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Veröffentlicht am 28.05.2025

Eindringlicher Roman über Hoffnung, Verzweiflung und gesellschaftliche Hürden

Achtzehnter Stock
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Mit "Achtzehnter Stock" ist der Autorin ein eindringlicher Roman gelungen, der mit einem starken Einstieg fesselt und bis zum Schluss nachhallt. Die Geschichte zieht die Leser:innen sofort in ihren Bann, ...

Mit "Achtzehnter Stock" ist der Autorin ein eindringlicher Roman gelungen, der mit einem starken Einstieg fesselt und bis zum Schluss nachhallt. Die Geschichte zieht die Leser:innen sofort in ihren Bann, nicht zuletzt durch den eindrucksvollen Schreibstil, der mit wenigen Worten lebendige Bilder erschafft.

Die Protagonistin steht im Zentrum eines Lebens zwischen prekären Verhältnissen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Besonders eindrücklich wird ihr Kampf für ihr krankes Kind dargestellt – ein Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung, das sich wohl viele Eltern (oder auch Nicht-Eltern) gut vorstellen können. Das gesellschaftliche Problem, dass Frauen oft nicht ernst genommen werden, wenn sie auf Missstände hinweisen, schwingt hier ebenso mit wie die Ungerechtigkeit der Care-Arbeit, die allein an ihnen hängenbleibt, während die Männer sich ihrer Verantwortung entziehen.

Auch die Frauen im Hochhaus sind stark gezeichnete Figuren, deren Lebensrealität sich zwischen Resignation und der Sehnsucht nach Veränderung bewegt. Der Wunsch der Protagonistin, diesem Milieu zu entfliehen, ist mehr als nachvollziehbar – ebenso wie ihre Zweifel daran, ob es ihr wirklich gelingt. Der Roman schildert eindrucksvoll, wie soziale Herkunft und Chancen miteinander verknüpft sind, und wie schwer es ist, sich aus bestimmten Lebensumständen zu befreien.

Parallel dazu wird die Welt der Filmbranche beleuchtet – eine Welt, die von Beziehungen, Opportunismus und wenig Rücksichtnahme geprägt ist. Dass sich die Protagonistin in ihr behaupten muss, während sie gleichzeitig für ihr Kind da sein will, stellt einen weiteren inneren Konflikt dar. Die Entwicklung der Figur ist spannend, wenn auch nicht immer sympathisch. Im Laufe der Handlung verliert sie zunehmend ihre anfängliche Bodenständigkeit und rutscht in eine Art Antiheldinnen-Rolle, was das Buch umso realistischer macht.

Das Ende lässt ambivalente Gefühle zurück. Der Roman beginnt mit voller Kraft, verliert dann vielleicht ein wenig an Fokus, bleibt aber dennoch durchweg fesselnd. Die Mischung aus Sozialkritik, persönlichem Drama und stilistischer Feinfühligkeit macht "Achtzehnter Stock" zu einem intensiven Leseerlebnis, das nachdenklich stimmt und im besten Sinne unbequem bleibt.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ich mochte es

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Ja, es gibt viele Stellen im Buch, die man als "eklig" bezeichnen könnte, weil wir als Menschen dazu erzogen worden sind, alles, was irgendwie aus dem Körper kommt, als eklig anzusehen, uns dafür zu schämen ...

Ja, es gibt viele Stellen im Buch, die man als "eklig" bezeichnen könnte, weil wir als Menschen dazu erzogen worden sind, alles, was irgendwie aus dem Körper kommt, als eklig anzusehen, uns dafür zu schämen und jeden natürlichen Geruch sofort abzuwaschen oder mit etwas Unnatürlichem zu überdecken.

Die Beobachtungen und die Gesellschaftskritik der Autorin sind schmerzhaft genau, das mag einigen Leser:innen nicht gefallen. Ich mochte den Schreibstil, die Erzählweise und die Protagonist:innen - weil es wirklich selten ist, dass ich mit wirklich niemandem in einem Buch auch nur im geringsten sympathisiere - außer vielleicht Joey, dem Spitzpudel.

Einen Punkt Abzug gibt es tatsächlich, weil mir das Ende ein bisschen zu offen war und ich sehr gerne eine Art Showdown gelesen hätte, bei dem alle Protagonist:innen aufeinandertreffen.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Zu langweilig für meinen Geschmack

Nebelküste
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Auf dem Cover steht sowohl "Roman" als auch "Krimi", meiner Meinung nach definitiv eher ersteres - für einen Krimi fehlte es leider doch sehr an Spannung.

Nachdem ihr Mann gestanden hat, sie zu betrügen, ...

Auf dem Cover steht sowohl "Roman" als auch "Krimi", meiner Meinung nach definitiv eher ersteres - für einen Krimi fehlte es leider doch sehr an Spannung.

Nachdem ihr Mann gestanden hat, sie zu betrügen, flieht Franka in das Haus ihrer verstorbenen Großmutter, das sie seit deren Tod vor sieben Jahren nicht mehr betreten hat. Plötzlich tauchen unter merkwürdigen Umständen nacheinander zwei weitere Frauen auf, und mysteriöse Dinge scheinen in dem alten verfallenen Haus vor sich zu gehen. Statt dass daraus aber eine spannende Geschichte gesponnen wird, oder Franka versucht, in den alten Tagebüchern ihrer Oma Geheimnisse zu entdecken, leben die Frauen so vor sich hin, schleichen misstrauisch umeinander und es passiert ewig wieder kaum etwas.

Erstmal klang die Prämisse spannend. Die Umsetzung konnte mich aber leider nicht überzeugen. Die ersten mindestens 150 Seiten ziehen sich nur so dahin und bestehen hauptsächlich aus Nacherzählungen der Vergangenheit. In der Erzählzeit tut sich aber erstmal nichts. Leider waren auch die drei Protagonistinnen jede für sich nicht wirklich sympathisch, eine menschliche Ebene konnte ich in der Erzählung nicht spüren. Die Geheimnisse der Frauen waren im Endeffekt auch nicht mehr interessant, eher so ein "achso"-Gefühl beim Lesen.

Die Handlungen der Frauen waren für mich auch überhaupt nicht nachvollziehbar, jede für sich agiert einfach komisch. Ganz zum Schluss wurde plötzlich eine super abwegige, unrealistische Erklärung aus dem Hut gezaubert (eigentlich sogar zwei, um nicht zu spoilern sage ich nur Alexander zum einen und zum anderen Sara).

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Nettes Buch für Zwischendurch, konnte mich aber nicht überzeugen

17 Erkenntnisse über Leander Blum
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Leider kam das Buch für mich bei weitem nicht an "Am Ende der Welt traf ich Noah" heran.

Es ist eine Geschichte übers Erwachsenwerden, Freundschaft, erste Liebe - alles vor dem Hintergrund der Wiener ...

Leider kam das Buch für mich bei weitem nicht an "Am Ende der Welt traf ich Noah" heran.

Es ist eine Geschichte übers Erwachsenwerden, Freundschaft, erste Liebe - alles vor dem Hintergrund der Wiener Sprayer-Szene. Diesen Ansatz fand ich für einen unbebilderten Roman schwierig. Die Bilder/Graffitis werden zwar ausführlich beschrieben, so richtig vorstellen kann man es sich aber nicht - vor allem, weil die Kunstwerke als SO außergewöhnlich dargestellt werden.

Erzählt wird zum einen aus der Perspektive von Leander, der mit seinem besten Freund Jonas nachts in der Sprayerszene unterwegs ist, wovon aber niemand wissen darf (vor allem nicht sein Vater, der als Polizist natürlich ausgerechnet Sprayer jagt).

Zum anderen erzählt Lila, die aufgrund einer Erkrankung erst zwei Wochen nach den Sommerferien zurück in die Schule kommt und darum neben dem Neuen (Leander) sitzen muss, der sich ihr gegenüber sehr merkwürdig benimmt, sie trotzdem fasziniert (weshalb sie ihre 17 Erkenntnisse, die sie im Laufe der Zeit über ihn gewinnt, mit den Leser:innen teilt).

Ich habe etwas gebraucht, um zu verstehen, dass Leanders Abschnitte die Vergangenheit erzählen und Lila die "Jetzt"-Zeit, bis am Ende die Geschichte zusammenläuft. Es ist mir auch schwergefallen, die Gefühe der Figuren richtig zu greifen. Die Freundschaft zwischen Jonas und Leander fand ich gut beschrieben, aber bei allen anderen Figuren gelang es mir nicht wirklich, mich in sie hineinzuversetzen, vor allem Lila. Warum genau sie sich in Leander verliebt, war mir schleierhaft - denn er benimmt sich ihr gegenüber durchgehend komisch.

Auch fand ich es bis zum Ende schwer, Lilas Familienverhältnisse auseinenderzuhalten - die Eltern sind zwar getrennt, leben aber gemeinsam mit ihr, ihrem Bruder und den jeweils neuen Partner:innen in einer Wohnung - weil alle zu selten vorkommen, als dass man sich Namen + Rolle die ganze Zeit merkt.

Insgesamt ein netter Coming-of Age-Roman, der viele Themen anspricht, die in dem Alter wichtig sind, Freundschaften, Träume, aber auch Verlust, Trauer und Hoffnung. Es wirkte für mich aber oft zu "gewollt", was vor allem an der unauthentischen Jugendsprache und den Ausdrücken aus der Sprayerszene lag.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ein schönes queeres Jugendbuch mit leicht fantastischen Elementen, ...

More Happy Than Not
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... die noch mehr hätten ausgearbeitet werden können.

Das Buch hat mir als Coming-of-Age-Geschichte eines queeren Jungen, der mit seiner Identität, seinen Lebens- und Familienverhältbissen struggelt und ...

... die noch mehr hätten ausgearbeitet werden können.

Das Buch hat mir als Coming-of-Age-Geschichte eines queeren Jungen, der mit seiner Identität, seinen Lebens- und Familienverhältbissen struggelt und in den ersten Liebesbeziehungen nach Glück sucht, gut gefallen. Die eingewebte fantastische Storyline (Gedächtnisanpassungen, um schlimme/belastende Erinnerungen zu vergessen) war mir aber irgendwie zu wenig ausgearbeitet und für die Handlung auch nicht so wirklich nötig. Ich persönlich hätte eine rein "realistische" Geschichte besser gefunden.

Ich habe die Ausgabe mit dem "neuen" letzten Kapitel gelesen, das hat mir als Abschluss nochmal gut gefallen.

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