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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2026

Abschlußband - Nicht der stärkste Teil der Reihe

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Nachdem ich erst kürzlich „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ das 2.Buch von Alena Schröder‘s Trilogie gelesen und sehr gemocht habe, war es jetzt schön Teil 3 gleich folgen zu lassen.

Der Schreibstil ...

Nachdem ich erst kürzlich „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ das 2.Buch von Alena Schröder‘s Trilogie gelesen und sehr gemocht habe, war es jetzt schön Teil 3 gleich folgen zu lassen.

Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig und gefühlvoll.

Ich war gespannt wie es in Hannah‘s Leben wohl weitergehen würde. Wie traurig, dass sowohl ihre Mutter Silvia, als auch ihre Großmutter Evelyn in dem Erzählstrang von 2023 nicht mehr leben. Hannah wirkt etwas orientierungslos, als sich überraschenderweise ihr Vater bei ihr auftaucht. Er, der ihre Existenz so viele Jahre ignoriert hat, möchte plötzlich, dass sie ihn, seine Frau und ihre beiden Halbbrüder kennenlernt. Hannah lässt sich darauf ein, vielleicht auch weil sie etwas einsam ist. Ihre beste Freundin ist gerade aufs Land gezogen und hat ein Baby bekommen. Kollegin Ulrike hat sie überrumpelt und ihren Neffen Justus bei ihr einquartiert, weil nach dem Auszug der Freundin ein Zimmer frei geworden ist. Soll Hannah ihren Vater wirklich in ihr Leben lassen? Hannah ist sich gar nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.


Im 2. Erzählstrang gehen wir zurück nach Güstrow 1945. Der Krieg ist verloren. Marlen ist Kriegswaise und wird von der Malerin Wilma adoptiert und lebt fortan mit ihr und der alten Haushälterin Burgel in einem einsamen Haus am Stadtrand. Wilma‘s Mann Jon ist noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Marlen unterstützt Wilma beim Malen, hat offensichtlich Talent und lernt ganz viel von ihrer Ziehmutter. Da Wilma zunehmend an Sehkraft verliert, übernimmt Marlen die Malerei immer mehr, auch wenn Wilma die Werke immer noch selbst signiert, bevor sie sie verkauft. Marlen ist inzwischen erwachsen, doch ein eigenes Leben kann sie so nicht führen.

Die beiden Erzählstränge waren wirklich sehr verschieden und das Zusammenführen am Ende hat mich dann auch etwas enttäuscht, weil es sehr konstruiert wirkte und es nur einen hauchdünnen Zusammenhang zwischen beiden Geschichten gab.

Insgesamt mochte ich die Reihe aber ganz gerne. Jedes Buch kann auch für sich gelesen werden, das hat die Autorin gut hinbekommen. Ein runderes Bild bekommt man natürlich, wenn man alle 3 Bücher liest.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Schräg

Stadt der Hunde
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Der Gehirnchirurg Jaap Hollander ist nicht gerade ein angenehmer Zeitgenosse, als man ihm zu Beginn des Buches begegnet. Er ist in seinem Job brillant, was ihm die Macht verleiht andere Menschen zu benutzen ...

Der Gehirnchirurg Jaap Hollander ist nicht gerade ein angenehmer Zeitgenosse, als man ihm zu Beginn des Buches begegnet. Er ist in seinem Job brillant, was ihm die Macht verleiht andere Menschen zu benutzen und mit wenig Respekt zu behandeln. Für seine Patienten ist er der Lebensretter, für seine Mitmenschen oft ein Ekel. Inzwischen ist er im Ruhestand und geschieden. Doch dass seine Tochter vor zehn Jahren spurlos verschwunden ist, nagt an ihm, und er kehrt jährlich zu dem Ort zurück, an dem sie zuletzt gesichtet wurde, in der Hoffnung doch noch Spuren zu finden. Als er gebeten wird ein sehr riskante Gehirnoperation bei einer arabischen Prinzessin durchzuführen, wird ihm eine hohe Belohnung in Aussicht gestellt, mit der er seine Nachforschungen nochmal intensivieren könnte.

Jaap macht innerhalb dieser Geschichte eine Wandlung durch, die ihn demütig werden lässt und dazu bringt, gemachte Fehler zu bereuen.

Der Weg dorthin ist etwas schräg und sollte von Jedem selbst entdeckt werden. Ich fand den Roman auf jeden Fall unterhaltsam und wollte auch immer wissen was als nächstes passiert. Der Autor driftet mir aber zu sehr ins Absurde oder in den magischen Realismus. Damit habe ich zugegeben meine Schwierigkeiten.

Erstaunlich war für mich, dass er am Ende nochmal die Kurve kriegt und die Geschichte ein einigermaßen nachvollziehbares Ende bekommt.

Wer sich an z.b sprechenden Hunden nicht stört, dem könnte diese Geschichte durchaus gefallen.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Berührende Migrationsgeschichte

Vatermal
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„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter ...


„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter und seiner Schwester besucht, die seit 10 Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Vom Krankenbett aus schreibt er Briefe an seinen abwesenden Vater, über sein Leben, seine Träume, seine Gefühle.

Schon das Wort „Papa“ oder „Baba“ aufzuschreiben klingt für Arda seltsam, denn sein Vater ist für ihn eine Leerstelle, die er nur mit Erzählungen seiner Mutter und seiner Schwester füllen kann. Sein Vater ist zurück in die Türkei gegangen und hat Ümran mit den Kindern mittellos zurückgelassen.

Arda wächst mit seiner überforderten Mutter und seiner Schwester Ayla, im Ruhrgebiet auf. Er erzählt von seinem Leben mit Schikane und Rassismus, von Perspektivlosigkeit und geplatzten Träumen, einem Leben ohne Pass und ohne Geld. Die Figuren wirken sehr authentisch und der Roman wird sehr ehrlich und kraftvoll mit Zuhilfenahme von Jugendsprache zeitweise auch grob, dann wieder zart und humorvoll erzählt.

Die Tragik dieser Geschichte hat mich sehr berührt und ich werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken.

Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Entfremdung

Damals waren wir unzertrennlich
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Die Schwestern Agathe und Véra haben sich seit Jahren nicht gesehen.

Agathe ist in die USA ausgewandert und arbeitet dort als Drehbuchautorin, Véra ist in ihrem kleinen Heimatort zurückgeblieben. Die ...

Die Schwestern Agathe und Véra haben sich seit Jahren nicht gesehen.

Agathe ist in die USA ausgewandert und arbeitet dort als Drehbuchautorin, Véra ist in ihrem kleinen Heimatort zurückgeblieben. Die Eltern haben sich schon in ihrer Kindheit getrennt und jetzt, nach dem Tod des Vaters treffen die Geschwister aufeinander um gemeinsam das Haus zu entrümpeln.

Véra hat im Alter von 6 Jahren einen Schock erlebt und seitdem nicht mehr gesprochen. Agathe als ältere Schwester hat immer versucht sie zu beschützen, war aber oft auch überfordert mit der Erwartungshaltung des Vater‘s an sie als die Ältere. Der Vater war meist abwesend, da er viel arbeiten musste.

Die Geschichte wird aus Agathe‘s Sicht erzählt. Es ist fein formuliert und liest sich auch ganz gut, aber mir fehlte es an Handlung. Der Plot ist recht unspektakulär. Nach 9 Tagen des Ausmistens und vielen Rückblicken in die gemeinsame Kindheit und Jugend sind die beiden sich zwar ein Stück weit näher gekommen aber verabschieden sich dennoch in verschiedene Richtungen. Beiden Protagonistinnen bin ich nicht sehr nah gekommen, so dass die Geschichte mich auch nicht besonders berührt hat.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Gestörtes Mutter - Tochter Verhältnis

Bei euch ist es immer so unheimlich still
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„ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ , dieser Roman mit dem etwas sperrigen ( superlangen) Titel handelt vom Zurückkommen, vom Neubeginn und dem Aufarbeiten einer gestörten Mutter -Tochter Beziehung.
Die ...

„ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ , dieser Roman mit dem etwas sperrigen ( superlangen) Titel handelt vom Zurückkommen, vom Neubeginn und dem Aufarbeiten einer gestörten Mutter -Tochter Beziehung.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt und führt die Leser in die Nachkriegszeit zurück bis in die 70er Jahre und in die Gegenwart von 1989 bis zum Fall des DDR Regimes.

Silvia kehrt ihrer Westberliner WG den Rücken. Mit dem „ geliehenen“ Polo eines WG Mitbewohners macht sie sich auf den Weg ins schwäbische Ildingen und taucht nach Jahren der Abwesenheit im Haus ihrer Mutter auf und präsentiert ihr die Enkeltochter Hannah. Ohne diesen kleinen Menschen hätte Silvia diesen Schritt wohl nicht gewagt. Es ist zu viel passiert zwischen Mutter und Tochter.

Evelyn hat in den 1950er Jahren als Ärztin im Krankenhaus gearbeitet, keine Selbstverständlichkeit für eine Frau in dieser Zeit. Mit der Geburt ihrer Tochter war ihre Karriere dann allerdings vorbei und sie wurde Hausfrau in der Kleinstadt Ildingen im eigenen Haus mit spießiger Nachbarschaft.
Und dann ist da noch Betti ihre Freundin und inzwischen Schwägerin, ein quirliger, unverheirateter Freigeist. Betti sagt was sie denkt, kümmert sich nicht ums Gerede und kurvt mit ihrem roten Flitzer viel zu schnell durch die Gegend, was ihr letztendlich zum Verhängnis wird. Betti und Evelyn, das war einmal ein untrennbares Gespann, doch die Freundschaft hat gelitten seit Evelyn Karl geheiratet hat.

In der Geschichte war mir Silvia auf jeden Fall näher als die schweigsame Evelyn. Ich hatte mit Silvia auch viele Nostalgiemomente, die ich sehr genossen habe. Auch wenn der Roman ein 2.Teil ist, kann man ihn unabhängig vom ersten Buch gut lesen. Ich mochte Teil 1 und habe auch die Fortsetzung sehr gerne gelesen. Der flotte , unterhaltsame Schreibstil lässt einen beim Lesen durch die Seiten fliegen.
Betti war auf jeden Fall eine Lieblingsfigur. Sie hat das verstaubte Ildingen ordentlich aufgemischt. Bei den Nebenfiguren waren mir Monika und Rüdiger sehr sympathisch, Schulfreunde von Silvia, denen sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat wiederbegegnet.

Wer Familiengeschichten auf zwei Zeitebenen mag, der wird sicherlich Freude an der Geschichte haben. Zur Vertiefung gerne beide Bücher lesen!

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