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Lynn253

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.07.2026

Interessanter Reihenauftakt

Nobody's Quest
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In Nobody's Quest wurde die Göttin Artemisen von ihrer kriegerischen Schwester eingesperrt. Seitdem herrschen in Altarra immer düster werdende Bedingungen: Schneefälle bleiben aus, Ernten verdorren und ...

In Nobody's Quest wurde die Göttin Artemisen von ihrer kriegerischen Schwester eingesperrt. Seitdem herrschen in Altarra immer düster werdende Bedingungen: Schneefälle bleiben aus, Ernten verdorren und die brutalen wie gefährlichen Zhagarn fallen ein. Um das Land zu retten, beauftragt der König eine zusammengewürfelte Gruppe damit, die Schlüssel zu finden, mit denen Artemisen befreit werden kann. Zur Reisegruppe gehören Prinz Kaelen, der Erbe eines verlorenen Königreichs, eine Magierin, zwei geheimnisvolle Krieger, zwei Soldaten des Königs, ein Dieb und natürlich die Protagonistin Soli.

Soli ist eine Waise, Leibeigene und wird aufgrund ihrer psychischen Erkrankung stigmatisiert. Seit ihrem vierten Lebensjahr lebt sie unter unmenschlichen Bedingungen – und ist trotzdem ein mutiger, ehrlicher und starker Mensch geblieben. Für mich wurde sehr eindrücklich geschildert, was sie in ihrer Vergangenheit erlebt hat und wie sehr diese Erfahrungen ihr Selbstbild geprägt haben. Sie sieht sich selbst als "Niemand". Genau hier setzt auch die spannende Prämisse der Geschichte an: Einer Prophezeiung zufolge kann niemand das Amulett der Göttin berühren und überleben. Doch Soli ist ein "Niemand" – und sie überlebt.
Besonders schön fand ich ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte. Nach und nach gewinnt sie an Selbstvertrauen und beginnt, ihren eigenen Wert zu erkennen. Dass dieser Weg alles andere als einfach oder gradlinig verläuft, wurde für mich sehr einfühlsam dargestellt.
Ein weiteres Detail, das ich spannend fand: Soli hat in einer Bibliothek gearbeitet und sich durch Bücher unglaublich viel Wissen angeeignet. Gleichzeitig hat sie vieles, worüber sie gelesen hat, selbst nie erlebt oder ausprobiert. Diese Kombination aus großem theoretischem Wissen und fehlender eigener Erfahrung fand ich ein wirklich interessantes Konzept.

Besonders hervorheben möchte ich außerdem die Darstellung von Depression beziehungsweise psychischer Erkrankung. Soweit ich mich erinnern kann, ist mir dieses Thema in einem Fantasyroman bisher noch nicht begegnet. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass es hier Raum bekommt und so selbstverständlich in die Geschichte eingebunden wurde. Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass die Autorin im Nachwort darauf eingeht, dass eine depressive Episode in der Realität nicht zwangsläufig so schnell überwunden ist wie in Solis Geschichte. Diese Einordnung fand ich als Leserin sehr hilfreich.

Auch die übrigen Figuren haben mir gut gefallen. Sie bringen ganz unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven mit, wodurch eine interessante Gruppendynamik entsteht. Es hat Spaß gemacht zu verfolgen, wie sie nach und nach zusammenwachsen und trotz aller Unterschiede unerwartete Gemeinsamkeiten entdecken. Gleichzeitig bleibt auch die Reise selbst spannend und hält einige überraschende Wendungen bereit.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Er ließ sich sehr angenehm lesen und ich konnte mir die Figuren, Orte und Szenen jederzeit gut vorstellen. Auch die Fantasy-Welt war interessant aufgebaut und wurde so erklärt, dass ich mich gut zurechtgefunden habe, ohne von Informationen erschlagen zu werden.

Ein kleiner Kritikpunkt war für mich allerdings die Beziehung zwischen Soli und Prinz Kaelan. Die Liebesgeschichte hat mich nicht immer ganz abgeholt. Auf mich wirkte es manchmal etwas widersprüchlich, dass Soli einerseits eher isoliert aufgewachsen ist, andererseits aber in Bezug auf Sexualität und Beziehungen teilweise sehr erwachsen beziehungsweise reflektiert wirkt. Das hat für mich nicht immer ganz zusammengepasst.

Insgesamt hat mir Nobody's Quest aber richtig gut gefallen. Vor allem Solis Entwicklung, die interessanten Figuren und die gelungene Verbindung aus Fantasy und der sensiblen Auseinandersetzung mit psychischer Erkrankung machen das Buch für mich zu etwas Besonderem. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

Veröffentlicht am 24.01.2026

Trotz spannenden Settings nicht so ganz überzeugt

A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1
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Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend ...

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend - mit vergangenen Kriegen, mysteriösen Ungeheuern und fragwürdigen königlichen Traditionen. Auch Tamsyns Rolle als "Prügelmädchen" finde ich sehr spannend. Sie ist diejenige, die die Bestrafungen der Prinzensinnen auf sich nimmt, ist Teil der königlichen Familie und auch wieder nicht.

Die Umsetzung dieser Geschichte ist allerdings nicht so ganz meins. Ein Punkt war, dass die beiden "überraschenden Wendungen", die gegen Ende der Geschichte vorkamen, eigentlich die ganze Zeit über abzusehen waren. Dadurch hat für mich ein bisschen Spannung gefehlt. Foreshadowing ist toll, aber hier hatte ich das Gefühl ständig mit ziemlich offensichtlichen Hinweisen konfrontiert zu werden. Stattdessen hätte ich ein bisschen mehr Unerwartetes spannend gefunden.

Ein zweiter Punkt war für mich, dass auch die Sprache und Erzählweise für mich nicht immer gepasst hat. Das Setting mutet eigentlich historisch an - Königreiche, Reisen zu Pferd. Die Sprache stand für mich im Widerspruch dazu. Vor allem in der wörtlichen Rede fanden sich immer wieder moderne Ausdrücke; teilweise schien mir die Ausdrucksweise auch ein bisschen vulgär.

Der dritte Punkt ist für mich der emotionale Zugang zu den beiden Protagonisten, Tamsyn und Fell. Zum einen hatte ich nicht das Gefühl, besonders viel über ihre Innenwelt zu erfahren. Beide haben sehr traumatische Erfahrungen gemacht, und ich hätte mir gewünscht, dass dies anders dargestellt worden wäre. Dass sie anfangen, ihre Erinnerungen zu verarbeiten, sich weiterentwickeln... vielleicht kommt das in Band 2, aber ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diesen lesen werden.
Darüber hinaus war auch die Beziehung zwischen Tamsyn und Fell überwiegend von körperlicher Anziehung geprägt. Und während diese Aspekte in aller Plastizität geschildert wurden, habe ich nicht viel von einer emotionalen Verbindung gesehen. Das fand ich sehr schade!

Insgesamt hat diese Geschichte für mich viel Potential gehabt, das leider nicht so genutzt wurde, dass ich viel damit anfangen konnte.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Absolut magisch!

Tale of Sun and Night (Tale of Sun and Night 1)
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Ich bin absolut begeistert von Magdalena Gammels Tale of Sun and Night. Die Welt, die sie hier erschaffen hat, ist stellenweise komplex, aber unglaublich faszinierend – und vor allem sehr originell. Träume ...

Ich bin absolut begeistert von Magdalena Gammels Tale of Sun and Night. Die Welt, die sie hier erschaffen hat, ist stellenweise komplex, aber unglaublich faszinierend – und vor allem sehr originell. Träume und Traumstaub spielen eine zentrale Rolle und Magie wird von Traumwebern in Form von Mandalas gewirkt. Dieses zunächst recht komplexe System wird nach und nach verständlich erklärt, ohne den Lesefluss zu stören. Die Hintergründe und Erklärungen haben sich für mich immer gut in den Handlungsfluss eingefügt.
Neben bekannten magischen Kreaturen wie Phönix oder Nachtmahr begegnet man auch ganz neuen Wesen. Beispielsweise gibt es Nugen, die als außergewöhnlich robuste Reittiere dienen. Auch die im Buch enthaltene Landkarte ist sehr schön gestaltet und für mich tatsächlich notwendig gewesen, um den Überblick zu behalten – gerade zu Beginn haben mich die vielen Ortsnamen etwas verwirrt.

Die Handlung war durchgehend spannend, mit mehreren überraschenden Wendungen. Besonders gefallen haben mir außerdem Sprache und Erzählstil. Für mich war es eine sehr gelungene Mischung aus bildhafter, stellenweise fast poetischer Sprache und der zugleich sarkastischen Perspektive der Protagonistin Lio.
Lio ist eine vielschichtige und eindrucksvolle Figur: mutig, zäh, hat Furchtbares erlebt und lässt sich nie unterkriegen. Ich fand gerade ihren inneren Konflikt – die Suche nach Freiheit, und Heimat; das Verarbeiten ihrer traumatischen Vergangenheit – sehr eindrücklich dargestellt.

Auch die Nebenfiguren sind unterschiedlich, lebendig und überzeugend ausgearbeitet.
Hervorheben möchte ich außerdem die Darstellung der Beziehung zwischen Lio und Izan. Am Anfang wirkt er ziemlich undurchschaubar und ich habe ihn nicht ganz einschätzen können. Im Laufe der Geschichte habe ich ihn dann aber als jemanden wahrgenommen, der Lio auf Augenhöhe begegnet, der ihre Stärke respektiert, von ihrem Kampfgeist beeindruckt ist, sie unterstützt und darin bestärkt ihre Kämpfe selbst auszutragen. Seine Einfühlsamkeit im Umgang mit ihren Traumata, seine Offenheit gegenüber seinen Gefühlen sowie seine Weigerung, Macht oder Manipulation auszunutzen, haben ihn für mich zu einer ungewöhnlich wohltuenden männlichen Hauptfigur gemacht.

Fazit: Ich bin absolut begeistert von Worldbuilding, Schreibstil und Charakteren und sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Beeindruckende Mischung aus Fantasy und medizinischer Forschung

Verlorenes Herz (The Last Bloodcarver, Band 1)
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Besonders beeindruckt haben mich das Magiesystem und das Worldbuilding. Der Roman verbindet auf sehr gelungene Weise historisch anmutende Fantasy mit medizinischer Forschung und technokratischen Elementen. ...

Besonders beeindruckt haben mich das Magiesystem und das Worldbuilding. Der Roman verbindet auf sehr gelungene Weise historisch anmutende Fantasy mit medizinischer Forschung und technokratischen Elementen. Vor allem das Zusammenspiel aus der magischen Gabe der sogenannten Heartsooths – die mit reiner Gedankenkraft die Elemente eines Körpers verändern können – und präzisen, medizinischen Details hat mich fasziniert. Das Magiesystem fühlte sich für mich insgesamt neu und originell an und fügt sich erstaunlich nahtlos in wissenschaftliche Denkweisen und medizinische Erkenntnisse ein.
Besonders interessant fand ich auch den Ansatz, dass innerhalb der Welt niemand genau (mehr) genau zu wissen scheint, wie oder warum diese Magie funktioniert. Stattdessen entwickelt die Protagonistin Nhika ihre ganz eigene Erklärung dafür.

Die Handlung ist insgesamt spannend und enthält deutliche Krimi-Elemente, darunter ein Mordfall, den es aufzuklären gilt. Dabei soll Nhika mithilfe ihrer Heartsooth-Gabe einen wichtigen Zeugen aus dem Koma wecken.

Der Schreibstil hat mir überwiegend gut gefallen. Viele Szenen konnte ich mir lebhaft vorstellen, und Gefühle sowie Stimmungen wurden überzeugend transportiert. Vereinzelt wirkten jedoch Formulierungen etwas befremdlich auf mich. So habe ich beispielsweise eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was mit „jemanden meißeln“ gemeint ist. Möglicherweise ist das der Übersetzung geschuldet.

Sehr berührend dargestellt fand ich Nhikas Trauer und die tiefen Wunden, die der Verlust ihrer Familie, ihrer Heimat und ihrer Kultur hinterlassen hat. Sie hat ihre Eltern und ihre Großmutter verloren, die sie in ihrer Gabe unterwiesen hat, ebenso wie ihr Zuhause und damit Teile ihrer Geschichte. Die Heartsooths wurden vertrieben, unterdrückt und gefürchtet – Ereignisse, die zwar vor Beginn der eigentlichen Handlung liegen, aber in Nhikas Denken und Handeln stets präsent sind. Ihre Einsamkeit und ihr Gefühl der Entwurzelung waren für mich besonders eindringlich und emotional beschrieben.
Weniger nachvollziehen konnte ich hingegen die Beziehung zwischen Nhika und dem Arztgehilfen Ven Kochin. Über lange Zeit hinweg teilt man als Leserin oder Leser Nhikas negatives Bild von ihm, doch dann fasst sie – trotz erschütternder Erkenntnisse – recht plötzlich Vertrauen zu ihm. Dieser Wandel und die daraus folgenden Entscheidungen wirkten auf mich nicht ganz logisch.

Trotz dieser Kritikpunkte ist es insgesamt ein spannender Roman, der vor allem durch sein außergewöhnliches Worldbuilding und sein originelles Magiesystem überzeugt.

Veröffentlicht am 08.12.2025

Spannende dystopische Welt

To Cage a Wild Bird
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In "To Cage a Wild Bird" schafft Brooke Fast eine komplexe wir brutale dystopische Welt. Ich habe schon eine Reihe Dystopien gelesen und habe mich vom Klappentext her beispielsweise ein bisschen an "Tribute ...

In "To Cage a Wild Bird" schafft Brooke Fast eine komplexe wir brutale dystopische Welt. Ich habe schon eine Reihe Dystopien gelesen und habe mich vom Klappentext her beispielsweise ein bisschen an "Tribute von Panem" erinnert gefühlt. Aber beim Lesen der Geschichte habe ich schnell festgestellt, dass diese Welt viele neue Elemente enthält, sodass es wirklich spannend war, sie kennenzulernen.
Der Schreibstil war für mich sehr angenehm zu lesen und ich bin gut durch das Buch gekommen. Szenen waren gekonnt aufgebaut, ich konnte mir die Orte gut vorstellen und auch mit der Protagonistin, Raven, mitfühlen. Raven war für mich ein spannender Charakter. Sie ist mutig und stark, kämpft verbissen für ihren Bruder und ist alles andere als idealistisch. Gerade das war für mich sehr plausibel, angesichts der harten Lebensumstände, unter denen die meisten Menschen in dieser Welt ausharren. Raven will nicht die Welt verändern, sie will nicht alle retten. Aber sie kämpft mit allem, was sie hat, um ihrem Bruder das bestmögliche Leben zu bieten.
Darüber hinaus fand ich es auch sehr schön zu sehen, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert und wie sie mit den anderen Charakteren interagiert, die sie im Roman kennenlernt. Nach und nach wird aus einer Einzelgängerin ein Teammitglied.

Die Handlung war spannend und abwechslungsreich und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht. Trotzdem hier ein kleiner Kritikpunkt: überraschende Wendungen waren für mich häufig nicht ganz so überraschend. Hier hätte ich ein bisschen mehr wirklich vollkommen Unerwartetes spannend gefunden.

Das Ganze endet dann mit einem Cliffhanger - bisschen fies, aber ich bin natürlich sehr gespannt, wie es weitergeht.

Insgesamt eine spannende Geschichte mit einer interessanten Protagonistin.