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Liselottchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2025

Ein Hase büchst aus

Jim Salabim und der Mogel-Strauß
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Jim, der Hase, lebt mit anderen Tieren in einem Zauberhut und wird bei jeder Show aus dem Hut »gezaubert«. Doch dazwischen ist ihm langweilig. Er will den Hut verlassen und auf Abenteuersuche gehen. Mit ...

Jim, der Hase, lebt mit anderen Tieren in einem Zauberhut und wird bei jeder Show aus dem Hut »gezaubert«. Doch dazwischen ist ihm langweilig. Er will den Hut verlassen und auf Abenteuersuche gehen. Mit von der Partie sind ein Dutzend Küken. Doch die Tauben passen auf und verfolgen die Ausreißer ...

Ich habe das Buch zusammen mit meiner Enkelin, die gerade die erste Klasse hinter sich hat, gelesen. Die Idee vom Zauberhut, in dem alle Tiere leben, fanden wir toll und dass es dem Hasen da zu eng wird, ist nachvollziehbar. Die Zeichnungen sind lustig und die bunt gestalteten Bilder laden zum Entdecken ein. Es sind zahlreiche lustige Ideen drin, wie beispielsweise, dass sich der Hase auf der Flucht in ein Hasenkostüm steckt. Die Ereignisse sind aneinandergereiht, teilweise war meine Enkelin verwirrt – ist der Zauberstab nun echt oder der Zauberer nur ein Schwindler? Manche Formulierungen sind eher für Erwachsene gedacht: Insta-Bamm und Klick-Klock, meine Enkelin ist noch ohne Handy und kennt die sozialen Netzwerke (zum Glück) nicht. Das Bild gegen Ende ist ansprechend, der Hase genießt seine Freiheit und liegt mit den Küken auf einer Wiese. Dabei hätte man es belassen können – das letzte Bild vom Zauberer mit den Tauben, der ihnen den Auftrag gibt, die Ausreißer zu suchen, lässt quasi das Ende offen.
Fazit: ein liebevoll illustriertes Bilderbuch, das meine Enkelin gern gelesen hat.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Historischer Roman mit tollem Ambiente

Das Geschenk des Meeres
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In einem schottischen Dorf um 1900 passiert etwas Merkwürdiges: Der Junge, den der Fischer Joseph aus dem Meer rettet, ähnelt fast aufs Haar Moses, dem Kind der Lehrerin Dorothy, das vor Jahren verschwand ...

In einem schottischen Dorf um 1900 passiert etwas Merkwürdiges: Der Junge, den der Fischer Joseph aus dem Meer rettet, ähnelt fast aufs Haar Moses, dem Kind der Lehrerin Dorothy, das vor Jahren verschwand und von dem alle glaubten, er sei damals ertrunken. Es ist doch nicht möglich, dass Moses wiedergekommen ist und immer noch der kleine Junge ist, der er war? Dorothy nimmt ihn bei sich auf und steigert sich mehr und mehr in die Fantasie hinein, dass der Junge, der nicht spricht, ihr Moses sein muss. Das gesamte Dorf rätselt mit ...

Das Buch hat mich vom ersten Moment an in den Bann gezogen und ich konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin entblättert langsam die gesamte Geschichte, switcht zwischen damals und jetzt hin und her, in verschiedenen Perspektiven. Die Figuren sind alle plastisch und hautnah dargestellt, keine ist nur böse (mit Ausnahme der schlagenden Ehemänner) und keine ist nur gut. Im Lauf der Story ist mir jede Einzelne nahegekommen. Besonders gefiel mir, dass jede der Figuren eine Entwicklung durchmacht und dass man am Schluss ein anderes Bild von allen Personen bekommt. Der sprachgewaltige Schreibstil der Autorin schafft ein Bild von Schottland zur Jahrhundertwende (1900) und das Leben in der engen Dorfgemeinschaft. Es gibt auch einen (kleinen) mystischen Aspekt, den es für mich nicht gebraucht hätte und am Schluss hätte ich mir gern noch eine bestimmte Szene gewünscht, die etwas mit Wiedersehensfreude zu tun hat. Das ist schade, vor allem hätte ich es der Figur Dorothy gegönnt, mehr kann ich hier, ohne zu spoilern, nicht verraten. Trotzdem ist das Ende versöhnlich und ich habe das literarische Werk sehr genossen.
Eine absolute Leseempfehlung für alle, die gern historische Roman mit tollem Ambiente und einer wirklich fesselnden Story lesen.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Ein Nachruf auf die ermordete Schwester

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Vor knapp dreißig Jahren wurde Liliana, die Schwester der Autorin, im Alter von zwanzig Jahren stranguliert aufgefunden. Als Mörder steht schon bald ihr Ex-Freund Angel fest, zu dem sie eine toxische Beziehung ...

Vor knapp dreißig Jahren wurde Liliana, die Schwester der Autorin, im Alter von zwanzig Jahren stranguliert aufgefunden. Als Mörder steht schon bald ihr Ex-Freund Angel fest, zu dem sie eine toxische Beziehung hatte. Er wurde jedoch niemals für seine Tat vor Gericht gestellt, da er sich durch Flucht entzogen hat – für die Familie bis heute ein wunder Punkt.
Das Buch beginnt mit der Suche der Autorin nach der Ermittlungsakte ihrer Schwester. Eine Odyssee, man schickt sie in Mexiko-Stadt von einem Büro ins andere, am Schluss vergeblich. Da beschließt sie, ihre Schwester mit Erinnerungen zu verewigen, es kommen die Eltern, zahlreiche Mitstudentinnen und -studenten, sowie ihre Freundinnen, Nachbarn und sonstige Wegbegleiter zu Wort. Auch Briefe und Notizen von Liliana finden ihren Platz. Sie ergeben das Bild eines lebenslustigen, fröhlichen Mädchens, das ihr Dasein genossen hat und von allen geliebt wurde, jedoch sich selbst mit der Liebe zu den Männern schwergetan hat.
Man gewinnt Einblicke in das Leben in Mexiko, über den Umgang mit den Frauen in diesem Land und die Entwicklung in den dreißig Jahren nach Lilianas Tod. Unglaublich, wie Frauen behandelt und unterdrückt wurden, teilweise zieht sich das bis heute. Die Arbeitsmoral der Behörden ist bestenfalls als gleichgültig zu bezeichnen. Dass Ermittlungsakte einfach verschwinden, obwohl der Täter nie gefasst wurde, ist unerhört. Die Autorin verarbeitet nach so vielen Jahren den Tod ihrer Schwester, das ist durchaus gelungen. Besonders schockiert hat mich, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Tat außer Landes waren und als sie zurückkamen, war ihre Tochter Liliana bereits beerdigt. Heutzutage mit den Handys undenkbar, sogar in Mexikol
Für mich war es interessant und informativ zu lesen, doch ich hätte mir ein wenig mehr Ordnung und Struktur gewünscht. Beispielsweise wäre eine geschlossene Berichterstattung des Tathergangs am Anfang hilfreich gewesen, nicht die schichtartige Enthüllung durch Zeitungsartikel und Zeugen im letzten Drittel. Über Lilianas Charakter erfährt man nur puzzleartig manches und nicht alles lässt sie sympathisch erscheinen. Mir fehlte zudem ein wenig die Beziehung zu ihrer Schwester, der Autorin, die für mich am Rand bleibt. Auch die Autorin selbst hält sich bedeckt, und sie gibt kaum etwas über sich preis.
Unter dem Strich eine literarische Erzählung, einem Bild von Mexiko und einem offen gehaltenen Schluss. Warum die Akte verschwunden ist – schließlich handelt es sich um einen Cold Case, hat sich mir leider nicht erklärt.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Eine unerwartete Erbschaft, Gin und Liebe

Unwiderstehlich verliebt in den schottischen Highlands
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Lana hat wenig Selbstbewusstsein, lässt sich sowohl von ihrem Verlobten Sean als auch von ihrer Mutter. Da flattert ein Brief in ihr Haus, ein unbekannter Lord aus Schottland hat ihr sein Schloss plus ...

Lana hat wenig Selbstbewusstsein, lässt sich sowohl von ihrem Verlobten Sean als auch von ihrer Mutter. Da flattert ein Brief in ihr Haus, ein unbekannter Lord aus Schottland hat ihr sein Schloss plus Destillerie vermacht. Obwohl ihr Verlobter dagegen ist, reist sie hin, zieht in das Schloss ein und möchte zusammen mit Roland, dem Brandmeister der Destillerie, die Firma fortführen. Doch ihr Verlobter drängt auf Verkauf ...

In der Story war ich vom ersten Augenblick an mitten drin und habe mit Lana gelitten, die sich sogar bei den Hochzeitsvorbereitungen bevormunden lassen muss.
Die Autorin hat einen erfrischend fröhlichen Schreibstil, der mit lebendigen Dialogen durch die Story trägt. Ein Wohlfühlbuch, das mit liebenswerten Figuren und einem fantastisch spürbaren Ambiente aufwartet. Zudem gibt es Wendungen und Überraschungen, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten. Die Entwicklung von Lana am Schluss hat mich befriedigt zurückgelassen. Eine leichte Sommerlektüre, die ich allen Lesenden für schöne Stunden empfehle.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Wenn schlimme Erinnerungen verdrängt werden

Furye
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Alec ist über vierzig und hat sich ein erfolgreiches Berufsleben aufgebaut, sie leitet eine Agentur und betreut hauptsächlich einen exzentrischen Musiker. Privat versucht sie verzweifelt, mit Hilfe künstlicher ...

Alec ist über vierzig und hat sich ein erfolgreiches Berufsleben aufgebaut, sie leitet eine Agentur und betreut hauptsächlich einen exzentrischen Musiker. Privat versucht sie verzweifelt, mit Hilfe künstlicher Befruchtung schwanger zu werden, ein emotional und finanziell aufwändiges Unterfangen, das von zahlreichen Fehlschlägen begleitet ist. Zudem plagen sie Albträume und Halluzinationen. Ein Anruf verleitet sie dazu, an den Ort ihrer Vergangenheit zu fahren. Damals als sie siebzehn war und mit ihren beiden Freundinnen Meg und Tess viel Zeit verbracht hat. Auch ihre erste Liebe Romain durfte sie erleben. Doch eines Tages wird Tess tot im Pool aufgefunden und die scheinbare Idylle findet ein jähes Ende ...

Den richtigen Namen der Protagonistin und ihren Freundinnen wird man nie erfahren, sie haben sich nach den drei Furien benannt, das gibt der Geschichte einen besonderen Touch. Es dauerte ein wenig, bis ich mich auf die Story einlassen konnte, der Schreibstil ist ungewöhnlich, viele direkten Reden werden nicht mit Apostroph gekennzeichnet, viele schon, das irritierte mich. Auch die kryptischen Sätze, die ihre Informationen nur tröpfchenweise preisgeben, waren anfangs anstrengend. Doch die Handlung nimmt schnell an Fahrt auf, mosaikartig werden die Geschehnisse der Vergangenheit enthüllt. Es sind erschütternde Enthüllungen, die nach und nach entblättert werden. So war beispielsweise der Vater von Tess ein Schläger, der seine Familie tyrannisiert, Meg wurde sexuell belästigt und auch Alec fand kein Glück in der Liebe zu Romain. Gegenwart und Vergangenheit werden schichtweise erzählt. Es ist kein leicht verdaulicher Roman, den man schnell »weglesen« kann, vieles wird nur in wenigen einprägsamen Worten vermittelt, manches steht zwischen den Zeilen. Der Schluss kam mit einer versöhnlichen Überraschung, die ich so nicht erwartet hätte.
Ein tiefgründiges Buch, dass mich nach kurzen Startschwierigkeiten berührt und begeistert hat, eine Leseempfehlung für alle, die tiefsinnige Literatur mit nicht alltäglicher Sprache mögen.


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