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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2020

Spannender Krimi rund um Husum

Eisiger Nebel
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Im Husumer Hafen wird eine entstellte Leiche aus dem Wasser gefischt. Theo Krumme und seine Kollegin Pat stoßen bei ihren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens. In einem kleinen Dorf finden sie mehr ...

Im Husumer Hafen wird eine entstellte Leiche aus dem Wasser gefischt. Theo Krumme und seine Kollegin Pat stoßen bei ihren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens. In einem kleinen Dorf finden sie mehr als einen Täter.

Über diese Serie bin ich im letzten Jahr gestoIpert, als der Autor zu einer Lesung bei den Aachener Krimitagen war. Eingestiegen bin ich da direkt mit dem fünften Fall, was ich normalerweise überhaupt nicht mag. Aber bei dieser Serie hatte ich nicht das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen und ich kann sagen, dass mir die Serie rund um Theo und Pat sehr gut gefällt. Regionalkrimi mit einem Schuss Mystik in einer flotten Schreibe.

Diesmal muss ich aber sagen, dass Hendrik Berg meine Geduld auf eine Probe gestellt hat. Denn "Eisiger Nebel" braucht einige Zeit, bis er richtig in Schwung gerät. Die ersten 150 Seiten hatte ich nicht den Eindruck, dass irgendwas passiert; die ganze Geschichte tritt auf der Stelle. Ich hatte auch nicht die geringste Ahnung, worauf der Autor hier hinaus will. Aber da ändert sich alles, die Handlung geht vorwärts und das Tempo nimmt so richtig Fahrt auf. Der Krimi wird für die verbleibenden 200 Seiten zum Pageturner. Das ist richtig gut gemacht und hat mich für die Wartezeit mehr als entschädigt.

Die Ermittler und das persönliche Umfeld in diesem Regionalkrimi sind dafür gemacht, dass ich diese Reihe weiterverfolgen und die mir noch fehlenden Fälle nachholen werde. Das Wiedersehen mit dem liebenswerten Personal hat mir großen Spaß gemacht, und ich bin auf die weitere Entwicklung der Charaktere gespannt, vor allem auf Theo und seinen Hund.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Langsam steigt die Spannung bis zum explosiven Showdown

Heißes Pflaster
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Der Politiker Guido Ehrlich wird tot am Ufer eines Sees gefunden. Hanna Seiler und Milo Novic laufen mit ihren Ermittlungen schnell ins Nichts, weil von oberster Stelle der Fall mit natürlicher Todesursache ...

Der Politiker Guido Ehrlich wird tot am Ufer eines Sees gefunden. Hanna Seiler und Milo Novic laufen mit ihren Ermittlungen schnell ins Nichts, weil von oberster Stelle der Fall mit natürlicher Todesursache geschlossen wird. Hanna und Milo ermitteln weiter und geraten zwischen Fronten.

Heißes Pflaster war mein erster Krimi von Alex Pohl. Aber er hat mir so gut gefallen, dass der Vorgänger sofort auf die Wunschliste gewandert ist und auf den Nachfolger bin ich schon gespannt. Das ist wirklich gut gemacht. Die Spannung wird langsam aufgebaut, sie entsteht mehr durch das, was nicht gesagt wird, als durch übertriebene Action. Das actionreiche Finale ist dann äußerst explosiv. Die Dialoge sind absolut gelungen, manchmal sogar sehr witzig.

Hanna und Milo sind ein gutes Ermittlerduo, obwohl Hanna für mich neben dem sehr eigenen Milo ein wenig verblasst. Die privaten Schwierigkeiten sind gut im Krimi untergebracht; sie ergänzen und da ist eine weitere Entwicklung wünschenswert. Der Krimi ist logisch aufgebaut und aus einer einzelnen Leiche entwickelt sich ein hochaktueller und brisanter Kriminalfall.

Am Ende bleiben ein paar Fragen offen, aber da denke ich, die sind schon jetzt die Basis für den Nachfolger. Mir persönlich geraten die Ermittlungen auch ein wenig in den Hintergrund, vieles offenbart sich dadurch, dass Milo nachdenkt. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht; aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau.

Diese Reihe kann sehr gerne weitergehen und ich werde sie im Auge behalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2020

Überkonstruiert, aber die Sprache reißt es raus

Der nächtliche Besucher
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Sterben die Babys den plötzlichen Kindstod oder hat jemand nachgeholfen? Und warum verschwinden die Leichen? Amaia Salazar ermittelt im Abschluss der Baztán-Trilogie.

Das ist kein einfaches Thema, das ...


Sterben die Babys den plötzlichen Kindstod oder hat jemand nachgeholfen? Und warum verschwinden die Leichen? Amaia Salazar ermittelt im Abschluss der Baztán-Trilogie.

Das ist kein einfaches Thema, das Dolores Redondo im Abschluss der Trilogie in den Mittelpunkt stellt. Mord an Kindern lässt wohl keinen kalt. Aber die Autorin, wie auch immer sie das macht, versteht es, den Schrecken weniger schrecklich zu machen. Wie in den Vorgängern, die man unbedingt gelesen haben muss, bevor man Der nächtliche Besucher liest, hat mich die Autorin mit in die Region Navarra genommen, hat mir Mythen näher gebracht, hat mir die Landschaft gezeigt und ich habe mit Amaia Salazar ermittelt, gelitten und geliebt. Ich bin vielen bekannten Gesichtern begegnet und natürlich sind die Verbrechen in allen drei Teilen miteinander verbunden.

Leider ist der dritte Teil für mich überkonstruiert, das ist am Ende nicht ganz glaubhaft, auch weil ich ab der Mitte schon geahnt habe, was Dolores Redondo hier vorhat. Außerdem verliert sich die Autorin teilweise in zu vielen Kleinigkeiten, in zu viel Drama. Amaias Familiengeschichte löst sich für mich auch nicht zufriedenstellend auf, da bleibt doch noch die ein oder andere Frage offen. Schade!

Was ich aber sehr gut fand: Sprachlich können nicht viele mit der Autorin mithalten. Dank der Schreibe bleibt auch das im Vergleich zu Band 1 und 2 schwächere Finale bis zum Ende unterhaltsam.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2020

Ein Krimi zum Wohlfühlen

Der Gin des Lebens
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Cathy findet im Garten ihres Bed & Breakfast einen toten Obdachlosen. Bene bekommt eine Absage bei einem Heiratsantrag und reist auf den Spuren seines Vaters nach Plymouth. Zusammen machen sie sich auf ...

Cathy findet im Garten ihres Bed & Breakfast einen toten Obdachlosen. Bene bekommt eine Absage bei einem Heiratsantrag und reist auf den Spuren seines Vaters nach Plymouth. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach dem perfekten Gin und kommen sich näher; aber irgendjemand scheint etwas gegen ihre Suche zu haben.

Der Gin des Lebens wird als Kriminalroman deklariert, aber die eigentliche Krimihandlung ist sehr dünn und Spannung kam für mich nicht auf. Da könnte man meinen, der Roman ist ein Flop: Das ist er jedoch auf gar keinen Fall. Das Gesamtpaket hat mir sehr gut gefallen. Das liegt zum ersten an der Atmosphäre, die der Autor schafft: In jedem Moment des Romans habe ich mich wohlgefühlt; da ist nichts zu merken von Regen und Nebel, die wohl die meisten mit England in Verbindung bringen. Der zweite, sehr gelungene Aspekt im Roman ist das Fachwissen über Gin, das, sehr wichtig!, nicht oberlehrerhaft an den Leser gebracht wird. Ganz nebenbei habe ich viel über Gin erfahren; sehr gut gemacht!

Der Roman lebt außerdem von der Liebenswürdigkeit der beiden Protagonisten Cathy und Bene, sowie von der Skurrilität der Nebenfiguren. Da verwandelt sich Cathys Bruder Matt nach zuviel Alkohol in Sir Francis Drake und kann nur durch das "Verrückte Fische-Spiel" wieder in die Realität geholt werden. Meine Lieblingsfigur ist allerdings Eudora, die mit über 80 nach Guernsey schwimmen will und nachdem der erste Versuch scheitert, für den zweiten Versuch einen Sponsor findet. Sehr sehr witzig!

Der Gin des Lebens ist kein spannender Pageturner, aber ein amüsanter Roman über Gin und seine Folgen. Eine kleine Romanze gibt es natürlich auch. Wer sich für diesen Mix begeistern kann, sollte unbedingt zugreifen. Ich kann den Roman auf jeden Fall empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 11.03.2020

Das sollte Pflichtlektüre in Schulen sein

Eine Farbe zwischen Liebe und Hass
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Seine Familie glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und damit scheint für den jungen Jessup alles entschieden. Doch nach der Rückkehr seines Stiefvaters aus dem Knast und einem tragischen Unfall ...

Seine Familie glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und damit scheint für den jungen Jessup alles entschieden. Doch nach der Rückkehr seines Stiefvaters aus dem Knast und einem tragischen Unfall muss er endlich selbst Antworten finden auf die Fragen: Was glauben, wem folgen, wen lieben? (Klappentext)

Alexi Zentner hat einen Roman geschrieben, der aktueller nicht sein könnte. Es geht um Vorurteile und Rassismus, um die, die mit vollster Überzeugung hinter ihren Ansichten stehen, aber auch um die Mitläufer. Es geht um die, die wissen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, nicht geben kann. Aber es geht auch darum, Entscheidungen zu treffen, neue Wege zu gehen, ohne sich selber zu verlieren. Ein Roman, der Pflichtlektüre in Schulen werden sollte.

In einer manchmal etwas sperrigen und gleichzeitig kraftvollen Sprache erzählt der Autor vom siebzehnjährigen Jessup, der in einer Familie groß geworden ist, die Anhänger der "Heiligen Kirche des Weißen Amerika" ist. Sein Bruder sitzt im Gefängnis, weil er zwei Schwarze erschlagen hat und diese Tat verfolgt Jessup überall: Bei seiner Karriere im American Football, in der Schule und in seiner Beziehung zu seiner Freundin Deanne, die selber schwarz ist.

Der Autor schafft das Schwierige, er schafft es, Schwarzweißmalerei bis auf eine Ausnahme zu vermeiden. Er macht das Richtige: Zu keinem Zeitpunkt stellt er sich auf eine Seite und verteufelt die andere. Er erzählt und überlässt es dem Leser, sich eigene Gedanken zu machen. Denn wie schon erwähnt, es gibt nicht nur eine Wahrheit! Das hat mir sehr gut gefallen. So habe ich Jessup begleitet, der noch sehr jung schwierige Entscheidungen treffen muss, der zerrissen ist und der immer eine Loyalität gegenüber seiner Familie spürt.

"Es geht nur mit Licht. Licht schluckt die Dunkelheit." Das Ende ist typisch amerikanisch: Nicht vollständig weichgespült, aber versöhnlich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere