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Veröffentlicht am 04.07.2023

Gewöhnliche Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten

Das Glück der Geschichtensammlerin
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Janice ist Putzfrau, und zwar eine sehr gute. Da ihr Mann keinen Job lange behält, muss sie für ein gesichertes Einkommen sorgen. Sie macht das gerne, auch wenn nicht alle ihre Kunden nett sind. Als sie ...

Janice ist Putzfrau, und zwar eine sehr gute. Da ihr Mann keinen Job lange behält, muss sie für ein gesichertes Einkommen sorgen. Sie macht das gerne, auch wenn nicht alle ihre Kunden nett sind. Als sie bei der alten Lady Mrs. B. anfängt, die noch dazu die Mutter eines der weniger netten Kunden ist, stellt Janice fest, dass ihre Leidenschaft, das Geschichtensammeln, wichtiger ist, als sie dachte. Und Mrs. B. macht Janice klar, dass auch sie eine Geschichte hat, die erzählt werden muss.

Mir hat dieser Roman sehr gefallen. Er ist sehr sanft, sehr vorsichtig, gefühlvoll und zart. Kein Reißer, sondern ein Tröster, ein Heiler, ein Helfer. Janice ist eine Person, die sich viel zu viel gefallen lässt, immer schweigt und alles erduldet. Tief in ihrem Innern weiß sie aber, dass nicht alles gerecht ist, was ihr widerfährt und dass sie sich wehren sollte. Warum sie sich dazu nicht traut, wird im Laufe der Geschichte klar. Doch das Leben hilft einem manchmal auf die Sprünge, wenn man nicht von selbst etwas ändert und so ist es auch bei Janice.

Mir gefällt, wie Sally Page die Personen durch Janice beschreibt. Selbst für die unangenehmsten Charaktere hat Janice noch Verständnis, was es leicht macht, sie ins Herz zu schließen und ihr zu wünschen, endlich mal an sich selbst zu denken und auf der Sonnenseite des Lebens zu sein. Die kleinen Vorstöße, die sie hin und wieder wagt, sind sehr vorsichtig und passen zu ihr. Auch ihre langsame Entwicklung, die Veränderungen, die sie zulässt, sind stimmig und nicht zu krass. So oft hätte ich sie gerne an die Hand genommen und ihr geholfen, dem einen oder anderen Fiesling deutlich gesagt, was ich von ihm halte. Janice Weg war länger und sanfter, aber sie ist am Ende an ihrem Ziel, angekommen, ohne – wie ich es getan hätte – laut zu poltern. Somit habe ich von ihr und ihren Geschichten, die sie sammelte und auch ihrer eigenen, viel lernen können. So unscheinbar Janice wirkt, so großartig ist sie.

Am Ende stellt man fest, dass in diesem Roman eine Menge Themen angesprochen werden, die düster, schwer, hart und belastend sind. Dennoch ist der Roman nicht düster und schwer, sondern unterhaltsam, mit einem Hauch von Melancholie durchzogen, aber immer voller Hoffnung und Mut. Man kann sich in vielen Dingen – auch den weniger schönen – selbst erkennen und etwas für sich herausziehen. Die Aussage, dass es nie zu spät ist, etwas (oder auch sich selbst) zu ändern, finde ich sehr wichtig. Auch finde ich es großartig, dass das Ende nicht zu kitschig, rosig und traumhaft ist.

Sandra Voss hat Janice sehr gefühlvoll und passend ihre Stimme geliehen und damit dem Roman von Sally Page auch noch so eine extra Portion Gefühl gegeben. Für mich passt hier alles und ich habe sehr gern ganz still zugehört und Janices Wandlung genossen. Ich mochte diesen so stillen, aber doch so vielsagenden Roman mit der wichtigen Aussage sehr. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 01.07.2023

Kann mich nicht für sich gewinnen

Die Neapolitanische Saga 1: Meine geniale Freundin
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Ich glaube nicht wirklich, dass man eine Graphic Novel nur dann lesen soll, wenn man die Romanversion dazu kennt und gelesen hat. Eine Graphic Novel sollte meiner Meinung nach ohne Vorkenntnisse gelesen ...

Ich glaube nicht wirklich, dass man eine Graphic Novel nur dann lesen soll, wenn man die Romanversion dazu kennt und gelesen hat. Eine Graphic Novel sollte meiner Meinung nach ohne Vorkenntnisse gelesen werden können. Doch hier hatte ich das Gefühl, dass sehr vieles fehlt, um der Story wirklich folgen zu können. Ohne den Roman zu kennen, guckt man hier dumm aus der Wäsche.

Für mich blieben die Figuren blass und konturlos. Es ist schwer, zu erkennen, dass die Ich-Erzählerin Elena auch gleich Lenú ist, und zwar im Rentenalter. Sie erfährt von Rino, Lilas Sohn, dass Lila verschwunden ist. Lenú ist nicht verwundert, hat damit schon lange gerechnet und beginnt nun, die Geschichte der beiden Frauen aufzuschreiben.

Lenú und Lila kommen aus ärmlichen Verhältnissen und sind seit ihrer Kindheit Freundinnen. Wieso genau, verstehe ich nach dem Lesen noch immer nicht, denn Lila ist nicht gerade ein nettes Kind. Die eine darf die weiterführende Schule besuchen, die andere nicht, lernt dafür das Schusterhandwerk und stellt ein ganz besonderes Paar Schuhe her.

Das Ende ist fast schon frustrierend. Und dann stelle ich fest, dass es vier Teile gibt und dies der erste Band ist. Na, Bravo. Das wüsste ich doch gern schon von Beginn an, nicht erst durch Recherche. Das Buch bietet kaum Text und die Bilder sprechen für meinen Geschmack nicht genug für sich selbst. Man kann der Story so entsprechend kaum folgen und muss immer wieder Schlüsse ziehen, ohne genau zu wissen, ob man richtig liegt. Die Mädchen sind ganz schlecht im Alter zu schätzen, weder als Kinder noch als Jugendliche ist ihr Alter eindeutig.

Die Bilder finde ich nicht wirklich schön oder beeindruckend, sondern eher abstoßend, düster (ja, passt zur Story, aber man kann es auch übertreiben), unattraktiv. Das Lesen/Betrachten hat mir keie Freude gemacht, mich nicht gefesselt und auch in keiner Weise bereichert. Ich kann nach wie vor die starke Verbundenheit, die Lenú zu Lila empfindet, nicht verstehen. Und schon gar nicht möchte ich die weiteren Bände kennenlernen. Ich denke schon, dass ich die grundsätzliche Aussage (Frauenbild damals und heute, Perspektivlosigkeit, Ungerechtigkeit) verstanden habe. Dennoch konnte ich kein Mitgefühl entwickeln. Das ist selten bei mir!

Ob Zwölfjährige (Altersempfehlung 12-99) die Aussage besser verstehen, der Story besser folgen können, das Buch lieber mögen? Ich habe da so meine starken Zweifel.

Schade, das war ein absoluter Fehlgriff. Ich kann leider nur zwei Sterne geben.

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Veröffentlicht am 27.06.2023

Schnurrend an die Weltmacht

Auf Samtpfoten durch die Geschichte
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Baba, die Katze, hat ihrem Menschen Paul Koudounaris diktiert, was über die Welteroberung der Katzen zu erzählen ist, damit wir Menschen endlich mal die Fakten kennenlernen. Das liest sich wunderbar – ...

Baba, die Katze, hat ihrem Menschen Paul Koudounaris diktiert, was über die Welteroberung der Katzen zu erzählen ist, damit wir Menschen endlich mal die Fakten kennenlernen. Das liest sich wunderbar – nicht zu sachlich, aber auch nicht zu lächerlich. Baba trifft genau die richtige Art, über seine Artgenossen zu erzählen.

Es geht los mit einer Einführung, dann kommen die Kapitel Das Goldene Zeitalter; Ruhmreiche Pfade; Triumph und Tragödie in Europa; Auf großer Fahrt; Wiedergutmachung; Ein Neuanfang. Dabei macht sich der Mensch nicht oft selbst Ehre, im Gegenteil. Doch die Katze wäre nicht die Katze, wenn sie nicht alles überstanden hätte und nach wie vor den Menschen liebt, aber ein unabhängiges Wesen geblieben wäre. Und so erobert man eben die Welt!

Die Texte sind spannend, interessant, fesselnd und zu Tränen rührend – die ganze Palette wird bedient. Dazu bekommt man jede Menge Fotos und Abbildungen zu sehen, auch Zeitungsausschnitte sind dabei. Die Fotos mit den verkleideten Katzen liegen mir ein wenig auf dem Magen. Sie sehen nicht aus, als hätte die Katze Stress, auch bin ich mir nicht so sicher, wie viel davon Photoshop ist. Paul Koudounaris erzählt im Nachwort, dass Baba Spaß daran hätte. Mag ja sein, aber das ist bei den Katzen, die ich kenne, definitiv anders! Deshalb finde ich es nicht gut, andere auf die Idee zu bringen, Katzen zu verkleiden (oder ihnen überhaupt Textilien aufzuzwängen). Und leider kostet das einen Stern.

Es macht Spaß, den Katzen durch die Zeit und die Kontinente zu folgen. Dies ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt, Kapitel erneut liest, Bilder noch mal ansieht. Wer noch keine Katze bei sich wohnen hat, wird dann daran arbeiten, dies zu ändern. Aber bitte artgerecht und ohne Kostüme! Da nur sechs Epochen besprochen wurden, wäre es naheliegend, einen Folgeband zu produzieren. Ich bin gespannt!

Fazit: Bis auf die zweifelhaften Fotos verkleideter Katzen bin ich begeistert. Daher gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 27.06.2023

Liebevoll gestaltetes Buch rund um das Wahrsagen

Wahrsagen
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Dieses Buch gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichen Arten der Wahrsagekunst. Dabei erhält man auch eine kleine Einführung in die Wahrsagung, erfährt ein wenig über die Geschichte der Wahrsagung ...

Dieses Buch gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichen Arten der Wahrsagekunst. Dabei erhält man auch eine kleine Einführung in die Wahrsagung, erfährt ein wenig über die Geschichte der Wahrsagung und einen Einblick in die Wahrsagelehre. Da Amulette eine große Rolle spielen, wird sogar eine Vorlage zur Verfügung gestellt, mit der man sich vier davon selbst machen kann.

Dann folgen die vier Kapitel Offenbarungen in uns; Glück aus der Natur; Wahrsagen mit Objekten; Offenbarungen des Zufalls; Die erwachende Vision beschwören. In jedem dieser Kapitel gibt es dann die entsprechenden Unterkapitel, in denen die Wahrsage-Arten vorgestellt und erklärt werden. So kann man leicht und gut die Wahrsageart finden, die man für sich am stimmigsten findet und sich dann weiterführende Literatur besorgen.

Mich hat erstaunt, wie viele mir unbekannte Arten der Wahrsagekunst es gibt. Das Buch geht weit über das Kartenlegen und Handlesen hinaus und stellt auch die Psychometrie (Wahrsagen durch den Tastsinn) und die Geomantie (die Bedeutung des Bodens) vor. Jedes Kapitel wird mehr oder weniger ausführlich behandelt, sodass man, wenn man denn möchte, auch gleich ein paar davon ausprobieren kann.

Zusätzlich ist das Buch reich bebildert, jedoch nicht mit Fotografien, sondern mit Zeichnungen. Das macht es zu einem ganz besonderen Buch, wie ich finde. Zeichnungen sind zum Thema einfach stimmiger. In vielen Tabellen finden sich zu Sternzeichen, Planeten, Wolken und vielem mehr Angaben zu Deutungen.

Mir gefallen die Vielfalt und die Sachlichkeit des Buches. Ob man an Wahrsagerei glaubt oder nicht, hier erfährt man wunderbar illustriert einige Details. Schön auch als Nachschlagewerk und auch für das Training des Gehirns (beim Auswendiglernen einiger Bedeutungen usw.). Aber auch, wenn man nicht selbst wahrsagen möchte, lohnt sich die Lektüre. Interessant und aufschlussreich ist sie allemal. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Nichts ist so, wie es scheint

Die Affäre Alaska Sanders
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Sergeant Perry Gahalowood erhält eine Nachricht, die ihn an der Verurteilung des Mörders von Alaska Sanders zweifeln lässt. Er muss herausfinden, ob der Falsche seit elf Jahren im Gefängnis sitzt. Darum ...

Sergeant Perry Gahalowood erhält eine Nachricht, die ihn an der Verurteilung des Mörders von Alaska Sanders zweifeln lässt. Er muss herausfinden, ob der Falsche seit elf Jahren im Gefängnis sitzt. Darum bittet er den Schriftsteller Marcus Goldman um Hilfe, denn seit dessen Recherchen zum Fall Harry Quebert ist er mit ihm befreundet und von ihm überzeugt. Dabei kommen auch Ereignisse von 1987 zum Tragen und Abgründe tun sich auf.

Die Gegenwart im Buch ist das Jahr 2010, der Mordfall ereignete sich 1999. Dazwischen kommen immer wieder mal die Ereignisse von 1987 hoch und so wenig, wie man anfangs glaubt, so gut passen alle drei Zeitebenen zusammen. Goldman macht aus der Not eine Tugend und nutzt die Ermittlungen dazu, seine Schreibblockade zu bekämpfen.

Mich beeindruckt ungemein, wie viele Wendungen Dicker immer wieder eingebaut hat, ohne unglaubwürdig zu wirken. Da scheint alles ganz logisch zu sein und klar auf der Hand zu liegen und dann kommt ein kleiner Faktor, der alles wieder nichtig macht, der Geschichte eine völlig neue Richtung gibt und Goldman und Gahalowood vor neue Aufgaben stellt. Eine Menge Überraschungen kommen auf Goldman und Gahalowood zu und sie befinden sich, ebenso wie der Leser oder Hörer, ein ums andere Mal auf völlig falscher Fährte.

Die Figuren sind zahlreich und dennoch alles sehr gut gezeichnet. Man muss nur höllisch aufpassen, um nicht den Faden und den Überblick zu verlieren. Dazu kommen nämlich noch die drei Zeitebenen, die immer wieder wechseln. Hier ist es dann hilfreich, dass Dicker immer wieder eine Art Zusammenfassung einwebt, die die handelnden Personen aufstellen.

„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ habe ich nicht gelesen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir Wissen fehlt. Dicker hat so geschrieben, dass man keine Lücken hat und die Zusammenhänge versteht. Gerade deshalb finde ich es sehr gut, dass diese Figur nur marginal auftaucht.

Mich hat dieses Buch sehr angesprochen und ich denke, ich werde Joel Dicker jetzt im Auge behalten. Bisher war mir der Hype um seine Bücher immer zu groß (damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht), doch diesmal konnte nicht umhin und ich bereue es nicht! Nur selten bleibe ich so an einer Story, wie hier. Jede freie Minute habe ich weiter am Hörbuch gehört. Torben Kessler hört man einfach gerne zu. Seine Stimme ist weich und samtig, kann aber auch die weniger sanften Parts sehr gut und treffend umsetzen. Es schaffen nicht viele Autoren, mich so sehr in die Geschichte zu ziehen. Gut gemacht! Fünf Sterne.

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