Dornenhecke
DornenheckeMit diesem fantastischen Buch „Dornenhecke – Nicht alle Flüche sollten gebrochen werden“ hat die Autorin T. Kingfisher einen eigenständigen Roman geschrieben. Dieses Werk orientiert sich an dem Märchen ...
Mit diesem fantastischen Buch „Dornenhecke – Nicht alle Flüche sollten gebrochen werden“ hat die Autorin T. Kingfisher einen eigenständigen Roman geschrieben. Dieses Werk orientiert sich an dem Märchen Dornröschen, erzählt aber eine bisher eher unbekannte Version des Märchens.
Klappentext:
Es war einmal eine Prinzessin, die in einem Turm festsaß. Diese Geschichte handelt nicht von ihr. Kurz nach ihrer Geburt wird Krötling von den Feen entführt. So wächst sie zwar fern von ihrer Familie, doch geliebt und geborgen in den warmen Wassern des Feenlandes auf. Eines Tages wenden sich die Feen mit einer Bitte an sie: Sie soll in die Menschenwelt zurückkehren, um ein Neugeborenes mit einem schützenden Segensspruch zu bedenken. Klingt einfach, oder? Doch bei den Feen ist nichts jemals einfach. Jahrhunderte später nähert sich ein Ritter einer hohen Dornenhecke, deren Stacheln so scharf wie Schwerter und dick wie Unterarme sind. Wie er gehört hat, gibt es hier einen Fluch zu brechen – einen Fluch, den Krötling mit aller Macht aufrechterhalten will …
Bisher hatte ich schon ein paar Bücher aus der Feder von Kingfisher gelesen. Diese haben von dem Soldat Alex Easton gehandelt und waren im Bereich Horror und Nervenkitzel einzuordnen. Beide konnten mich auf ihre Art überzeugen und daher war ich sehr auf diese Neuinterpretation von Dornröschen und die Umsetzung hierzu gespannt. Voller Vorfreude habe ich mich an dieses Büchlein gemacht und meine Erwartungen sind nicht enttäuscht worden.
Schon die Gestaltung finde ich sehr ansprechend. Dieser Roman ist mit thematisch passenden und ansprechenden Illustrationen versehen, welche den Leser auf den Inhalt einstimmen.
Und auch dieses Mal ist der Erzählstil wieder spannend und märchenhaft zugleich. Gekonnt wird hier eine dichte und unterschwellig düstere Atmosphäre erschaffen, welche wirklich richtig gut zu dieser Neuinterpretation von Dornröschen passt. Kingfisher spielt hier gekonnt mit ein paar Klischees der Märchen und setzt sie gut in Szene und verwandelt sie dabei meisterhaft in etwas ganz Anderes. Besonders gefällt mir hier auch der Mix zwischen dem Humor, welcher auf jeder Seite mitschwingt und der Prise Horror, welche gekonnt in der richtigen Dosis beigemischt wurde. Dies führt dazu, dass sich das Buch angenehm lesen lässt und die Seiten fliegen dank des flüssigen Schreibstil nur so dahin. Gelungen finde ich auch die Umsetzung der beiden Zeitstränge. Die Autorin Kingfisher weiß definitiv, wie man die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpft und dabei Bilder beim Leser erzeugt und gleichzeitig eine dichte Handlung erschafft. Beide greifen gelungen ineinander. Dabei bekommt der Leser einen vielseitigen Eindruck in das bisherige Leben der Protagonisten.
In dieser Neuinterpretation des Märchens stehen eher die Nebencharaktere im Mittelpunkt. Die Protagonistin ist in „Dornenhecke“ die Fee Krötling, welche es bisher nicht immer leicht hatte. Immer besser lernen wir Krötling kennen, erfahren mehr über ihre Vergangenheit und auch über ihre Familie. Auch über die wichtige Aufgabe von Krötling bekommen wir Stück für Stück immer neue Informationen, sodass sich langsam ein Gesamtbild zusammensetzt. Von Seite zu Seite ist mir Krötling mehr ans Herz gewachsen. Ich mochte ihr gutes Herz und ihr Blick auf die Welt, aber auch wie verantwortungsvoll sie ihre Aufgabe umsetzt. Sie muss alleine diesen dornengeschützten Turm bewachen. So langsam fragt man sich als Leser, was wohl in diesem lauert und wer geschützt werden soll? Der Inhalt des Turmes vor der Außenwelt oder doch eher anders herum? Der männliche Gegenpart ist der Ritter Halim, welcher viel mehr zu bieten hat als eine rittertypische glänzende Rüstung. Auch er hat das Herz am richtigen Fleck und ich fand es sehr interessant, mehr über seine Geschichte zu erfahren, weil er einfach viel mehr zu bieten hat und so manche interessante Facette aufweisen kann. Ich persönlich mochte das Wechselspiel zwischen Krötling und Halim sehr gerne. Es hat mir Spaß gemacht, die Gespräche der beiden zu verfolgen und wie sie sich gegenseitig kennen gelernt haben, nur zu gerne habe ich diese Entwicklung gebannt gelesen.
Obwohl dieses Buch nur etwa 130 Seiten stark ist, hat es doch so einige wesentliche Themen zu bieten. Krötling muss sich in einer nicht immer freundlichen Welt behaupten, sie musste ihren Platz in der Welt finden und auch eine Familie ist für sie nicht selbstverständlich. Als ihr dann eine wichtige Aufgabe übertragen wird, meistert sie diese gewissenhaft und ist sich der Konsequenzen bewusst, falls sie versagen sollte. Aber auch Freundschaft und unterschiedliche Herkunft spielen eine wichtige Rolle, wie sie ein Wesen prägen können. In dieser Märchenadaption steckt so viel mehr, als man zunächst vermuten könnte.
Das Ende fand ich recht unterhaltsam, wenn auch teilweise etwas überstürzt. Hier hätten mir ein paar Seiten mehr und damit auch ein paar weitere Ausführungen gut gefallen. Mir persönlich war es etwas zu schnell geklärt.
Insgesamt konnte mich T. Kingfisher mit „Dornenhecke – Nicht alle Flüche sollten gebrochen werden“ gut unterhalten. Ich fand die Neuinterpretation des Märchens ansprechend. Positiv fand ich sowohl die Charaktere, als auch der humoristische Erzählstil mit der düsteren Atmosphäre. Bloß die Auflösung fand ich etwas zu schnell abgehandelt. Hierfür möchte ich 4 Sterne vergeben und ich bin schon auf das nächste Werk aus der Feder von Kingfisher gespannt.