Profilbild von Minijane

Minijane

Lesejury Star
offline

Minijane ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Minijane über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2021

Ein 2 Generationen Roadtrip

Goldene Zeiten im Gepäck
0

Mit ihrem Roman "Goldene Zeiten im Gepäck" hat Adriana Popescu zunächst einmal einen Titel gefunden, der wirklich hundert Prozent zur erzählten Geschichte passt, denn eine der beiden Hauptprotagonistinnen ...

Mit ihrem Roman "Goldene Zeiten im Gepäck" hat Adriana Popescu zunächst einmal einen Titel gefunden, der wirklich hundert Prozent zur erzählten Geschichte passt, denn eine der beiden Hauptprotagonistinnen ist eine ehemalige Olympiateilnehmerin, Goldhoffnung 1956 in Australien.

Die immer noch rüstige Elisabeth Kaiser lebt in einem Seniorenheim bei Stuttgart, wo sie unter anderem von der Pflegehelferin Karla Metuschke betreut wird. Die junge Frau hat einen nicht ganz legalen Nebenverdienst für sich entdeckt und wird daraufhin von Frau Kaiser, die ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen ist, erpresst. Es geht der alten Dame aber nicht um Geld. Sie möchte vielmehr mit Karla eine Reise machen, um einen Fehler aus der Vergangenheit wiedergutzumachen

So wird auch der Leser auf einen wunderbaren Roadtrip quer durch Europa mitgenommen, der durch immer wieder neue, oft witzige Ideen der Autorin niemals langweilig wird und bei dem einem die Charaktere immer mehr ans Herz wachsen. Die Geschichte wird in der Gegenwart aus Karla's Sicht erzählt, es gibt aber auch viele spannende Rückblicke aus Elisabeth's Sicht, die ihre große Zeit als Weltklasseschwimmerin bei den Olympischen Spielen in Melbourne 1956 Revue passieren lassen, wo sie als unerfahrene 17Jährige auf ihre große Liebe, den rumänischen Schwimmer Florin Petresucs trifft.

Diese Passagen aus dem olympischen Dorf waren wirklich ein Highlight für mich, hat die Autorin hier doch auch wahre Persönlichkeiten miteingewoben.

Der ganze Roman war für mich ein einziges Lesevergnügen, spritzig und bildhaft erzählt, die Landschaften so beschrieben, dass man sie vor dem geistigen Auge miterlebt . Selbst der alterschwache Renault mit dem Namen Lola, der tapfer bis Rumänien durchhält hat Charakter und passt zu dem eigenwilligen Duo, dass immer mehr zu Freundinnen zusammenwächst. Adriana Popescu hat einen herzerwärmenden Roman mit Tiefgang geschrieben in dem es auch um Mut und 2. Chancen geht , um Freundschaft und die große Liebe. Diese emotionale Roadtripgeschichte war etwas ganz Besonderes und ich könnte noch ewig weiterschwärmen.

Einfach mal lesen, gerade in diesen Zeiten ein echtes Genussbuch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2021

Den Platz im Leben finden

Dieses ganze Leben
0

Bewertet mit 4.5 Sternen

In dem Buch "Dieses ganze Leben" von Raffaella Romagnolo übersetzt aus dem Italienischen, geht es um Paola de Giorgi kurz vor ihrem 16. Geburtstag. Sie hat ein schönes Zuhause. ...

Bewertet mit 4.5 Sternen

In dem Buch "Dieses ganze Leben" von Raffaella Romagnolo übersetzt aus dem Italienischen, geht es um Paola de Giorgi kurz vor ihrem 16. Geburtstag. Sie hat ein schönes Zuhause. Ihre Eltern sind wohlhabend. Sie sollte ein glücklicher und zufriedener Teenager sein. Stattdessen hadert sie mit ihrem Leben. Es fängt schon einmal damit an, dass sie ihren etwas übergewichtigen Körper hasst, ihre Schwabbelbeine, ihre Haare, ihre fettige Haut. Da ist es auch nicht hilfreich, dass ihre Mutter ihr eine Waage schenkt. In der Schule wird sie gemobbt, und der einzige Mensch dem sie uneingeschränkt vertraut ist ihr behinderter Bruder Ricci. Wenn die Mutter sie täglich zu 60 Minuten strammen Laufen verdonnert, macht sie sich mit ihrem Bruder im Rollstuhl auf den Weg und nutzt die Zeit mit ihm dem unerträglichen Alltag zu entfliehen. Dabei überqueren die Beiden dann die Schnellstraße zur Arbeitersiedlung Margeriten, die die Mutter hasst wie die Pest und stopfen sich mit Junkfood aus dem Büdchen voll. Eine Begegnung mit Antonio und dessen Bruder Filippo, die in der Siedlung zu Hause sind, die von der Baufirma der Familie di Giorgi errichtet wurde, verändert Paola's Sicht auf das Leben und ist auch für Ricci eine Bereicherung. In diesem Roman wird die Geschichte einer Familie erzählt, es gibt einen großen Familienskandal, es geht um arm und reich um Werte, die Liebe und den Umgang mit Behinderungen.

Die Ich- Erzählerin Paola erzählt in einer ausschweifenden oft schnodderigen Art, ist zynisch und weitsichtig. Es macht Spaß ihren Ausführungen zu folgen. Besonders am Anfang geht sie sehr selbstkritisch mit sich selbst zu Gericht. Auf jeden Fall hat Paola die Gabe den Finger genau in die Wunde zu drücken. Ehrlichkeit ist ihr wichtig. Umso schlimmer ist es für sie, als sie entdeckt, dass ihre Eltern Lügner sind. Zu ihrem Bruder Ricci hat Paola eine sehr enge Verbindung. Klar, necken sie sich auch wie ganz normale Geschwister, aber durch seine Behinderung hat Ricci von klein auf eine Sonderrolle in der Familie. Sein Tun wird ständig durchleuchtet, ob es ein Symptom für irgendwas ist und ob man einen Arzt hinzuziehen sollte. Nur Paola behandelt ihn normal und hat mit der Zeit eine Beziehung zu ihm aufgebaut, die über eine normale Geschwisterbeziehung hinausgeht.

Schön ist, dass sich die Figuren, die die Autorin sehr authentisch zeichnet, im Laufe des Romans weiterentwickeln. So gelingt es Paola nicht nur sich im Laufe des Buches mit ihrem äußeren Erscheinungsbild zu arrangieren, sie fasst auch wieder Vertrauen und erlaubt es sich und ihrem Bruder etwas eigenständiger zu werden.

Für mich war es ein rundherum gelungener Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und gerne weiterempfehle. Manchmal fand ich die Sprache von Paola aber zu erwachsen für eine 16Jährige. Erwähnenswert auch die Nebenfiguren wie den Gärtner, der die Oma umschwärmte und die rumänische Nanny, die ich allerliebst fand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2020

Konnte mich nicht überzeugen

The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman
0

Gavin ist Profisportler und auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. Gleichzeitig knirscht es in seiner Ehe so gewaltig, dass seine Ehefrau Thea schon an Scheidung denkt und das nach 3 Jahren Ehe ...

Gavin ist Profisportler und auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. Gleichzeitig knirscht es in seiner Ehe so gewaltig, dass seine Ehefrau Thea schon an Scheidung denkt und das nach 3 Jahren Ehe und zwei gemeinsamen Kindern. Im Gegensatz zu seiner Frau möchte Gavin unbedingt um seine Ehe kämpfen. Er liebt Thea noch und wendet sich verzweifelt um Hilfe an seine Freunde. Zu seinem Erstaunen haben diese einen kuriosen Vorschlag. Sie haben sich nämlich auf die Fahnen geschrieben ihre Frauen besser verstehen zu wollen und treffen sich deshalb heimlich um Liebesromane zu lesen und diese im Dienste der Liebe zu analysieren. Sie geben Gavin eine historische Liebesschnulze an die Hand und ermuntern ihn, sich den darin vorkommenden Grafen zum Vorbild zu nehmen.

Die Buchidee fand ich richtig witzig und tatsächlich hat mich die Autorin Lyssa Kay Adams zum Schmunzeln und zum Lachen gebracht. Der Buchclub ist allerdings leider nur ein Nebenschauplatz. Gavin schaut dem Grafen tapfer über die Schulter und kopiert ihn fleißig.Das war's. Insgesamt scheint mir das Beziehungsproblem von Thea und Gavin reichlich aufgebauscht. Hier wird ein künstliches Drama inzeniert, das man mit ein paar Gesprächen sicher schnell hätte auflösen können. Stattdessen zieht der arme Mann erst aus, dann mit Ultimatum wieder ein..... Thea's Position finde ich auch völlig unverständlich. Dass sie so schnell das Handtuch werfen möchte, kann ich nicht nachvollziehen. Sie lieben sich, haben zwei niedliche Mädchen, so what???? Bei den kleinsten Schwierigkeiten laufen gehen, ist nicht gerade erwachsen.

Schade, das Buch konnte mich nicht überzeugen und die Fortsetzung werde ich mir wohl sparen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2020

Wie ein Monster erschaffen wird

Der rote Apfel
0

Bewertet mit 4.5 Sternen

Einen koreanischen Thriller hatte ich bisher noch nie gelesen und das schwarze Cover mit der roten Schrift, der Apfelblüte, Blättern und den Blutspritzern macht es wahrlich zu ...

Bewertet mit 4.5 Sternen

Einen koreanischen Thriller hatte ich bisher noch nie gelesen und das schwarze Cover mit der roten Schrift, der Apfelblüte, Blättern und den Blutspritzern macht es wahrlich zu einem Eyecatcher. In ihrer Heimat Korea ist Mi Ae Seo eine bekannte Bestsellerautorin, und ich war sehr gespannt ob "Der rote Apfel" nach meinem Geschmack sein würde.

Der in der Todeszelle sitzende Serienmörder Lee Byongdo hüllt sich in Schweigen was seine Taten angeht. Die Polizei ist im Unklaren über seine Motivation und will auch nicht ausschließen, dass es viel mehr Opfer gibt, als bisher bekannt wurde. Um so überraschender ist sein Vorschlag doch mit einer einzigen Person zu reden, der jungen Kriminalpsychologin Sonkyong. Dieser ist der Fall zwar bekannt, sie ist sich aber sicher Lee Byongdo nie begegnet zu sein.Die Neugierde der jungen Frau überwiegt ihr Unbehagen und sie willigt ein den Mörder im Gefängnis zu befragen.

Zeitgleich nehmen Sonkyong und ihr Ehemann Chaesong dessen 10jährige Tochter aus 1. Ehe bei sich auf. Seine Ehefrau ist inzwischen verstorben und das Mädchen hatte bei seinen Großeltern gelebt, bis das Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Während die Großeltern dem Feuer zum Opfer gefallen sind, hat die kleine Hayong den Brand überlebt. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig und es wird immer deutlicher, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt.

Anders als bei anderen Thrillern wird der Leser nicht in ein Geschehen hineingeworfen, sondern wächst langsam in die Geschichte hinein. Die Autorin erzählt aus wechselnden Perspektiven, und der Verlauf der Geschichte ist bis auf das Ende folgerichtig und wenig überraschend. Auch werden weniger die Bluttaten von Lee Byongdo ausführlich gschildert, als eher die Psyche beleuchtet. Die Kernfrage dieses Buches ist, was alles passieren muss, dass ein Kindheitstrauma sich so verfestigt, dass dieser Mensch nur noch die Gewalt für sich als Ausweg sieht. Dass ein Täter irgendwo auch immer selbst ein Opfer ist, wird bei diesem Thriller mehr als deutlich. Beim Lesen bekommt man an manchen Stellen wirklich eine Gänsehaut. Sonkyong war für mich die zentrale Figur der Geschichte, eine sehr einfühlsame Protagonistin, die aber trotz ihrer psychologischer Schulung manchmal nicht so ganz gecheckt hat, was gespielt wurde.

Mir hat dieser Thriller wirklich gut gefallen, und ich empfehle ihn gerne weiter.

(Triggerwarnung -Gewalt gegen Kinder)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2020

Verstörend

Der Mädchenwald
0

Elissa hat eine Leidenschaft fürs Schachspielen und ist mit ihren 13 Jahren inzwischen richtig gut. Mit ihrer Mutter fährt sie zu einem Kinderschachtunier und wird dort entführt. Man verfrachtet sie in ...

Elissa hat eine Leidenschaft fürs Schachspielen und ist mit ihren 13 Jahren inzwischen richtig gut. Mit ihrer Mutter fährt sie zu einem Kinderschachtunier und wird dort entführt. Man verfrachtet sie in ein Verlies in einem Waldgebiet und Elissa ahnt, dass sie nicht das erste Mädchen ist, dass hier gelandet ist. Neben ihrem Entführer, der mit ihr nur in einer gruseligen Flüsterstimme spricht, wird sie zu ihrem Erstaunen von einem Jungen namens Elijah besucht. Elissa schöpft Hoffnung, dass die heimlichen Besuche des Jungen ihre Rettung sein könnten. Der Junge scheint mit seinen Eltern in einer abgeschiedenen Hütte im Wald zu leben, kennt weder Handys noch Internet und wirkt irgendwie gestört.

Elissa versucht ihre Situation durch ihre Fähigkeiten, die sie sich durch das Schachspielen erworben hat zu verbessern. Das fand ich interessant. So bekommt sie z.B ein besseres Raumgefühl, als sie sich ihre Zelle in Schachfelder einteilt. Auch versucht das sehr analytisch denkende Mädchen immer wieder versteckte Nachrichten an die Außenwelt zu schicken. Sie ist unglaublich schlau und mutig und man kann kaum glauben, dass sie erst 13 Jahre alt sein soll,

Dieser spannende Thriller hat mich als Hörbuch wirklich überzeugt. Er wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und für jeden Protagonisten gibt es einen eigenen Sprecher. Eine Erzählstimme ist natürlich die von Elissa. Hinzu kommen die Perspektiven von Elijah und der Polizistin Mairéad. Alle 3 Sprecher machen einen großartigen Job und man mag das Hörbuch kaum unterbrechen. Tanja Geke, Monika Oschek und Gerrit Schmidt-Foß haben dieses Hörbuch gemeinsam eingesprochen, und man merkt das sie Profis auf ihrem Gebiet sind.

Die Geschichte wird zum Ende hin immer spannender, und die Auflösung hält so manche Überraschung bereit. Lediglich die Frage, warum gerade Elissa als Entführungsopfer ausgewählt wurde, ist mir nicht klar geworden. Trotzdem ein spannender Hörgenuss, den ich empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere