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Veröffentlicht am 19.11.2020

Ansprechender Debütauftakt

Mord auf Vlieland
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"Mord auf Vlieland" ist der Auftakt einer neuen regionalen Krimiserie, die zur Abwechslung mal in unserem sympathischen Nachbarland Holland spielt. Dass auch der Autor Jan Jacobs sich dort gerne aufhält, ...

"Mord auf Vlieland" ist der Auftakt einer neuen regionalen Krimiserie, die zur Abwechslung mal in unserem sympathischen Nachbarland Holland spielt. Dass auch der Autor Jan Jacobs sich dort gerne aufhält, merkt man sofort. Mit viel Liebe zum Detail entwickelt er die Geschichte rund um Griet Gerritsen und ihr Ermittlerteam.

Griet Gerritsen ist mit ganzem Herzen Polizistin, was sie zuletzt ihre Karriere gekostet hat, denn bei ihrem Alleingang, wo es darum ging einen Schleuserring auszuheben, hat sie nicht auf Verstärkung gewartet und ist unter Beschuss geraten. Zwar konnten die Menschen, die in einem Container versteckt waren gerettet werden, aber der Kollege, der ihr zur Hilfe eilte, wurde tötlich verletzt.

Bei der Disrictrecherche Fryslân bekommt Griet noch eine Chance und darf zusammen mit einem kleinen Ermittlungsteam die Ermittlungen zu dem Todesfall auf der Insel Vlieland leiten. Ihr werden die Kollegen Pieter de Vries und Noemi Bogaard zur Unterstützung an die Seite gestellt. Pieter ist eher der gemütliche Typ, Noemi das etwas sehr forsche Küken. In der Kombination könnte viel Konfliktpotenzial sein, das Team wächst aber recht konfliktfrei schnell zusammen. Es handelt sich wirklich um einen Feel-good Krimi.

So richtig zu trauern scheint auf der Insel keiner, der vom Tod des bekannten Hoteliers Vincent Bakker erfährt. Kein Wunder, denn so nach und nach erfährt der Leser immer mehr über dessen Persönlichkeit und damit steigt auch die Anzahl der Verdächtigen. Das Miträtseln hat richtig Spaß gemacht. So manches Mal hatte ich den richtigen Riecher, aber der Autor hat trotzdem genug falsche Fährten gelegt, und mich als Leser noch überrascht. Der Schreibstil war flott und angenehm. Die holländische Sprache ist immer wieder eingeschnipselt und trägt zum Holland-Feeling bei. Auch die Landschaftsbeschreibungen und die Idee, die Protagonistin auf einem Plattbodenschiff wohnen zu lassen wecken die Sehnsucht nach einem Hollandurlaub. Der Anteil an Privatem, was über die Protagonisten verraten wurde, hätte für meinen Geschmack ruhig noch etwas größer sein dürfen, aber da es noch Nachfolgebände gibt, wird man dort sicher nach und nach noch mehr erfahren.

Mir hat der 1. Hollandkrimi von Jan Jacobs gut gefallen und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Griet in Band 2.

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Neue Geschmackserfahrungen

Zufällig vegan – International
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Ein bisschen skeptisch (als Fleischesser!) und sehr gespannt ,habe ich dieses tolle Kochbuch in den Händen gehalten, dass sich zunehmend mit Post its gefüllt hat, bei Gerichten , die ich unbedingt alle ...

Ein bisschen skeptisch (als Fleischesser!) und sehr gespannt ,habe ich dieses tolle Kochbuch in den Händen gehalten, dass sich zunehmend mit Post its gefüllt hat, bei Gerichten , die ich unbedingt alle noch ausprobieren wollte. Was soll ich sagen: Die Rezepte, die ich bisher nachgekocht und nachgebacken habe, waren allesamt sehr schmackhaft und werden es sicher in meine Alltagsküche schaffen. Ich fremdel lediglich mit den Maßeinheiten, die ganz amerikanisch in Cups angegeben sind. Wenn man sich die entsprechenden Meßlöffel anschaffen möchte, macht das sie Sache auf jeden Fall einfacher. Ich habe sie bisher nicht im Haus und habe die Umrechnung für ml auf S35 genutzt und für eine Umrechnung in Gramm noch das Internet bemüht.

Das ist aber schon mein einziger Kritikpunkt. Die polnische Köchin Marta Dymek hat wunderbare internationale, vegane Rezepte zusammengetragen, die mich wirklich überzeugen. Nachdem ich mein Gewürzregal erst einmal ergänzt hatte, warteten ganz neue, spannende Geschmackserlebnisse auf mich, und auch die eher skeptische Familie war begeistert, z.B von der wunderbar scharfen spanischen Kichererbsensuppe oder dem schokoladigen Zucchinikuchen.

Nach der Einleitung folgt das Kapitel Frühstück mit verschiedenen Brotaufstrichen aber auch internationalen Alternativen zum klassischen Müsli, wie z.B das Rote Bete Granola oder ein dänischer Haferbrei mit Datteln und Erdnussbutter.

Es gibt die Rubriken Kleiner Hunger und Großer Hunger, Suppen, Nachtisch, Getränke und Grundrezepte. Das sind so viele Rezepte, dass ich bisher wirklich nur einen Bruchteil testen konnte. Ergänzt wird dieses tolle Kochbuch mit schönen Bildern, die Lust aufs Nachkochen machen.

"International zufällig vegan" wird mein Kochbuchregal auf jeden Fall bereichern, auch wenn ich sicherlich kein Vollzeitveganer werde.

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Veröffentlicht am 09.11.2020

Für Sinnsucher und Glücksjäger

Die Farbe von Glück
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Es war einmal...... wäre wohl der richtige Anfang für dieses märchenhafte Buch von Clara Maria Bagus gewesen. Im Wesentlichen erzählt "Die Farbe von Glück" davon, wie eine einzige Entscheidung das Leben ...

Es war einmal...... wäre wohl der richtige Anfang für dieses märchenhafte Buch von Clara Maria Bagus gewesen. Im Wesentlichen erzählt "Die Farbe von Glück" davon, wie eine einzige Entscheidung das Leben von ganz vielen Menschen beeinflusst und verändert.

Es ist wohl die nackte Verzweiflung, die den Richter Jules dazu bringt, die Kinderkrankenschwester Charlotte zu zwingen das neugeborene, kränkliche Kind seiner Frau mit einem am gleichen Tag geborenen kräftigen, gesunden Kind zu tauschen. Nach vielen Fehl- und Totgeburten so meint er, würde seine Frau an einem weiteren kranken Baby zerbrechen. Charlotte ist erpressbar, denn sie hat ein Kind bei sich aufgenommen, ohne es ordnungsgemäß adoptiert zu haben und hat Angst den kleinen Antoine, den sie über alles liebt wieder zu verlieren.

So nimmt das Unheil mit all seinen vorher nicht bedachten Konsequenzen seinen Lauf. Trotz der Dramatik ist der Roman vorwiegend positiv, was auch daran liegt, wie die involvierten Personen mit ihrem Schicksal umgehen. Dieser Roman ist auch ein Stück weit ein Lebensratgeber nur halt nicht in einem Sachbuch verpackt. Er enthält Weisheiten, Gleichnisse und Ratschläge zur Selbstfindung und zum Glücklichsein und das in einer wunderschönen poetischen Sprache, die sehr berührend ist.

Man darf jedoch keine realistische, logische Geschichte erwarten. Nur in einer märchenhaften Erzählung sieht man darüber hinweg, dass ein asiatisches und ein westliches Kind vertauscht werden und Keiner bemerkt den Unterschied. Nur in einer märchenhaften Erzählung reisen die Protagonisten von West nach Ost und landen auf wundersame Weise am richtigen Ort und kommunizieren überall auf der Welt in einer für alle verständlichen Sprache. Auch wird der Zufall recht häufig bemüht, um die Geschichte letzendlich einem versöhnlichen Ende zuführen zu können.

Mein Fazit ist deshalb verhalten positiv. Die mystischen und esoterischen Momente, die es auch noch gibt, waren dann doch zuviel des Guten. Genauso wie die Weisheiten mir zwar durchaus gefallen haben, aber wenn sie quasi mit der Gießkanne über dem Leser ausgeschüttet werden, ist es einfach zu viel. Wohl dosiert hätte es mir viel besser gefallen.

Hervorheben kann man auf jeden Fall den tollen Sprachstil, bildhaft, poetisch und philosophisch. Viele kluge Sätze werden im Gedächnis bleiben, und ich nehme durchaus einige Anregungen zum Nachdenken für mich mit.





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Veröffentlicht am 04.11.2020

Das Leben, so wie es ist

Lied der Weite
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Der amerikanische Autor Kent Haruf, der leider 2014 schon verstorben ist, widmet sich in seinem Buch "Lied der Weite", dem Leben in der fiktiven amerkanischen Kleinstadt Holt in Colorado. Seine Protagonisten ...

Der amerikanische Autor Kent Haruf, der leider 2014 schon verstorben ist, widmet sich in seinem Buch "Lied der Weite", dem Leben in der fiktiven amerkanischen Kleinstadt Holt in Colorado. Seine Protagonisten sind ganz normale Leute, die kein spektakuläres Leben leben. Es sind vielmehr Viehzüchter, Lehrer, Schüler, alte Damen, deren Leben er schnörkellos, präzise und irgendwie bodenständig beschreibt.

Er fokussiert sich auf 7 Charaktere dieser kleinen Stadt und schreibt aus deren Perspektiven. Die Leben seiner Figuren sind schon deshalb miteinander verwoben, weil sie alle in einer Kleinstadt leben, in der Jeder Jeden kennt und ein Geheimnis nicht lange ein Geheimnis bleibt.

Da ist die 17jährige Victoria, die ungewollt schwanger geworden ist und von ihrer lieblosen Mutter auf die Straße gesetzt wird. Sie wendet sich in ihrer Not an ihre Lehrerin, die die Idee hat, sie bei zwei älteren Viehzüchtern, die ein tristes Junggesellendasein führen, unterzubringen.Es gibt aber auch die Perspektive des Highschoollehrer's Tom Guthrie, der sich mit dem ungehörigen und respektlosen Verhalten eines Schülers auseinandersetzen muss und die Sichtweise seiner zwei kleinen Söhne, die nicht wissen wieso sich die eigene Mutter den ganzen Tag im abgedunkelten Zimmer aufhält und nicht für sie da sein kann. Doch auch ihre Sichtweise wird gehört, ebenso wie die zwei alten Junggesellen von Kent Haruf eine Stimme bekommen.

Die Geschichte ist leise und so gefühlvoll erzählt, dass man Tränen in den Augen hat, sei es vor Rührung oder manchmal vor Schreck. An anderer Stelle ist es brutal, weil der Autor mit einer Präzision jede Kleinigkeit beschreibt und das auch bei unschönen Momenten z. B. als ein Pferd obduziert wird ,um herauszufinden, woran es erkrankt war. Man kann sich durch den Schreibstil Haruf's einfach wunderbar in die Menschen, die er porträtiert und die Situationen , die er beschreibt, hineindenken.

Ich habe den Roman kaum aus der Hand legen können und ihn in kürzester Zeit zu Ende gelesen. Es hat mir einfach wahnsinnig gut gefallen.

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Veröffentlicht am 01.11.2020

Die Zukunftsapp

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Jonas ist ein ganz normaler 18Jähriger, der sich nach dem Abi fragt wohin sein Weg ihn führen wird. Als er eine App entdeckt, die behauptet anhand aller Daten, die er so im Netz verbreitet seine Zukunft ...

Jonas ist ein ganz normaler 18Jähriger, der sich nach dem Abi fragt wohin sein Weg ihn führen wird. Als er eine App entdeckt, die behauptet anhand aller Daten, die er so im Netz verbreitet seine Zukunft vorausberechnen zu können, kann er nicht widerstehen und lädt sie sich herunter. Das Ergebnis ist für ihn niederschmetternd. Laut "der Maschine", wie er die App nennt, wird seine Zukunft wenig aufregend und hört sich ein bisschen so an wie der Werdegang seines Vaters. Das kann Jonas nicht akzeptieren, denn sein Vater hat die Familie verlassen, als er noch ein kleines Kind war. So will er auf keinen Fall werden. Er muss der Maschine also Daten zuspielen, die die Berechnung verändern. Was eignet sich besser als auf Reisen zu gehen und soviel Unvorhersehbares zu tun wie möglich?

Der Zufall führt ihn mit Sun zusammen, die ganz anders ist als andere Mädchen, patzig, launig, unberechenbar aber auch fazinierend." Die Maschine "versieht sie direkt mit einem rotem Marker, was alleine schon ein Grund für Jonas ist Sun's Angebot mit ihr mitzufahren anzunehmen.

Leider wird das Hauptthema, "die Maschine" im Laufe der Geschichte immer mehr zum Nebenthema, bzw. es rückt total in den Hintergrund. Was z.B die Betreiber der App für Absichten haben, erfährt man nicht. Es geht um Freundschaft, Sinnsuche, Gefühle, Liebe, alles wichtige Themen und nett umgesetzt aber halt nicht das, was der Klappentext verspricht. Ich finde der Autor hat sich hier leider verzettelt auch wenn der Roman spannend und flüssig über das Erwachsenwerden berichtet.

Am Ende ist Jonas ein bisschen mehr mit sich im Reinen und die App, ja über die wissen wir nicht mehr als am Anfang!

Schade, das Thema hätte soviel mehr Potential gehabt!

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