Cover-Bild Die Optimisten

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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Eisele Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 624
  • Ersterscheinung: 30.03.2020
  • ISBN: 9783961610778
Rebecca Makkai

Die Optimisten

Bettina Abarbanell (Übersetzer)

Die Liebe in schwierigen Zeiten.

Chicago, 1985: Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verleihen könnte. Er ahnt nicht, dass ein Virus, das gerade in Chicagos „Boys Town“ zu wüten begonnen hat, einen nach dem anderen seiner Freunde in den Abgrund reißen wird. 
Paris, 2015: Fiona spürt ihrer Tochter nach, die sich offenbar nicht finden lassen will. Die Suche nach der Tochter gestaltet sich ebenso zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn in Paris trifft sie auf alte Freunde aus Chicago, die sie an das Gefühlschaos der Achtzigerjahre erinnern und sie mit einem großen Schmerz von damals konfrontieren.
Die Optimisten ist eine zutiefst bewegende Geschichte darüber, wie Liebe uns retten, aber ebenso vernichten kann, und wie uns traumatische Ereignisse ein Leben lang prägen können, bis Heilung möglich wird.

PULITZER PRIZE FINALIST

NATIONAL BOOK AWARD SHORTLIST

AUSGEZEICHNET MIT DER ANDREW CARNEGIE MEDAL 

AUSGEZEICHNET MIT DEM LOS ANGELES TIMES BOOK PRIZE 

NEW YORK TIMES 10 BEST BOOKS 2018

"Sehr liebevoll und schön geschrieben." Elke Heidenreich

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2020

Damals, 1985...

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In Die Optimisten verarbeitet Rebecca Makkai auf mitreißende, packende und emotional tief berührende Weise und auf zwei Zeitebenen (Chicago 1985 bis frühe 90er und Paris 2015) Ereignisse rund um die erste ...

In Die Optimisten verarbeitet Rebecca Makkai auf mitreißende, packende und emotional tief berührende Weise und auf zwei Zeitebenen (Chicago 1985 bis frühe 90er und Paris 2015) Ereignisse rund um die erste Aids-Welle.

Ich habe sehr lang für diesen Roman gebraucht, was weder meinem üblicherweise rasanten Lesetempo geschuldet ist, noch der Tatsache, dass dieses Buch mich nicht angesprochen hätte. Im Gegenteil: ich konnte Die Optimisten nicht schnell lesen, weil es sich hier um einen wirklich ganz tollen, gut gemachten Roman handelt, der den Leser allerdings auch oftmals so stark erschüttert und angreift, dass man die Lektüre unterbrechen muss.

Die Autorin versteht es ganz hervorragend, die Unsicherheit, das Unwissen, die Angst und das mit einer Aids-Diagnose verbundene Bewusstsein des herannahenden Todes zu transportieren, ohne dabei zu unnötigen Schaueffekten oder übertriebener Dramatik zu greifen. Die Optimisten ist vielmehr ein sehr ruhiger Roman, der zu fesseln versteht, indem er die Furcht und Verzweiflung der ersten Aids-Jahre anhand des äußerst sympathisch gezeichneten, intellektuellen und mitfühlenden Yale personalisiert, den der Leser auf seinem Weg begleitet. Dabei geht es mitnichten nur um die Krankheit, sondern auch um Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft, Familie und vor allem Kunst und die Bedeutung von Erinnerung und Vergangenheit. Makkai lässt sich viel Zeit, ein Bild der Zeit heraufzubeschwören, Freundeskreise auszuloten, aber auch die Realität der homosexuellen Community und den noch ungewohnten Alltag auf den Aids-Stationen darzustellen. Durch das gemäßigte Erzähltempo wird auch der Leser Teil dieser Welt und „freundet“ sich sozusagen mit Yale an, leidet und bangt mit ihm. Der Chicago-Teil weist trotz seines Umfangs nicht allzu viele Längen auf und ist in seiner Darstellung der Hilflosigkeit angesichts des Virus regelrecht – in einem positiven Sinne - schmerzhaft. Ebenso beeindruckend ist die Einsamkeit, die Isoliertheit der als Outsider betrachteten gay community, die hier anhand von Yale fast greifbar gemacht wird.
Der Paris-Teil hat mich nicht ganz so begeistert, was sicherlich daran liegt, das Fiona, eine Freundin von Yale, als Figur für den Leser schwieriger zu begreifen ist. Dennoch hat dieser Teil für den Romanaufbau seine wesentliche Funktion – auch wenn er sicherlich etwas kürzer hätte sein können - und verfügt durch Fionas Suche nach ihrer Tochter Claire über einen eigenen Spannungsbogen.

Die Optimisten ist ein besonderer und gelungener Roman, der mich wegen seiner Geschichte, seines großartig ausgestalteten Protagonisten und seines Erzählstil zutiefst bewegt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2020

Wunderbare Figuren, tragische Schicksale und große Emotionen – für mich ein absolutes Jahreshighlight! ♥

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Spoilerfreie Rezension!

Inhalt

Im Schwulenviertel „Boystown“ im Chicago der 80er-Jahre hat Aids zu wüten begonnen. Durch mangelnde Therapiemöglichkeiten, ein schlechtes Gesundheitssystem, zu wenig ...

Spoilerfreie Rezension!

Inhalt

Im Schwulenviertel „Boystown“ im Chicago der 80er-Jahre hat Aids zu wüten begonnen. Durch mangelnde Therapiemöglichkeiten, ein schlechtes Gesundheitssystem, zu wenig Aufklärung und Schuld und Schamgefühle breitet sich das HI-Virus aus wie ein Lauffeuer und löscht nach und nach Yales Freundeskreis aus.

Dreißig Jahre später ist Fiona in Paris auf der verzweifelten Suche nach ihrer verschollenen Tochter. Da sie bei alten Freunden aus Chicago wohnt, werden immer wieder schmerzhafte Erinnerungen an ihre Vergangenheit wach.

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Erzählweise: Figuraler Erzähler, Präteritum
Perspektive: weibliche und männliche Perspektive
Kapitellänge: mittel bis kurz
Tiere im Buch: - Eine Katze wird aus Versehen stark vernachlässigt, überlebt aber. Fleisch wird gegessen. Ansonsten werden keine Tiere verletzt, gequält oder getötet. Da eine Katze in Einzelhaltung lebt, möchte ich über dieses Thema aufklären: Katzen sind alleine niemals glücklich (sie sind EinzelJÄGER, keine EinzelGÄNGER), sondern sehr einsam und unglücklich. Sie können verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln und depressiv und/oder aggressiv werden. Wer seine Katze liebt, schenkt ihr deshalb mindestens einen Gefährten.
Triggerwarnung: Drogen, Alkoholismus, Tod von Menschen, Krankheit, Homophobie, Prostitution, sexuelle Belästigung;

Warum dieses Buch?

Die Frage sollte eher lauten: Warum nicht? Das Buch hat viel Lob und bereits Preise erhalten, viele LeserInnen schwärmen davon. Außerdem hat mich der Klappentext an eines meiner absoluten Herzensbücher erinnert: „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt. Ich musste es daher einfach lesen!

Meine Meinung

Einstieg (5 Lilien)

„‘Ich kenne Männer, die noch niemanden verloren haben. Gruppen, die bisher unberührt geblieben sind. Aber ich kenne auch Leute, die haben zwanzig Freunde verloren. Ganze Mietshäuser, ausgelöscht.‘“ E-Book, Position 236

Ich hatte überhaupt keine Probleme, in die Geschichte zu finden, sondern eher das Gefühl, dass einen die Autorin auf der ersten Seite bei der Hand nimmt und nicht mehr loslässt, bis man das Buch beendet hat. Schon das erste Kapitel, das sehr rätselhaft endet, hat mich neugierig gemacht – ich wollte unbedingt weiterlesen.

Schreibstil (5 Lilien ♥)

Mit „Die Optimisten“ hat sich Rebecca Makkai in mein Herz geschrieben. Ihr Schreibstil ist wunderbar – anspruchsvoll, und trotzdem so angenehm lesbar, dass für mich jede Seite ein Genuss war. Das Buch glänzt mit wunderschönen, weisen Zitaten, treffenden Formulierungen und beeindruckend kreativen Vergleichen. Besonders großartig fand ich auch, wie nuanciert die Autorin die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Figuren beschreibt. Auf diese Weise kommt man ihnen unheimlich nah.

„Bevor sie den Raum verließ, blieb sie stehen und sah Yale an, als wären sie Ertrinkende und sie hätte sich gerade den letzten Rettungsring genommen.“ E-Book, Position 5900

Idee, Inhalt, Themen & Ende (5 Lilien ♥)

„‘Und es stimmt, da war dieses kleine Fenster, eine kurze Zeitspanne, in der wir uns sicherer gefühlt haben, glücklicher waren. Ich dachte, es wäre der Anfang von etwas. Dabei war es in Wirklichkeit das Ende.‘“ E-Book, Position 5280

An „Die Optimisten“ bin ich aufgrund der positiven Rezensionen mit sehr hohen Erwartungen herangegangen – und seit längerer Zeit ist es das erste Mal, dass mich ein gehyptes Buch nicht enttäuscht, sondern auf ganzer Linie überzeugen konnte. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Im Jahre 1985 begleiten wir Yale dabei, wie er einen Freund nach dem anderen durch Aids verliert und im Jahre 2015 schauen wir Fiona (einer von Yales engsten Freundinnen) dreißig Jahre später dabei über die Schulter, wie sie ihre Tochter in Paris sucht. Beide Geschichten, die lose miteinander verbunden sind, haben mir auf ihre Weise gefallen und ergeben zusammen ein gelungenes Ganzes – mein Herz gehört aber mit Sicherheit dem Erzählstrang in der Vergangenheit. Er war es, der mich berührt, begeistert und am Ende sogar zum Weinen gebracht hat. Er ist der Grund dafür, dass ich nur allzu gerne über kleine Schönheitsfehler (wie z. B. die Tatsache, dass mich die Kapitel in der Gegenwart nicht in gleichem Maße fesseln konnten) hinwegsehe, dass ich diesem Buch fünf Lilien gebe und es hiermit zum Lieblingsbuch erkläre.

In „Die Optimisten“ geht es um Homophobie, Liebe, Mutterschaft, Kunst, Vergänglichkeit, Aids, Trauer und Tod. Auch Freunde als Wahlfamilie, wenn einen die eigenen Eltern verstoßen haben, gegenseitige Fürsorge, die Tatsache, dass die Aids-Kranken damals mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden, und ihre Versuche, das durch Proteste zu ändern, werden tiefgründig im Buch behandelt. (Dabei darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass der HI-Virus leider noch immer nicht besiegt ist und in manchen Teilen der Erde immer noch wütet und tötet.) Tragikomische und humorvolle Elemente lockern die Stimmung dabei immer wieder auf gelungene Weise auf. Makkais Buch ist ein Roman der philosophischen Fragen, tragischen Schicksale und der großen Emotionen – und trotz seiner ernsten Themen für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, in das ich immer wieder gern eingetaucht bin. Das Lob, die Preise und die Nominierung für den Pulitzer Preis hat dieser Roman absolut verdient. „Die Optimisten“ ist jedenfalls eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Lasst euch dieses Lesehighlight nicht entgehen, denn es wird euch gefallen – da bin ich optimistisch!

Wenn euch „Die Optimisten“ gefallen hat, dürft ihr euch „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt (auch im großartigen Eisele Verlag erschienen) keinesfalls entgehen lassen! Es behandelt ähnliche Themen – Aids, Trauer, die 80er-Jahre, Homosexualität, Liebe, Freundschaft – hat mich aber sogar noch mehr (!) berührt als das vorliegende Buch. Eine sehr gut geschriebene Rezension zu den „Optimisten“, die ich euch nur ans Herz legen kann, hat übrigens die ZEIT veröffentlicht.

„‘Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.‘“ E-Book, Position 6752

ProtagonistInnen & Figuren (5 Lilien ♥ & 5 Lilien ♥)

„[…] er dachte darüber nach, ob dies der beherrschende Faktor seines Lebens war: die Angst, dass ihm das Herz gebrochen werden könnte. Oder besser gesagt, die Notwendigkeit, die Reste seines Herzens zu schützen, die bei jeder Trennung, jedem Scheitern, jeder Beerdigung, jedem Tag auf der Erde in immer kleinere Fetzen gerissen wurden.“ E-Book, Position 1038

Neben dem Schreibstil ist die Figurenzeichnung die größte Stärke dieses Außenseiter-Romans. Bis in die Nebenfiguren sind die Charaktere liebevoll und sehr nuanciert ausgearbeitet. Sie wirken glaubwürdig mit ihren Stärken, Schwächen und Eigenheiten und werden beim Lesen lebendig und greifbar – und gerade das ist der Grund dafür, dass ich so intensiv mit ihnen mitgefühlt und mitgelitten habe und dass sie mir so ans Herz gewachsen sind. Mein absolutes Highlight war neben der jungen Fiona natürlich Yale – nur jemanden mit einem Herz aus Stein würde das Schicksal dieses Pechvogels kaltlassen.

„Julians Art, einen anzusehen, machte einen Teil seiner Schönheit aus. Wenn man auf den Boden starrte, konnte es passieren, dass er einem von dort unten in die Augen schaute, weil er sich gebückt hatte, als wollte er einen wieder hochziehen.“ E-Book, Position 2087

Spannung (4 Lilien) & Atmosphäre (5 Lilien ♥)

In einigen Rezensionen wurde geschrieben, dass das Buch zu langatmig sei – und mit seinen über 600 Seiten ist es auch ein ganz schöner Brocken. Sicher ist das unaufgeregte, eher ruhige Buch nicht geprägt von atemloser Spannung, aber ich möchte besonders bei den Kapiteln in den 80er-Jahren keine einzige Seite missen. Gerade dadurch, dass sich die Autorin viel Zeit für die Ausgestaltung ihrer Geschichte genommen hat, kann sie in die Tiefe gehen. Außerdem gibt es auch einige sehr gelungene unerwartete Wendungen. An manchen Stellen (besonders in den Kapiteln, die 2015 spielen) hätte ich mir vielleicht etwas mehr Tempo gewünscht, aber das ist wirklich Kritik auf sehr hohem Niveau.

Beeindruckend fand ich, wie gut es der Autorin gelingt, die 80er-Jahre und das besondere Viertel „Boystown“ zum Leben zu erwecken. Dafür hat sie sorgfältig recherchiert, und das merkt man. Rebecca Makkai beschreibt sehr atmosphärisch den Zusammenhalt in der schwulen Gemeinschaft, das aufregende Nachtleben und das Lebensgefühl der damaligen Zeit mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten, sodass man nicht nur geschichtliche Fakten dazulernt, sondern sich auch wirklich fühlt, als würde man in eine andere Zeit eintauchen.

Feministischer Blickwinkel (5 Lilien)

Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): bestanden!
Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: Hu++, Tussi

Eine feministische Analyse dieses Romans lässt mich zufrieden zurück. Das Buch besteht den Bechdel-Test, bespricht LGBT-Themen, bricht dadurch auch mit Geschlechterstereotypen, ist frei von Slut Shaming und enthält sehr starke, intelligente und interessante Frauenfiguren. Dass das Geschlechterverhältnis durch Yales Freundeskreis etwas unausgeglichen ist, verzeihe ich da gerne.

Mein Fazit

„Die Optimisten“ ist ein Roman der philosophischen Fragen, tragischen Schicksale und der großen Emotionen – und trotz seiner ernsten Themen für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, in das ich immer wieder gerne eingetaucht bin. Mit ihrem angenehmen Schreibstil, ihren wunderschönen Zitaten, kreativen Vergleichen, nuancierten Schilderungen der Innenwelt ihrer liebevoll ausgearbeiteten Figuren, ihrer tiefgründigen Behandlung ernster Themen, ihren starken weiblichen Figuren, ihrem Brechen mit Geschlechterstereotypen, ihrem (tragikomischen) Humor, ihrer dichten Atmosphäre und ihrer berührenden Geschichte hat sich Rebecca Makkai in mein Herz geschrieben. Da sehe ich über kleine Schönheitsfehler sehr gerne hinweg. Kurz: Den Hype und das Lob (das Buch wurde unter anderem sogar für den Pulitzer Preis nominiert!) hat dieser Roman absolut verdient. „Die Optimisten“ ist jedenfalls eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Lasst es euch nicht entgehen, denn es wird euch gefallen – da bin ich optimistisch!

Wenn euch „Die Optimisten“ gefallen hat, lest unbedingt auch „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt (auch im großartigen Eisele Verlag erschienen)! Es behandelt ähnliche Themen, ist aber sogar noch berührender.

Bewertung

Idee: 5 Lilien ♥
Inhalt, Themen, Botschaft: 5 Lilien ♥
Umsetzung: 5 Lilien ♥
Worldbuilding: 5 Lilien ♥
Einstieg: 5 Lilie
Ende / Auflösung: 5 Lilien ♥
Schreibstil: 5 Lilien ♥
ProtagonistInnen: 5 Lilien ♥
Figuren: 5 Lilien ♥
Spannung: 4 Lilien
Atmosphäre: 5 Lilien ♥
Emotionale Involviertheit: 5 Lilien ♥
Feministischer Blickwinkel: 5 Lilien

Insgesamt:

❀❀❀❀❀♥ Lilien

Dieses Buch bekommt von mir fünf Lilien und ein Herz – und damit den Lieblingsbuchstatus!

  • Cover
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Veröffentlicht am 30.08.2020

Ein Buchhighlight 2020

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Auch wenn das Jahr noch nicht einmal halb vorbei ist, kann ich jetzt schon sagen, dass „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai zu meinen Lesehighlights 2020 gehören wird. Einerseits konnte ich es nicht aus ...

Auch wenn das Jahr noch nicht einmal halb vorbei ist, kann ich jetzt schon sagen, dass „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai zu meinen Lesehighlights 2020 gehören wird. Einerseits konnte ich es nicht aus der Hand legen, andererseits habe ich das Ende gefürchtet. Der Roman ist zutiefst bewegend, ausdrucksstark und menschlich, wie nur wenige Bücher. Ich kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen.

Die Handlung wird aus der Sicht zweier Hauptcharaktere erzählt, wobei diese etwa 30 Jahre zeitversetzt von ihren Erlebnissen berichten.

Chicago 1985: Yale kommt durch einen Tipp seiner Freundin Fiona auf die Spur einer unbekannten, vermutlich mehrere Millionen Dollar teuren Bildersammlung, die seiner Karriere den entscheidenden Anstoß verleihen könnte. Gleichzeitig wird sein privates Umfeld immer mehr aus den Angeln gehoben. Das unbarmherzige HI-Virus breitet sich aus. Sein Freund Nico ist einer der ersten, der an AIDS stirbt, weitere folgen.

Paris 2015: Nicos Schwester Fiona ist auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter Claire, die sich offenbar nicht finden lassen will. Dabei werden alte Wunden wieder aufgerissen und es wird klar, dass Fiona ihre Erlebnisse der 80er-Jahre und damit einhergehende Gefühle nie ganz aufgearbeitet hat.

„Das ist der Unterschied zwischen Optimismus und Naivität. Keiner hier im Raum ist naiv. Naive Menschen haben noch keine echte Prüfung hinter sich, deshalb meinen sie, ihnen könnte nichts passieren. Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.“

Das Virus sucht seine Opfer willkürlich aus, daran werden die Protagonisten, die einem im Laufe des mehr als 600 Seiten starken Buchs ans Herz wachsen, immer wieder erinnert. Ein wahlloser Rundumschlag, der „Boystown“, das Viertel der schwulen Szene Chicagos, bis ins Mark erschüttert. Die Angst, sich anzustecken, immer mehr infizierte oder kranke Freunde und Bekannte, die Auseinandersetzung mit dem Tod, auch mit dem eigenen nach Erhalt eines positiven Testresultats… Wie geht man damit um? Selbstzerstörung, Kampfbereitschaft, Fassungslosigkeit oder Selbstisolation – nur ein minimaler Bruchteil aller denkbaren menschlichen Wesenszüge. Aber vor allem ist es der Optimismus, der heraussticht, trotz der fatalen Lage. Er zeigt sich, wenn es darum geht, die letzten Wochen so angenehm wie möglich zu machen, in der Hoffnung, dass bald ein Medikament gegen das Virus gefunden wird, selbst dann noch, wenn klar ist, dass das Leben dem Ende zugeht. Denn Aufgeben kommt nicht infrage, stattdessen wird bis zuletzt für ein Umbruch in der Gesellschaft, im Gesundheitssystem, in der Forschung gekämpft – und für ein menschenwürdiges Leben und Sterben. Das klingt jetzt alles wahnsinnig ernst und traurig. Und ja, das ist es auch, aber vor allem ist die Geschichte von Mut, Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe und Lebenslust geprägt. Aber auch von Schuld und Verlust, die neben dem Erlebten und den Erinnerungen (positive und negative) das restliche Leben beeinflussen.

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Veröffentlicht am 29.05.2020

Tolles Buch!

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Chicago 1985: Yales Leben könnte so schön sein. Er hat einen guten Job, lebt in einer festen Beziehung und hat viele Freunde. Nur eins trübt das Glück: AIDS. Die Krankheit verbreitet sich immer weiter ...

Chicago 1985: Yales Leben könnte so schön sein. Er hat einen guten Job, lebt in einer festen Beziehung und hat viele Freunde. Nur eins trübt das Glück: AIDS. Die Krankheit verbreitet sich immer weiter und es gibt kein Heulmittel. Nach und nach erkranken und sterben seine Freunde daran. Es beginnt mit Nico und über die Jahre hinweg ist Fiona, Nicos Schwester die einzige Konstante in Yales Leben.

2015 ist Fiona in Paris auf der Suche nach ihrer Tochter. Sie ist bei einem befreundeten Fotografen untergekommen und wird dadurch immer wieder an die Zeit Mitte der Achtziger in Chicago erinnert. In seiner neuen Ausstellung werden bekannte und unbekannte Aufnahmen aus dieser Zeit gezeigt werden. Für Fiona ist dies wie eine Reise in die Vergangenheit.

Das Buch spielt konsequent auf zwei Zeitebenen. In dem Teil, der in den Achtzigern spielt ist Yale die Hauptfigur, Fiona taucht zwar immer wieder auf, der Fokus liegt aber auf Yale. Ich fand ihn sehr sympathisch und liebenswert. Ein Mensch, mit dem ich gerne befreundet wäre. Seine Freunde sind sehr unterschiedlich, der Autorin gelingt es hier ein wirklich buntes Völkchen zu versammeln, jeder auf seine eigene Art und Weise schwul. So wird die schwule Gemeinschaft in Chicago wirklich lebendig.

Fiona im Jahre 2015 ist ganz anders als die in den Achtzigern. Ich fand das sehr erstaunlich und habe mich lange gefragt, was wohl passiert war, dass sie sich so verändert hat. Zum Ende des Buches klärt sich das dann auch. Wobei ich sagen muss, dass mir die junge Fiona wesentlich sympathischer war als die ältere.

Alles in allem war es ein wirklich rundes Buch, dass ich gerne gelesen habe. Das Flair der Achtziger Jahre und der Schwulenszene Chicagos kam toll rüber. Und der Schluss machte das Buch dann insgesamt sehr rund.

Von mir daher eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Boystown

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Im Chicago Mitte der 1980er leben Yale und seine Freunde in einer eingeschworenen Community. Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht diese unheimliche Krankheit, die Lücken in ihre Reihen reißt. ...

Im Chicago Mitte der 1980er leben Yale und seine Freunde in einer eingeschworenen Community. Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht diese unheimliche Krankheit, die Lücken in ihre Reihen reißt. Fiona ist eine der wenigen jungen Frauen, die als Nicos Schwester ein festes Mitglied der Gemeinschaft ist. Und Nico ist einer der ersten aus ihren Reihen, der der Krankheit erliegt. Was soll dieses Virus? Sie wollten sich doch gerade ihren Platz in der Gesellschaft erobern, sie wollten feiern, sie wollten Spaß. Keiner wollte so jung sterben.

Auf zwei Zeitebenen ist dieser Roman angesiedelt. Zum einen wie erwähnt in den 80ern des letzten Jahrhunderts - wie weit weg das klingt - und zum anderen im Jahr 2015 als Fiona nach Paris reist, um nach ihrer Tochter zu suchen. Überraschend trifft sie in der Stadt der Liebe ein paar der alten Bekannten wieder und damit erstehen auch die alten Zeiten vor ihrem inneren Auge wieder.

Die Autorin zieht einen selbst in die Erinnerung an die eigene Jugend. Auch wenn man wegen der dörflichen Herkunft im direkten Umfeld nicht allzu viel mitbekam, so war die Krankheit und das Virus allgegenwärtig. Die Lust am Feiern wurde jäh ausgebremst, auf einmal war Vorsicht geboten. Und der Gedanke, mich betrifft es nicht, bot keine Erleichterung. Es konnte jeden treffen. Wie schlimm muss es da erst unter denen gewesen sein, die eigentlich nur ihr Leben leben wollten, beruflich durchstarten und ihre Liebe genießen? Plötzlich wurden Freunde, Kollegen und Liebste von ihrer Seite gerissen und doch steckten sie manchmal den Kopf in den Sand. Und Fiona mitten drin, häufig der letzte Halt für ihre Freunde.

Mit dem von ihr gewählten Thema berührt die Autorin, besonders wenn man eine Erinnerung an die aufkommende Bedrohung hat. Gerade heutzutage wo es auch gilt gegen eine bedrohliche Krankheit, gegen die es kein Mittel gibt, anzukämpfen, bekommt das Buch eine zusätzliche Aktualität. Allerdings schafft die Autorin es nicht, einem die handelnden Personen wirklich nahe zu bringen. Vielleicht ist die Handlung etwas zu episodenhaft erzählt. Dennoch regt das Buch zum Nachdenken an und einige Szenen sind wirklich herzzerreißend.