Rezension: DARK HEIR von P.S. Pacat
Dark HeirDer zweite Teil der DARK RISE-Trilogie setzt die Geschichte um Will Kempen und seine Gefährten mit Hochspannung fort. Will, der um seine Wiedergeburt als Dunkler König weiß, navigiert sein Leben auf einem ...
Der zweite Teil der DARK RISE-Trilogie setzt die Geschichte um Will Kempen und seine Gefährten mit Hochspannung fort. Will, der um seine Wiedergeburt als Dunkler König weiß, navigiert sein Leben auf einem schmalen Grat im anhaltenden Kampf zwischen der Anhängerschaft seines früheren ICHs und dem übrig gebliebenen Rest der Stewards. Während er darum bemüht ist, das Richtige zu tun, verwickelt er sich immer mehr in den Spannungen zwischen Gut und Böse. Was ist richtig? Was ist falsch? Werden seine Gefährten Wills Geheimnis herausfinden – und wie werden sie darauf reagieren?
Mit dieser Prämisse kreiert Pacat auf eindrucksvolle Weise eine durch den Roman ziehende Spannung – sowohl emotional, als auch, was den Plot anbelangt. Als Leserin habe ich die gesamte Zeit mit angehaltenem Atem darauf gebangt, dass – wenn Wills Geheimnis ans Licht kommt – DARK HEIR ein Happy End haben wird. Spoiler Alert: Pacat setzt die Tradition auch im zweiten Teil fort. DARK HEIR endet offen, mit einem szenisch tragischen Cliffhanger.
Der bildhafte Schreibstil bringt eine Welt zutage, die in sich geschlossen und greifbar ist. Er passt sich den jeweiligen Perspektiven im Roman an; nicht nur, was das Spannungsgefälle der Handlung betrifft, sondern auch in Bezug auf die unterschiedlichen, differenzierten Sichtweisen der Charaktere.
Was mir persönlich gut gefallen hat: Pacat hat es geschafft, die Perspektiven schlüssig zu gestalten und miteinander zu verweben. Szenen, in denen Violet beispielsweise seltsame Begegnungen mit Figuren hat, die gegen ihren gewöhnlichen Charakter handeln, werden in späteren Kapiteln aus Wills Perspektive „aufgeklärt“. Sozusagen ein Perpetuum Mobile im Roman-Format.
Ein anderer Aspekt, der an Pacats Werken auffällt, sind die plastischen Charaktere. Fragt man sich bei manchen Büchern, warum Figuren urplötzlich so oder so reagieren, ist dies in DARK HEIR nicht der Fall. Jeder Charakter handelt nach einem inneren Kompass, durch den man bereits im Vorhinein weiß, wie jede einzelne Reaktion ausfallen wird.
So ist gerade Will ein Mensch, der – bedingt durch seine „doppelte“ Identität – darum bemüht ist, sein Geheimnis so lange wie möglich geheim zu halten und niemanden aus seinem unmittelbaren Umkreis zu schaden. Dass er zum Höhepunkt des Buches hin versucht, im Alleingang die Armee des Dunklen aufzuhalten, überrascht daher nicht; stattdessen schafft das Wissen darum eine tragische, bittersüße Atmosphäre. Insbesondere dann, wenn man durch andere Sichtweisen-Kapitel weiß, dass es noch Probleme gibt, wie es zum Beispiel der Kampf zwischen James und Sinclair aufgezeigt hat. Will kann sich am Ende mit James‘ Unterstützung retten – aber nur, weil dieser das Halsband des Dunklen trägt. Ähnlich ergeht es den Schicksalen der anderen Charaktere.
In sich geschlossen liest sich DARK HEIR wie eine dunkle Vorahnung. Eine süße Versuchung im Stil eines Englands des 19. Jahrhunderts, die zwar Hoffnung verspricht – derer man aber beraubt wird, nachdem jeder Figur ein Opfer abverlangt wurde.
Um es so bildlich wie möglich auszudrücken: Pacats Fortsetzung zu DARK RISE lässt die lesende Person mit blutendem Herz zurück. Jetzt ist es an uns zu warten und an Pacat, uns die Hoffnung, nach der wir uns sehnen, zurückzugeben.
Egal, wie lange das dauern wird.