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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannung und Tiefe fehlen

Schneesturm
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Das Setting der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, eine verschneite, von der Außenwelt abgeschnittene Insel verspricht erstmal eine gute Kulisse für einen Thriller. Mit dem Schreibstil konnte ich mich ...

Das Setting der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, eine verschneite, von der Außenwelt abgeschnittene Insel verspricht erstmal eine gute Kulisse für einen Thriller. Mit dem Schreibstil konnte ich mich bis zum Ende aber leider nicht so anfreunden, dies kann aber natürlich auch an der Übersetzung liegen. Ich bin öfter über Formulierungen gestolpert, die irgendwie unpassend schienen (und einige Rechtschreib- und Grammatikfehler gab es leider auch). Ansonsten ließ sich das Buch aber recht leicht lesen.

Zur Story: Die 6 Haupt-Protagonist:innen kennen sich seit ihrer Kindheit, die Hälfte von ihnen (Cara, Daithi und Maura) lebt auf der Insel Inishmore. Cara seit 10 Jahren, sie ist nun die Insel-Polizistin, die anderen seit ihrer Kindheit, sie war aber als Kind jeden Sommer dort. Nachdem Cillian - Caras Mann und Vater ihrer zwei Kinder - vor 10 jahren bei einem Schiffsunfall tödlich verunglückt ist und die anderen 3 weggezogen sind, treffen sich nun alle in Cillians und Seamus (sein Bruder) Elternhaus wieder, um den 10. Todestag des ersteren zu begehen. Kurz nach ihrer Ankunft wird eine Leiche gefunden und es wird nach und nach deutlich, dass jede:r aus der Gruppe etwas zu verbergen hat ...

Die Figuren blieben mir leider allesamt während des ganzen Buches unsympathisch, sodass ich mit niemandem wirklich mitfühlen/mitfiebern konnte. Leider verrät das Cover schon, dass eine:r aus der Freundesgruppe der/die Mörder:in ist - das fand ich etwas schade, weil es Spannung rausnimmt.

Da aufgrund des Sturms niemand von der Insel kann, muss sich der/die Täter:in noch dort befinden und es startet quasi ein Wettlauf gegen die Zeit. Cara - als Polizistin - beginnt, zu "ermitteln". Und damit beginnen meine Probleme mit dem Buch: Cara läuft die ganze Zeit mehr oder weniger kopflos herum, befragt hier und da Nachbarn, wird Zeugin mehrerer Einbrüche, sichert aber keine Spuren, die Leiche wird nicht näher untersucht, sie lässt Freund:innen an Tatorte, erzählt vertrauliche Details weiter etc. ... alles Dinge, die selbst jede:r Hobbypolizist:in nicht tun würde. Die Handlung plätschert so voran, es passiert nichts wirklich Spannendes, sodass die Bezeichnung "Thriller" meiner Meinung nach unpassend ist.

Hinten im Buch ist eine Karte abgebildet, leider fehlt dort der wichtigste Ort - das Haus, in dem die Freunde sich die meiste Zeit befinden - sodass es schwer ist, die Wege wirklich nachvollziehen zu können. Dazu gibt es noch zahlreiche andere Ungereimtheiten (die ich aufgrund von Spoilern jetzt hier nicht näher ausführen möchte, kann man in der Leserunde nachlesen).

Gestört hat mich auch, dass einige Nebencharaktere (bspw. Caras Kinder, Patrick, die Filmcrew, der Rave?!) ausschließlich dazu da waren, abzulenken, und am Ende einfach gar nicht mehr vorkamen.

Die Auflösung kam mir dann auch zu konstruiert daher. Grundsätzlich mag ich es nicht so, wenn am Ende eines Buches retrospektiv von einem:r Protagonist:in erzählt wird, wie sich alles zugetragen haben muss und was er/sie alles herausgefunden hat. Das nimmt mir irgendwie den Spaß, weil es als Leser:in gar keine Chance gab, auf die meisten dieser Dinge auch zu kommen. Zudem gab es einen mMn sehr großen Logikfehler, auf dem die gesamte Auflösung aufgebaut wurde, was alles noch unrealistischer macht.


Die Geschichte hat Potenzial, das jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wird. Es gibt interessante Ansätze, aber die Umsetzung und die Charakterentwicklung lassen zu wünschen übrig. Ein solider Thriller, der jedoch nicht die erwartete Spannung und Tiefe bietet.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Guter Thriller mit aktuellem Thema

Die Influencerin
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Das Buch hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist gut, sehr flüssig lesbar und ich bin schnell in die Geschichte reingekommen. Auch die Thematik des Thrillers hat mich sofort ...

Das Buch hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist gut, sehr flüssig lesbar und ich bin schnell in die Geschichte reingekommen. Auch die Thematik des Thrillers hat mich sofort interessiert, da das „Influencer“-Dasein und die damit verbundenen Vor- aber auch Nachteile ein sehr aktuelles Thema in unserer heutigen Gesellschaft ist.

Etwa genervt hat mich, dass die ersten 50 Seiten des Buches nur drumherum geredet wurde, warum Sarah ihr Instagram-Profil deaktiviert hat, obwohl der Grund dafür schon im Klappentext genannt wird. Und ich frage mich, ob es wirklich so viele Menschen gibt, die ihre Vorhänge/Rolladen nicht zuziehen, wenn es dunkel wird? Aber dieses Element braucht es ja für einen Stalking-Plot, also sei es Sarah verziehen.

So eine richtige Sympathieträgerin ist Sarah nicht … sie hat sich mit ihrem Fitnessaccount 700.000 Follower aufgebaut, und verdient durch Kooperationen, die ihr Mann – gleichzeitig ihr Manager – vereinbart, gutes Geld. Anscheinend wurde sie von ihm sehr in diese Richtung gedrängt und ihr gesamtes Leben war eigentlich eine reine Inszenierung und hatte nichts mehr mit der wahren Sarah zu tun. Trotzdem war es über Jahre ihr Lebensinhalt, alles wurde zu Content. Und sie hat es ja auch irgendwie freiwillig gemacht und davon profitiert.

Nachdem sich eine junge Followerin umgebracht hat, weil Sarah nicht auf deren hilfesuchenden Nachrichten und Kommentare reagiert hat, bricht ein Shitstorm über sie herein. Sie deaktiviert ihr Profil und kurz darauf mehren sich besorgniserregende Vorfälle. Sie bekommt Pakete mit Scherben oder ätzenden Stoffen zugeschickt und jemand erstellt ein Fake-Profil von ihr, auf dem er oder sie private und heimlich aufgenommene Fotos teilt. Sarah fühlt sich zu recht verfolgt, es nimmt sie aber niemand so richtig ernst. Ihr Mann (sowieso ein Unsympath) redet ihre Ängste die ganze Zeit klein, und auch die Polizei unternimmt nichts, denn es ist ja niemand ernsthaft verletzt worden. Nur ihre Adoptivschwester Caro unterstützt sie, so wirklich etwas bewirken kann sie aber auch nicht.

Sarah versucht verzweifelt, herauszufinden, wer hinter dem Profil steckt, die Pakete schickt und um das Haus schleicht. Es wird immer schlimmer, ihre Tochter bekommt wegen ihr Probleme in der Schule, der Familienhund wird entführt und ihrer dementen Mutter geht es immer schlechter.

Die kursiven Einschübe der Gedanken des/der Täter:in bringen eine zusätzliche spannende Komponente ein und es kam an keiner Stelle Langeweile auf, während man miträtselt, wer hinter alldem stecken könnte. Auf den letzten 50 Seiten ging es dann nochmal so richtig zur Sache – hier fand ich es teilweise fast zu viel, da die Geschehnisse sich buchstäblich überschlagen haben und man als Leser:in echt aufpassen muss, welche Verdächtigung jetzt die richtige ist, wer wann was gemacht, gepostet, geplant hat.

Die Enthüllungen über die Vergangenheit von Sarahs Adoptiveltern und ihre Schwester Caro waren krass, dies wurde meiner Meinung nach aber etwas zu schnell abgehandelt. Trotzdem war das Ende schlüssig (die Intention der Protagonist:innen muss man selbst ja nicht unbedingt nachvollziehen können).

Das Buch hat einige interessante Fragestellungen rund um Social Media aufgeworfen, vor allem die Frage, inwieweit Influencer:innen Verantwortung für ihre (teils sehr jungen) Follower:innen übernehmen können. Bei einem Account mit 700.000 Followern ist es wohl nicht menschenmöglich, alle Nachrichten überhaupt zu lesen, geschweige denn, zu beantworten – was im Einzelfall, wie hier im Buch, dramatisch enden kann. So lange sich mit Kooperationen aber so gutes Geld verdienen lässt, wird es wohl auch Influencer:innen geben, die ihre Seele verkaufen und denen die Schicksale ihrer Follower egal sind.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Gut zu lesen

Perfect Day
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Dies war mein erstes Buch von Romy Hausmann. Über die beiden Vorgänger habe ich bzgl. "Liebes Kind" extrem viel Gutes gehört (ist auf dem TBR), über "Marta schläft" eher negative Stimmen, sodass meine ...

Dies war mein erstes Buch von Romy Hausmann. Über die beiden Vorgänger habe ich bzgl. "Liebes Kind" extrem viel Gutes gehört (ist auf dem TBR), über "Marta schläft" eher negative Stimmen, sodass meine Erwartungen gemischt waren.
Den Schreibstil fand ich sehr gut, ich bin schnell in die Geschichte hineingekommen - es passiert ja auch auf den ersten Seiten bereits sehr viel. Im Laufe des Buches konnte diese anfängliche Spannung aber leider nicht aufrecht erhalten werden. Ann möchte ja beweisen, dass ihr Vater unschuldig im Gefängnis sitzt und in den letzten 14 Jahren nicht ein Dutzend kleiner Mädchen umgebracht hat. Hartes Thema und der Plot klingt zunächst gut - die Entwicklung ging dann aber in eine andere Richtung als ich gedacht habe. Mit Ann bin ich nicht so richtig warm geworden, Eva mochte ich hingegen - schade, dass sie nur kurz dabei war. Ann verrennt sich regelrecht in ihre fixen Ideen, ist (verständlicherweise) überhaupt nicht rational dabei und trifft eine Kurzschlusshandlung nach der nächsten.
Die Ereignisse in Schergel haben einen nochmal gut in die Irre geführt, aber dieses "Thriller-Gefühl" kam auch da leider nicht auf. Die Einschübe der "Wir"-Kapitel, des Interviews und der "Gefühlsbeschreibungen" fand ich auch gute Stilmittel. Das Ende war zum Teil vorhersehbar, aber mit ein paar unerwarteten Komponenten.
Ich habe das Buch gerne gelesen, ein richtiger Page Turner war es aber nicht. Vor allem die Seiten nach der Auflösung fand ich etwas mühsam, da der Fall ja aufgeklärt war. Natürlich möchte Ann nur verstehen und Antworten haben, die Erklärung war (auf eine wahnsinnige Art) auch sinnvoll, hätte aber auch kürzer abgehandelt werden können.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Kommt langsam in Fahrt, in sich stimmig

Gestehe
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In Henri Fabers Thriller „Gestehe“ geht es um eine Welt voll Korruption und Intrigen. Die Geschichte folgt dem Ermittler Jo, genannt „Jacket“, der nach einem spektakulären Fall, in dem er quasi im Alleingang ...

In Henri Fabers Thriller „Gestehe“ geht es um eine Welt voll Korruption und Intrigen. Die Geschichte folgt dem Ermittler Jo, genannt „Jacket“, der nach einem spektakulären Fall, in dem er quasi im Alleingang einen Organhändlerring zerschlagen hat, zum Presseliebling und Aushängeschild der Polizei geworden ist, sowie dem zweiten Hauptprotagonisten Mo, dem einzigen Polizisten (mit Migrationshintergrund), der sich als kompetent erweist, während seine Kollegen durch Inkompetenz und Rassismus auffallen.

Die Handlung ist geteilt, einerseits aus Mos Perspektive, andererseits aus der Sicht von Jacket, und schließlich kommt ab und zu ein ominöser Dritter zu Wort, der immer zu wissen scheint, wer als nächstes stirbt. Das Perfide an der Sache: Es ist die Stimme aus Jackets neuem Roman, in dem er offenbar schon geschrieben hat, was geschehen ist – bevor es wirklich passiert.

Leider blieb die Spannung lange Zeit auf der Strecke, ich empfand die ersten zwei Drittel des Buches als sehr langatmig, erst auf den letzten 150 Seiten wird es rasanter. Die Geschichte an sich ist aber gut durchdacht, eventuell hätte man etwas Komplexität rausnehmen können, damit es spannender wird. Neben ihren persönlichen Problemchen muss das Team nun also herausfinden, wer in Wien Menschen ausweidet. Vor allem Jacket nimmt hier gerne mal den unkonventionellen Weg und fragt sich zunehmend, ob er langsam verrückt wird.

Die Figuren sind facettenreich beschrieben, insbesondere Jacket, der anfangs maximal unsympathisch wirkt und am Ende eine erstaunliche (aber eher unrealistische) Wandlung durchmacht.

Die Storyline bietet einige überraschende Wendungen, die teils jedoch konstruiert wirken, am Ende aber zu einer schlüssigen Auflösung führen (mit der:m Täter:innen konnte ich mich nur so semi anfreunden - ohne zu viel verraten zu wollen mag ich dieses Element der "Lösung" in Thrillern/Krimis nicht so gerne).

Der Schreibstil von Henri Faber ist angenehm und der Roman lässt sich gut lesen. Trotz einiger überraschender Wendungen und actionreicher Szenen kann „Gestehe“ meiner Meinung nach jedoch nicht vollständig als Thriller klassifiziert werden. Die gesellschaftspolitischen Themen, die im Buch angesprochen werden, verleihen der Geschichte eine zusätzliche Tiefe, aber es dauert zu lange, bis die Spannung an Fahrt gewinnt. Wer einen eher gediegeneren Thriller mit ein paar packenden Momenten sucht, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Tolles Buch

Paare
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Dies war mein zweites Buch von Claire Douglas und es hat mir wieder sehr gut gefallen. Frankies beste Freundin Sophie ist vor 18 Jahren ertrunken und wurde nie erfunden - jetzt wurden Überreste angeschwemmt ...

Dies war mein zweites Buch von Claire Douglas und es hat mir wieder sehr gut gefallen. Frankies beste Freundin Sophie ist vor 18 Jahren ertrunken und wurde nie erfunden - jetzt wurden Überreste angeschwemmt und sie kehrt zurück in den Ort ihrer Kindheit, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Gemeinsam mit Sophies Bruder Daniel begibt sie sich dazu auf eine Reise in die Vergangenheit. Doch dann passieren immer mehr merkwürdige Dinge : anonyme Briefe, nächtliches Geschrei, jemand scheint sie zu verfolgen.

Einen Teil der Auflösung habe ich irgendwann geahnt, aber am Ende konnte die Autorin nochmal mit einer richtig guten (und für mich) sehr überraschenden Wendung punkten.

Es ist kein Thriller, bei dem man permanent Gänsehaut hat, aber ein gut durchdachtes und geschriebenes Buch, das sich angenehm lesen lässt und nie langweilig wird.

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