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Veröffentlicht am 26.03.2026

Schwer zugänglich!

Lügen im Paradies
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Darum geht es:
Colombe verbringt die Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen, fern von ihrem eigentlichen Zuhause. Dort wächst sie zeitweise in der Obhut eines Ehepaars auf, das sich um eine Gruppe ...

Darum geht es:
Colombe verbringt die Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen, fern von ihrem eigentlichen Zuhause. Dort wächst sie zeitweise in der Obhut eines Ehepaars auf, das sich um eine Gruppe von Kindern aus unterschiedlichen Ländern kümmert. Nach außen wirkt alles geordnet und fürsorglich, doch hinter dieser Fassade tragen viele der Kinder eigene Brüche und Verluste in sich, auch Colombe selbst.
Erst Jahrzehnte später beginnt sie, dieses Bild zu hinterfragen. Sie kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, sucht die Begegnung mit den Menschen von damals und stellt sich ihren Erinnerungen.
Dabei rückt besonders das Schicksal der beiden leiblichen Kinder des Ehepaars in den Mittelpunkt. An ihnen zeigt sich, dass die Fürsorge, die nach außen so selbstverständlich wirkte, nicht allen gleichermaßen galt. Colombe erkennt, dass ihre Kindheit von Dingen geprägt war, die sie lange nicht sehen konnte oder wollte.

Mein Leseeindruck:
Das Buchcover wirkt sehr zurückhaltend und unscheinbar. Wäre ich nur nach dem Äußeren gegangen, hätte ich vermutlich nie zu diesem Buch gegriffen. Der Klappentext dagegen hat sofort meine Neugier geweckt. Die Thematik fand ich besonders interessant, zumal unsere Tochter selbst in der Schweiz lebt. Dass es sich um einen autofiktionalen Roman handelt, hat die Geschichte für mich zusätzlich berührt.
Tatsächlich bin ich froh, dass der Roman nur knapp 160 Seiten umfasst. Die Geschichte beginnt sehr spannend, verliert für mich aber schnell an Orientierung. Oft war ich unsicher, ob die Handlung in der Gegenwart oder in der Vergangenheit spielt. Der Schreibstil war für mich schwer zugänglich; hätte ich ihn leichter gefunden, wäre mir vermutlich ein besserer Zugang zur Geschichte gelungen.
Im Roman werden Wahrheiten offenbart, die schmerzhaft sind. Leider haben sie mich emotional kaum erreicht. Bei mir hinterließen sie kaum Wirkung. Ich kenne viele Leserinnen und Leser, die den Roman sehr geschätzt haben, aber für mich konnte er nicht die Erwartungen erfüllen, die ich an ihn gestellt hatte.
3/5 ⭐️ Interessante Thematik und spannende Ansätze, aber für mich schwer zugänglich und emotional nicht greifend.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Ein stiller und berührender Roman!

Elbland
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Darum geht es:
Ninas Mutter Irma ist tot. Zurück bleibt Leere. Und eine Freiheit, die sich falsch anfühlt. Jahrelang hat Nina funktioniert und ausgehalten. Nun weiß sie nicht, wohin mit sich. Sie reist ...

Darum geht es:
Ninas Mutter Irma ist tot. Zurück bleibt Leere. Und eine Freiheit, die sich falsch anfühlt. Jahrelang hat Nina funktioniert und ausgehalten. Nun weiß sie nicht, wohin mit sich. Sie reist ins Riesengebirge nach Tschechien, an den Ort, an dem ihre Familie zuletzt noch unbeschwert war. Dort stellt sie sich den Fragen, die lange im Raum standen. Was ist damals zerbrochen? Was wurde nie ausgesprochen? In Böhmen beginnt für Nina eine leise, aber eindringliche Suche nach Antworten, nach ihrer Mutter und nach sich selbst.

Mein Leseeindruck:
Die Autorin Claudia Rikl hat mit diesem Roman eine wunderbare und tiefgründige Geschichte geschaffen.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem Irma und ihre Tochter Nina. Irmas Kindheit ist von Erlebnissen geprägt, über die sie ihr Leben lang schweigt. Dieses Schweigen zieht sich durch ihr ganzes Leben bis zu ihrem Tod. Erst danach beginnt Nina, sich auf die Suche nach Antworten zu machen. Schritt für Schritt versucht sie zu verstehen, was ihre Mutter geprägt hat und warum so vieles unausgesprochen blieb.

Ich habe Nina auf diesem Weg begleitet. Ein Weg, der mich sehr berührt hat. Immer wieder musste ich beim Lesen innehalten, weil das Gelesene nachgewirkt hat. Es gab Momente, in denen ich bewusst eine Pause brauchte, um alles zu verarbeiten.

Der Roman zeigt eindrucksvoll, was Schweigen in Familien auslösen kann. Wie es eine Generation prägt und sich auf die nächste überträgt. Wie sehr unausgesprochene Wahrheiten das Leben beeinflussen können.

All das hat die Autorin sensibel und stimmig in diese Geschichte eingebettet. Ich habe das Buch sehr sehr gerne gelesen.

Fazit:
4/5 ⭐️ Ein stiller, berührender Roman über das, was unausgesprochen bleibt und dennoch wirkt.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Highlight!

Alt genug
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Darum geht es:
Die Autorin Ildikó von Kürthy beschreibt in diesem Buch das Ankommen bei sich selbst im Laufe des Älterwerdens. Mit wachsender Lebenserfahrung entsteht die Fähigkeit, klarer zu sehen, ehrlicher ...

Darum geht es:
Die Autorin Ildikó von Kürthy beschreibt in diesem Buch das Ankommen bei sich selbst im Laufe des Älterwerdens. Mit wachsender Lebenserfahrung entsteht die Fähigkeit, klarer zu sehen, ehrlicher zu fühlen und bewusster zu handeln. Äußere Erwartungen und alte Gewohnheiten verlieren an Bedeutung, während Selbstakzeptanz und innere Freiheit stärker werden. Die Lebensmitte erscheint als eine Phase, in der Gegensätze gleichzeitig bestehen können, etwa Verletzlichkeit und Stärke, Zweifel und Gelassenheit sowie Abschied und Neubeginn. Daraus entwickelt sich ein ruhiger und tröstlicher Blick auf das eigene Leben und die Erkenntnis, mit den eigenen Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein.

Mein Leseeindruck:
Ich hatte zunächst ein wenig Respekt davor, dieses Buch zu beginnen. Ich war unsicher, ob es meinen Geschmack treffen würde und ob der Humor der Autorin mich wirklich erreichen kann. Doch all diese Zweifel haben sich bereits nach wenigen Seiten vollständig aufgelöst. Ich habe das Buch von Anfang an geliebt. „Alt genug“ ist ein kluges, ehrliches und zugleich humorvolles Buch. Es ist offen, selbstkritisch, mutig, aufrichtig und voller Stärke. Die Liste ließe sich mühelos noch weiter fortsetzen, denn dieses Buch vereint so viele Facetten, dass man es kaum auf wenige Worte reduzieren kann.
Besonders eindrücklich ist, dass diese Geschichte eine sehr persönliche Geschichte der Autorin ist. Gerade diese Offenheit und Nähe machen das Buch so glaubwürdig und berührend.

Beim Lesen habe ich mich unzählige Male wiedergefunden. Ich habe so oft zustimmend genickt, dass ich es am Ende tatsächlich im Nacken gespürt habe. Gleichzeitig musste ich immer wieder herzlich lachen. Es war eine große Freude, dieses Buch zu lesen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr ich mich in den Gedanken der Autorin wiedererkenne. Auch ich bin inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem ich für mich selbst einstehe, meine Bedürfnisse ernst nehme und Entscheidungen treffe, die mir guttun. Wenn ich müde bin, gehe ich. Wenn ich etwas tun möchte, dann tue ich es, auch allein.

Das Buch von Ildikó von Kürthy ist für mich weit mehr als nur eine Geschichte für Frauen in der Lebensmitte. Es ist ein Buch für alle Menschen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Jeder kann daraus etwas für sich mitnehmen.

Für mich ist dieses Buch ganz klar ein Jahreshighlight.

Fazit:
5/5 ⭐️ Jahreshighlight. Ein ehrliches, kluges und zutiefst persönliches Buch, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Charmant, genussvoll, emotional!

A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück
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Darum geht es:
Nach dem plötzlichen Ende ihrer Modelkarriere steckt Annabelle Scott in einer schwierigen Phase ihres Lebens. Unerwartet bietet sich ihr jedoch eine neue Chance: Eine Kochsendung sucht eine ...

Darum geht es:
Nach dem plötzlichen Ende ihrer Modelkarriere steckt Annabelle Scott in einer schwierigen Phase ihres Lebens. Unerwartet bietet sich ihr jedoch eine neue Chance: Eine Kochsendung sucht eine Co Moderatorin, und der Dreh soll in einem idyllischen Küstenort in Cornwall stattfinden.

Doch die Sache hat gleich mehrere Haken. Annabelle hat keinerlei Erfahrung in der Küche und müsste zudem an den Ort zurückkehren, den sie vor zwanzig Jahren bewusst verlassen hat. Dort warten nicht nur alte Konflikte mit ihrer Mutter auf sie, sondern auch Flynn, ein eher wortkarger Fischer mit einer besonderen Ausstrahlung, der sie seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr loslässt.

Mein Leseeindruck:
Eine kleine Vorwarnung vorweg: Diesen zweiten Band der Reihe sollte man besser nicht hungrig lesen, denn die vielen beschriebenen Gerichte sind einfach zum Anbeißen. Selbst ohne Appetit läuft einem hier regelmäßig das Wasser im Mund zusammen.

Katharina Herzog überzeugt mit einem angenehm flüssigen, sehr zugänglichen Schreibstil, der sich wunderbar lesen lässt. Besonders die kurzen Kapitel haben mir gut gefallen, da sie der Geschichte ein schönes Tempo verleihen.

Der Einstieg fiel mir allerdings nicht ganz leicht. Anfangs hat mich die Geschichte noch nicht vollständig gepackt, und ich hatte weniger Motivation weiterzulesen. Im Verlauf hat sich das jedoch geändert, und die Geschichte konnte mich immer mehr für sich gewinnen. Man kann diesen zweiten Band der Cornwall-Reihe übrigens auch gut lesen, ohne den ersten Band zu kennen.

Die Figuren sind der Autorin sehr gelungen, allen voran Annabelle Scott, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Neben der unterhaltsamen Handlung greift das Buch auch wichtige Themen auf, wie den Druck rund um Schönheitsideale und Ernährung, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren.
Die Liebesgeschichte ist dabei einfach sehr süß und hat das Gesamtbild wunderbar abgerundet.
Fazit:
4/5 ⭐️ Charmant, genussvoll, emotional!

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Bemerkenswertes Debüt!

Ein verlassenes Haus
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Darum geht es:
Im Zentrum des Romans steht Sonja, eine Frau, deren Leben von stiller Erschöpfung und zunehmender Unsichtbarkeit geprägt ist. Während politische Debatten im Fernsehen von angeblich arbeitsscheuen ...

Darum geht es:
Im Zentrum des Romans steht Sonja, eine Frau, deren Leben von stiller Erschöpfung und zunehmender Unsichtbarkeit geprägt ist. Während politische Debatten im Fernsehen von angeblich arbeitsscheuen Menschen handeln, besteht ihr Alltag aus harter, schlecht bezahlter Arbeit und der ständigen Verantwortung für Familie und Haushalt. Ihr Mann arbeitet unter prekären Bedingungen auf dem Bau, sie selbst verdient ihr Geld im Verkauf. Trotz aller Anstrengung bleibt jedoch das Gefühl, im eigenen Leben nur noch zu funktionieren. Schritt für Schritt verliert Sonja den Kontakt zu sich selbst, bis schließlich auch ihr Arbeitsplatz wegbricht und die fragile Ordnung ihres Alltags ins Wanken gerät.
Aus dieser Krise heraus eröffnet sich ihr eine unerwartete Möglichkeit. Sie findet eine Tätigkeit, die sie von zu Hause aus ausüben kann. Unter der erfundenen Identität einer jungen Studentin beginnt sie auf einer Datingplattform mit fremden Männern zu chatten. Hinter diesem digitalen Maskenspiel entdeckt Sonja eine Seite von sich, die im realen Leben längst verschüttet schien. Sie erlebt Aufmerksamkeit und spürt langsam wieder Selbstvertrauen. Doch je intensiver sie in diese neue Rolle eintaucht, desto stärker entfernt sie sich von der Wirklichkeit ihres eigenen Lebens. Die Distanz zu ihrem Mann und ihren Kindern wächst, während die Verbindung zu einem der Nutzer immer persönlicher wird.

Mein Leseeindruck:
Der Schreibstil von Lisa Wölfl hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin gibt der Ich Erzählerin Sonja eine starke und sehr glaubwürdige Stimme. Viele Sätze sind kurz und prägnant. Dadurch entsteht ein gutes Tempo und man möchte immer wissen, wie es weitergeht. Ich habe Sonja sehr gern durch die Geschichte begleitet. Nach und nach gerät ihr gewohntes Leben aus dem Gleichgewicht. Sie versucht, den Spagat zwischen schlecht bezahlter Erwerbsarbeit und ihrer Carearbeit zu schaffen. Gleichzeitig wächst in ihr der Wunsch nach Anerkennung und nach mehr Selbstbestimmung.

Der Roman erzählt von Pflichten und Entbehrungen, die Sonja immer weiter an den Rand ihrer eigenen Existenz drängen. Besonders eindrücklich fand ich, wie deutlich das Thema weibliche Unsichtbarkeit in der Geschichte wird. Trotz der ernsten Themen gibt es immer wieder humorvolle Momente, die die Handlung auflockern. Der Roman beginnt sehr stark und hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen. Im Mittelteil hat die Spannung für meinen Geschmack etwas nachgelassen. Der Schluss ist dagegen sehr mutig gewählt. Mir persönlich hat dieses Ende gut gefallen.

Fazit:
4/5 ⭐️ Insgesamt ist es ein bemerkenswertes Debüt, das mit einem klaren Stil, einer starken Erzählerinnenstimme und einem wichtigen Thema überzeugt.

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