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Veröffentlicht am 16.09.2025

Roter Wutzwerg

Anna und die Wut
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Dieses altbewährte Bilderbuch hat auch nach über dreißig Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Die Geschichte von Anna, die ihre übermäßige, für sie nicht kontrollierbare Wut in den Griff bekommen ...

Dieses altbewährte Bilderbuch hat auch nach über dreißig Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Die Geschichte von Anna, die ihre übermäßige, für sie nicht kontrollierbare Wut in den Griff bekommen will und muss, ist nach wie vor aktuell und zeigt auch, dass jeder seinen eigenen Weg dabei finden muss.
Neue Strahlkraft erhält das Buch aber durch die Bilder von Anke Kuhl in dieser Neuauflage. Sie sind comicartig und oft gibt es - wie bei Comics üblich – mehrere von ihnen auf einer Seite. Die Bilder nehmen stets mehr Raum ein als der Text, sind aber klar von diesem abgegrenzt und stets schwarz umrandet. Dabei sind sie so lustig gemalt, dass man öfter schmunzeln muss.
Besonders eindrücklich ist dabei, dass Anna immer, wenn sie wütend ist, bis auf die schwarzen Umrandungen der Figur rot erscheint, als wenn sie in einer roten Wolke steckt. Dies ist ein perfektes Sinnbild dafür, wie Anna sich fühlt und auch wie andere sie in ihrer Wut wahrnehmen.
Die Bilder sind stets in Grau- und gedämpften Blautönen gehalten, erst am Ende, als Anna ihre Wut mehr und mehr im Griff hat, werden sie bunt, so wie Annas Welt, denn endlich gehört sie dazu und wird nicht mehr gemieden.
Ein besonderes, abschließendes und hoffnungsvolles Bild findet sich innen auf dem hinteren Buchdeckel. Dieses zeigt die jugendliche/erwachsene Anna in ihrem Element.
Eine wunderbar gelungene Neuauflage eines „alten“, aber sehr aktuellen Textes mit mitreißenden neuen Illustrationen. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Familientraumata

Das Flüstern der Marsch
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Die Autorin nimmt in ihrem Roman gekonnt drei Generationen von Frauen, die alle mit der Elbmarsch bei Hamburg verbunden sind, in den Blick.

In der Jetzt-Zeit, 2024, erzählt sie in Ich-Perspektive aus ...

Die Autorin nimmt in ihrem Roman gekonnt drei Generationen von Frauen, die alle mit der Elbmarsch bei Hamburg verbunden sind, in den Blick.

In der Jetzt-Zeit, 2024, erzählt sie in Ich-Perspektive aus der Sicht von Mona, die zum 80. Geburtstag ihres Opas in die Marsch fährt. Dort ist ihre Oma verschwunden, was den Opa nicht groß zu stören scheint. Nach und nach rollen sich die Verbindungen und Umstände zwischen den (Frauen-)Generationen auf, da die Autorin im Wechsel zu Monas Erleben im auktorialen Erzählerstil auch aus Sicht der Großmutter Annemie, begonnen im Juni 1964, von Freya, ab Mai 1994, und Janne, auch 2024, berichtet.

Diese vier Frauen – und dazu kommen noch weitere weibliche Nebenrollen, die für sie und den Fortgang der Geschichte eine Bedeutung haben/gehabt haben – sind ganz unterschiedlich, aber immer Kinder ihrer Zeit und so spielen frauenrelevante Themen, wie Kuckuckskinder, Abtreibung, Jugendamt, Kindesentzug, Abhängigkeit von Vater und Ehemann, eine große Rolle.

Die Frauen haben durch die Erzählperspektiven in diesem Roman die Hauptrolle, aber deswegen sind die Männer nicht unwichtig, denn sie haben und hatten großen Einfluss darauf, wie ihre Frauen, Töchter, Schwestern, etc. gelebt und reagiert haben, bzw. leben und reagieren. Dabei „kommen einige gut weg“, andere weniger, aber auch die Frauen haben einen großen Anteil daran, ob es ihren Töchtern gut geht.

Die Verbindungen zwischen den Frauen und ihren unterschiedlichen Lebenswegen werden erst nach und nach enthüllt und vor allem bei Freya rätselt man, wie sie in die Familie hineingehört, aber am Ende ergibt sich ein stimmiges Bild.

Dieses Buch ist trotz der Wohlfühllandschaft kein Wohlfühlroman – zu dicht kommen den Lesenden das Leid und die oft falschen Entscheidungen der ProtagonistInnen und das Leid ihrer Kinder. Das Buch bietet aber am Ende einen Hoffnungsschimmer und eine gute Perspektive.

Ein nachdenklich machender, sehr spannend lesbarer Familienroman!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Das Leben ist immer überraschend

Berlin Biker
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Ferri liebt das Biken mit seinem Wheelie-Bike. Doch ist er dabei immer allein, bis er Lu kennenlernt und sich neue Welten für ihn eröffnen.

Die Autorin erzählt die Geschichte von Ferri, der mit seinen ...

Ferri liebt das Biken mit seinem Wheelie-Bike. Doch ist er dabei immer allein, bis er Lu kennenlernt und sich neue Welten für ihn eröffnen.

Die Autorin erzählt die Geschichte von Ferri, der mit seinen kurdischen Eltern und zwei Brüdern, der jüngere ist geistig beeinträchtigt, in Berlin aufwächst und in seiner Freizeit am liebsten mit seinem Wheelie-Bike herumfährt und Tricks übt.

Eines Tages lernt er dabei die Deutschtürkin Lu kennen, die sein Gefühlsleben und seine Vorstellungen auf den Kopf stellt.

In einfacher Sprache beschreibt die Autorin in Ich-Perspektive Ferris Gedanken, Gefühle und Erlebnisse. So bringt sie ihn uns als kurdischen Teenager mit ungewöhnlichem Hobby und spezieller Familiensituation besonders nah.

Sehr authentisch schildert sie so Ferris – auch kulturelle – Verwirrung (S. 60 bis 65 Kapitel „Ich kotz‘ gleich“), als Lu unangekündigt bei ihm auftaucht, er ihre Freundschaft vor seinen Cousins verleugnet, sowie, dass so eine (Fehl-)Entscheidung Konsequenzen hat.

Eine eindrückliche, unaufgeregte, gut geschriebene Geschichte aus dem (Er-)Leben eines Teenagers, in die sich jeder hineinversetzen kann.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

So sollte Schule sein!

Schule mit Juli
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Auch der sechste Band der Juli-Reihe von Petra Eimer kommt wieder spritzig daher!
Dieses Mal sollen die Kinder in der Schule ein Projekt über Haustiere durchführen. Aber es steht viel mehr auf dem Spiel, ...

Auch der sechste Band der Juli-Reihe von Petra Eimer kommt wieder spritzig daher!
Dieses Mal sollen die Kinder in der Schule ein Projekt über Haustiere durchführen. Aber es steht viel mehr auf dem Spiel, als nur einfach guter Unterricht! Die Freunde lassen sich mit Hilfe von Herrn Hoppe wieder etwas Geniales einfallen und auch ihr Rektor, ihre Klassenlehrerin und die Bürgermeisterin sind mit eigenen Ideen mit von der Partie.
Petra Eimer verbindet als Autorin und Illustratorin wie gewohnt Bild und Schrift gekonnt miteinander. Dabei spielt sie wieder, um den Text aufzulockern, mit Schriftarten, - größen und -gestaltungen, dass es eine wahre Freude ist und bestimmt auch Lesemuffel dieses Buch ungern zur Seite legen werden.
Auch die gewohnt fröhlichen, bunten Bilder mit dem gewissen Pfiff und teilweise im Comicstil sind erneut eine Augenweide und immer sehr passend. Die Vermenschlichung der Tiere geschieht hierbei wieder in einem sehr vertretbaren Rahmen, noch dazu, wo es in diesem Band auch sehr um das Verstehen zwischen Mensch und Tier geht.
In diesem Band wird das Thema „Freundschaft“ und „Zusammenhalt“ noch einmal ganz großgeschrieben, denn echte Freunde kümmern sich umeinander und helfen einander, auch dann, wenn sie Fehler machen. Aber hier geht dies über die besten Freunde hinaus und erstreckt sich auch auf Klassenkameraden, die Hilfe benötigen.
Am Ende gibt es auf einer Doppelseite erst gemalte Bilder von Juli in der Schule und dann Fotos! von der echten Juli in der Schule, denn Petra Eimers fiktive Bücher basieren ja immer auf ihrem eigenen Erleben mit Sohn und Pferd, was ihren Geschichten stets das besondere Etwas gibt.
So ist dieser sechste Band wieder ein sehr lesenswertes (Kinder-)Buch, das menschliche Werte und die Verbundenheit mit (Haus-)Tieren an erste Stelle stellt und im Lebensumfeld von Kindern direkt angesiedelt ist.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Die Wahrheit währt am längsten

Das Lied des Vogelhändlers
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Auch in diesem Roman versteht es der Autor wieder, die Beschreibung eines damaligen Berufes geschickt in einem historischen Geschehen unterzubringen.
Durch seinen Hauptprotagonisten, den Vogelhändler Wigbert, ...

Auch in diesem Roman versteht es der Autor wieder, die Beschreibung eines damaligen Berufes geschickt in einem historischen Geschehen unterzubringen.
Durch seinen Hauptprotagonisten, den Vogelhändler Wigbert, erfahren wir viel über dessen Gewerbe, das Auffinden und Fangen von Vögeln, aber auch den Verkauf derselben. Das zeigt auch schon das Cover, das einen solchen unter dem Titel abbildet.
Dazu malt er uns durch seine Hauptprotagonistin Franziska von Hellenau, das Leben der damaligen Frauen, auch gerade der alleinstehenden und mittellosen adligen, vor Augen, aber auch das anderer adliger Frauen.
Der Kreuzzug, in dem Franziska mit ihrem Onkel mitzieht, wird ungeschönt und authentisch geschildert. Die verschiedenen Aufgaben der Mitreisenden werden den Lesenden plastisch vor Augen gemalt.
Der Wechsel in der Zeit von 1190 n. Chr. - beim Kreuzzug von Friedrich Barbarossa und Franziskas Erleben dabei - hin zu 1200 n. Chr. - beim Fest und Turnier auf der Burg Hachberg – bringen eine gewisse Spannung in die Geschichte, denn bei beiden Erzählsträngen möchte man gerne wissen, wie es weitergeht und wie sie sich später vereinen.
Diese Verbindung gelingt dem Autoren dann auch perfekt, als Franziska auf diesem Fest auftaucht. Ab hier verbindet er Wigberts und Franziskas Leben für eine Weile, bis sie sich wieder voneinander entfernen. Doch bevor dies geschieht, gibt es noch ein sehr spannendes, fulminantes Ende zu bestehen.
In die Handlung ist wieder geschickt eine allseits bekannte historische Persönlichkeit eingebaut, diesmal Walther von der Vogelweide, der seine Minne auch zum Besten geben darf.
Ein sehr gelungener, spannender, historischer Roman, der die Lesenden mitreißt und Ihnen auch wieder Neues beibringt – lesenswert!!!

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