderson!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Spannung okay, Rest wunderbar

Not Quite Dead Yet
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Ich muss gestehen, dass ich bisher nur ein Buch von Holly Jackson gelesen habe ("The Reappearance of Rachel Price") und ich dieses zwar mochte, allerdings etwas enttäuscht war, da ich dank Rezensionen ...

Ich muss gestehen, dass ich bisher nur ein Buch von Holly Jackson gelesen habe ("The Reappearance of Rachel Price") und ich dieses zwar mochte, allerdings etwas enttäuscht war, da ich dank Rezensionen zu Jackson auf mindblowing Plottwists eingestellt war, die es in dem Buch ja nicht gegeben hatte.
"Not Quite Dead Yet" stand hingegen unter einem nicht so schlechten Stern, da ich hier schlichtweg das Konzept super interessant fand und das Einzige, was ich erwartet hatte, zumindest einige Emotionen zum anstehenden Tod waren.
Und die habe ich bekommen! Das Ende hat weh getan. Und zwar so richtig. Ich wusste, dass es kommen würde, und trotzdem hat es mich kalt erwischt. Entsprechend: Erwartungen definitiv erfüllt!
Auch der Einstieg in das Buch war sehr stark; die Mitte hingegen lässt noch zu wünschen übrig. Jacksons Schreibstil ist super fesselnd, witzig und flüssig. Langweilig wird es entsprechend nicht. So richtig Spannung kam allerdings auch nicht auf. Während ich die ersten Kapitel kaum weglegen konnte, fehlte mir zwischendrin manchmal die Motivation weiterzulesen. Es fühlte sich etwas gestreckt an, stellenweise drehte sich die Handlung im Kreis.
Was das Buch für mich trotzdem getragen hat, war die Protagonistin selbst: Sarkastisch, bissig, ziemlich anstrengend – und genau deshalb so echt. Ihr Humor rettet viele Szenen, ihre Entschlossenheit macht sie unvergesslich. Besonders ihr Zusammenspiel mit Billy war für mich ein absolutes Highlight: Loyal, warmherzig, und einfach das emotionale Gegengewicht zu ihrer Härte. Ihre Beziehung hat das Ende noch schlimmer gemacht (im besten Sinne).

Fazit: Wirklich gethrilled werde ich wohl durch Jacksons Bücher nicht mehr werden, aber lesenswert sind sie dennoch!

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