Berührend, tiefgehend und ganz anders, als ich erwartet hatte
Laurentius' Wunder„Laurentius’ Wunder“ habe ich ohne Kenntnis des Klappentextes gelesen, bin also völlig unvoreingenommen und gespannt an dieses Buch gegangen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Gefunden habe ich ...
„Laurentius’ Wunder“ habe ich ohne Kenntnis des Klappentextes gelesen, bin also völlig unvoreingenommen und gespannt an dieses Buch gegangen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Gefunden habe ich eine fesselnde Geschichte von Giuliano, der nach einer schweren Kindheit als Bruder Laurentius im Kloster Assisi Zuflucht sucht. Schon früh erlebt er Traumata: Die Mutter verschwindet spurlos, der Vater zeigt keine Empathie, die Stiefmutter ist selbstsüchtig, und in seiner Ausbildung wird er missbraucht. Als er schließlich glaubt, im Kloster Frieden zu finden, wird sein Leben durch ein unglaubliches Ereignis völlig aus der Bahn geworfen: er erfährt ein Wunder, aber kaum jemand will ihm glauben. Irene Matt erzählt in dieser Geschichte von Laurentius Kampf, dieses Wunder den Menschen zu zeigen, und wie weit er dafür geht, welche Hindernisse er überwinden muss
Was mich besonders beeindruckt hat, war die emotionale Tiefe des Romans. Laurentius’ Leid, seine Zweifel und sein unerschütterlicher Glaube sind so eindrücklich beschrieben, dass man nur Mitgefühl mit Laurentius entwickeln kann, obwohl seine Mission schon wahnhafte Züge annimmt. Im Gegenzug schafft es die Autorin immer wieder kleine Lichtblicke einzubauen, kleine Momente von Humor und Wärme, die die Geschichte wieder auflockern.
Die Irene Matt führt uns von Assisi über den Vatikan bis nach Japan. Aktuelle Themen wie Umweltzerstörung und die Corona-Pandemie werden behutsam eingewoben, ohne belehrend zu wirken.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, manchmal aber auch etwas nüchtern. An manchen Stellen hätte man den Text auch etwas straffen können. Trotzdem blieb ich bis zum Ende gespannt dabei, und dieses hat mich wirklich überrascht und nachdenklich zurückgelassen.
Fazit: Ein eindringlicher, klug erzählter Roman über Glaube, Schmerz und Hoffnung. Kein mystischerr Klosterroman, sondern eine Geschichte über das Menschsein und über Wunder, die vielleicht ganz anders sind, als wir sie uns vorstellen.