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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2018

Emotionale Geschichte mit Tränengarantie

Ein ganzes halbes Jahr
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Der Mensch, den man liebt, liebt sein Leben nicht. Wie zeigt man ihm, dass es sich lohnt, zu leben?

Lou, 27, verliert ihren Job im Cafe. Aber da irgendwo das Geld herkommen muss, entschliesst sie sich, ...

Der Mensch, den man liebt, liebt sein Leben nicht. Wie zeigt man ihm, dass es sich lohnt, zu leben?

Lou, 27, verliert ihren Job im Cafe. Aber da irgendwo das Geld herkommen muss, entschliesst sie sich, eine Stelle als Pflegerin bei einem jungen, querschnittsgelähmten Mann anzunehmen. Als sie Will jedoch kennenlernt, ist sie von dieser Idee gar nicht mehr so überzeugt. Denn der entpuppt sich als nörgeliger und verbitterter Mensch. Obwohl Lou immer mehr daran zweifelt, ob sie als ungelernte dieser Aufgabe gewachsen ist, möchte sie diesem jungen Mann helfen, sein Leben wieder geniessen zu können. Doch dass Will das überhaupt nicht möchte und Lous Job nur auf ein halbes Jahr beschränkt, erfährt sie erst später...

Ich weiß nicht, was ich hier schreiben soll, ohne zu viel zu verraten. Vorweg: Das war nach vielen Jahren mein erster Roman. Und er hat mich sehr mitgenommen. Hier wird ein Thema angesprochen, was in der heutigen Gesellschaft als Tabu angesehen wird, aber dennoch unheimlich wichtig ist. Wie weit darf ein Mensch gehen? Spielen nur seine Gefühle eine Rolle oder muss er auch auf andere Rücksicht nehmen? Jojo Moyes verurteilt nicht sondern versucht, dieses komplexe Thema dem Leser aus verschiedenen Perspektiven verständlich zu machen.

Jojo Moyes versteht es, den Charakter der Protagonistin Lou so authentisch wie möglich zu gestalten. Lou stammt aus der Arbeiterklasse, ist offenherzig und sympathisch, und hat vor allem eine positive Grundeinstellung. Will hingegen ist das genaue Gegenteil, aber trotzdem wirkt sein Charakter nicht überzogen.

Dieses Buch ist eine klare Leseempfehlung, aber bitte nicht die Taschentücher vergessen!

Veröffentlicht am 01.05.2017

Spannender Deutscher Thriller

Der Näher
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Martin Abel wird nach Gummersbach versetzt. Dort soll er ungeklärte Fälle vermisster Frauen prüfen. Sein Vorgesetzter will ihn damit aus der Schusslinie ziehen, bis Abel sich seelisch und körperlich von ...

Martin Abel wird nach Gummersbach versetzt. Dort soll er ungeklärte Fälle vermisster Frauen prüfen. Sein Vorgesetzter will ihn damit aus der Schusslinie ziehen, bis Abel sich seelisch und körperlich von den Strapazen der vorangegangenen Falles erholt hat. In Gummersbach sind zwei Frauen verschwunden. Ein grausiger Leichenfund fördert eine Frau zutage, die gerade entbunden hat, während sie in Beton gegossen wurde. Und noch ein schockierendes Detail offenbart die Leiche später in der Rechtsmedizin. Abels Bauchgefühl sagt ihm, dass dieser Fund mit den vermissten Frauen zusammenhängt – die schnellstmöglich gefunden werden müssen, um das schlimmste zu verhindern.

Ich habe die Vorgänger um Martin Abel nicht gelesen und bin super mit der Geschichte zurechtgekommen. Abel ist Fallanalytiker . Er wird als untrainiert und dicklich (wenn nicht sogar übergewichtig) beschrieben, trotzdem gutaussehend und charmant. Manchmal passte das alles nicht in ein Bild, sodass ich irgendwann aufgehört habe, mir Abel bildlich vorzustellen. Seinen Konkurrenten Borchert hingegen konnte ich sofort vor meinen Augen sehen.Seine Art und Weise, mit seinen Mitarbeitern umzugehen, sich auch gegenüber Abel auszudrücken und wie er seine Arbeit macht – all das macht ihn unsympathisch, aber interessant.

Die Rückblenden und Erzählungen aus Sicht des Täters finde ich sehr gelungen, wenn auch unerwartet grausam. Trotzdem gut recherchiert und anschaulich beschrieben. Dazu kam der flüssige Schreibstil, sodass man die Geschichte gut lesen konnte, oder besser: nicht mehr aus der Hand legen konnte! Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, aufgelöst, aufgebaut. Ein spannender Thriller, zu dem es eine klare Leseempfehlung gibt!

Veröffentlicht am 30.03.2017

So füttert man sein Tier krank

Katzen würden Mäuse kaufen
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Wer achtet nicht darauf, seinen Tieren nur das Beste zu füttern? Je teurer, desto besser, denkt man. Schön wäre es. Doch leider verrät uns Hans-Ulrich Grimm etwas ganz anderes. Anders als der Name einen ...

Wer achtet nicht darauf, seinen Tieren nur das Beste zu füttern? Je teurer, desto besser, denkt man. Schön wäre es. Doch leider verrät uns Hans-Ulrich Grimm etwas ganz anderes. Anders als der Name einen denken lässt - kein Märchen, sondern die grausame Wahrheit.

Hier werden die Erzeugnisse der Futtermittelindustrie unter die Lupe genommen. Grimm beschreibt in allen Einzelheiten, wie das Futter vom Schlachthof ins Supermarktregal kommt. Dabei geht es doch gerade darum, dass man das alles eigentlich nicht wissen will – sonst könnte man ja nicht mit gutem Gewissen kaufen. Denn warum sonst kämpft man nicht dafür, dass auch bei Tierfutter alle Inhaltsstoffe klar deklariert werden müssen? Unter „tierische Nebenerzeugnisse“ verbirgt sich alles – bis auf Fleisch. Kann es sein, dass man seinem Liebling wirklich Tierabfälle zum Frühstück gibt – nicht für den menschlichen Verzehr geeignet – und sogar Artgenossen?

Warum sehen die „köstlichen, saftigen“ Fleischstückchen alle gleich aus? Ganz einfach: Zucker und Getreide (was Katzen gar nicht verarbeiten können) werden mit tierischen Abfällen gemischt und schön zusammengepresst. Beim Nassfutter kommt noch ein leckeres Sößchen dazu – fertig! Und dafür gibt man Geld aus?!

Traurig, aber (aus eigener Erfahrung) wahr: Tierärzte werden im Studium nicht in der Ernährung ausgebildet. Einzig die Futterindustrieriesen (z.B. Roy* Can*) geben Seminare, in denen natürlich ihr Futter als das Beste verkauft wird. So kommt es, dass bei den „Luxus-“ Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes etc. Trockenfutter verteilt wird – was alles nur noch schlimmer macht.

Wenn jemandem ein Haustier anvertraut wird, sollte man sich mit dem Thema „Ernährung“ auseinandersetzen – das versucht Grimm hier zu vermitteln. Man sollte darauf achten, dass die Zusammensetzung nicht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist, sondern alles eindeutig klassifiziert ist.

Abzug gibt es für den nicht packenden Schreibstil. Viele Dinge werden reißerisch und sehr subjektiv dargestellt. Einige Themen werden nur kurz angerissen und geraten danach in Vergessenheit. Ausserdem wird hier viel kritisiert, aber es werden kein Lösungsansätze (bzw. Alternativen zum industriellen Futter) geboten.

Durch eine Giardien-Infektion unserer Katze habe ich mich intensiv mit dem Thema Katzenernährung auseinandergesetzt und dieses Buch als Einstieg empfohlen bekommen. Seit hier gebarft wird oder zumindest auf eine offene Deklaration geachtet wird, an der man hochwertiges Futter erkennen kann, habe ich ganz andere Katzen zuhause.

Fazit: Nicht überall, wo Grimm draufsteht, ist Märchen drin! Nichts für eine niedrige Ekelschwelle, aber Pflichtlektüre für jeden Haustierhalter!

Veröffentlicht am 09.01.2019

Potenzial zum Jahreshighlight

Wovon du nichts ahnst
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Vorab sei gesagt: der englische Titel „Copycat“ passt viel besser zu diesem Buch als der Deutsche. Denn er deutet schon an, worum es geht. Der Klappentext ist ebenfalls etwas vage und zeigt gar nicht, ...

Vorab sei gesagt: der englische Titel „Copycat“ passt viel besser zu diesem Buch als der Deutsche. Denn er deutet schon an, worum es geht. Der Klappentext ist ebenfalls etwas vage und zeigt gar nicht, um was für ein wichtiges Thema es sich hier handelt.

Sarah Havenant, Ärztin, dreifache Mutter und Ehefrau, lebt im beschaulichen Städtchen Barrow in Maine. Eines Tages entdeckt sie auf facebook ein Profil mit ihrem Namen. Die Fotos dort zeigen ihr Leben: Ausflüge mit den Kindern, Dates mit ihrem Mann Ben. Das Problem: dies ist weder ihr Profil, noch hat sie die Fotos gemacht. Ein paar Tage später ist das Profil verschwunden, und als sie gerade aufatmet, flattert ein Paket ins Haus. Darin Bücher über dissoziative Störungen und eine Nachricht, in der sie sich selbst um Hilfe bittet. Die Bestellung wurde von ihrem Amazon-Konto getätigt, aber Sarah ist überzeugt, sie nicht aufgegeben zu haben. Genauso wie die Emails, die auf einmal in ihrem Namen verschickt werden, oder die Notizen, die Ben hinterlassen werden, in ihrer Handschrift. Sarah verzweifelt,.

„Bisher war ihr gar nicht klar gewesen, wie angreifbar sie und jeder andere tatsächlich waren. Durch facebook, Twitter, Craigslist, E-Mails, Online-Konten mit knackbaren Passwörtern und dem ganzen restlichen digitalen Fingerabdruck katapultierte man sich mitten ins Auge der Öffentlichkeit, und zwar auf eine Weise, die man noch vor zehn Jahren für töricht und sogar unverantwortlich gehalten hätte. […] Social Media war für die ganze Welt verfügbar.“ Pos. 3189

Dies wird Sarah dann langsam bewusst. Wie so viele ihrer Freundinnen nutzt sie facebook schließlich nur, um mit losen Bekannten in Verbindung zu bleiben. Man gibt ein paar Updates über sein Leben, wie sich die Kinder machen, das ist doch harmlos. Wer sollte daraus Kapital schlagen können?
Sarah ist authentisch gezeichnet. Auf der einen Seite versucht sie, ruhig zu bleiben um der Panik nicht die Oberhand zu geben, doch auf der anderen Seite weiß sie, dass sie ihre Kinder schützen muss – aber vor wem? Vor sich selber? Das meint zumindest Ben, ihr Mann. Nach und nach entfaltet Sarah sich für mich als komplexer Charakter, als auch noch die Beziehungsdynamik ins Spiel kommt. Ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Langsam beginnt sie, angefangen bei ihren Patienten bis hin zu ihrer Schwiegermutter im fernen England alle zu verdächtigen. Wer würde das nicht?

„Nichts wird sich klären, im Gegenteil. Bald wird sie sich wünschen, dass alles wieder so sein könnte, wie es momentan ist. In ihrer Erinnerung werden das jetzt goldenen Zeiten sein. Und das sind sie irgendwie auch. Denn besser wird es nicht mehr für Sarah Havenant.“ Pos. 2829

Und dann, langsam kann Sarah aufatmen. Sie ist fest davon überzeugt, dass sie einen Weg gefunden hat, die Ereignisse aufzuklären. Doch ihr Leben beginnt wieder zu bröckeln, als sie erkennt, wie fest Ben daran glaubt, dass sie eine Persönlichkeitsstörung hat und alle Ereignisse Hilferufe ihres Unterbewusstseins sind. Sie muss Ben davon überzeugen, dass sie nichts mit alledem zu tun hat, dass sie keine Persönlichkeitsstörung hat. Aber das kann sie nicht, denn sie hat keine Beweise.
Langsam verwandelt sich ihre Welt in einen nicht endenden Alptraum – und die dunkle Spirale zieht sie immer weiter nach unten. Allerdings sind auch Bens Zweifel absolut nachvollziehbar. Auch wenn er seine Frau unterstützen will und ihr den Rücken stärken möchte, er ist sich nicht sicher, was er glauben kann. Und dann sind da noch seine Kinder, die er notfalls vor ihrer Mutter schützen muss.

„Endlich. Denn jetzt, nach all dem Planen und Warten und Beobachten, geht es richtig los. Das dichte Netz wird schon lange gesponnen. Und nun hat sie einen Faden davon in die Hand bekommen und wird daran ziehen. Und wenn sie es tut, wird sich das Netz auf eine Art und Weise auftrennen, die sie sich bisher überhaupt nicht vorstellen kann. Es gibt viele Fäden darin. [….] Durch den Versuch des Entwirrens verwickelt sie sich lediglich. Sie steckt fest. Ist gefangen.“ Pos. 402

Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt. Anfangs eine kurze Rückblende, dann überwiegend aus Sarahs Sicht. Zwischendurch kommt der Täter zu Wort. Man erfährt nichts über seine Identität, über seine Beweggründe. Das trägt zur unterschwelligen Spannung bei. Denn so, wie man Sarah kennen lernt, hat man nicht den Eindruck, dass sie jemandem etwas Böses angetan hat. Nachdem ich den dritten Teil begonnen hatte, konnte ich gar nicht schnell genug lesen. Auch der Schreibstil hat viel zur Spannung beigetragen. Klare Sätze, wenig drumherum. Ich habe mit Sarah mitgefiebert, wollte nicht, dass sie selbst hinter all dem steckt, habe ihre Verzweiflung gespürt und wollte ihr helfen.

Fazit: Eine spannende Geschichte, die uns noch einmal ermahnt, nicht zu leichtfertig mit unserem digitalen Fußabdruck umzugehen.

Veröffentlicht am 09.01.2019

solide Idee

Ich weiß, wo sie ist
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Francine ist sich sicher, dass ihre seit zehn Jahren verschwundene Tochter lebt. In diesem Glauben wird sie bestärkt, als sie einen Zettel findet, auf dem steht „Ich weiß, wo sie ist“. Sie ist sich sicher, ...

Francine ist sich sicher, dass ihre seit zehn Jahren verschwundene Tochter lebt. In diesem Glauben wird sie bestärkt, als sie einen Zettel findet, auf dem steht „Ich weiß, wo sie ist“. Sie ist sich sicher, dass sie nun einen Weg finden wird, Autumn zu retten. Francines Exmann möchte mit alledem nichts zu tun haben. Für ihn ist klar, dass Autumn nicht mehr lebt.
Francine steigert sich jedoch immer weiter in die Vorstellung hinein, ihre Tochter endlich wieder in die Arme zu schließen. Und irgendwann entwickelt sich das zu einer Besessenheit.

Die Charaktere sind leider etwas oberflächlich geblieben. Ich fand Francine sehr unsympathisch und konnte ihren Schmerz nicht mitfühlen. Ihre Entscheidungen waren für mich unüberlegt und zu impulsiv, und sie hat oft mehr Glück als Verstand. Ich fand ihre Art fast schon nervig und übertrieben. Als Mutter eines verschwundenen Kindes klammert man sich sicher an jeden Strohhalm, aber hier wirkte es manchmal weit hergeholt. Auch die anderen Charaktere blieben blass, oft hatte ich das Gefühl, dass der Zufall eine große Rolle spielt und so war vieles leider vorhersehbar. Viel mehr kann ich kaum schreiben, ohne zu spoilern.

Der Schreibstil hingegen war sehr gut, auch die unterschiedlichen Perspektiven haben die Story vorangetrieben und die Spannung erhöht. Die Kapitel hatten eine tolle Länge, um nur noch kurz eines zu lesen und dann das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können. Alles in allem ein solider Thriller, der einen nach den ersten Seiten packt.