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Veröffentlicht am 17.09.2025

Wohlfühlbuch aus Japan

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Kogetsu, ein Wesen halb Fuchsgeist, halb Mensch, führt das Süßwarengeschäft Kohaku in der geheimnisvollen Mondlichtgasse, welche sich nur für in seelischem Ungleichgewicht befindliche Menschen und zudem ...

Kogetsu, ein Wesen halb Fuchsgeist, halb Mensch, führt das Süßwarengeschäft Kohaku in der geheimnisvollen Mondlichtgasse, welche sich nur für in seelischem Ungleichgewicht befindliche Menschen und zudem lediglich zwischen Vollmond und Neumond öffnet.
Obwohl ich seit meiner Kindheit ein Faible vor allem für die Märchen der Gebrüder Grimm, H. C. Andersens, Ludwig Bechsteins sowie Wilhelm Hauffs besitze, stoße ich mit Fantasy gelegentlich an meine Grenzen. Auch mit japanischen Weisheiten kam ich bisher nicht so recht klar. Aber "Versuch macht kluch".
Und so ließ ich mich "tapfer" auf Hiyoko Kurisus mit einem zauberhaften gold-blauen, thematisch passenden Cover versehenen und 208 Seiten umfassenden Roman "Der Laden in der Mondlichtgasse" (Originaltitel "The Amberglow Candy Store in the Night Alley", ins Deutsche übersetzt von Charlotte Scherer) mit Confiseur Kogetsu ein.
Das Buch erschien am 01. 09. 2025 im Verlag Droemer Knaur unter der ISBN 978-3-426-56124-9 und besteht aus 6 Geschichten. In diesen verkauft Kogetsu den jeweiligen Protagonist*innen scheinbar deren Probleme lösende traditionelle japanische Leckereien. Allerdings tut er dieses nicht völlig selbstlos, weil er deren Wirkung auf seine "Probanden" heimlich beobachtet, denn der Fuchsgeist möchte gern mehr über die Menschen erfahren.
Den Schluss empfand ich als erfrischend und einfach (nicht simpel!), denn beispielsweise schläft ein schreiendes kleines Kind von ganz alleine ein, während (nicht "obwohl"!) seine Mutter tief in Gedanken versunken ist.
Ich verbrachte angenehme Lesestunden und empfehle Frau Kurisus Werk daher gern weiter.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Bewegende - nicht kitschige! - Frauenschicksale

Das Flüstern der Marsch
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Schon Buchbeschreibung und Leseprobe von Katja Keweritschs mit einem sehr schönen Cover versehenem Roman "Das Flüstern der Marsch" (384 S., seit 05. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-455-02015-1384 beim Hoffmann ...

Schon Buchbeschreibung und Leseprobe von Katja Keweritschs mit einem sehr schönen Cover versehenem Roman "Das Flüstern der Marsch" (384 S., seit 05. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-455-02015-1384 beim Hoffmann und Campe Verlag) gefielen mir auf Anhieb gut.
Das 3-teilige Buch beginnt mit der Widmung "Für Paul, Stella und Emil" und dem Zitat
​"Vielleicht erzittert in der Gegenwart immer auch die Vergangenheit, ob wir es spüren oder nicht" (Doirann Ni Ghriofa "Ein Geist in der Kehle").
Es handelt von 4 Frauen in 3 im Abstand von jeweils 30 Jahren spielenden, durch Datum und Vornamen leicht unterscheidbaren Erzählsträngen.
Zunächst begegnen wir im Mai 2024 Mona. Diese befindet sich anlässlich des 80. Geburtstages ihres Opas Karl gerade mit ihrer Vespa wütend auf dem Weg von Hamburg in ein Dorf nach Schleswig-Holstein. Aus ihrer Beschreibung von Landschaft und Kindheitserinnerungen erkennt man ihre Verbundenheit mit ihrem Zielort. Zwar bessert sich damit auch ihre Laune, aber es wird deutlich, dass das Geburtstagskind sich nicht ihrer Zuneigung erfreut, denn ihrer Meinung nach behandelt er Oma Annemie (Erzählstrang 1964) nicht richtig. Die ist aber verschwunden und Opa wortkarg.
Erzählstrang 1994 gehört zu Freya, während Janne sich ihren mit Mona teilt. Bald zeichnen sich familiären Beziehungen ab: Annemie ist nicht nur Monas Oma, sondern auch die Schwiegermutter von Janne. Freyas Schicksal mag ich nicht spoilern. Außer Janne wurden die Frauen ungewollt schwanger. Annemie war ledig und minderjährig und wurde von ihren Eltern gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben und eine lieblose Ehe mit Karl einzugehen. Schließlich muss man "vor den Leuten" das Gesicht wahren. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor, welche in einem sprachlosen und gefühlskalten Umfeld aufwuchsen, was sich auch auf deren Kinder übertrug. Vor allem Sohn Stefan kommt schlecht weg. Thematisiert wurde auch die Abtreibungsfrage.

Die einzelnen Schicksale machten mich sehr betroffen, zumal viele Dinge "ererbt" und ein wenig erklärbar scheinen. Besonders hinweisen möchte ich auf die am Buchende nach der Danksagung verfasste "Quellennotiz". In ihr erwähnt sie Johanna Haarer,
https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Haarer
eine Frau, deren Bücher ich selbst im Bücherschrank meiner Mutter vorfand, eine Erinnerung, die mir jetzt wieder eine "Gänsehaut" beschert. Neben netten Dingen wie Strickanleitungen für niedliche Mützchen findet man Erziehungsratschläge, die viele heutige Verhaltensweisen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Gut: Biografie Peggy Guggenheims

Peggy Guggenheim
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Bereits die 24 Seiten umfassende Leseprobe (LP) zu Mona Horncastles 224-seitigem, von ihr selbst aus dem Englischen in die deutsche Sprache übersetzten Sachbuch "Peggy Guggenheim, Freigeist - Mäzenin -Femme ...

Bereits die 24 Seiten umfassende Leseprobe (LP) zu Mona Horncastles 224-seitigem, von ihr selbst aus dem Englischen in die deutsche Sprache übersetzten Sachbuch "Peggy Guggenheim, Freigeist - Mäzenin -Femme fatale", Band 10 der Reihe "Reihenweise kluge Frauen" gefiel mir gut.
Sie verfügt über etliche S/W-Fotografien, einen gezeichneten Stammbaum, interessante Zitate wie beispielsweise "Savor Kindness Because Cruelty is Always Possible Later" ("Genießen Sie Freundlichkeit, denn Grausamkeit ist später jederzeit möglich") und ein Inhaltsverzeichnis. Dieses umfasst:
Intro
I Herkunft
II Emanzipation
III Neuanfang
IV Warclouds
V Art of This Century
VI Collezione Peggy Guggenheim
Eine Art Nachwort
Anmerkungen
Verwendete Literatur
Personenregister
Bildnachweis
Die Autorin.
Davon sind "Intro", "Die Autorin" und ein Teil vom 1. Kapitel in der LP enthalten.
Das Buch wurde unter der ISBN 978-3-222-15129-3 am 28. 08. 2025 im Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG veröffentlicht.
Peggy Guggenheim wurde als Marguerite Guggenheim am 26. August 1898 in New York, USA geboren und verstarb am 23. Dezember 1979 in Camposampiero bei Padua, Italien. Im Alter von 14 Jahren verlor sie durch den Untergang der TITANIC ihren Vater.
Ich wollte gerne mehr über sie erfahren und wurde von der Lektüre diesbezüglich nicht enttäuscht.
Sehr gern hätte ich allerdings ein Lesebändchen vorgefunden. Außerdem strömte dieses Buch, obwohl es (umwelt-)freundlicherweise nicht in einer Plastikfolie eingeschweißt war, anfangs einen recht unangenehmen chemischen Geruch aus.
Natürlich war mir Peggy Guggenheims Name ein Begriff, ich wusste, dass man sie gelegentlich "poor little rich girl" (armes kleines reiches Mädchen) nannte, sie sich mit Kunst befasste und im 2. Weltkrieg Menschen vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten rettete.
Aber in diesem Buch erfuhr ich noch viel mehr über sie und merkte dem Schreibstil trotz aller Sachlichkeit das große Engagement der Autorin an, die selbst schrieb, dass es ihr ein Bedürfnis gewesen sei, Frau Guggenheim aus dem Schatten des Boulevard-Klatsches und der Vorurteile zu holen. Deshalb liest man hier auch verhältnismäßig wenig über familiäre oder intime Beziehungen und erfährt statt dessen vergleichsweise viel von ihren Verdiensten um die Kunst.
Sie muss jedoch ganz abgesehen davon und von ihrer während der NS-Zeit bewiesenen ebenso Zivilcourage wie sozialem Engagement eine sehr interessante, wenn auch in gewisser Hinsicht kapriziöse und nicht immer leicht zu "handhabende" Persönlichkeit gewesen sein. Ihre einer extravaganten Rasse angehörenden Hunde - zwecks einer Blutauffrischung ihrer Zucht kontaktierte sie sogar Reinhold Messners ehemaligen Bergführer Tenzing Norgay, der sich ebenfalls mit der Zucht dieser Tiere befasste, der Interessentin jedoch den gewünschten Rüden rundweg verweigerte - lagen ihr so sehr am Herzen, dass sie neben ihnen bestattet werden wollte. Humor bewies sie im Umgang mit dem ihr wegen seiner kommerziellen Verwertung von Kunst unsympathischen Andy Warhol, den sie nicht zu (er)kennen vorgab.
Fazit: Eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Biografie, daher eine
> Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Liebe zur/und Musik

Deep Cuts
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Meine ersten beiden "Begegnungen" mit Holly Brickleys Roman "Deep Cuts" verliefen ein wenig holprig, ließ mich ein Blick auf das abgebildete Mini-Cover zunächst vermuten, es handele sich um ein Werk über ...

Meine ersten beiden "Begegnungen" mit Holly Brickleys Roman "Deep Cuts" verliefen ein wenig holprig, ließ mich ein Blick auf das abgebildete Mini-Cover zunächst vermuten, es handele sich um ein Werk über sogenannte. "Ritzer". Ferner irritierte mich, es bei "Percy" mit einem Mädchen zu tun zu haben - kannte ich doch bisher nur den verstorbenen Sänger Percy Sledge ("When a Man Loves a Woman") und den von Claus Wilcke verkörperten fiktiven Helden "Percy Stuart" aus der gleichnamigen TV-Abenteuerserie.
Glücklicherweise stellte ich meinen das Genre betreffenden Irrtum fest, wäre mir doch sonst ein bemerkenswertes Lesererlebnis entgangen.
Frau Brickleys 384 Seiten umfassendes Buch erschien am 11. 09. 2025 bei dtv unter der ISBN 978-3-423-28479-0 und wurde von Stephan Kleiner ins Deutsche übersetzt .
Das 3-teilige Werk beginnt mit der Widmung "für danny", das Protagonisten-Paar besteht aus dem etwas unsicheren, aber recht attraktiven Joe Morrow und der in der Ich-Form erzählenden und sich oft selbst ausgiebig reflektierenden Percy Marks. Sie kannten sich flüchtig von der Universität von Kalifornien in Berkeley und lernen sich eines Abends zufällig in einer Bar näher kennen. Beide verbindet die Liebe zur Musik. Später kommunizieren sie unter @joeymorrow und @ileanpercy häufig miteinander. Bald stellen sie fest, dass sie einander hervorragend ergänzen. Percy glaubt, keinerlei eigenes musikalisches Talent zu besitzen, sondern nur die Gabe zu haben, solches bei anderen Menschen zu erkennen. Weil sie Musik so liebe, habe sie damals sogar ihrer miesen Leistungen wegen ihre Klavierstunden abgebrochen.
Jeder Buchteil bezieht sich auf einen Lebensabschnitt der Beiden, jedes Kapitel ist mit einem die jeweilige Stimmung beschreibenden Musiktitel überschrieben. Eine Playlist ist auch als QR-Code auf der Rückseite hinterlegt. Obwohl die Geschichte in den 2000er spielt, werden auch ältere Bands wie "Beatles" oder "Kinks" erwähnt.
Joe erzielt als Indie-Musiker mit seiner Band "Caroline" Erfolge. Behandelt werden u. a. die Ereignisse vom 11. September 2001. Ferner sind auch Nebenfiguren wie z. B. "Zoe" gut beschrieben.
Die Gewichtung zwischen Musik und Gefühl ist sehr ausbalanciert.
Das in angenehm lesbarem Stil geschriebene Werk bescherte mir unterhaltsame Lesestunden und erhält daher eine
Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Gut: "Großmutter III.!"

Wir sehen uns wieder am Meer
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Von dieser Autorin konnten mich bereits ihre Romane "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" gut unterhalten, weshalb ich auch Trude Teiges neuestes Buch "Wir sehen ...

Von dieser Autorin konnten mich bereits ihre Romane "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" gut unterhalten, weshalb ich auch Trude Teiges neuestes Buch "Wir sehen uns wieder am Meer" (OT: "Mormors utrolige venninner"; aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob übersetzt) gerne lesen wollte. Es ist mit einem zu den vorangegangenen Büchern passenden Cover versehen, umfasst 400 Seiten und erschien am 16. 07. 2025 unter der ISBN 978-3-7587-0008-8 im Fischer Verlag. Es thematisiert jene Zeit, als Norwegen von den nationalsozialistischen Deutschen besetzt war. Im Nachwort steht, dass die Kriegsgeschichte oft aus männlicher Sicht erzählt wird. Es zeichnet Teiges Bücher aus, dass sie den vergessenen Geschichten der Frauen Raum gibt.

Nach der Widmung "In Gedenken an meine Großmütter Anna und Petra", einem Tolstoi-Zitat aus "Anna Karenina" sowie einem Prolog, der sich auf die 3 o. a. Werke bezieht, begegnen wir im 1. der kurzen, jeweils mit einer die Zuordnung erleichternden Datumsangabe versehenen Kapitel Tekla (der späteren Großmutter) und der Protagonistin, der Krankenschwester Birgit. Als deren Freund und Russischlehrer Ilja stirbt, braucht sie einen Tapetenwechsel und lässt sich versetzen. Nahe ihrer neuen Wirkungsstätte befinden sich ein Kriegsgefangenenlager und ein Lager mit in einer Fischfabrik tätigen Zwangsarbeitern. Entsetzt über die dort herrschenden Zustände freundet sich Birgit mit der 16-jährigen aus der Ukraine verschleppten Nadia an, versucht, sie zu unterstützen, kann sie aus dem Lager holen und schließt sich bald auch dem Widerstand an. Aufgrund ihrer guten Russischkenntnisse wird sie als Dolmetscherin eingesetzt, verliebt sich in den schwer verletzten russischen Gefangenen Alexander (Sascha) und verhilft ihm zur Flucht. Alles das führt zu Folter und Enttäuschungen.
Auch Nadia und "Deutschenmädchen" Tekla geschieht während und nach Ende des Krieges Traumatisierendes. Sie können sich jedoch zumindest untereinander über ihre schrecklichen Erlebnisse zumindest austauschen.

Das Buch verdeutlicht einfühlsam und informativ auch wenig bekannte Seiten des 2. Weltkrieges und dessen Folgen-> Leseempfehlung!

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