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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Ein stimmiger und nachhallender Roman über das Leben in der Mitte

Zurück zu ihr
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Darum geht es:
Jan ist gerade fünfzig Jahre alt geworden und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in München. Sein Alltag ist geprägt von Verantwortung und einer scheinbaren Zufriedenheit, ...

Darum geht es:
Jan ist gerade fünfzig Jahre alt geworden und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in München. Sein Alltag ist geprägt von Verantwortung und einer scheinbaren Zufriedenheit, die kaum Raum für Zweifel lässt. Die Einladung zum 30. Klassentreffen bringt diese Ordnung ins Wanken. Erinnerungen an seine Jugend und an eine frühere Liebe drängen in die Gegenwart. Auf der Suche nach Klarheit macht sich Jan allein auf den Weg in den Norden. Unterwegs gerät er immer wieder ins Stocken, nicht nur durch Pannen, sondern auch durch Gedanken an verpasste Möglichkeiten.

Mein Leseeindruck:
Schon auf den ersten Seiten hat mich der flüssige Schreibstil des Autors abgeholt. Ich war sofort bei Jan und Svenja in München mitten in einem Alltag, der vertraut und geordnet wirkt. Schnell wurde deutlich, dass diese Familie scheinbar alles hat, nur sich selbst nicht mehr richtig spürt.
Die Reise zum Klassentreffen bringt Vergangenheit und Gegenwart zusammen und zwingt Jan, sein Leben, seine Beziehungen und sein Selbstbild zu hinterfragen. Dabei geht es weniger um das Ziel der Reise als um die Frage, zu welchem Mann er geworden ist und was er wirklich will.
Trotz der ernsten Themen wie Familie, Identität und Verantwortung schreibt der Autor mit viel Situationskomik, sodass ich oft schmunzeln musste. Das Ende habe ich so nicht erwartet und genau das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit:
4/5 ⭐️ Ein stimmiger und nachhallender Roman über das Leben in der Mitte und darüber, wie wichtig es ist, sich selbst nicht zu verlieren.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein spannungsgeladener, meisterhaft konstruierter Thriller

Tote Seelen singen nicht
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Darum geht es:
Nach dem Weggang von Carl Mørck steht das Sonderdezernat Q vor einem personellen und emotionalen Umbruch. Seine Nachfolgerin, die rätselhafte Französin Helena Henry, bringt nicht nur eine ...

Darum geht es:
Nach dem Weggang von Carl Mørck steht das Sonderdezernat Q vor einem personellen und emotionalen Umbruch. Seine Nachfolgerin, die rätselhafte Französin Helena Henry, bringt nicht nur eine ungewohnte Arbeitsweise, sondern auch spürbare Unruhe in das eingeschworene Team der Kopenhagener Polizei. Während Misstrauen, Faszination und Ablehnung die Zusammenarbeit prägen, zwingt eine brutale Mordserie die Ermittler, persönliche Vorbehalte zurückzustellen.

Im Zentrum der Ermittlungen steht der Tod eines alten Ehepaars, dessen Spuren weit in die Vergangenheit zurückreichen. Sie führen zu einem abgeschotteten Sängerinternat, an dem sich vor Jahrzehnten schweres Unrecht ereignet hat, und zu einem Mann, dessen Leben von Vergeltung bestimmt wird.

Mein Leseeindruck:
Die geheimnisvolle Französin Helena Henry bringt frischen Wind ins Team und macht mich sofort neugierig, mehr über sie zu erfahren. Besonders gefreut habe ich mich, dass Assad und Rose wieder mit von der Partie sind, sie machen das Team für mich gewohnt lebendig und vielschichtig.

Die Mordserie, deren Spuren tief in die Vergangenheit reichen, ist aus meiner Sicht meisterhaft konstruiert. Mit jeder neuen Erkenntnis verschwimmen für mich die Grenzen zwischen Tätern und Opfern, Schuld und Leid. Der Roman entfaltet ein düsteres Panorama aus verdrängter Gewalt, moralischer Ambivalenz und den unauslöschlichen Narben der Vergangenheit.

Für mich hält das Buch die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, und trotz einiger Längen ist die Auflösung brillant. Die neue Richtung der Reihe ist für mich beeindruckend gelungen und macht mich neugierig auf alles, was das Sonderdezernat Q noch erwarten wird.

Fazit:
5/5 ⭐️ Ein spannungsgeladener, meisterhaft konstruierter Thriller, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Ein spannender und sehr atmosphärischer Thriller!

Dunkles Wasser
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Darum geht es:
In einer abgelegenen Bucht an der schottischen Westküste nimmt eine Nacht voller Sturm und Dunkelheit einen unauslöschlichen Lauf. Was als gemeinsamer Familienurlaub beginnt, endet in einem ...

Darum geht es:
In einer abgelegenen Bucht an der schottischen Westküste nimmt eine Nacht voller Sturm und Dunkelheit einen unauslöschlichen Lauf. Was als gemeinsamer Familienurlaub beginnt, endet in einem Akt extremer Gewalt, dessen Folgen sich über Jahrzehnte hinweg ziehen. Nur ein Kind überlebt das brutale Massaker und wächst mit einer Erinnerung auf, die ebenso fragmentarisch wie belastend ist.

Viele Jahre später scheint die Vergangenheit erneut nach ihr zu greifen. Eine schleichende Bedrohung drängt sich in ihr Leben, erst leise, dann immer unerbittlicher. Als eine nahestehende Person spurlos verschwindet, verdichtet sich die Frage, ob sich altes Unrecht wiederholt oder ob die Gegenwart ein eigenes Verbrechen hervorgebracht hat. Die Suche nach Antworten führt zu einer Begegnung mit einem ehemaligen Ermittler. Gemeinsam mit der Polizistin Kate Linville entsteht eine Zusammenarbeit, in der sich persönliche Geschichte und kriminalistische Spurensuche miteinander verweben.

Mein Leseeindruck:
Mit einer gewissen Überraschung muss ich gestehen, dass dies tatsächlich mein erstes Buch von Charlotte Link ist. Obwohl es sich um einen neuen Fall für Kate Linville handelt und ich die vorherigen Bände nicht kenne, ließ sich der Thriller problemlos und eigenständig lesen. Die Handlung ist präzise und wirkungsvoll aufgebaut. Charlotte Link erzählt auf zwei Zeitebenen, in der Gegenwart und in der Vergangenheit, und verwebt diese mit großer Sicherheit zu einem dichten Spannungsgeflecht.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Figuren selbst zu Wort kommen. Dadurch entsteht eine intensive Nähe zu den Protagonisten, die ihre inneren Konflikte und Ängste spürbar machen. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefürchtet. Die Bedrohung schleicht sich leise in die Geschichte. Mehrfach glaubte ich, den Tätern auf der Spur zu sein, nur um diese Fährte kurz darauf wieder zu verlieren. Ein Moment gegen Ende des Buches hat mich emotional unerwartet getroffen. Die Autorin scheut sich nicht, ihrer Geschichte eine Wendung zu geben, die schmerzt und nachwirkt. Die Auflösung empfand ich schließlich als stimmig.

Fazit:
5/5 ⭐️ Ein spannender und sehr atmosphärischer Thriller und ganz sicher nicht mein letzter von Charlotte Link.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Jahreshighlight!

Ava liebt noch
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Darum geht es:
Ava ist 43 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und mit einem karriereorientierten Ehemann verheiratet. Seit Jahren ist sie vollständig in den familiären Alltag eingebunden. Ihr Leben ist ...

Darum geht es:
Ava ist 43 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und mit einem karriereorientierten Ehemann verheiratet. Seit Jahren ist sie vollständig in den familiären Alltag eingebunden. Ihr Leben ist geprägt von Routinen, Verantwortung und dem stillen Zurückstellen eigener Bedürfnisse. Während ihr Mann beruflich vorankommt und die Kinder älter werden, empfindet Ava ihr eigenes Dasein zunehmend als Stillstand. Die Begegnung mit dem deutlich jüngeren Kieran wird für Ava zum Wendepunkt. Aus einer unerwarteten Nähe entwickelt sich eine Affäre, die sie mit Gefühlen konfrontiert, die sie längst verloren glaubte. In der Beziehung zu Kieran erlebt sie Selbstbestimmung, Begehren und eine Version ihrer selbst, die jenseits der Rolle als Mutter und Ehefrau existiert. Gleichzeitig steht Ava vor einem inneren Konflikt. Darf sie die heile Familie für ihr eigenes Glück opfern?

Mein Leseeindruck:
Ava liebt noch ist ein außergewöhnlich kluges und tief berührendes Buch. Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem jedes Wort, jeder Satz und jede Seite mit einer solchen Sorgfalt und emotionalen Präzision gestaltet sind. Auf vergleichsweise schlanken 320 Seiten entfaltet sich eine bemerkenswert dichte Geschichte, die überrascht, fordert und lange nachhallt.

Ava ist eine Figur, die man nicht nur begleitet, sondern liebt, als Mensch mit all ihren Widersprüchen, Sehnsüchten und inneren Brüchen. Ihre Geschichte ist keine einfache Erzählung über Untreue, sondern eine fein durchdachte Betrachtung von Selbstverlust, Rollenbildern und dem leisen Verschwinden eigener Bedürfnisse im Alltag von Ehe, Familie und Verantwortung. Obwohl Ava ihren Mann betrügt, ein Umstand, der meinen eigenen Werten grundsätzlich widerspricht, fühlte sich dieser Schritt innerhalb der Geschichte zu keiner Sekunde falsch an. Die Autorin moralisiert nicht, sie erklärt nicht, sie rechtfertigt nicht. Stattdessen lässt sie verstehen.

Besonders hervorzuheben ist die meisterhafte Darstellung der gesamten Familienkonstellation. Avas Ehemann, die Kinder sowie die Affäre sind vielschichtig, glaubwürdig und mit großer psychologischer Feinheit gezeichnet. Alle tragen zur emotionalen Wahrheit der Geschichte bei.

Der Roman wird leise erzählt und wirkt dabei umso eindringlicher. Es ist ein Buch über Begehren, Identität und die Frage, ob man sich selbst verlieren darf, um das scheinbar Richtige zu bewahren. Für mich war dieser Roman ein absolutes Jahreshighlight, klug, mutig und von seltener emotionaler Ehrlichkeit. Vielen Dank, liebe @verazischke für diesen Buch-Diamanten ❤️

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein solider Kriminalroman!

Wem du traust
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Darum geht es:
Im Zentrum der Geschichte steht Eva, deren stabiles Familienleben mit ihrem Mann Daniel durch das Verschwinden der fünfzehnjährigen Sofia erschüttert wird. Sofia, die Tochter von Evas bester ...

Darum geht es:
Im Zentrum der Geschichte steht Eva, deren stabiles Familienleben mit ihrem Mann Daniel durch das Verschwinden der fünfzehnjährigen Sofia erschüttert wird. Sofia, die Tochter von Evas bester Freundin, hilft regelmäßig als Babysitterin aus. Nach einer Nacht, in der Daniel sie nach Hause bringt, ist Sofia am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Die fieberhafte Suche nach dem Mädchen zerreißt Evas heile Welt, besonders als ein blutbefleckter Pullover auftaucht. Daniel beteuert seine Unschuld, doch Eva muss sich fragen, wem sie noch vertrauen kann.

Mein Leseeindruck:
Als begeisterte Leserin von Petra Johann war die Vorfreude auf ihr neues Buch groß. Schon Titel, Cover und Klappentext weckten sofort meine Neugier und machten Lust aufs Lesen. Der Einstieg fiel leicht, denn ihr Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm zu lesen.

Über weite Strecken baut sich allerdings kaum Spannung auf. Erst in den letzten rund 100 Seiten nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Davor stehen vor allem die Vorstellung der Ermittler und ihres Teams im Vordergrund. Hinweise oder Andeutungen, die ein Miträtseln ermöglichen würden, fehlen fast vollständig. Falsche Fährten oder überraschende Wendungen gibt es kaum, sodass klassischer Rätselspaß ausbleibt.

Trotzdem habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Der Schluss war zufriedenstellend, und Petra Johanns klarer, gut lesbarer Stil macht die Lektüre auch ohne durchgehende Spannung angenehm.

Fazit:
3,5/5 ⭐️ Ein solider Kriminalroman, der keine großen Überraschungen bietet und vor allem auf einen angenehmen Lesefluss setzt.

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