Profilbild von Leserattenmama

Leserattenmama

Lesejury Star
offline

Leserattenmama ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Leserattenmama über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2020

Sehr lehrreiche Ermittlungsarbeit in Venedig

Der freie Hund
0

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, da ich alle 9 Bände von Wolfgang Schorlau um den Ermittler Georg Dengler verschlungen habe. Und wer Dengler mag, wird auch Commissario Antonio Morello lieben! Statt ...

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, da ich alle 9 Bände von Wolfgang Schorlau um den Ermittler Georg Dengler verschlungen habe. Und wer Dengler mag, wird auch Commissario Antonio Morello lieben! Statt nach Stuttgart geht es nun nach Venedig, dennoch ist der Stil des Autors unverkennbar: neben dem eigentlichen Verbrechen wird einiges über den streitbaren Ermittler erzählt, der sein Päckchen an privater Tragödie mit sich schleppt und oftmals unkonventionelle Wege geht mit Menschen, die eigentlich schon auf die andere Seite der Anklagebank gehören - war es bei Dengler seine Olga, ist es hier nun Claudio... auch die Leidenschaft für Musik, Wein und gute Küche ist hier zu spüren und als Leser erfährt man einiges über die sizilianische Küche, da Morello bzw Co-Autor Claudio Caiolo ursprünglich von dort stammt. Weitere Themen sind die Mafia-Strukturen um die Cosa Nostra und der Tourismus in Venedig mit den Kreuzfahrtschiffen! Wenn man nicht wegen Greta auf so einen Urlaub verzichtet, dann hoffentlich wegen den hier gelieferten Informationen...
Wer also im Rahmen einer fast schon nebensächlichen Mordermittlung Fakten über die genannten Themen wissen möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient! Ich bleibe Wolfgang Schorlau auch in Zukunft treu :)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Zwischen Moral, Gerechtigkeit, Recht und Wahrheit

Echo des Schweigens
0

Vor dem Lesen dieses Buches hätte ich nicht gedacht, dass die vier genannten Begriffe manchmal so weit voneinander entfernt liegen können....

2017: die Rechtsmedizinerin Sophie Tauber untersucht die ...

Vor dem Lesen dieses Buches hätte ich nicht gedacht, dass die vier genannten Begriffe manchmal so weit voneinander entfernt liegen können....

2017: die Rechtsmedizinerin Sophie Tauber untersucht die angebliche Selbsttötung des Senegalesen Abba Okeke in Polizeigewahrsam in der Nacht auf den 7. Januar 2005. Verteidigt wird der angeklagte Polizist Maik Winkler im wiederaufgenommenen Fall durch Hannes Jansen, einen ehrgeizigen Strafverteidiger, der nach diesem Prozess zum Partner aufsteigen will.
Nicht nur der Prozess ist Thema, sondern auch die privaten Hintergründe von Sophie und Hannes...
Ein zweiter Handlungsstrang spielt während des zweiten Weltkriegs: die Jüdin Lea Rosenbaum verliebt sich in Carl...
Mir gefiel diese Mischung -nachdem ich durch den Klappentext einen reinen Justizroman erwartet hatte- sehr gut und hat die Säulen unseres heutigen Rechtssystems mit dem Recht zu schweigen noch mal in ein ganz anderes Licht gestellt... gibt es nur schwarz und weiß oder ist schwarz doch weiß?! Geniales Cover zu dieser Überlegung: unter dem Schutzumschlag sind die Farben genau anders herum!
Wie weit entfernt das Recht manchmal von der Wahrheit ist, zeigt folgendes Zitat von S. 319: „Sie sind Anwalt. Die Wahrheit muss Ihnen scheißegal sein.“
Ein Buch mit einer interessanten Geschichte, die ja traurigerweise ein reales Vorbild hat (Oury Jalloh), das mich zum Nachdenken gebracht hat... geschrieben von einem Autor, der sich spürbar bestens im Metier der Rechtssprechung auskennt - aber den Leser mit der Fachkenntnis absolut nicht überfordert oder besserwisserisch belehrt; sondern Raum bietet, selbst die entscheidenden Fragen aufzuwerfen und nach eigenem Wissen und Gewissen zu werten. Einzig die Zusammenführung der beiden Geschichten fand ich persönlich nicht so gut, aber dennoch eine absolute Leseempfehlung von mir!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Ein schwieriges Thema... bleibt auch mit diesem Text komplex!

Je tiefer das Wasser
0

1997: die Schwestern Edith, genannt Edie, 16 Jahre alt, und Mae, 14, kommen nach einem Selbstmordversuch der psychisch labilen Mutter zu ihrem Vater Dennis, welcher die Familie vor 12 Jahren verlassen ...

1997: die Schwestern Edith, genannt Edie, 16 Jahre alt, und Mae, 14, kommen nach einem Selbstmordversuch der psychisch labilen Mutter zu ihrem Vater Dennis, welcher die Familie vor 12 Jahren verlassen hat und dadurch für die Mädchen praktisch ein Fremder ist. Mae, die von ihrer Mutter als Erweiterung ihrer selbst gesehen wurde (S.16), fühlt sich in New York wohl; Edie dagegen, der die manischen Züge ihrer Mutter erspart blieben, sperrt sich gegen die neue Situation und will möglichst schnell zurück. Das Verhältnis der Mädchen zueinander; zu ihren Eltern und weiteren Personen wird aus wechselnden Perspektiven beschrieben und mit Dokumenten wie Briefen oder Notizen ergänzt - doch nicht nur die Perspektiven wechseln; auch die Zeiten zwischen 1969, 1985, 1997 und 2012... dadurch wird die Situation zum einen aus vielen Blickwinkeln beleuchtet, auf der anderen Seite sind so viele Sprünge ja nicht jedermanns Sache...
Wer oder was war Schuld am Scheitern der Ehe, die Marianne mit 17 Jahren und Dennis mit 32 einging? Wer hat Recht mit seiner/ihrer Wahrnehmung der Dinge? Welche Familienmitglieder haben welche Störungen davongetragen oder entwickeln sie dadurch?! Zum letzteren sei gesagt, ohne zu viel zu verraten: irgendwie sind alle gestört... manche weniger, andere mehr!
Das Debut von Katya Apekina hält für den Leser also einige Herausforderungen - Perspektiv- und Zeitwechsel sowie ungewöhnliche Charaktere- bereit, die wahrscheinlich nicht jeden ansprechen. Ebenso sollte man kein „rundes“, abgeschlossenes oder gar glückliches Ende erwarten - dazu tragen die Personen wohl zu viele Lasten mit sich... stattdessen schätze ich einmal mehr meine Familie und brauche wohl noch zwei, drei Tage, um die hier gezeichneten düsteren Schicksale abzuschütteln... auch wenn dieses Buch für mich nicht zu einem Highlight des noch jungen Jahres zählt: ich bin mir sicher, dass es für diese vielschichtige Erzählung einer dysfunktionalen Familie die richtige Leserschaft gibt, die dieses Werk zu würdigen weiß!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

(Aber-)Glaube und Wissenschaft...

Code: Orestes
0

Die Ich-Erzählerin Malin ist 13 Jahre alt und wohnt gemeinsam mit ihren Eltern in Lerum, Schweden. Eines Tages erhält sie von einem merkwürdig altertümlich gekleideten Mann einen geheimnisvollen Brief, ...

Die Ich-Erzählerin Malin ist 13 Jahre alt und wohnt gemeinsam mit ihren Eltern in Lerum, Schweden. Eines Tages erhält sie von einem merkwürdig altertümlich gekleideten Mann einen geheimnisvollen Brief, den sie in 100 Tagen dem Rutenkind übergeben soll. Und tatsächlich tritt 100 Tage später ein neuer Mensch in ihr Leben: Orestes sieht zusammen mit seiner sehr alternativen Mutter und seiner Schwester Elektra ins Nachbarhaus und kommt in ihre Klasse. Nun muss der Brief entschlüsselt werden...
Im Verlauf der Geschichte lernt man einiges über die Geschichte der Eisenbahn und von Lerum; mehr über Malins Familie und etwas weniger über die von Orestes; anschauliche Details über Verschlüsselungsmethoden, Rechenschieber und das Astrolabium. Auch die Spannungsfelder (Aber-)Glaube und Wissenschaft sowie Technik und Natur sind Thema. Ebenso die Abgrenzung und beginnende Abnabelung der beiden jungen Menschen von ihren Eltern: Orestes distanziert sich von seiner esoterisch-spirituellen Mutter mit übertrieben konservativer Kleidung und Malin sich von ihrer programmierenden Mutter mit ihrer Liebe zum Cello...Einiges fand ich (aus der Sicht eines Erwachsenen) etwas zu zufällig bzw zu schnell gelöst in dieser Schnitzeljagd - aber vielleicht lese ich auch zu wenig in diesem Genre ;)
Viele Fragen werden mit dem Ende beantwortet, aber ein paar blieben bei mir noch offen - und lassen mich auf die Folgebände der Trilogie warten, in denen ich vielleicht noch mehr über Erdenströme und Sternenfelder lernen werde!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Ein 125 Seiten starkes Buch über einfach ALLES rund um Nachrichten!

Tagesschau und Co. - Wie Sender und Redaktionen Nachrichten machen
0

Autorin Sarah Welk und Illustratorin Dunja Schnabel haben hier ein Werk geschaffen, mit dem nicht nur Kinder ab etwa 10 Jahren einiges lernen werden! In Kapiteln, die mit konkreten Fragen als Überschriften ...

Autorin Sarah Welk und Illustratorin Dunja Schnabel haben hier ein Werk geschaffen, mit dem nicht nur Kinder ab etwa 10 Jahren einiges lernen werden! In Kapiteln, die mit konkreten Fragen als Überschriften versehen sind, und einigen Interviews von Moderatoren, die in fast jedem Wohnzimmer Deutschlands regelmäßig auftauchen, wird hier sehr viel erklärt - nicht nur über die Tagesschau, sondern auch ganz allgemein über Nachrichten. Beeindruckt hat mich, wie offen die Moderatoren -die man selbst ja als quasi unfehlbare Sprecher wahrnimmt- auf die Fragen geantwortet haben und zB das eigene Lampenfieber mit Herzklopfen beschreiben! Das macht sie noch sympathischer 😊 ebenso die Versprecher wie Erdbeeren-Opfer 😉
Ein weiteres Highlight sind für uns die eingeschobenen Fragen und Rätsel, die das eben gelesene noch mal gut reflektieren lassen. Die Zeichnungen, Logos und Fotos sowie die verschiedenen Hintergrund- und Schriftfarben lockern das ganze nicht nur auf, sondern strukturieren auch zusätzlich.
Dem „Sonderfall Fake-News“ werden sechs Doppelseiten gewidmet; darin wird auch der Fall des Spiegel-Journalisten mit den erfundenen Reportagen erwähnt - ist also alles sehr aktuell; auch die in den sozialen Medien vertretenen Nachrichtensendungen werden konkret benannt.
Insgesamt einfach ein rundherum tolles Buch, dass ich jedem ab 10 Jahren empfehlen will!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere