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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2025

Solider historischer Roman

Die Wächterin von Köln
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Ich fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).

Die ...

Ich fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).

Die Geschichte selbst war mir aber zu weit verstrickt. Es kamen zu viele Figuren vor, die ich mir irgendwann nicht mehr alle merken konnte. Vor allem, wenn sie mehrere Kapitel lang nicht erwähnt wurden und dann plötzlich wieder auftauchten.

Elsbeth ist eine starke Hauptfigur, das hat mir gut gefallen. Sie ist Wirtin eines Dirnenhauses und man erfährt durch Rückblicke in die Vergangenheit, wie sie sich ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut hat, wodurch sie zu einer einflussreichen Frau werden konnte.

Die Aufklärung des Mordes, wovon ich aufgrund des Klappentextes annahm, dass es die Haupthandlung sein würde, kam aber nur sehr am Rande vor und wurde dann (für meine Begriffe) irgendwann zwischendurch nicht besonders spannend geklärt (und auch die Begründung fand ich etwas schwach).

Daneben verliert sich die Handlung in vielen Nebenschauplätzen und Beziehungen der ganzen Figuren untereinander. Die "spicy" Szenen im Dirnenhaus hätte ich persönlich nicht gebraucht, weiß aber, dass viele Leser:innen das mögen. Zumindest hat man so einen (teils krassen) Eindruck davon bekommen, was dieser Beruf für die Frauen bedeutete.

Mit einer fokussierteren Handlung und ein bisschen weniger Drumherum hätte ich das Buch spannender gefunden, denn die Idee war sehr gut und man merkt, wie viel Mühe und Recherche hineingeflossen ist!

Im Nachwort der Autorin wird auch nochmal deutlich, dass wir bspw. in Filmen oder sogar selbst der Schule nur ein sehr einseitiges Bild der damaligen Zeit erhalten. Henker werden bspw. oft als brutal dargestellt und als ob sie Spaß daran hätten, tagtäglich Leute umzubringen oder Gließmaßen zu entfernen. Dass der Beruf (wie viele andere) sehr viel komplexer war und Henker sogar mit am meisten über den Körper und die Versorgung von Wunden wussten, war neu für mich.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Super Reihenabschluss

Teufels Tanz
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Ich gebe deshalb "nur" 4 Sterne, weil ich andere Bücher von Ursula Poznanski NOCH besser fand - es ist ein ganz toller Krimi!

In diesem dritten und abschließenden Band um Fina Plank und ihre Mordgruppe ...

Ich gebe deshalb "nur" 4 Sterne, weil ich andere Bücher von Ursula Poznanski NOCH besser fand - es ist ein ganz toller Krimi!

In diesem dritten und abschließenden Band um Fina Plank und ihre Mordgruppe wird es nochmal richtig spannend. Ein alter Mann nach dem anderen wird umgebracht - aber sie scheinen sich nicht zu kennen und (bis auf ihr Alter) nichts gemein zu haben. Wer bringt diese Männer um und warum?

Der Schreibstil ist wie immer toll, das Buch lässt sich flüssig lesen und es wird nie langweilig. Es wird abwechselnd hauptsächlich aus Finas Perspektive erzählt, ab und zu aus der ihres Kollegen Ahmet, und aus der des "Kuckucks" also des Täters, wodurch man eine Ahnung von den Hintergründen bekommt.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, vor allem konnte ich mit Fina in Bezug auf ihre Schwester Calli mitfühlen, die sich bei ihr eingenistet hat und ihre halbe Wohnung okkupiert. Ich hoffe, wir werden Fina und ihren Kollegen nochmal begegnen!

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Gut erzählt mit spannendem Twist

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten mit den verschiedenen Zeitebenen und musste öfter zurückblättern, um den Überblick zu behalten. Doch sobald ich mich in die Geschichte eingefunden hatte, konnte ...

Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten mit den verschiedenen Zeitebenen und musste öfter zurückblättern, um den Überblick zu behalten. Doch sobald ich mich in die Geschichte eingefunden hatte, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen!

Besonders spannend fand ich die vielen offenen Fragen, die mich durch die Handlung begleitet haben: Was ist mit der Ärztin passiert? Welche Rolle spielt Elijah in all dem? Nach und nach verdichteten sich die Ereignisse, und die zunächst losen Handlungsstränge fügten sich immer mehr zusammen.

Elijahs Entwicklung hat mich besonders fasziniert – wie er die Hütte renoviert und ein fast autarkes Leben führt. Und natürlich die Frage, wann er endlich Nakita wiedersieht.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr stieg die Spannung. Wem konnte man glauben – Erins Tagebucheinträgen oder Elijahs eigener Darstellung der Ereignisse? War es wirklich Mord oder doch Selbstmord, der nur wie ein Verbrechen inszeniert wurde? Auch die komplizierte Beziehung zwischen Elijah und Erin warf viele Fragen auf ...

Meine Vermutung, wer hinter allem steckt, wurde schließlich bestätigt...

Das Finale war packend, vor allem die Gerichtsverhandlung und deren Ausgang haben mir sehr gut gefallen! Die letzten Seiten waren mir persönlich etwas zu kitschig, aber insgesamt hat mir das Buch wirklich super gefallen. Eine fesselnde Geschichte mit überraschenden Wendungen und einer komplexen Erzählweise – absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Eindringlicher Roman über Hoffnung, Verzweiflung und gesellschaftliche Hürden

Achtzehnter Stock
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Mit "Achtzehnter Stock" ist der Autorin ein eindringlicher Roman gelungen, der mit einem starken Einstieg fesselt und bis zum Schluss nachhallt. Die Geschichte zieht die Leser:innen sofort in ihren Bann, ...

Mit "Achtzehnter Stock" ist der Autorin ein eindringlicher Roman gelungen, der mit einem starken Einstieg fesselt und bis zum Schluss nachhallt. Die Geschichte zieht die Leser:innen sofort in ihren Bann, nicht zuletzt durch den eindrucksvollen Schreibstil, der mit wenigen Worten lebendige Bilder erschafft.

Die Protagonistin steht im Zentrum eines Lebens zwischen prekären Verhältnissen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Besonders eindrücklich wird ihr Kampf für ihr krankes Kind dargestellt – ein Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung, das sich wohl viele Eltern (oder auch Nicht-Eltern) gut vorstellen können. Das gesellschaftliche Problem, dass Frauen oft nicht ernst genommen werden, wenn sie auf Missstände hinweisen, schwingt hier ebenso mit wie die Ungerechtigkeit der Care-Arbeit, die allein an ihnen hängenbleibt, während die Männer sich ihrer Verantwortung entziehen.

Auch die Frauen im Hochhaus sind stark gezeichnete Figuren, deren Lebensrealität sich zwischen Resignation und der Sehnsucht nach Veränderung bewegt. Der Wunsch der Protagonistin, diesem Milieu zu entfliehen, ist mehr als nachvollziehbar – ebenso wie ihre Zweifel daran, ob es ihr wirklich gelingt. Der Roman schildert eindrucksvoll, wie soziale Herkunft und Chancen miteinander verknüpft sind, und wie schwer es ist, sich aus bestimmten Lebensumständen zu befreien.

Parallel dazu wird die Welt der Filmbranche beleuchtet – eine Welt, die von Beziehungen, Opportunismus und wenig Rücksichtnahme geprägt ist. Dass sich die Protagonistin in ihr behaupten muss, während sie gleichzeitig für ihr Kind da sein will, stellt einen weiteren inneren Konflikt dar. Die Entwicklung der Figur ist spannend, wenn auch nicht immer sympathisch. Im Laufe der Handlung verliert sie zunehmend ihre anfängliche Bodenständigkeit und rutscht in eine Art Antiheldinnen-Rolle, was das Buch umso realistischer macht.

Das Ende lässt ambivalente Gefühle zurück. Der Roman beginnt mit voller Kraft, verliert dann vielleicht ein wenig an Fokus, bleibt aber dennoch durchweg fesselnd. Die Mischung aus Sozialkritik, persönlichem Drama und stilistischer Feinfühligkeit macht "Achtzehnter Stock" zu einem intensiven Leseerlebnis, das nachdenklich stimmt und im besten Sinne unbequem bleibt.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Konnte mich leider nicht abholen

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Der Klappentext des Buchs klang super, leider konnte mich die Umsetzung der Idee gar nicht überzeugen. Fünf Freunde treffen sich fünf Jahre nach dem Tod einer gemeinsamen Freundin in einem abgelegenen ...

Der Klappentext des Buchs klang super, leider konnte mich die Umsetzung der Idee gar nicht überzeugen. Fünf Freunde treffen sich fünf Jahre nach dem Tod einer gemeinsamen Freundin in einem abgelegenen Restaurant in der Eifel, um ein Krimidinner zu spielen. Klingt schon mal makaber, aber anscheinend war es ein gemeinsames Hobby der Freundesgruppe.

Geschrieben wird abwechselnd aus der Perspektive aller fünf Freund:innen, was den Einstieg erstmal herausfordernd gestaltet, weil man als Leser:in ja noch niemanden kennt. Dann kommen auch noch die jeweiligen Charaktere innerhalb des Krimispiels UND die "Damals"-Perspektive aller Freund:innen hinzu, die auf dem Festival vor fünf Jahren spielt, wo die Freundin verschwunden ist. Also sehr viele Namen und Perspektiven, die sich ständig abwechseln. Irgendwann stellen die Freund:innen fest, dass das Spiel Parallelen zu den damaligen Ereignissen aufweist, die kein Zufall sein können ... hat jemand von ihnen Maria umgebracht?

Leider konnte mich die Story nicht überzeugen, das Buch las sich über weite Strecken recht zäh. Zudem waren mir alle fünf total unsympathisch, was ich schade fand, weil man als Leser:in überhaupt nicht "mitfiebern" konnte und es eigentlich egal war, wer es am Ende war. Die Auflösung war mir dann auch etwas zu sehr konstruiert und unglaubwürdig.

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