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Veröffentlicht am 31.03.2019

Spannung und Gefühl - ganz ohne Kitsch

ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL
1

Álvaro ist bei einem Autounfall in Galicien ums Leben gekommen. Der Schriftsteller Manuel kann das nicht glauben: sein Mann war doch in Barcelona? Dennoch identifiziert er den Leichnam als seinen Ehemann ...

Álvaro ist bei einem Autounfall in Galicien ums Leben gekommen. Der Schriftsteller Manuel kann das nicht glauben: sein Mann war doch in Barcelona? Dennoch identifiziert er den Leichnam als seinen Ehemann und ist froh, dass die Polizei die Akte schließt.
Denn bei ihm hat sich das Gefühl eingeschlichen, das Leben, was er sich mit Álvaro aufgebaut hat, auf Lügen fußt. Zu viele Fragen bleiben unbeantwortet und er fürchtet sich vor dem, was über seinen Mann ans Licht kommen könnte.
Doch der sturköpfige Polizist Nogueira kann Manuel davon überzeugen, selbst die Ermittlungen aufzunehmen.

Vorweg muss ich sagen, dass ich hinter dem doch etwas eintönigen Cover einen seichten Roman erwartet habe. Sehr positiv überrascht war ich dann, als die Geschichte immer weiter vorangegangen ist und sich als spannender Krimi herausgestellt hat. Im Buchladen hätte ich es wohl nicht einmal bis zum Klappentext geschafft, jetzt bin ich froh darum, dass mir das Buch empfohlen wurde.

Dieses Buch behandelt viele Themen. Homophobie ist eines davon, denn im erzkatholischen Galicien spielt die konservative Familie eine wichtige Rolle. Doch wer hätte gedacht, dass er gerade in Priester Lucas, dem besten Freund von Álvaro, einen starken Verbündeten findet?
Ebenso geht es hier um Macht und Gier. Beides nicht ungewöhnlich in den spanischen Adelsfamilien, zumindest in diesem Roman. Álvaros Familie ist kalt, zurückweisend und bildet sich ein, aufgrund des Adelstitels etwas besseres zu sein. Eine Einstellung, mit der Manuel nicht klar kommt. Denn obwohl seine Bücher erfolgreich sind, ist er stets bodenständig geblieben.

Während Manuel anfangs davon überzeugt ist, seinen Mann besser zu kennen als jeder andere, wandelt sich dies im Fortgang der Handlung. Langsam zweifelt er daran, dass Álvaro ihn geliebt hat – warum sonst hatte er so viele Geheimnisse? Er tat mir sehr oft leid, ich konnte seine Verzweiflung nachfühlen. Er ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe, die er während all der Jahre empfand, und der Enttäuschung, die sich nun in ihm einnistet. Aber wen wundert das? Sein Charakter ist so real, das gelingt den wenigsten Autoren. Die Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft weichen dann aber doch der Entschlossenheit, die Wahrheit über Álvaros Tod herauszufinden. Warum wurde sein Tod als Unfall abgetan? Welche Geheimnisse versucht Álvaros Familie zu schützen?

Nogueira ist ebenfalls ein wichtiger Charakter, bekommt aber weniger Sympathien. Seine Abneigung gegenüber Manuel aufgrund seiner Homosexualität ist deutlich zu spüren. Seine ruppige Art macht ihn dennoch ein bisschen liebenswert. Er möchte trotzdem, dass die Gerechtigkeit siegt und unterstützt Manuel bei der Suche nach den Geschehnissen, die zum Tod von Álvaro geführt haben.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft, was ich manchmal anstrengend fand. Aber ich hatte die Weinberge vor Augen, den Fluss und das Gut der Familie, und zwar so, als ob ich direkt dabei bin. Seite um Seite flog, ohne dass ich es so recht bemerkt habe. Der Mix aus Spannung und Gefühl, ohne kitschig zu sein, hat mich wirklich überzeugt.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Emotionale Geschichte mit Tränengarantie

Ein ganzes halbes Jahr
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Der Mensch, den man liebt, liebt sein Leben nicht. Wie zeigt man ihm, dass es sich lohnt, zu leben?

Lou, 27, verliert ihren Job im Cafe. Aber da irgendwo das Geld herkommen muss, entschliesst sie sich, ...

Der Mensch, den man liebt, liebt sein Leben nicht. Wie zeigt man ihm, dass es sich lohnt, zu leben?

Lou, 27, verliert ihren Job im Cafe. Aber da irgendwo das Geld herkommen muss, entschliesst sie sich, eine Stelle als Pflegerin bei einem jungen, querschnittsgelähmten Mann anzunehmen. Als sie Will jedoch kennenlernt, ist sie von dieser Idee gar nicht mehr so überzeugt. Denn der entpuppt sich als nörgeliger und verbitterter Mensch. Obwohl Lou immer mehr daran zweifelt, ob sie als ungelernte dieser Aufgabe gewachsen ist, möchte sie diesem jungen Mann helfen, sein Leben wieder geniessen zu können. Doch dass Will das überhaupt nicht möchte und Lous Job nur auf ein halbes Jahr beschränkt, erfährt sie erst später...

Ich weiß nicht, was ich hier schreiben soll, ohne zu viel zu verraten. Vorweg: Das war nach vielen Jahren mein erster Roman. Und er hat mich sehr mitgenommen. Hier wird ein Thema angesprochen, was in der heutigen Gesellschaft als Tabu angesehen wird, aber dennoch unheimlich wichtig ist. Wie weit darf ein Mensch gehen? Spielen nur seine Gefühle eine Rolle oder muss er auch auf andere Rücksicht nehmen? Jojo Moyes verurteilt nicht sondern versucht, dieses komplexe Thema dem Leser aus verschiedenen Perspektiven verständlich zu machen.

Jojo Moyes versteht es, den Charakter der Protagonistin Lou so authentisch wie möglich zu gestalten. Lou stammt aus der Arbeiterklasse, ist offenherzig und sympathisch, und hat vor allem eine positive Grundeinstellung. Will hingegen ist das genaue Gegenteil, aber trotzdem wirkt sein Charakter nicht überzogen.

Dieses Buch ist eine klare Leseempfehlung, aber bitte nicht die Taschentücher vergessen!

Veröffentlicht am 01.05.2017

Spannender Deutscher Thriller

Der Näher
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Martin Abel wird nach Gummersbach versetzt. Dort soll er ungeklärte Fälle vermisster Frauen prüfen. Sein Vorgesetzter will ihn damit aus der Schusslinie ziehen, bis Abel sich seelisch und körperlich von ...

Martin Abel wird nach Gummersbach versetzt. Dort soll er ungeklärte Fälle vermisster Frauen prüfen. Sein Vorgesetzter will ihn damit aus der Schusslinie ziehen, bis Abel sich seelisch und körperlich von den Strapazen der vorangegangenen Falles erholt hat. In Gummersbach sind zwei Frauen verschwunden. Ein grausiger Leichenfund fördert eine Frau zutage, die gerade entbunden hat, während sie in Beton gegossen wurde. Und noch ein schockierendes Detail offenbart die Leiche später in der Rechtsmedizin. Abels Bauchgefühl sagt ihm, dass dieser Fund mit den vermissten Frauen zusammenhängt – die schnellstmöglich gefunden werden müssen, um das schlimmste zu verhindern.

Ich habe die Vorgänger um Martin Abel nicht gelesen und bin super mit der Geschichte zurechtgekommen. Abel ist Fallanalytiker . Er wird als untrainiert und dicklich (wenn nicht sogar übergewichtig) beschrieben, trotzdem gutaussehend und charmant. Manchmal passte das alles nicht in ein Bild, sodass ich irgendwann aufgehört habe, mir Abel bildlich vorzustellen. Seinen Konkurrenten Borchert hingegen konnte ich sofort vor meinen Augen sehen.Seine Art und Weise, mit seinen Mitarbeitern umzugehen, sich auch gegenüber Abel auszudrücken und wie er seine Arbeit macht – all das macht ihn unsympathisch, aber interessant.

Die Rückblenden und Erzählungen aus Sicht des Täters finde ich sehr gelungen, wenn auch unerwartet grausam. Trotzdem gut recherchiert und anschaulich beschrieben. Dazu kam der flüssige Schreibstil, sodass man die Geschichte gut lesen konnte, oder besser: nicht mehr aus der Hand legen konnte! Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, aufgelöst, aufgebaut. Ein spannender Thriller, zu dem es eine klare Leseempfehlung gibt!

Veröffentlicht am 30.03.2017

So füttert man sein Tier krank

Katzen würden Mäuse kaufen
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Wer achtet nicht darauf, seinen Tieren nur das Beste zu füttern? Je teurer, desto besser, denkt man. Schön wäre es. Doch leider verrät uns Hans-Ulrich Grimm etwas ganz anderes. Anders als der Name einen ...

Wer achtet nicht darauf, seinen Tieren nur das Beste zu füttern? Je teurer, desto besser, denkt man. Schön wäre es. Doch leider verrät uns Hans-Ulrich Grimm etwas ganz anderes. Anders als der Name einen denken lässt - kein Märchen, sondern die grausame Wahrheit.

Hier werden die Erzeugnisse der Futtermittelindustrie unter die Lupe genommen. Grimm beschreibt in allen Einzelheiten, wie das Futter vom Schlachthof ins Supermarktregal kommt. Dabei geht es doch gerade darum, dass man das alles eigentlich nicht wissen will – sonst könnte man ja nicht mit gutem Gewissen kaufen. Denn warum sonst kämpft man nicht dafür, dass auch bei Tierfutter alle Inhaltsstoffe klar deklariert werden müssen? Unter „tierische Nebenerzeugnisse“ verbirgt sich alles – bis auf Fleisch. Kann es sein, dass man seinem Liebling wirklich Tierabfälle zum Frühstück gibt – nicht für den menschlichen Verzehr geeignet – und sogar Artgenossen?

Warum sehen die „köstlichen, saftigen“ Fleischstückchen alle gleich aus? Ganz einfach: Zucker und Getreide (was Katzen gar nicht verarbeiten können) werden mit tierischen Abfällen gemischt und schön zusammengepresst. Beim Nassfutter kommt noch ein leckeres Sößchen dazu – fertig! Und dafür gibt man Geld aus?!

Traurig, aber (aus eigener Erfahrung) wahr: Tierärzte werden im Studium nicht in der Ernährung ausgebildet. Einzig die Futterindustrieriesen (z.B. Roy* Can*) geben Seminare, in denen natürlich ihr Futter als das Beste verkauft wird. So kommt es, dass bei den „Luxus-“ Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes etc. Trockenfutter verteilt wird – was alles nur noch schlimmer macht.

Wenn jemandem ein Haustier anvertraut wird, sollte man sich mit dem Thema „Ernährung“ auseinandersetzen – das versucht Grimm hier zu vermitteln. Man sollte darauf achten, dass die Zusammensetzung nicht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist, sondern alles eindeutig klassifiziert ist.

Abzug gibt es für den nicht packenden Schreibstil. Viele Dinge werden reißerisch und sehr subjektiv dargestellt. Einige Themen werden nur kurz angerissen und geraten danach in Vergessenheit. Ausserdem wird hier viel kritisiert, aber es werden kein Lösungsansätze (bzw. Alternativen zum industriellen Futter) geboten.

Durch eine Giardien-Infektion unserer Katze habe ich mich intensiv mit dem Thema Katzenernährung auseinandergesetzt und dieses Buch als Einstieg empfohlen bekommen. Seit hier gebarft wird oder zumindest auf eine offene Deklaration geachtet wird, an der man hochwertiges Futter erkennen kann, habe ich ganz andere Katzen zuhause.

Fazit: Nicht überall, wo Grimm draufsteht, ist Märchen drin! Nichts für eine niedrige Ekelschwelle, aber Pflichtlektüre für jeden Haustierhalter!

Veröffentlicht am 02.07.2019

Hinter dicken Mauern

Herrenhaus
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Weil Sophie das Gefühl hat, von ihrer Tochter als Babysitter ausgenutzt zu werden, beschließ sie, auszuziehen und sich ihre Freiheit wiederzuholen. Das Schicksal meint es gut mit ihr, und so kommt sie ...

Weil Sophie das Gefühl hat, von ihrer Tochter als Babysitter ausgenutzt zu werden, beschließ sie, auszuziehen und sich ihre Freiheit wiederzuholen. Das Schicksal meint es gut mit ihr, und so kommt sie in einer relativ luxuriösen Wohngemeinschaft unter. Ihre Mitbewohner befinden sich, wie Sophie selbst, in den besten Jahren. Der einzige Haken: um mietfrei dort wohnen zu dürfen, betreiben sie einen Begleitservice.
Außerdem sind im Laufe der Zeit Spannungen zwischen den Bewohnern entstanden, die das Zusammenleben nicht vereinfachen. Und als Sophie dann auch noch das Gefühl beschleicht, von einem Stalker bedroht zu werden, ist die Idylle dahin.

Die Geschichte wird aus Sophies Sicht sowie aus der Sicht des Täters erzählt. Wegen des fortgeschrittenen Alters der handelnden Personen sind diese realitätsnah. Es gibt keine unlogischen Kurzschlusshandlungen. Sophie ist besonnen und behält auch in brenzligen Situationen noch einen kühlen Kopf. Ihre Handlungen sind für mich nachvollziehbar, was mir persönlich bei einem Thriller auch wichtig ist.

Die Abschnitte aus der Sicht des Täters sind besonders gut gelungen. Seine Beweggründe und Gedanken sind sehr gut dargestellt. So hat man als Leser das Gefühl, mittendrin zu sein anstatt wie oft nur daneben zu stehen. Der flüssige Schreibstil animiert zum weiterlesen. Auch die vielen ineinander verwobenen Handlungsstränge über die verschiedenen Bewohner sind gut ausgearbeitet. Am Ende eines Kapitels gibt es dann oft einen Cliffhanger, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.
Krimiliebhabern kann ich dieses Buch ans Herz legen!