Sicher nicht mein letztes Buch der Autorin!
Die versteckte ApothekeEs gibt Bücher von denen erzählt man mit einem glitzern in den Augen, mit Begeisterung in der Stimme. „Die versteckte Apotheke“ ist für mich genau so ein Buch. Historisch, atmosphärisch, düster und spannend ...
Es gibt Bücher von denen erzählt man mit einem glitzern in den Augen, mit Begeisterung in der Stimme. „Die versteckte Apotheke“ ist für mich genau so ein Buch. Historisch, atmosphärisch, düster und spannend bis zur letzten Seite.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im vergangenen, regnerischen England stößt man als Leser auf Nella, die Apothekerin des Vertrauens für jegliche Frau in Not. Hinter ihren Geheimtüren versteckt sie einen Raum voller Phiolen, Arzneien und Gift sowie ein Haufen alter Geheimnisse. In der Gegenwart traf ich auf Caroline, die gerade eine schwere Ehekrise durchmacht und deswegen eine alleinige Reise nach England antritt. Spontan schließt sie sich einer Aktivität namens „mudlarking“ an. Einer Suche nach Schätzen in der Themse, bei der sie eine Apothekenflasche findet, dessen Geschichte sie sofort reizt.
Es gab so viele Aspekte aus jeder Perspektive, die mein Interesse aufrechterhalten haben. In der vergangenen Perspektive hat mich die Entstehungsgeschichte der außergewöhnlichen Apotheke besonders interessiert. Ich habe mich gefragt, warum führt man eine Giftapotheke? Nellas Hintergrundgeschichte ist nachvollziehbar und ein wenig düster. Trotzdem bleibt sie auf eigene Art hilfsbereit und wird damit morally grey. Zudem war jede Erläuterung zu den Arzneien, Käfern und Wurzeln spannend eingefädelt. Ich mochte Nella und ihre Perspektive.
Bei Caroline in der Gegenwart fand ich das Konzept von mudlarking schon genial – ich konnte mir sofort vorstellen das Abenteuer selbst mal auszuprobieren. Außerdem wird in ihrer Perspektive absolut authentisch beschrieben, wie über historische Gegebenheiten recherchiert wird. Es gab Beschreibungen über alte Karten, die über aktuelle gelegt werden und wie man Manuskripte, Briefe oder ähnliches über die Bibliothek anfordern kann. Über ihre Eheprobleme kam noch eine persönliche Note zu ihr mit hinein. Bei den Beschreibungen zwischen ihr und ihrem Partner hat mein Herz bereits nach wenigen Seiten geschmerzt. Es ist eine schriftstellerische Kunst bereits mit wenigen Worten emotional so abholen zu können.
Der Wechsel zwischen einer lebendigen Szene aus der Vergangenheit zur Entdeckung verstaubter Bücher oder alten Zeitungsartikeln über das, was eben erst passiert ist, hatte eine spannende Dynamik. Es gab keine Perspektive, die ich zu irgendeinem Zeitpunkt nicht sofort weiterlesen wollte. Sarah Penner beschreibt zwei absolut liebevolle, starke und mutige Frauen, die für ihre Geschichte einstehen und deren Geschichte ich gerne in den Händen hielt. Das Kennenlernen mit Nella und Caroline möchte ich nicht missen.
Fazit:
Macht definitiv Lust auf weitere historische Romane!
Ein Kompliment an die Schriftstellerin historische Recherchen und Gegebenheiten so spannend zu gestalten, dass es selbst mir in den Fingern juckt das nächste Geheimnis zu erkunden. Der historische Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die wunderbar ineinander eingreifen und sich in der Spannung nichts nehmen. Als Plot ist die Giftapotheke allein bereits mehr als interessant, in Kombi mit dem Wissen über Arzneien, der Recherche in der Gegenwart über die damalige Geschichte und jeder persönlichen Szene ist das Buch kaum aus der Hand zu legen.