Solider historischer Roman
Die Wächterin von KölnIch fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).
Die ...
Ich fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).
Die Geschichte selbst war mir aber zu weit verstrickt. Es kamen zu viele Figuren vor, die ich mir irgendwann nicht mehr alle merken konnte. Vor allem, wenn sie mehrere Kapitel lang nicht erwähnt wurden und dann plötzlich wieder auftauchten.
Elsbeth ist eine starke Hauptfigur, das hat mir gut gefallen. Sie ist Wirtin eines Dirnenhauses und man erfährt durch Rückblicke in die Vergangenheit, wie sie sich ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut hat, wodurch sie zu einer einflussreichen Frau werden konnte.
Die Aufklärung des Mordes, wovon ich aufgrund des Klappentextes annahm, dass es die Haupthandlung sein würde, kam aber nur sehr am Rande vor und wurde dann (für meine Begriffe) irgendwann zwischendurch nicht besonders spannend geklärt (und auch die Begründung fand ich etwas schwach).
Daneben verliert sich die Handlung in vielen Nebenschauplätzen und Beziehungen der ganzen Figuren untereinander. Die "spicy" Szenen im Dirnenhaus hätte ich persönlich nicht gebraucht, weiß aber, dass viele Leser:innen das mögen. Zumindest hat man so einen (teils krassen) Eindruck davon bekommen, was dieser Beruf für die Frauen bedeutete.
Mit einer fokussierteren Handlung und ein bisschen weniger Drumherum hätte ich das Buch spannender gefunden, denn die Idee war sehr gut und man merkt, wie viel Mühe und Recherche hineingeflossen ist!
Im Nachwort der Autorin wird auch nochmal deutlich, dass wir bspw. in Filmen oder sogar selbst der Schule nur ein sehr einseitiges Bild der damaligen Zeit erhalten. Henker werden bspw. oft als brutal dargestellt und als ob sie Spaß daran hätten, tagtäglich Leute umzubringen oder Gließmaßen zu entfernen. Dass der Beruf (wie viele andere) sehr viel komplexer war und Henker sogar mit am meisten über den Körper und die Versorgung von Wunden wussten, war neu für mich.