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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ein guter von Schirach

Der stille Freund
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DER STILLE FREUND
Ferdinand von Schirach
ET: 27.8.25

In vierzehn Geschichten bleibt sich Ferdinand von Schirach treu. Er schreibt über Moral, Schuld, Rache und Gerechtigkeit – aber auch über menschliche ...

DER STILLE FREUND
Ferdinand von Schirach
ET: 27.8.25

In vierzehn Geschichten bleibt sich Ferdinand von Schirach treu. Er schreibt über Moral, Schuld, Rache und Gerechtigkeit – aber auch über menschliche Existenz und Vergänglichkeit.
Wir begegnen Menschen, die einst mitten im Leben standen, Berühmten ebenso wie Stillen, vielleicht auch einem Freund des Autors. Jede Geschichte ist anders: Manche haben mich sofort berührt, andere weniger. Eine erschien mir bizarr, andere wiederum faszinierend und tiefgründig. Doch immer gelingt es von Schirach mit seinem präzisen, minimalistischen Stil, Begegnungen so zu schildern, dass sie nachhallen – ohne zu urteilen. Er verbindet, wie so oft, Realität und Fiktion auf meisterhafte Weise.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die vielen bedeutenden Persönlichkeiten etwas zu präsent waren, und besonders die zweite Geschichte war mir fast zu intellektuell. Dafür gab es aber viele Dialoge und Szenen, die ich unglaublich schön fand. Und ich liebe es, wenn von Schirach plötzlich die Richtung ändert und ein Ende völlig unerwartet kommt.

Lasst euch entführen – nach Afrika, an die Côte d’Azur oder nach Berlin – und begegnet seinen Freunden.
Bildet euch selbst eine Meinung.

Fazit:
Ein weiterer von Schirach mit großen Themen, klugen Gedanken und feinen Zwischentönen.
Ich habe ihn sehr gerne gelesen.
4/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.10.2025

Traurig aber wunderschön

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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DU MUSST MEINE HAND FESTER HALTEN, NR 104
Susanne Abel
ET: 14.08.2025

Natürlich musste ich das neue Buch von Susanne Abel lesen! Schon ihre beiden Vorgängerromane "Stay away from Gretchen" und "Was ich ...

DU MUSST MEINE HAND FESTER HALTEN, NR 104
Susanne Abel
ET: 14.08.2025

Natürlich musste ich das neue Buch von Susanne Abel lesen! Schon ihre beiden Vorgängerromane "Stay away from Gretchen" und "Was ich nie gesagt habe" konnten mich restlos begeistern. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen – und ich kann schon verraten: Sie wurden erfüllt.

1945:
Im Mittelpunkt steht ein kleiner Junge, der nach dem Krieg mit einem Kindertransport aus Zoppot mitten in Deutschland ankommt. Um den Hals trägt er ein Pappschild, doch der Name darauf ist unleserlich. Der Junge kennt weder den Namen seiner Familie noch seinen eigenen. Im katholischen Kinderheim, in das man ihn bringt, erhält er eine neue Identität – Hardy und die Nummer 104.
Weil Hardy nicht spricht und mit drei Jahren noch Bettnässer ist, hält man ihn für „debil“. Nur Margret, ein acht Jahre älteres Mädchen, das ein ähnliches Schicksal teilt, nimmt sich seiner an. Sie wird seine Beschützerin. Doch das Leben im Heim ist von Gewalt, Erniedrigung und Angst geprägt. Als Margret schließlich von einer Tante abgeholt wird, ist Hardy fortan vollkommen schutzlos.

2006:
Viele Jahrzehnte später wächst die junge Emily bei ihren Urgroßeltern Margret und Hardy auf. Ihre Mutter und Großmutter sind mit sich selbst beschäftigt und nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Anfangs empfindet Emily Margrets Fürsorge als wohltuend und sicher – doch je älter sie wird, desto stärker wird Margrets Kontrolle. Was einst Schutz bedeutete, wird nun zur Last, und Emily beginnt, sich dagegen aufzulehnen.

Wie die Geschichte weitergeht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden …

Ein zutiefst berührendes Buch über ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Rund 300.000 Kinder suchten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Familien – viele vergeblich. Susanne Abel verknüpft historische Fakten mit fiktiven Schicksalen und schafft so eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Es ist erschütternd, was Kindern in manchen Heimen widerfahren ist: Ungelernte Menschen ohne jegliche pädagogische Ausbildung züchtigten und erniedrigten sie. Liebe und Fürsorge gab es keine, Schutz vor sexuellen Misshandlungen ebenso wenig. Medikamente wurden an Kindern in erhöhten Dosierungen getestet.

Fazit:
Abels Schreibstil ist gewohnt klar, eindringlich und wunderbar lesbar.
Ein schweres Thema – aber ein wichtiges und meisterhaft erzähltes Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.
Große Leseempfehlung!
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2025

Unglaublich schön!

Das Flüstern der Marsch
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DAS FLÜSTERN DER MARSCH
Katja Keweritsch
ET: 5.9.2025

Mona fährt von Hamburg zu ihren Großeltern in die Marsch – und findet dort nur ihren Großvater Karl vor. Wo ihre Großmutter Annemie geblieben ist, ...

DAS FLÜSTERN DER MARSCH
Katja Keweritsch
ET: 5.9.2025

Mona fährt von Hamburg zu ihren Großeltern in die Marsch – und findet dort nur ihren Großvater Karl vor. Wo ihre Großmutter Annemie geblieben ist, weiß er nicht. Er scheint darüber auch nicht besonders beunruhigt zu sein. Wann er sie zuletzt gesehen hat, kann er ebenfalls nicht genau sagen – nur daran, dass er seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hat, weil niemand das Essen zubereitet hat, daran erinnert er sich. Auch die Zwillingssöhne Stefan und Sven wissen nicht, wo ihre Mutter ist, haben aber keine Zeit, sich zu kümmern. Lediglich Janne, Stefans Frau, die mit drei kleinen Kindern und den Vorbereitungen für Schwiegervater Karls 80. Geburtstag ohnehin völlig überlastet ist, hört sich Monas Sorgen wenigstens an.

Als Annemie auch nach einigen Tagen nicht wieder auftaucht, wird schließlich die Polizei informiert. Doch noch immer ist sich die Familie sicher, dass Annemie einfach eine Freundin besucht – völlig außer Acht lassend, dass sie gar keine Freundin hat und so etwas noch nie zuvor getan hat.

Katja Keweritsch erzählt ihren Roman auf mehreren Zeitebenen.
Neben Mona in der Gegenwart kommt auch Annemie selbst zu Wort – ein junges Mädchen, das eigentlich gerade ihr Abitur machen wollte, als sie sich in ihren Lehrer verliebt und eine folgenreiche Affäre beginnt.
Janne erhält einen eigenen Erzählstrang, in dem wir erfahren, was sie alles auf sich nimmt, um ihre Familie glücklich zu machen.
Und schließlich ist da noch Freya, deren Bruder sich das Leben genommen hat und die bald auf Geheimnisse stößt, die alles miteinander verbinden.

Wie diese Erzählstränge am Ende ineinandergreifen, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.
Was ich aber verraten kann: Das Flüstern der Marsch fängt die besondere Atmosphäre dieser Landschaft wunderbar ein – das weite, flache Land, die Stille, den Wind, das Licht. Zugleich porträtiert Katja Keweritsch eindrucksvoll das Leben in einem kleinen Dorf bei Hamburg, mit all seinen heimlichen Geschichten, ungesagten Wahrheiten und über Generationen hinweg weitergetragenen Verletzungen.

Ein stiller, atmosphärisch dichter Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, weil man unbedingt hinter das Geheimnis kommen will.
4½/ 5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2025

Highlight!

MEGA
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MEGA – Faszinierende Giganten von Gestern und Heute
Jules Howard
ET. 29.10.25

Wusstet ihr, dass es vor vier Milliarden Jahren noch gar kein Leben auf der Erde gab?
Die ersten Lebewesen waren winzige schwimmende ...

MEGA – Faszinierende Giganten von Gestern und Heute
Jules Howard
ET. 29.10.25

Wusstet ihr, dass es vor vier Milliarden Jahren noch gar kein Leben auf der Erde gab?
Die ersten Lebewesen waren winzige schwimmende Zellen. Erst viel später – vor rund 200 Millionen Jahren – entwickelten sich daraus immer größere Tiere, bis einige schließlich mehrere Hundert Kilogramm wogen. Es entstanden riesige Fische, Haie und Reptilien, aus denen sich schließlich die Dinosaurier entwickelten. Diese erreichten gigantische Ausmaße: Der Giganotosaurus etwa war 13 Meter lang und gehörte – neben dem berühmten Tyrannosaurus Rex – zu den größten an Land lebenden Dinos. Doch auch im Meer gab es wahre Riesen: Der Spinosaurus wurde bis zu 18 Meter lang und jagte erfolgreich durch die Unterwasserwelt.

Nach den Dinosauriern war der Europäische Waldelefant eines der größten Tiere, die jemals lebten. Er übertraf die heutigen Elefanten in seiner Größe deutlich, und seine beeindruckenden Stoßzähne hatten sich einst aus Vorderzähnen entwickelt.

Aber was erzähle ich euch das alles – am besten lest ihr das Buch selbst, denn es gibt einfach so viel Spannendes zu entdecken!

Was für ein großartiges Buch, das zudem von Gavin Scott wunderschön illustriert wurde. Hier stehen die größten Tiere im Mittelpunkt – von der Urzeit bis heute. Besonders gut gefallen hat mir der klare Aufbau: Die großen Tiergruppen wie Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische und Mollusken werden vorgestellt und in einzelne Familien – etwa Elefanten, Seekühe oder Menschenaffen – unterteilt. Ausgestorbene Arten werden ihren heute noch lebenden Verwandten gegenübergestellt, wodurch faszinierende Parallelen sichtbar werden.

Zu jeder Tierart gibt es eine Größentabelle sowie viele interessante Fakten zu Lebensraum, Ernährung und Besonderheiten – und natürlich zur wichtigen Frage, welchen Beitrag die Tiere für das Ökosystem leisten. Besonders schön ist die Doppelseite nach jedem Kapitel mit dem Titel „Megafauna in Aktion“, auf der das Zusammenspiel der Arten anschaulich gezeigt wird.

Fazit:
Ein Buch, das mich absolut begeistert hat!
Ein echter Hingucker – perfekt zum Verschenken und ideal für Kinder ab etwa 7 Jahren.
Große Leseempfehlung!
5+/5

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Eines der schönsten Bücher überhaupt!

Die Tiefseetaucherin
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DIE TIEFSEETAUCHERIN
Katapult Verlag
Illustrationen: Iris Ott

Eigentlich ist es doch komisch, dass auf dem Mond, der ja bekanntlich sehr weit weg ist, mehr Menschen waren als am tiefsten Punkt des Meeres, ...

DIE TIEFSEETAUCHERIN
Katapult Verlag
Illustrationen: Iris Ott

Eigentlich ist es doch komisch, dass auf dem Mond, der ja bekanntlich sehr weit weg ist, mehr Menschen waren als am tiefsten Punkt des Meeres, oder?
Um mehr über die Tiefsee zu erfahren, begleiten wir Juli in ihrem U-Boot Ulf auf eine spannende Reise hinab in das tiefe, dunkle Meer:

Wusstet ihr eigentlich, dass selbst geübte Taucher nicht tiefer als 100 Meter tauchen können? Der Wasserdruck drückt einfach zu stark auf den menschlichen Körper ein – aber zum Glück ist Juli ja mit Ulf unterwegs, denn so ein U-Boot hält viel mehr Druck aus als ein Mensch.

Unter der Wasseroberfläche begegnen ihnen Delfine und Haie, und die Unterwasserwelt ist voller Licht. Algen und mikroskopisch kleine Lebewesen schwimmen hier auch – die kann man aber mit dem bloßen Auge gar nicht sehen.
Neben großen Fischschwärmen sehen sie Orcas, die immer mit ihrer ganzen Familie unterwegs sind. So können sie gemeinsam jagen und mit einem Trick ihre Beute in die Richtung treiben, wo die Familienmitglieder schon warten …

Aber es gibt ja noch so viel mehr zu entdecken: Quallen mit meterlangen Tentakeln, die aussehen wie feine Haare und die die Qualle dazu benutzt, ihre Gegner zu betäuben. Eigentlich nicht so nett – und bei Ulf klappt das sowieso nicht, denn der ist ja aus Metall!

Später, in der Tiefsee, die ab etwa 200 Metern beginnt, wird es deutlich dunkler.
Das Sonnenlicht dringt nicht mehr bis hier hinab, deshalb gibt es auch keine Pflanzen – nur Fische, die gelernt haben, sich diesem Lebensraum anzupassen und zum Beispiel zu leuchten.
Ja, ihr habt richtig gehört! Einer von ihnen heißt sogar Laternenfisch – oder besser gesagt hieß, denn er wurde gerade von einem anderen Fisch gefressen.
Traurig für ihn, aber gut für andere, denn seine Überreste rieseln als weißer „Meeresschnee“ zum Boden und ernähren andere Lebewesen.
So schließt sich die Nahrungskette.

Ich könnte euch jetzt noch viel mehr von den Abenteuern erzählen, die Juli und Ulf gemeinsam erleben – aber viel schöner wäre es, wenn ihr dieses Buch selbst lest. Oder verschenkt es einfach – ich bin mir sicher, dass ihr damit große Freude bereiten werdet.

Fazit:
Selten habe ich so ein tolles, informatives Buch mit wunderschönen Zeichnungen in einer ebenso schönen Aufmachung gesehen. Ich bin schockverliebt (nicht nur in das Cover)!
Ganz große Leseempfehlung für Große und Kleine ab 6 Jahren – ich bin mir sicher, ihr werdet es lieben!
5+/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere