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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Bücherwürmer und Computer-Nerds

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
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Clay Jannon hat seinen Job als Webdesigner aufgrund der Rezession verloren. Auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Stelle landet er schließlich als Aushilfe in der Buchhandlung des Mr. Penumbra. ...

Clay Jannon hat seinen Job als Webdesigner aufgrund der Rezession verloren. Auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Stelle landet er schließlich als Aushilfe in der Buchhandlung des Mr. Penumbra. Die Buchhandlung ist rund um die Uhr geöffnet und Clay übernimmt die Nachtschicht. Das Sortiment ist überschaubar, Kundschaft eher spärlich (besonders nachts). Die Hauptklientel sind Besucher, die sich nicht für den vorderen Teil des Ladens sondern für die „Ladenhüter“ im hinteren Teil interessieren, sie ausleihen oder zurückbringen. Clay versucht mit Hilfe von Freunden und moderner Computertechnik (ich sage nur GOOGLE), dem mysteriösen Treiben und den Geheimnissen hinter der seltsamen Buchhandlung auf die Spur zu kommen.
Da ich kein großer Fantasy-Fan bin, hätte ich mir das Buch wahrscheinlich nicht gekauft. Umso schöner, dass ich es zufällig in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt habe. Ansonsten wäre mir doch tatsächlich ein spannendes Buch entgangen, das ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe.
Verstaubte Bücher und modernste IT-Technologie treffen aufeinander, ohne das eine oder andere zu verklären oder zu verteufeln. Bücher wie auch Computer sind letztendlich nur Medien, was das Leben wirklich ausmacht sind Dinge wie Neugier, Freundschaft und Leidenschaft.

Sloan hat Fakten und Fiktion gekonnt miteinander vermischt und verschrobene, aber überwiegend liebenswerte Charaktere (Bücherwürmer und IT-Nerds) geschaffen. Entstanden ist eine überaus spannende und unterhaltsame Geschichte, die ich mit Begeisterung gelesen habe.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

kurzweilige Lektüre zum Thema Essen

Essen
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Der Hanser Verlag hat bekannte deutschsprachige Autor:innen gebeten, sich Gedanken zu den wesentlichen Themen des Lebens (Altern, Streiten, Lieben, Schlafen, Arbeiten, Wohnen, etc.) zu machen. Nachdem ...

Der Hanser Verlag hat bekannte deutschsprachige Autor:innen gebeten, sich Gedanken zu den wesentlichen Themen des Lebens (Altern, Streiten, Lieben, Schlafen, Arbeiten, Wohnen, etc.) zu machen. Nachdem ich bereits Elke Heidenreichs „Alter“ und Doris Dörries „Wohnen“ sehr gern gelesen habe, war nun Alina Bronskys „Essen“ an der Reihe.
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges. Erst als Jugendliche kam sie nach Deutschland und fand die deutsche Küche durchaus gewöhnungsbedürftig: statt nahrhaftem Haferbrei zum Frühstück nur mehlstäubende Brötchen mit Marmelade, Käse oder Aufschnitt, das ist doch kein Essen! Nur warme Mahlzeiten sind ein richtiges Essen, da mutet auch das deutsche „Abendbrot“ recht seltsam an, schon wieder nur Brot (wenn auch unendlich viele Sorten) mit Käse, Aufschnitt, etc.
„Essen“ ist ein Buch mit kleinen Geschichten aus Bronskys Leben, eine sehr subjektive Erzählung über ihre persönliche Beziehung zu Haferbrei und Co. Sie erzählt über Familie und Freunde, über ihre Kindheit und Erwachsenwerden und stellt die Gerichte vor, die für sie damit verbunden sind. Neben dem erwähnten Haferbrei gehören u.a. auch Frikadellen, Borschtsch und Quarkauflauf dazu, einfach zuzubereitende Gerichte ohne Schnickschnack oder ausgefallene Zutaten.
Alina Bronsky schreibt humorvoll und amüsant, die kleinen Geschichten sind manchmal heiter, manchmal sentimental.
„Essen“ ist ein lebendig und kurzweilig geschriebenes Buch, das ich mit Vergnügen gelesen habe.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Happy Family - auch im wirklichen Leben?

Die Kinder sind Könige
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Mélanie ist mit TV Reality-Formaten wie „Big Brother“ aufgewachsen. Gern wäre sie selbst zum TV- Reality Star geworden, ist aber gescheitert. Verheiratet und Mutter von zwei Kindern, dem 6-jährigen Sammy ...

Mélanie ist mit TV Reality-Formaten wie „Big Brother“ aufgewachsen. Gern wäre sie selbst zum TV- Reality Star geworden, ist aber gescheitert. Verheiratet und Mutter von zwei Kindern, dem 6-jährigen Sammy und seiner 4-jähirgen Schwester Kimmy, hat sie Social Media für sich entdeckt und betreibt einen extrem erfolgreichen „Happy Family“ Kanal auf Youtube, postet täglich auf Instagram und Co.
Stars dieser Kanäle sind ihre beiden Kinder, die dressiert wie Zirkusäffchen, täglich für Filmchen und Fotos posieren müssen, um viele Likes zu generieren, die richtig viel Geld bedeuten. Mélanie genießt die Berühmtheit, fühlt sich geliebt und bewundert, der Verlust von Privatsphäre stört sie nicht. Für ihre Kinder ist es nicht so spaßig – kein ungestörtes Spielen, keine Freunde, ständig unter Kamerabeobachtung. Und dann ist eines Tages die kleine Kimmy spurlos verschwunden – wurde sie entführt?
Delphine de Vigan lässt den Leser an den Ermittlungen der Polizistin Clara teilhaben, die das Gegenteil von Mélanie ist – sie lebt zurückgezogen, legt Wert auf Privatsphäre und hat mit Social Media nichts am Hut.
Das Buch liest sich spannend wie ein Krimi, die Geschichte wird abwechselnd aus Mélanies und Claras Perspektive erzählt, zwischendrin schriftliche Aufzeichnungen von Video- und Vernehmungs-protokollen.
Gruselig, wie soziale Medien Menschen dazu bringen, ihr Leben öffentlich zu machen, in einer virtuellen Welt abhängig von Likes zu leben und selbst ihre Kinder als Ware vermarkten. Man mag sich überhaupt nicht vorstellen, welche Auswirkungen das auf die Psyche der Kinder und auch ihre Zukunft hat!
Insgesamt ist „Die Kinder sind Könige“ die gekonnte Umsetzung eines topaktuellen Themas, ein wichtiges Buch, das hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken anregt und jede Menge Diskussionsstoff bietet. Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 17.09.2025

rabenschwarzer Humor

Hab und Gier
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Die pensionierte Bibliothekarin Karla hätte gerne einen sorgloseren Lebensabend mit ein bisschen Luxus, kann sich mit ihrer kleinen Pension aber nur ein recht bescheidenes Leben leisten. Unverhofft wird ...

Die pensionierte Bibliothekarin Karla hätte gerne einen sorgloseren Lebensabend mit ein bisschen Luxus, kann sich mit ihrer kleinen Pension aber nur ein recht bescheidenes Leben leisten. Unverhofft wird sie von ihrem ehemaligen Kollegen Wolfram Kemperer zum „Gabelfrühstück“ eingeladen. Auch Wolfram lebt allein, ist verwitwet, kinderlos, wohlhabend, aber auch todkrank. Da er zu Hause sterben möchte, schlägt er Karla vor, ihr die Hälfte seines Vermögens zu vererben, wenn sie ihn bis zu seinem Tode pflegt. Falls sie ihm allerdings hilft, zum von ihm gewählten Zeitpunkt auf die von ihm gewünschte Art aus dem Leben zu scheiden, wird er ihr sein gesamtes Vermögen hinterlassen. Karla hat Bedenken auf das Angebot einzugehen und weiht ihre weitaus jüngere Freundin Judith ein. Diese ist um einiges skrupelloser und mit Feuer und Flamme dabei.
Ingrid Noll ist eine echte Könnerin, wenn es um makabre und sarkastische Geschichten geht. Wieder einmal ist es ihr gelungen, die Schlechtigkeit, Bösartigkeit und kriminelle Ader des durchschnittlichen „Normalos“ mit feinsinnigem und manchmal bitterbösem Humor heraus zu kitzeln.
Auch wenn es spannendere und raffiniertere Krimis gibt, so machen viel schwarzer Humor und unerwartete Wendungen „Hab und Gier“ doch zu einer skurrilen Krimi-Komödie mit hohem Unterhaltungswert. Klare Leseempfehlung für ein paar Stunden witzigen Lesespaß.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Still, aber eindringlich

Halbinsel
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Kristine Bilkaus „Halbinsel“ ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die auf einer nordfriesischen Halbinsel im Wattenmeer spielt. Hier hat Annett nach dem frühen, plötzlichen Tod ihres Mannes ...

Kristine Bilkaus „Halbinsel“ ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die auf einer nordfriesischen Halbinsel im Wattenmeer spielt. Hier hat Annett nach dem frühen, plötzlichen Tod ihres Mannes ihre Tochter Linn allein aufgezogen und lebt seit deren Auszug ein einsames, zurück-gezogenes Leben. Linn, Mitte zwanzig, hat Umweltmanagement studiert und einen ersten Job bei einem Aufforstungsprojekt begonnen. Nach einem Kreislaufkollaps und kurzem Krankenhausaufenthalt zieht sie wieder bei ihrer Mutter ein. Was eigentlich nur als kurzer Erholungsaufenthalt gedacht war, wird zur Dauerlösung, da Linn ihren Job geschmissen und ihre Wohnung in Berlin gekündigt hat.
Durch die Ich-Perspektive Annetts erfährt der Leser, wie die beiden Frauen lernen müssen, ihre Beziehung zueinander neu zu bestimmen. Besonders Annett muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihren Träumen und Sehnsüchten auseinandersetzen, um Linn als gleichberechtigt anzuerkennen und deren Lebensentwurf zu akzeptieren, auch wenn dieser vielleicht nicht dem entspricht, was Annett sich für ihre Tochter wünscht bzw. gewünscht hat.
Kristine Bilkau hat einen ruhigen, sehr präzisen Erzählstil und ihr ist ein stiller, aber eindringlicher Roman gelungen. Sie beschreibt das ganz normale Leben mit Höhen und Tiefen wie sie wohl jeder kennt. Vielleicht wird es gerade deswegen nicht langweilig, da man die Gedanken und Gefühle der Protagonisten gut verstehen kann bzw. sie selbst schon so oder ähnlich gehabt hat.
„Halbinsel“ ist aber nicht nur die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, es werden auch gesamtgesellschaftlich relevante Themen wie Leistungsdruck, Selbstverwirklichung, Klimakrise, Systemkritik angestoßen.

Schon Bilkaus Roman „Die Glücklichen“ hat mich sehr für sie eingenommen, auch „Halbinsel“ hat mich nicht enttäuscht. Den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 hat sie meiner Meinung nach zurecht erhalten, da es ihr hervorragend gelungen ist, die Literatur mit Themen der Gegenwart zu verknüpfen. Klare Leseempfehlung!

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