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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2018

Unverständlicher Hype

Sieben minus eins
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Ich bin auf Arne Dahl gestoßen, da wir „Sieben minus eins“ bei uns am Westfälischen Landestheater als Theaterstück aufführen. Die Inszenierung ist wirklich sehr gut gelungen und auch der Autor war dort ...

Ich bin auf Arne Dahl gestoßen, da wir „Sieben minus eins“ bei uns am Westfälischen Landestheater als Theaterstück aufführen. Die Inszenierung ist wirklich sehr gut gelungen und auch der Autor war dort und sehr positiv Überrascht. Da mir in dieser Inszenierung jedoch auffiel, dass einige Sachen fehlen (mussten) und die Texte oft sehr plakativ und wenig gelungen sind, wollte ich das Buch lesen um einen Vergleich zu haben.
Leider musste ich feststellen, dass die Texte im Buch komplett die gleichen sind. Unsere Dramaturgin hat dort nichts geändert. Die Sätze der Protagonisten und die Beschreibungen von Taten, Orten und Dingen werfen sich dem Leser einfach so vor die Füße, ohne feinfühlige oder kreative Umschreibungen. Oft kam ich mir ein wenig veräppelt vor, da es so oft Situationen gab, an den ich nur dachte „Wirklich? Muss es so offensichtlich sein?“.
Auch die Schilderungen der Personen, wie sie aussehen und wie ihr Charakter ist, waren mir zu dürftig. Ich konnte mir von keinem ein wirkliches Bild machen oder irgendeine Bindung aufbauen.
Die Geschichte an sich finde ich ebenfalls sehr konstruiert und viele Dinge bleiben für mich ungeklärt. Z.B. warum ausgerechnet diese Mädchen? Warum das mit der Wand im Keller? Usw. Vielleicht würden einige Fragen im zweiten Band beantwortet werden aber ich werde diesen nicht lesen.
Ich kann leider nicht nachvollziehen wie bei diesem, in meinen Augen, schlechten Schreibstil und vielleicht auch so einer schlechten Übersetzung (z.B. Klarsichtfolie anstatt Frischhaltefolie) eine solch gute Bewertung und ein solcher Hype entstehen kann.
Für mich war das Buch leider ein Flopp, welches den Respekt für unsere Schauspieler gesteigert hat, die aus so einem wenig guten Buch ein doch recht gutes Schauspiel entwickelt haben.

Veröffentlicht am 15.10.2018

Besondere Frauen, besondere Geschichten

Frauen, die ihre Stimme erheben. Roar. Jetzt verfilmt von und mit Nicole Kidman
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Da ist die Frau, die im Boden versinkt und dort auf jede Menge anderer Frauen trifft. Oder die Frau, die auf ihrem Grundstück Zweifel sät. Eine andere Frau, deren Uhr so laut tickt, dass sie nicht schlafen ...

Da ist die Frau, die im Boden versinkt und dort auf jede Menge anderer Frauen trifft. Oder die Frau, die auf ihrem Grundstück Zweifel sät. Eine andere Frau, deren Uhr so laut tickt, dass sie nicht schlafen kann, und eine, die aus ihrer Schublade herausklettert. Lauter Frauen, denen gerade dann Flügel wachsen, wenn sie es gar nicht erwarten. So wie es für uns alle in jedem Moment möglich ist, wenn wir nur auf uns selbst hören.

Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, war ich mir unsicher. Was sollte das für ein Buch sein? Cecelia Ahern, die über starke Frauen schreibt? Noch eine Autorin, die die gleichen bekannten Frauen aus unserer Gesellschaft hervorhebt? So richtig konnte ich mir das bei dieser wundervoll kreativen Autorin nicht vorstellen und habe mich an die Geschichten gewagt.
Ich wurde mit 30 fantasievollen Kurzgeschichten überrascht, in denen es nicht um bekannte Frauen geht, sondern immer um „die Frau“. Also irgendwie uns alle. Also doch irgendwie bekannte Frauen.
Die Geschichten sind alle samt ein bisschen verrückt und tanzen irgendwie aus der Reihe. Sie nehmen Redewendungen und Ereignisse im Leben einer Frau wörtlich und machen diese Dinge greifbar. So hört die eine Frau nicht einfach nur ihre innere Uhr ticken, sie hat tatsächlich eine Uhr und jeder kann es hören. Oder bei der Frau, die wünscht, dass sich der Boden auftut, passiert genau dies und sie trifft dort viele weitere Frauen.
Ich konnte mich in vielen Situationen wiederentdecken und musste das ein ums andere Mal schmunzeln, um anschließend doch ins Nachdenken zu geraten, über das grade gelesene.
Die Geschichten berühren auf verschiedenen Ebenen und ich denke, sie werden jede Leserin und jeden Leser auf ihre eigene Art berühren, denn jeder hat seine eigenen Erfahrungen, mit den dort geschilderten Themen, gemacht.
Ich bin unglaublich positiv überrascht und fand das Buch einfach nur toll. Ich werde es noch oft weiterempfehlen und verschenken.

Veröffentlicht am 11.10.2018

Eine Liebesgeschichte mit interessanter Wendung

Über uns nur die Farben des Himmels
1

Als Amys Vater stirbt und sie Dokumente findet, die alle dafürsprechen, dass er sich sehr oft in Portugal aufgehalten hat, macht sie sich auf die Suche nach seiner Geschichte.
In Portugal lernt sie Jacco ...

Als Amys Vater stirbt und sie Dokumente findet, die alle dafürsprechen, dass er sich sehr oft in Portugal aufgehalten hat, macht sie sich auf die Suche nach seiner Geschichte.
In Portugal lernt sie Jacco kennen und lieben. Er ist die Liebe ihres Lebens und bringt ihre ganze Welt ins Wanken. Doch dann verschwindet Jacco plötzlich und kurz darauf ihr gemeinsamer Hund Mozart. Während Amy mit ihrer Trauer kämpft, begegnet sie Red, einer obdachlosen Alkoholikerin und ohne es zu erwarten spinnt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden. Auch zwei Jahre später hat Amy nicht komplett mit der Vergangenheit abgeschlossen und diese holt sie schneller wieder ein, als sie sich wünscht.

„Über und nur die Farben des Himmels“ spielt einerseits in der Gegenwart in Deutschland und andererseits zwei Jahre zuvor in Portugal. Wir erleben Amys Leben wie es mittlerweile ist, wie es Red geht, wie sich die Familie entwickelt hat und was aus Amy geworden ist. In der Vergangenheit erleben wir Amys Reise nach Portugal, wie sie Jacco kennen lernt, ihn verliert und was alles drum herum passiert und wie sie an den Punkt geraten ist, an dem sie heute steht.
Das Konzept gefällt mir. Ich mag es gleichzeitig zu erfahren, wie eine Person so geworden ist, wie sie geworden ist und was sie aktuell daraus macht. Die Autorin hat die Kapitel der Gegenwart immer wieder mit Andeutungen gespickt, die später in der Vergangenheit aufgeklärt wurden.
Red und Amy sind sehr sympathische Hauptfiguren. Beide mit ihren Problemen aber trotzdem auch stark und bereit, dagegen zu kämpfen. Dazu gibt es noch viele weitere Figuren, die alle ihre Berechtigung haben und mal sympathisch sind und mal nicht. So wie im echten Leben.
Die Geschichte an sich hat mir auch gut gefallen, auch wenn ich die Wendung gegen Ende, schon recht am Anfang vermutet habe, war es interessant zu sehen, wie die Autorin das Ganze umsetzt. Die Auflösung des Ganzen war für mich auch nicht so überraschend aber das hat mich nicht groß gestört.
Mein einziger und größter Kritikpunkt ist eigentlich mehr eine Geschmackssache. Die Autorin beschreibt die Landschaften, Orte, Räume und Gefühle sehr ausführlich und hat dabei eine sehr blumige und fast schon poetische Art. Es gibt bestimmt viele Leser, die genau das sehr mögen aber für meinen Geschmack war das zu viel. Mir wurden die Stellen dann zu langatmig, weil sie nicht wirklich viel zum Ablauf der Geschichte beigetragen haben und so habe ich diese irgendwann einfach überflogen. Das war für mich etwas schade aber ich denke, wer so etwas mag, ist bei diesem Buch hier an der richtigen Stelle.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Mein Jahreshighlight!

Der Himmel über den Black Mountains
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Seit Jahren hatte Emma keinen Kontakt mehr zu ihrer Tante Milly. Jetzt ist Milly tot und hinterlässt ihrer einzigen Nichte nicht nur eine Menge Geld, sondern auch ihre Farm am Fuße der Black Mountains ...

Seit Jahren hatte Emma keinen Kontakt mehr zu ihrer Tante Milly. Jetzt ist Milly tot und hinterlässt ihrer einzigen Nichte nicht nur eine Menge Geld, sondern auch ihre Farm am Fuße der Black Mountains an der Grenze zu Wales. Allerdings darf Emma ihr Erbe erst antreten, nachdem sie ein Jahr zur Probe auf der Farm gelebt hat. Ihr Job in London erfüllt sie nicht wirklich, und in letzter Zeit hat sie mehr und mehr das Gefühl ihr Freund wird niemals diese eine Frage stellen. Also wagt Emma das Abenteuer und haucht der alten Farm neues Leben ein. Unterstützung erhält sie dabei nicht nur von den Nachbarn und dem gutaussehenden Tierarzt Ben, sondern auch dem smarten Polizisten Jack. Bald schon sprühen die Funken zwischen den beiden. Doch Jack hütet ein Geheimnis, dass sie beide in größte Gefahr bringen könnte.

Für mich ist das der erste Roman der Autorin Alexandra Zöbeli und ich bin wirklich begeistert. „Der Himmel über den Black Mountains“ hat mich sehr überrascht und mir wäre es lieber gewesen, wenn das Buch nie geendet hätte.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und lässt sich locker lesen, ohne dabei zu einfach zu sein. Klare Worte verschmelzen mit spielerischen Beschreibungen und schaffen mit der Rosebud Farm einen Ort, an dem die meisten Leser wohl gerne zuhause wären.
Im ganzen Buch gibt es immer wieder detailreiche Schilderungen, die grade so viel hergeben, dass die eigene Fantasie beflügelt wird. Gleichzeitig schafft die Autorin es, dass man sich nach wenigen Seiten schon wohl und geborgen fühlt und merkt, dass dies ein Buch zum Zurücklehnen und Entspannen ist.
Die Figuren passen perfekt in die Szenerie. Emma ist keine von den nur perfekten Protagonisten. Sie zweifelt, ist unsicher und teils auch sehr temperamentvoll. Aber vor allem ist sie herzensgut, liebevoll und engagiert. Mir hat es sehr gut gefallen, wie sie sich auf der Farm eingelebt und nach und nach eine Geschäftsidee entwickelt hat. Sie ist dabei wunderbar auf die Dorfleute eingegangen und hat sich trotzdem nicht von ihren Ansichten abbringen lassen. Besonders ihr Umgang mit den Tieren ist klasse und hat dem Buch noch so viel mehr Wärme verliehen.
Jack und Ben sind zwei sehr unterschiedliche Figuren und trotzdem waren sie für mich mit ein Highlight. Beide haben die Geschichte zu dem gemacht, was sie ist und grade ihre Unterschiede waren immer wieder die Kirsche auf dem Eisbecher.
Auch bei den anderen Dorfbewohnern könnte ich ins Schwärmen geraten, da jeder von ihnen auf seine eigene Art herzensgut ist und sich ganz natürlich in die Geschichte einbringt. Dieses Dorfleben mitzuverfolgen und die Gemeinschaft zu erleben, war mir eine große Freude.
Und auch wenn es so klingt, ist in diesem Buch nicht alles eitel Sonnenschein. Auch die Bewohner der Black Mountains haben mit ihren Problemen und ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Hier hat mir besonders gefallen, dass diese Themen nicht die Grundstimmung des Buchs verändert haben. Sie waren ein Teil davon und waren auch wichtig für die Geschichte aber sie haben nicht dominiert und wurden trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen.
Alles in allem kann ich von diesem Buch nur schwärmen. Eine klare Empfehlung an alle, die gerne Bücher mit Herz lesen. Mit mir hat die Autorin auf jeden Fall eine begeisterte Leserin gewonnen.

Veröffentlicht am 29.09.2018

Cinder und Ella – Aschenputtel in einer wundervollen modernen Adaption

Cinder & Ella
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Ella war glücklich mit ihrer Mom, ihren Büchern, ihrem Blog und ihrem Chatfreund Cinder, ihre heimliche Liebe. Doch dann gerät sie in einen schlimmen Autounfall, bei dem ihre Mutter stirbt und Ella mit ...

Ella war glücklich mit ihrer Mom, ihren Büchern, ihrem Blog und ihrem Chatfreund Cinder, ihre heimliche Liebe. Doch dann gerät sie in einen schlimmen Autounfall, bei dem ihre Mutter stirbt und Ella mit schweren Verbrennungen und bleibenden Verletzungen acht Monate im Krankenhaus bleiben muss. Nichts ist mehr so wie es war, als sie zu ihrem Vater und seiner neuen Familie ziehen muss. Ella will nur ihr altes Leben wieder und beschließt, ihrem Chatfreund Cinder nach all der Zeit zu schreiben. Was sie nicht weiß ist, dass Cinder ebenfalls Gefühle für Ella hat und dass er Hollywoods angesagtester Schauspieler ist.

Schon in der Leseprobe war ich völlig hin und weg von dieser Geschichte. Endlich mal etwas ohne perfekte Hauptfigur und mit einer etwas neuen Idee dahinter. Dazu liebe ich Märchenadaptionen.
Ella ist wirklich nicht perfekt und doch nahe dran. Sie wird durch die Narben nicht als wunderschön angesehen und beweist durch ihren Charakter und ihren Mut jedem etwas anderes. Es hat mir viel Freude bereitet, Ellas schweren Weg zu verfolgen. Sie kämpft zuhause und in der Schule und nicht nur ihr Umfeld muss Eingeständnisse machen, auch Ella muss viele Schritte auf die anderen zugehen. Das hat mir so gut gefallen. Ella macht nämlich auch einen Fehler nach dem anderen. Dazu ist sie frech und überhaupt nicht auf den Mund gefallen.
Ebenso wie Brian, der eben nur bei Ella so sein kann wie er ist. Er ist auch kein Ritter ohne Tadel und doch hat er sich einen Ruhmestitel verdient. Warum will ich hier gar nicht näher beschreiben, denn dann würde ich vermutlich zu viel verraten. Aber ich liebe ihn.
Auch die anderen Figuren sind der Autorin wirklich gelungen. Sie hat sich eine Handvoll Persönlichkeiten ausgesucht und diese im Buch weiterentwickelt. Sie hat plausible Verhaltensweisen und Schritte geschrieben, die in Romanen dieser Art sonst nicht so anzufinden sind. Dazu hat mir die ganze Geschichte und ihr Werdegang einfach wirklich gut gefallen.
Für mich ist dieses Buch in allen Belangen ein Highlight und kommt zu meinen Favoriten. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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