Ich bin sehr hin- und hergerissen, wie ich das Buch bewerten würde. Insgesamt würde ich 3,5 Sterne geben.
Worum gehts?
Asa ist nach sechs Jahren aus dem Gefängnis freigekommen. Jetzt will sie sich an ...
Ich bin sehr hin- und hergerissen, wie ich das Buch bewerten würde. Insgesamt würde ich 3,5 Sterne geben.
Worum gehts?
Asa ist nach sechs Jahren aus dem Gefängnis freigekommen. Jetzt will sie sich an zahlreichen Menschen aus ihrer Vergangenheit (u. a. ihrer Familie) rächen. Doch warum war sie überhaupt im Gefängnis und an wem und warum will sie Rache nehmen?
Das wird auf knapp 700 Seiten sehr gekonnt erzählt.
Gut gefallen hat mir:
- Der Schreibstil. Zoran Drvenkar schreibt wirklich gekonnt, die Figuren haben Tiefe, die Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven lassen den Charakter der jeweiligen Person gut erkennen.
- Die Konzeption der Geschichte. Auf verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven wird immer ein Stück mehr erzählt, sodass man sich als Leser:in nach und nach das gesamte Bild zusammensetzen kann.
- Die Familienhistorie. Es wurde eine sehr gut durchdachte Familiengeschichte erzählt, die sich seit über 100 Jahren entwickelt, von Kriegen, Gewalt und Familienschicksalen geprägt war und so schlussendlich zu dem geführt hat, was Asa passiert ist.
Nicht so gut fand ich:
- Es ist meiner Meinung nach kein Thriller. Es gab ein paar spannende Momente, über weite Strecken ist die Erzählung aber eher ein Familiendrama. Es fehlte der typische "Thrill", der ein Buch so spannend macht, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Dafür hatte es mir zu viele Längen. Die Familiengeschichte ist fraglos von sehr viel Grausamkeit, Gewalt und (falsch verstandenem) "Gemeinschaftsgefühl" und einer komischen Auffassung von Stärke geprägt, das macht es für mich aber zu keinem Thriller.
Insgesamt war das Buch an keiner Stelle langweilig und ich fand es sehr interessant, die Familiendynamiken nachzuvollziehen und zu verstehen, wie sich so eine grausame Tradition entwickeln und so lange unhinterfragt von so vielen Generationen weitergeführt werden konnte.
Das Buch liest sich wie eine Art langanhaltender Fiebertraum, man spürt den langen, heißen Sommer wirklich auf jeder Seite.
Es geht um Lucy, die Ende der 1980er/Anfang der 90er in einem kleinen irischen ...
Das Buch liest sich wie eine Art langanhaltender Fiebertraum, man spürt den langen, heißen Sommer wirklich auf jeder Seite.
Es geht um Lucy, die Ende der 1980er/Anfang der 90er in einem kleinen irischen Dorf aufwächst. Eigentlich lebt sie ein ganz "normales" Leben, merkt aber irgendwann, dass sie sich im Gegensatz zu ihren Freundinnen überhaupt nicht für Jungs interessiert, sondern ihre beste Freundin Susannah viel anziehender findet.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive erste Liebe und alles könnte so schön sein - wären da nicht Lucys Familie, ihre Freundinnen und sowieso das ganze Dorf, die diese Beziehung niemals akzeptieren würden.
Den Schreibstil fand ich am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, irgendwann wurde ich aber richtiggehend in Lucys Gedanken und Gefühle hineingesogen und konnte das Buch gar nicht mehr weglegen. Ihre inneren Kämpfe, das was sie selbst will, was eigentlich so klar ist, was sie aber nicht wollen sollte - warum kann sie sich nicht einfach in ihren besten Freund Martin verlieben? Die heimlichen Treffen, die Leidenschaft und immer die Angst im Hinterkopf, von ihrer Familie verstoßen zu werden, wenn "das" rauskommt.
In der Mitte zog es sich stellenweise etwas und es war manchmal schwer, Lucys Gedanken zu folgen - aber die Gefühle eines Teenagermädchens sind ja auch oft sehr intensiv und widersprüchlich.
Ich hätte mir ein etwas weniger offenes Ende gewünscht, aber so bleibt Raum für die eigene Interpretation.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ist genau das Richtige für jede:n, der:die sich mit dem Thema Coming Out beschäftigen möchte. Sei es, um das eigene Coming Out „vorzubereiten“ oder auch, um sich ...
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ist genau das Richtige für jede:n, der:die sich mit dem Thema Coming Out beschäftigen möchte. Sei es, um das eigene Coming Out „vorzubereiten“ oder auch, um sich generell ein bisschen Bestärkung zu holen, wenn man diese vielleicht in der Familie nicht bekommt, und ein paar spannende Beiträge von anderen queeren Menschen zu lesen.
Am Anfang erzählt der Autor von seinem eigenen Coming Out und führt ein bisschen in wichtige Begriffe ein, die in dem Kontext wichtig sind. Danach kommt schon der Teil, den ich persönlich am schönsten fand, viele Berichte von queeren Personen unterschiedlicher Orientierungen, sei es bi, lesbisch, schwul, aromantisch/asexuell, trans*, pan, nonbinär … So viele unterschiedliche und einzigartige Geschichten, toll! Es war nicht für jede:n einfach, aber die Geschichten machen auf jeden Fall Mut.
Auch spannende Informationen über die Geschichte der queeren Bewegung und queere Rechte kommen nicht zu kurz. Aber auch praktische Tipps zu Fragen, die sich wahrscheinlich viele Menschen stellen, wenn sie bemerken, nicht hetero zu sein; zum Beispiel wie oder man überhaupt mit anderen queeren Menschen in Kontakt kommt oder was man machen kann, wenn Menschen (vor allem Familie oder Freunde) ablehnend reagieren.
Zum Schluss kommt der Teil, der für alle (noch) ungeouteten Personen wahrscheinlich am hilfreichsten ist: die Planung des eigenen Coming Outs. Der Autor stellt verschiedene Übungen bereit, um Mut zu fassen, sich zu reflektieren, Sorgen loszuwerden und Unterstützung zu finden. Außerdem konkrete Tipps für die Situation selbst.
Alles in allem ein kompaktes aber sehr hilfreiches Buch, um das Coming Out anzugehen und sich von den Geschichten anderer inspirieren zu lassen.
Dies war mein erster Krimi des Autors. Die Unterteilung des Buches nach den 5 Phasen einer Straftat – Tatentschluss, Tatvorbereitung, Tatermöglichung, Versuch und Beendigung – fand ich eine interessante ...
Dies war mein erster Krimi des Autors. Die Unterteilung des Buches nach den 5 Phasen einer Straftat – Tatentschluss, Tatvorbereitung, Tatermöglichung, Versuch und Beendigung – fand ich eine interessante Herangehensweise. Zugegebenermaßen hatte ich anfangs Schwierigkeiten, in die Story einzutauchen, da sie sich sprachlich etwas in die Länge zog. Doch nach ca. 100 Seiten nahm die Geschichte mehr an Fahrt auf. Da ich die ersten Bände nicht gelesen habe, konnte ich nicht alle Anspielungen verstehen. Dennoch erfuhr ich, dass Pirlo unter falschem Namen arbeitet, seine Brüder gerne mal Mist bauen und er familiär in der Welt der Clans verbandelt ist, was er auch durch seinen akademischen Aufstieg und die Namensänderung nicht abschütteln kann. Eine Frau hat ihn im Zusammenhang mit dem letzten Fall verletzt, was ihn in eine Depression gestürzt hat, aus der Sophie ihm hoffentlich heraushelfen kann.
Teilweise zogen sich die Unterkapitel für meinen Geschmack etwas, vermutlich aufgrund der ausschweifenden Sätze, die ich manchmal mehrmals lesen musste.
Der Teil über die Überforderung des Staates und die ungeprüfte Ausschüttung von Geldern und Soforthilfen hat mich wirklich geärgert (im positiven Sinne, es wurde eine emotionale Verbindung zur Realität geschaffen), genauso wie die plötzliche Flut von Testzentren – weil es leider in der Realität wirklich so war.
Den Abschluss der Geschichte ist „rund“ und sinnig, wenngleich ich diese Wendung nicht besonders spannend fand.
Marie Sand hat mit "Wie ein Stern in mondloser Nacht" eine fesselnde Geschichte geschaffen, die beleuchtet, wie die erste Babyklappe Deutschlands ins Leben gerufen wurde und was die Protagonistin ...
Enthält Spoiler!
Marie Sand hat mit "Wie ein Stern in mondloser Nacht" eine fesselnde Geschichte geschaffen, die beleuchtet, wie die erste Babyklappe Deutschlands ins Leben gerufen wurde und was die Protagonistin Henni im Verlauf der Geschichte an emotionalen Höhen und Tiefen erlebt. Henni ist eine beeindruckende Figur, die trotz ihrer finanziellen Schwierigkeiten und der Schatten ihrer Vergangenheit stets an ihre Träume glaubt und erkennt, dass Bildung der Schlüssel zu einem besseren Leben ist. Ihre Entschlossenheit und Sympathie machen sie zu einer Figur, mit der man mitfiebert. Es ist kurz nach dem 2. Weltkrieg, Henni (sie muss da ca. 17 sein) lebt mit ihrer Mutter und dem kränklichen Bruder in einer Kellerwohnung, während Berlin fast komplett zerbombt und gerade erst wieder im Aufbau ist. Eines Tages geht sie statt ihrer Mutter (weil diese krank ist) in einem herrschaftlichen Haus putzen, um etwas Geld zu verdienen. Dort trifft sie auf Ed.
Ed mochte ich leider nicht. Sein Angebot, Henni beim Putzen zu helfen, ist zwar nett, doch wie er sie "kauft" mit Zigaretten und etwas Essen, gefällt mir nicht - obwohl ihm das Geld angeblich nicht viel bedeutet, nutzt er es schon ziemlich aus, um zu bekommen, was er will. Sein Verhalten im Verlauf der Handlung zeigt ein egoistisches und kompliziertes Naturell, das beim Lesen gemischte Gefühle hinterlässt. Henni und Ed kommen sich näher, er verbringt immer mehr Zeit bei ihr und ihrer Familie.
Die Einbeziehung der Perspektive von Liv im Jahr 2000 fügt der Geschichte eine unerwartete Dimension hinzu. Dieser zusätzliche Erzählstrang bietet noch einmal andere Einblicke in die Vergangenheit der Charaktere und trägt zur Tiefe der Handlung bei.
Was mich manchmal in Büchern "nervt" sind diese konstruierten Konflikte bzw. Missverständnisse, die in der Realität soo leicht geklärt werden könnten. Natürlich ist das für die Handlung des Buches notwendig - darum bin ich etwas zwiegespalten. Henni und Ed hätten nur miteinander sprechen müssen, um ein fatales Missverständnis zu verhindern. Doch seine Mutter intrigiert und bekommt am Ende ihren Willen, während vor allem Henni extrem darunter leidet.
Annelieses skrupellose Intrige erzeugt zwar Spannung, aber ihr Verhalten wirft moralische Fragen auf. Hätten Ed und Henni früher miteinander kommuniziert, hätte vieles vermieden werden können.
Ed geht schließlich erstmal ins Ausland und Henni lässt sich zur Hebamme ausbilden, schließlich arbeitet sie in einem Berliner Krankenhaus. Dort lernen wir auch Marta kennen. Marta finde ich total sympathisch! Ihre Geburtserfahrung unter Hennis Anleitung fand ich super beschrieben - schön zu sehen, wie stark zwei Frauen sind, ohne die Einmischung es vermeintlich besser wissender Männer. Total cool, wie sie in den 50ern eine alleinstehende, selbstbewusste Anwältin ist, und dann auch noch mit Kind, wirklich bewundernswert. Und toll, wie sie Henni hilft und ihr einen Raum in ihrem Haus zur Verfügung stellt, in dem Henni eine eigene "Geburtspraxis" einrichtet.
Ich hätte aber gerne noch mehr über die Frauen erfahren, die zu Henni in den Geburtsraum kommen. Ich kann mir die Organisation nicht ganz vorstellen. Einerseits ist sie in ganz Berlin unterwegs, um Hausbesuche bei sämtlichen Frauen zu machen, die sie kontaktieren. Andererseits ist sie angeblich permanent telefonisch erreichbar UND führt zu jeder Tages- und Nachtzeit Geburten durch, entweder im Raum oder bei den Frauen zuhause - wie macht sie das denn zeitlich? Gibt es da nie Überschneidungen? Plus die Zeit, die sie mit Ed verbringt, das kommt mir unnormal stressig vor. Wie sie all ihre Verpflichtungen zeitlich unter einen Hut bekommt, bleibt unklar. Einige Ungereimtheiten in der Geschichte könnten stören, aber sie beeinträchtigen die Gesamterzählung nicht wesentlich.
Eds Entwicklung als Charakter bleibt zwiespältig, und seine Handlungen werfen Fragen auf. Sein egoistisches Verhalten und seine Selbstsucht sind schwer zu übersehen. Seine Unfähigkeit (oder Unwillen?), die Situation mit Lucia zu klären, zeigt wieder seinen Egoismus. Er läuft arrogant durch die Welt und denkt, er kann sich einfach alles nehmen. Die Enthüllungen im Jahr 2000 bringen sein Verhalten in ein neues Licht, und lassen mit gemischten Gefühlen auf seine Figur blicken.
Ich weiß echt nicht, was Henni an Ed gefunden hat, er ist einfach sehr egoistisch und reißt dabei alle anderen mit ins Unglück. Lucia geht es wegen Eds Verhalten schlecht, für Henni ist er auch nicht richtig da, sondern nur so weit, wie etwas für ihn herausspringt.
Das Ende wurde für meinen Geschmack ziemlich schnell abgehandelt. Ich hätte mir noch mehr Informationen über den Ablauf gewünscht, was genau mit den Babys aus der Babyklappe passiert ist, wie der Adoptionsprozess war, ob welche von den Müttern zurückgeholt wurden?
Dafür, dass es in dem Buch um die erste Babyklappe gehen sollte, kam mir das Thema fast zu wenig vor, dafür war zu viel unnötige emotionale Verwirrung enthalten. Natürlich ist das kein historisches Werk, aber über die Hintergründe, wie es in der Realität ungefähr gewesen ist, hätte ich gerne mehr erfahren.
Insgesamt ist "Wie ein Stern in mondloser Nacht" von Marie Sand ein bewegendes Buch mit faszinierenden Charakteren und einer Geschichte, die emotionale Höhen und Tiefen durchläuft. Es regt zum Nachdenken über die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Bedeutung von Kommunikation und Vergebung an.