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Veröffentlicht am 09.03.2026

Eine bunte Mischung

Der stille Freund
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Mit „Der stille Freund“ liefert Ferdinand von Schirach seinen dritten Erzählband, der insgesamt 14 Kurzgeschichten und Beobachtungen enthält. Die Themen sind breit gestreut und umfassen unter anderem Sicherheit, ...

Mit „Der stille Freund“ liefert Ferdinand von Schirach seinen dritten Erzählband, der insgesamt 14 Kurzgeschichten und Beobachtungen enthält. Die Themen sind breit gestreut und umfassen unter anderem Sicherheit, den Sinn des Lebens und den Umgang mit dem Tod. Zwischendurch geht es auch immer wieder um historische Persönlichkeiten und Begebenheiten.

Wie gewohnt erzählt Schirach einfach und präzise. Mich konnten besonders Geschichten wie „Spiegelstrafe“ und „Ornament mit Verbrechen“ überzeugen, in denen es um moralische Dilemmata und menschliche Abgründe geht. Diese erinnern sehr an Schirachs Stories und sind teilweise wirklich keine leichte Kost.

Auch die anderen Geschichten beinhalten im Großen und Ganzen interessante Gedanken, die bei mir aber nicht so sehr nachgehallt haben. Ich muss zugeben, dass es auch einzelne Geschichten gab, bei denen ich nicht ganz verstanden habe, welche Intention hinter ihnen steckt. Trotzdem ließ sich jeder Eintrag gut lesen.

Alles in allem eine bunte Mischung an Geschichten, die um die typischen Themen des Autors kreisen und mal mehr, mal weniger zum Nachdenken anregen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Fehlende Spannung

Seven Deadly Thorns – Ein Herz so schwarz wie Ebenholz
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In „Seven Deadly Thorns“ geht es um Viola, die ihre Schattenmagie um jeden Preis verbergen muss. Als die Königin Violas Geheimnis auf die Spur kommt, setzt sie ihren Sohn Roze auf sie an. Doch Roze bietet ...

In „Seven Deadly Thorns“ geht es um Viola, die ihre Schattenmagie um jeden Preis verbergen muss. Als die Königin Violas Geheimnis auf die Spur kommt, setzt sie ihren Sohn Roze auf sie an. Doch Roze bietet Viola einen Deal an: Wenn sie ihm hilft, den Tod seines Vaters aufzuklären, wird er sie verschonen …

Der Beginn von „Seven Deadly Thorns“ war ziemlich vielversprechend. Trotz des hohen Tempos habe ich gut in die Handlung gefunden. Auch die kurzen Zusammenfassungen der Abschnitte im Märchenstil haben mir sehr gefallen. Im Mittelteil hat die Geschichte jedoch leider an Tempo verloren.

Der Fokus der Handlung liegt auf den Ermittlungen von Roze und Viola, die nur schleppend vorankommen. Zudem arbeiten die beiden eher aneinander vorbei als zusammen, wodurch sich die fehlenden Fortschritte erklären lassen. Nach Beenden des Buches wurde zwar deutlich, wieso die Handlung so ablaufen musste, jedoch hätte ich mir dann einen anderen Handlungsfokus gewünscht, da meiner Meinung nach zu wenig passierte. Tatsächlich hätte ich ein Buch über die angedeutete Geschichte der Eltern wahrscheinlich interessanter gefunden.

Ein weiteres Problem ist der relativ kurze Handlungszeitraum von nur sieben Tagen. Hierdurch gab es wenig Zeit, die Liebesgeschichte zu entwickeln. Generell wirkten die Charaktere auf mich noch unausgereift und die Nebenfiguren waren eher Werkzeuge und keine relevanten Charaktere. Ähnliches gilt für das Worldbuilding, das – wie in Märchen üblich – auch nur angedeutet wurde.

Alles in allem eine interessante Grundidee, die mich in der Umsetzung aufgrund der fehlenden Spannung leider nicht überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Ein gelungenes Debüt

Hazel sagt Nein
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In „Hazel sagt Nein“ geht es um die Familie Blum, die aus finanziellen Gründen in eine neue Stadt zieht. Das Familienleben wird jedoch auf den Kopf gestellt, als Hazel die unerwünschte Annäherung ihres ...

In „Hazel sagt Nein“ geht es um die Familie Blum, die aus finanziellen Gründen in eine neue Stadt zieht. Das Familienleben wird jedoch auf den Kopf gestellt, als Hazel die unerwünschte Annäherung ihres Schuldirektors abblockt und eine Kette von Ereignissen in Gang setzt …

„Hazel sagt Nein“ gehört zu der Art von Büchern, die ich eher selten lese, weshalb ich nicht wirklich wusste, was mich erwartet. Entsprechend war ich positiv überrascht, dass mich die Handlung von Beginn an in ihren Bann gezogen hat. Dies liegt meiner Meinung nach vorrangig am nüchternen und präzisen Erzählstil von Jessica Berger Gross, der den Leser zum stillen Beobachter macht. Vor allem Hazels Reaktion auf das Angebot und ihre Gedankengänge werden sehr eindrücklich geschildert.

Eine weitere Stärke des Romans liegt in seiner Alltäglichkeit. Neben der Perspektive von Hazel, gibt es auch Kapitel, die ihrem Bruder Wolf sowie den Eltern Gus und Claire folgen. Alle vier haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Hier zeigt sich, dass sich Belästigung nicht nur auf das Opfer, sondern auf das gesamte Umfeld auswirkt und das ganze weitere Leben beeinflusst.

Während die erste Hälfte des Romans durch seine Authentizität und den Fokus auf die negativen Auswirkungen überzeugt, schwenkt die Handlung im zweiten Teil ins andere Extrem um. Plötzlich geschehen viele positive Dinge, unter denen die Glaubwürdigkeit und Übertragbarkeit auf das reale Leben meinem Empfinden nach leider etwas gelitten haben. Das Ende hat mir dafür wieder gut gefallen, auch wenn es noch etwas weniger rund hätte sein dürfen.

Alles in allem ein gelungenes Debüt, das ein wichtiges Thema – trotz kleinerer Schwächen in der zweiten Hälfte – eindrucksvoll umsetzt.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Eine mutige Sportsromance

Run Like A Girl
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In „Run like a Girl“ geht es um Dera, die unfreiwillig zu ihrem Vater ziehen muss. Weil es an ihrer neuen Schule kein Laufteam für Mädchen gibt, schließt sie sich dem Jungsteam an, um ihren Traum von Olympia ...

In „Run like a Girl“ geht es um Dera, die unfreiwillig zu ihrem Vater ziehen muss. Weil es an ihrer neuen Schule kein Laufteam für Mädchen gibt, schließt sie sich dem Jungsteam an, um ihren Traum von Olympia weiterverfolgen zu können. Im Team wird sie jedoch alles andere als herzlich aufgenommen …

Wie bereits bekannt sein sollte, liebe ich Sportsromance. Auch für „Run like a Girl“ habe ich mich vorrangig aufgrund des Sportaspekts interessiert, jedoch hat dieses Buch noch so viel mehr zu bieten. Neben der Leichtathletik geht es um Freundschaft, Kampfgeist, Entfremdung und intersektionelle Diskriminierung.

Die Protagonistin Dera ist eine echte Kämpferin. Obwohl sie vor allem zu Beginn stark angefeindet wird, denkt sie nie ans Aufgeben. Es war berührend, zu lesen, wie sie langsam Teil der Gruppe wird – dabei bleibt die Geschichte jedoch realistisch, denn obwohl Dera Anschluss findet, ist sie weit davon entfernt, von allen anerkannt zu werden.

Die Charakterentwicklung von Deras hat mir insgesamt gut gefallen, jedoch hätte es sogar noch mehr Potenzial gegeben. Den überwiegenden Teil der Geschichte ist Dera ziemlich ich-bezogen und blind gegenüber der Tatsache, dass auch ihre Mitmenschen Probleme haben. Am Ende des Buches wird ihr dies auch von einer anderen Figur vorgeworfen, jedoch hätte das Thema gerne früher aufkommen können, um ihm mehr Raum zu geben.

Zwei wichtige Nebenfiguren sind Liam und Gael, die wie Dera beide im Laufteam sind. Vor allem Liam habe ich aufgrund seines herzlichen Verhaltens und seiner Unvoreingenommenheit ins Herz geschlossen. Auch Gael, der Loveinterest von Dera, konnte mich mit seiner ruhigen Art von sich überzeugen. Beide sind im Umgang miteinander ziemlich unbeholfen, was für einige süße Szenen sorgt, die ich mit einem Grinsen im Gesicht gelesen habe.

Alles in allem eine mutige Sportsromance, die nicht nur eine süße Liebesgeschichte liefert, sondern auch viele gesellschaftlich relevante Themen anschneidet.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt

The Poet Empress
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In „The Poet Empress“ geht es um Wei, die Konkubine des angehenden Kaisers Terren wird, weil sie ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen möchte. Doch Terren ist grausam und Wei beschließt, ein Herzseelengedicht ...

In „The Poet Empress“ geht es um Wei, die Konkubine des angehenden Kaisers Terren wird, weil sie ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen möchte. Doch Terren ist grausam und Wei beschließt, ein Herzseelengedicht zu schreiben, um das Reich von ihm zu befreien …

Die Protagonistin Wei war mir von Beginn an sympathisch. Sie ist eine Bauerntochter, die nicht länger mit ansehen möchte, wie ihre Geschwister verhungern, und sich deshalb aus Verzweiflung als Konkubine anbietet. Im Palast wird sie wie ein Stück Fleisch behandelt und muss sich selbst Gewalt antun, um zu überleben. Ihre Entwicklung hat mich sehr mitgenommen. Denn um im Palast bestehen zu können, muss sie ihre Grenzen verschieben und ihre Prinzipien über Bord werfen.

Obwohl Wei die Erzählerin ist, geht es in „The Poet Empress“ eigentlich um Terren und seinen älteren Bruder Maro. Nach und nach spricht Wei mit verschiedenen Menschen, um Terrens Vergangenheit zu verstehen, und stößt dabei auf die Geschichte von zwei Brüdern, die durch die Machtkämpfe der Erwachsenen auseinandergetrieben worden sind.
Obwohl Terren für viel Leid verantwortlich ist, konnte ich nicht anders, als mit ihm zu fühlen. Denn der Autorin gelingt es, ihn menschlich wirken zu lassen, ohne seine Taten zu entschuldigen. Vor allem die abschließenden 100 Seiten, in denen die letzten Geheimnisse aufgedeckt werden, haben mich sehr berührt. Generell war das Ende des Buches bittersüß und anders als erwartet, aber im Nachhinein absolut passend.

Auch das Magiesystem ist meiner Meinung nach wirklich gelungen, denn Magie wird mithilfe von Sprüchen gewirkt. Auf diese Weise ist sie nicht an einzelne Personen gebunden, sondern an die Schreibfähigkeit, die Wei sich im Verlauf aneignet. Ich hätte es schön gefunden, wenn an einigen Stellen noch etwas intensiver auf die Magie und die Welt eingegangen worden wäre.

Alles in allem zeigt „The Poet Empress“, dass Geschichten nicht immer laut sein müssen, um eine Wirkung zu entfalten. Mir wird das Buch sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

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