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Liselottchen

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Kriminalistische Arbeit im zwölften Jahrhundert

Der Kriminale Inquisitor
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Als einer seiner Söhne tot aufgefunden wird, glaubt Isidor von Trossberg nicht an einen Unfall und beauftragt Jan von Granitweiler, kurz Granit genannt, den Fall näher in Augenschein zu nehmen. Der stellt ...

Als einer seiner Söhne tot aufgefunden wird, glaubt Isidor von Trossberg nicht an einen Unfall und beauftragt Jan von Granitweiler, kurz Granit genannt, den Fall näher in Augenschein zu nehmen. Der stellt schon bald fest, dass es Mord war, und begibt sich auf die Suche nach dem Täter. Doch er kommt nur zäh voran, und er kann auch den nächsten Mord nicht verhindern ...

Der Autor hat sich auf ein interessantes Thema gestürzt: Mordermittlungen in einer Zeit, in der es keinerlei Hilfsmittel, wie penible Rechtsmedizin, Spurensuche, Fingerabdrücke und Ähnliches gab. Granit kann sich also nur auf Befragungen und Beobachtungen verlassen und seine Figur war dreidimensional und fesselnd ausgearbeitet.
Anfangs kam ich nur langsam in die Story hinein, es sind zahlreiche Figuren, ungewöhnliche Namen und Begriffe, die jedoch mit Fußnoten erklärt werden. Der Autor hat gut recherchiert, ein düsteres Bild des 12. Jahrhunderts ist vor meinen Augen entstanden, in dem die Adligen noch alle Rechte hatten und die Bevölkerung hungern musste. Gerechtigkeit lag im Auge des Betrachters, Willkür war an der Tagesordnung, Krankheiten und vor allem der Pest, stand man ohnmächtig gegenüber. Mosaikartig entschlüsselt sich das Rätsel rund um die kriminellen Handlungen – zwischendurch hätte der Plot einen Tick mehr Tempo vertragen.
Ein paar Freiheiten hat sich der Autor auch genommen, so ist der Ausdruck »kriminaler Inquisitor« frei erfunden und auch der Kinderreim »Eene, meene, muh ...« Ist später entstanden – doch dafür hat er in anderen Bereichen detailgenaue Beschreibungen abgegeben. Ich war erleichtert, als ich das Buch zuklappen konnte und mich wieder in der Gegenwart befunden habe.
Lesenswert, spannend, mit historisch angepasstem Schreibstil, vor allem in den Dialogen, das fand ich wirklich gelungen. Gern empfehle ich das Buch allen Fans historischer Kriminalromane weiter.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Vorlesebuch über ein wichtiges Thema

Ups, ich darf auch Nein sagen
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Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, ...

Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, hat eine Begegnung mit einem Hund und Ähnliches. Leonora lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und dass sie Nein sagen darf und muss, wenn ihr etwas nicht geheuer ist. Es gibt allerdings auch Situationen, wo sie sozusagen »durch muss«, beispielsweise der Tante gratulieren oder zeitig am Morgen aufzustehen, damit sie pünktlich in die Schule kommt.

Dazwischen gibt es Abschnitte für Eltern, mit Tipps und Ratschlägen, die teilweise etwas belehrend rüberkommen und die jeder mit Hausverstand wissen könnte. Dennoch sind auch gute Vorschläge dabei, wie man beispielsweise mit den Kindern Situationen, die Mut erfordern, einüben kann.

Meine beiden ältesten Enkelinnen (5 und 7), haben die Geschichten rund um Leonora zeitweise ein wenig langweilig gefunden. Dadurch, dass die Autorin zahlreiche »lehrreiche« Situationen einbauen wollte, ist die Spannung ein wenig verloren gegangen. Kinder spüren schnell, wenn Bücher einen »Erziehungseffekt« haben sollen. Bei der Geschichte, in der Leo Leonora (die ähnlichen Namen sind gewollt?) auffordert, doch mit dem Roller die Rutsche hinunterzufahren, haben beide den Kopf geschüttelt. »Ich hätte gesagt, mach’s doch selbst«, hat meine jüngere Enkelin sofort eingeworfen. Die Ältere hat sich gleich bei der ersten Geschichte gewundert: Sie selbst liebe es, wenn ihre Mama ihr eine schöne Frisur macht und das ziepe nie, hat sie gemeint. Und sie hätten sich beide mehr Bilder gewünscht, es ist doch sehr viel Text für die Zielgruppe.
Fazit: Ein wichtiges Thema, das stellenweise ein wenig konstruiert aufbereitet wurde, dennoch ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Verborgenes Leben in ständiger Angst

Was die Zeit verschweigt
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Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ...

Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ist, kommt ihr gerade Recht. Sie erhält das Tagebuch von Sylvia, die zur damaligen Zeit die Schneiderin der Schauspielerin war und auch die Aufzeichnungen eines deutschen Offiziers, der als Wachkommandant eingeteilt war. Stück für Stück erfährt Ruby immer mehr über das Leben und die Gefahr, in der sich die Französinnen im von Deutschland besetzten Paris befunden haben. Doch auch Rubys Privatleben scheint mit der Vergangenheit verwoben zu sein.

Aus drei verschiedenen Perspektiven lässt einen die Autorin in die Geschichte eintauchen. Das gelingt ihr sehr gut. Die Kapitel im Paris der 1940er-Jahre sind beklemmend und ich habe mit den Frauen mitgezittert, die ständig Angst vor Verschleppung und Hinrichtung haben mussten. Sylvia, die eigentlich Polin ist und mit gefälschten Papieren in Paris lebt, ist eine starke Persönlichkeit, die sich bemüht loyal zu bleiben. Ich fand die Gegenüberstellung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gelungen: Ruby, die ebenfalls tapfer gegen den Krebs kämpft und die Frauen im Paris während der schwierigen Zeit der deutschen Besatzung. Die Angst ist allgegenwärtig: die Angst, dass er Krebs zurückkehrt und die Angst, vor Entdeckung durch die Nationalsozialisten.
Das Buch hat für mich eine starke Sogwirkung, ich konnte es nicht zur Seite legen. Nachdem es mir zwischendrin manchmal etwas zu langsam voranging, war mir der Schluss – der unerwartet aus zwei neuen Perspektiven geschildert wurde – ein wenig zu kurz, vor allem auch, was Rubys Krebserkrankung betrifft.
Trotz der kleinen Kritikpunkte: ein wundervoll geschriebener Roman, in dem Historisches und Zeitgenössisches gekonnt verwoben werden.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Süßer Wohlfühlroman mit Happy End

Zurück ins Leben getanzt
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Daria entgeht in Indien nur knapp einer Massenvergewaltigung, wird jedoch schwer verletzt und traumatisiert. Sie kann ihr Zimmer kaum, verlassen, einzig die Musik der Band »Runenherz« und hier vor allem ...

Daria entgeht in Indien nur knapp einer Massenvergewaltigung, wird jedoch schwer verletzt und traumatisiert. Sie kann ihr Zimmer kaum, verlassen, einzig die Musik der Band »Runenherz« und hier vor allem Bandmitglied Erik geben ihr ein bisschen Kraft. Ihre Eltern verschaffen ihr schließlich eine Eintrittskarte mit Backstage-Treffen der Jungs, so kommt sie ihrem Idol näher als gedacht. Nach einer leidenschaftlichen Nacht geht es ihr besser, selbst als sie schwanger wird und Erik nichts davon wissen will, findet sie Kraft, allein für ihr Kind da zu sein und eine Ausbildung zur Tanztherapeutin zu absolvieren. Sieben Jahre später werden die Karten neu gemischt: Erik ist nach einem Unfall depressiv und wird ausgerechnet in jener Klinik behandelt, in der Daria als Tanztherapeutin angestellt ist ...

Was für eine gefühlvolle Geschichte! Von Beginn an war ich mitten im Geschehen, durch den bildhaften Schreibstil der Autorin. Es ist nicht mein erstes Buch von der Autorin, daher weiß ich, dass sie eine Meisterin darin ist, Gefühle mittels Worten zu transportieren. Die Stimmung von Daria nach dem Überfall, ihre Faszination für Erik und auch seine Emotionen hat sie wundervoll nahegebracht. Ein besonderes Highlight ist die kleine Frieda, liebenswert, unkompliziert, fröhlich. Darias Eltern sind Menschen mit Herzenswärme, wer wünscht sich nicht solche Eltern? Und ihre Freundin Chloe ist ebenfalls ein Anker für Daria.
Natürlich ist manches ein wenig kitschig und märchenhaft, das darf es für mich in einer Wohlfühlgeschichte jedoch durchaus sein. Den ersten Teil dieser Reihe kannte ich nicht, dennoch hatte ich keine Probleme, der Handlung zu folgen. Ein sehr schönes Buch, das ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Gefährliche Weihnachtsplätzchen

Mord an Weihnachten
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Staatsanwalt Jacobsen wollte nur einen kurzen Besuch in seiner Heimat verbringen, und verbringt mit seiner Jugendfreundin Lina ein wenig Zeit auf dem Weihnachtsmarkt. Doch dann brechen mehrere Leute nach ...

Staatsanwalt Jacobsen wollte nur einen kurzen Besuch in seiner Heimat verbringen, und verbringt mit seiner Jugendfreundin Lina ein wenig Zeit auf dem Weihnachtsmarkt. Doch dann brechen mehrere Leute nach dem Genuss von eben gekauften Keksen, vor seinen Augen zusammen. Am Ende gibt es sogar einen Todesfall: Jasper Wögens, der von vielen wegen einer ihm angelasteten Brandstiftung gemieden wird. War es ein gezielter Anschlag auf ihn? Obwohl Jacobsen nicht bleiben wollte, übernimmt er die Ermittlungen, gemeinsam mit einem bewährten Team.

Wieder einmal ist der Autorin – wie schon in Band 1 – ein spannender Krimi gelungen. Aus den verschiedenen Blickwinkeln der Ermittler und einer Ermittlerin wird der Fall puzzleartig aufgeschlüsselt und die Wahrheit ans Licht gebracht. Ich habe mitgerätselt und wurde am Schluss überrascht. Auch der weihnachtliche Touch und die privaten menschlichen Hintergründe der beteiligten Personen gefielen mir gut. Die Autorin hat einen bildhaften flüssig lesbaren Schreibstil, der mich flott durch die Seiten trug. Wer gerne Cosy Crime liest und auf blutige Details verzichten kann, der oder die ist hier genau richtig.
Solide Ermittlungen, sympathische Figuren, das winterliche Inselflair von Föhr – ein Krimi, den ich sehr gern weiterempfehle.

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