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Veröffentlicht am 15.03.2025

Langatmig und anstrengend

Die Fletchers von Long Island
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„Die Fletcher‘s von Long Island“ ist ein opulente Familiengeschichte, die mich leider nicht ganz überzeugen konnte.

Die Fletcher‘s sind eine jüdisch - amerikanische Familie, in der der Großvater einst ...

„Die Fletcher‘s von Long Island“ ist ein opulente Familiengeschichte, die mich leider nicht ganz überzeugen konnte.

Die Fletcher‘s sind eine jüdisch - amerikanische Familie, in der der Großvater einst aus Deutschland nach New York fliehen konnte und es mit einer cleveren Geschäftsidee zu einem beachtlichen Vermögen brachte. Sein Sohn Carl trat in die Fußstapfen des Vaters, übernahm dessen Fabrik und lebte ebenfalls mit seiner Frau und den beiden Söhnen in einer großzügigen Villa in Middle Rock auf Long Island.

Das Leben veränderte sich jedoch schlagartig als Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt wurde. Er überlebte den Überfall zwar körperlich, war aber nie wieder der, der er vor diesem Ereignis gewesen war.

Das Trauma des Vaters beeinflusst nachhaltig das Leben seiner Kinder, selbst die zum Zeitpunkt der Entführung noch gar nicht geborene Tochter Jenny erbt dieses Trauma.

Die Autorin erzählt sehr langatmig in teils komplexen Schachtelsätzen wie jedes der Kinder im Erwachsenenleben scheitert.

Der Älteste Nathan hat Panikattacken und erwartet ständig die große Katastrophe. Bernhard, genannt Beamer ist Drehbuchautor, kann aber nur Drehbücher schreiben in denen es um Entführungen geht. Er lebt seine perversen sexuellen Fantasien im Drogenrausch aus, und es war wirklich nicht angenehm seitenlangen Praktiken mit seiner Domina und Zusammensetzungen seiner Drogencocktails zu lesen. An dieser Stelle war ich kurz davor das Buch auch abzubrechen.

Jenny weiß überhaupt nicht was sie will, studiert mal dies mal das, hat keine Freunde und vereinsamt immer mehr.

Die Eltern sind ihren erwachsenen Kindern keine Hilfe. Sie kommen kaum selbst zurecht. Die angeheirateten Ehepartner sind mit der Heirat gesellschaftlich und finanziell aufgestiegen und verstehen die Gefühlswelt ihrer Partner nicht wirklich.

Die Geschichte ist insgesamt sehr skurril und gesellschaftskritisch. Ich hätte mir die Erzählweise etwas humorvoller gewünscht.

Gemeinsam ist dieser Mehrgenerationenfamilie ihr Unglück. Jeder ist auf seine Weise unglücklich.

„ Ob du aus eigener Kraft erfolgreich bist oder einen Sprung in der Schüssel hast, wird von den Umständen bestimmt, in die du geboren wirst.“

Armut ist einerseits ein starker Antrieb alles zu geben sein Leben zu verbessern. Hat man es dann geschafft, ist die Verlustangst allgegenwärtig.

Ist man in Reichtum geboren, wird man leicht träge, was kein Wunder ist, da man sich nie aus eigener Kraft ernähren musste.

Die Lektüre dieses Buches verlangt einiges vom Leser, besonders Durchhaltevermögen. Als ich Beamer‘s Geschichte einmal durchgestanden hatte, gab es aber auch durchaus interessante Passagen, die ich gerne gelesen habe.

Insgesamt war mir dieses Buch aber viel zu langatmig. 200 Seiten weniger hätten dem Roman sicher gut getan.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Mutig sein

Die kleine Ratte Kwiik macht stark. Weil ich mutig bin
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Die kleine Ratte Kwiik liebt die Musik. Sie singt für ihr Leben gern.

Doch leider gibt es andere Ratten, die sich über sie lustig machen, so dass Kwiik den Mut verliert. Doch tief im Herzen würde sie ...

Die kleine Ratte Kwiik liebt die Musik. Sie singt für ihr Leben gern.

Doch leider gibt es andere Ratten, die sich über sie lustig machen, so dass Kwiik den Mut verliert. Doch tief im Herzen würde sie zu gerne beim Schrottplatzfestival mitmachen. Dort treten andere musikbegeisterte Tiere auf einer Bühne auf. Als sich Kwiik endlich traut hier mitzumachen, geht ihm das Herz auf und auch das Publikum ist begeistert.

Was für eine schöne Botschaft: Trau Dich und lass Dich nicht verunsichern. Hör auf Dein Herz und werde glücklich mit Deiner Leidenschaft. Du bist besonders, und das ist gut so.

Nicht nur der Text ist toll auch die Zeichnungen sind so niedlich, dass man Kwiik sofort ins Herz schließt.

Was mir auch besonders gefällt sind die vielen liebevollen Details auf jeder Seite, so dass man mit den Kindern ganz viel entdecken kann. Da die kleine Ratte weder männlich noch weiblich ist, kann sich jedes Kind gut mit Kwiik identifizieren. Positive Glaubenssätze sind wichtig, um kleine Menschen stark zu machen. Das schafft dieses Kinderbuch ganz wunderbar.

Ein tolles Bilderbuch für zu Hause oder im Kindergarten.


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Veröffentlicht am 09.03.2025

Es gibt noch viel zu tun in der Frauenbewegung

Was wir Frauen wollen
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Die 1942 in Lima geborene und in Chile aufgewachsene Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende hat sich tatsächlich schon von Kindesbeinen an für Frauenrechte interessiert. Dies ist sicherlich den ...

Die 1942 in Lima geborene und in Chile aufgewachsene Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende hat sich tatsächlich schon von Kindesbeinen an für Frauenrechte interessiert. Dies ist sicherlich den Umständen geschuldet, dass ihre Mutter Panchita vom Ehemann mit zwei Säuglingen und einem Kleinkind sitzengelassen wurde. Aufgewachsen ist die Autorin dann im Haus der Großeltern, wo sie ihre Mutter, sowie die weiblichen Hausangestellten als Opfer des Patriarchats erlebte, was später dazu führte, dass sie sich aktiv für Frauenrechte stark machte.

„ Das -Wer zahlt, sagt wo‘s langgeht-, meines Großvaters wurde zum ersten Lehrsatz in meinem erwachenden Feminismus.“ S. 134

„Was wir Frauen wollen“ ist sowohl ein Rückblick auf das bewegte Leben dieser tollen Frau, als auch ein Plädoyer für Frauenrechte zu kämpfen und sich mit anderen Frauen zu solidarisieren, denn es gibt nach wie vor noch viel zu tun.
Die Tonalität ihres inspirierenden Textes ist locker, leicht und humorvoll . Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und sehr gemocht.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Unterhaltsamer 3. Teil der Cassie Raven Reihe

Tote klagen an
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Die ersten beiden Bände dieser sehr besonderen Reihe mochte ich sehr. Die Protagonistinnen Cassie Raven, Assistentin der Rechtsmedizin mit provokantem Gothik-Stiling und Polizistin DS Phyllida Flyte sind ...

Die ersten beiden Bände dieser sehr besonderen Reihe mochte ich sehr. Die Protagonistinnen Cassie Raven, Assistentin der Rechtsmedizin mit provokantem Gothik-Stiling und Polizistin DS Phyllida Flyte sind mir schon irgendwie ans Herz gewachsen.So habe ich mich auch sehr gefreut, dass die Geschichte weitergeht.

Cassie steckt zu Beginn des Buches in einer tiefen Krise. Einerseits gibt es familiär und beziehungstechnisch einiges aufzuarbeiten. Andererseits scheint Ihre Gabe, intuitiv einen letzten Gedanken ihrer „Gäste“ in der Leichenhalle zu erahnen, wenn sie mit ihnen spricht, verloren gegangen zu sein. Damit erscheint ihr ihre Profession fast sinnlos, bis eines Tages eine Wasserleiche an ihr Hausboot getrieben wird, um die sie sich kümmern soll. Es macht Cassie zu schaffen, dass der Tote nicht identifiziert werden kann. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Mensch begraben wird, ohne dass sich seine Angehörigen von ihm verabschieden können. Die Autorin beschreibt Cassie‘s gewissenhafte Arbeit in der Pathologie ausführlich und offensichtlich gut recherchiert. Dieser Fall führt Cassie auch wieder mit DS Phyllida Flyte zusammen, der der Tote irgendwie bekannt vorkommt.

Auch Phyllida ist mental etwas angeschlagen, hat sie doch den Tod ihres Baby‘s immer noch nicht verkraftet. Gleichzeitig will sie sich nicht eingestehen, wie anziehend sie Cassie findet. Außerdem ist sie in die Abteilung für Gewaltverbrechen gewechselt und die einzige Frau im Team. Dort herrscht ein anderes Klima und es ist nicht einfach für die leicht spröde aber sensible Phyllida sich zu behaupten.

Dass es in dem Wasserleichen - Fall auch um Homophobie in Polizeikreisen geht, macht es nicht einfacher für sie.

Ich fühlte mich auch in Band 3 wieder bestens unterhalten, fand diesen Teil aber etwas schwächer als die ersten beiden Bücher. Die Handlung trat manchmal etwas auf der Stelle, dafür erfahren wir viel über die einzelnen Charaktere. Ich hatte einen vagen Verdacht, wer der Täter sein könnte und habe dann doch falsch gelegen. Es gab also einen kleinen Überraschungsmoment am Schluss, was mir natürlich gefallen hat.

Ich hoffe sehr auf ein Wiedersehen mit den Protagonistinnen in einem 4.Band, wenn es denn einen geben sollte

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Tolles Debüt

Ava liebt noch
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Keine Frage, Ava liebt ihre 3 Kinder, aber das Muttersein ist so anstrengend. Ihr Mann, Ralf, lebt sein Leben einfach weiter. Als Rechtsanwalt arbeitet er viel und bringt das Geld nach Hause, Ava ist die, ...

Keine Frage, Ava liebt ihre 3 Kinder, aber das Muttersein ist so anstrengend. Ihr Mann, Ralf, lebt sein Leben einfach weiter. Als Rechtsanwalt arbeitet er viel und bringt das Geld nach Hause, Ava ist die, die sich zu Hause kümmert, um alles. Bei diesem Leben ist etwas auf der Strecke geblieben, nämlich sie selbst.

Das merkt sie als sie eines Tages im Supermarkt dem 19 Jahre jüngeren Kieran anschmachtet. In ihn hätte sie sich wohl mit 20 sofort verliebt.

Es dauert eine ganze Weile bis sie ihn dann tatsächlich kennenlernt und zu ihrem eigenen Erstaunen eine Affaire mit ihm beginnt. Aber es bleibt wie es ist, ihre Leben wollen einfach nicht zusammenpassen.

Diese wunderschöne Liebesgeschichte hat eine Frau in den 40ern in ihrem Fokus, die in ihrem Leben feststeckt. Wir begleiten Ava zwei Jahrzehnte lang, und das hat mir großen Spaß gemacht.

Ich konnte mich wunderbar in Ava einfühlen, was nicht zuletzt an der ausdrucksstarken Hörbuchsprecherin Cornelia Waibel gelegen hat. Auch dem männliche Part, gelesen von Jan Langer habe ich total gerne gelauscht. Das Hörbuch hat mir viele schöne Hörstunden geschenkt und besonders die vielen Facetten von Mutterschaft sehr gut beleuchtet.

Unbedingt hören, es lohnt sich!

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