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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2024

Keine leichte Kost – sehr eindrücklich und nachhaltig

Die Ungelebten
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Jennifer Boyard, dreifache Mutter und Leiterin des Familienunternehmens, ist eine Frau, die der Macht ihres Vaters erlegen ist. Zunächst scheint alles in bester Ordnung zu sein. Zwar beginnt das Buch mit ...

Jennifer Boyard, dreifache Mutter und Leiterin des Familienunternehmens, ist eine Frau, die der Macht ihres Vaters erlegen ist. Zunächst scheint alles in bester Ordnung zu sein. Zwar beginnt das Buch mit einem Zeitungsartikel, welches das Unglück schildert, dass ein Junge im Eis einbrach und gerettet werden konnte, und im weiteren Verlauf der Geschichte spielt das noch eine wichtige Rolle. Aber dann wird das schillernde Leben des Produzenten geschildert, der sein Lebenswerk in die Hände seiner Tochter legt.
Nach und nach erfährt man immer mehr über die Schlagerbranche und darüber, wie Jennifer in ihr aufgewachsen ist. Einzelne Rückblicke geben Aufschluss darüber, wie sie in einem goldenen Käfig aufgewachsen ist und wie sehr sie unter dem Einfluss des Vaters steht. Die Mutter hatte die Familie angeblich verlassen und ihre Brüder wuchsen in einem Internat auf.
Erst als eine ehemalige Sängerin des Vaters diesen wegen einer Vergewaltigung beschuldigt, wird das ganze Ausmaß der Beziehung zwischen Jennifer und ihrem Vater deutlich. Denn dieser geht davon aus, dass sich alles regeln lässt und seine Tochter sich in seinem Sinne darum kümmern wird.
Viele Dinge bleiben unausgesprochen – nur vage Andeutungen und dennoch ist das Buch sehr bedrückend. Es schildert sehr eindrücklich, wie die Mechanismen patriarchaler Strukturen funktionieren und wie weitreichend Macht sein kann.
Manches ist verwirrend und zunächst irreführend – und für mich hat sich am Ende nicht wirklich alles schlüssig aufgeklärt.
Dennoch ist das Buch ein Aufschrei, wenngleich es nicht so endet, wie man es sich als Leser vielleicht gewünscht hätte. Aber es zeigt genau diese Strukturen auf, die heute noch immer greifen und welche die Opfer mundtot machen. Es ist eine Gesellschaftsstudie, die so realistisch ist, dass es schmerzt.
Es ist keine leichte Kost, kein Buch, welches man zur Unterhaltung so nebenbei lesen kann. Aber es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss und das Milieu ist austauschbar, denn es zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Und auch wenn das Buch nicht so endet, wie man still erhofft hat, gibt es den Betroffenen eine Stimme, die, auch wenn sie am Ende schweigt nicht lauter hätte schreien können.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Ein wundervolles Buch zum Vorlesen oder Selberlesen für Kinder von 8-12 Jahren

Xystus
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Allein das Cover ist schon der absolute Hammer. Ansprechend, inspirierend und liebevoll ausgewählt.
Wir lernen in diesem wunderbaren Buch den kleinen Mäuserich Xystus kennen, der sich unvermittelt in einer ...

Allein das Cover ist schon der absolute Hammer. Ansprechend, inspirierend und liebevoll ausgewählt.
Wir lernen in diesem wunderbaren Buch den kleinen Mäuserich Xystus kennen, der sich unvermittelt in einer Mausefalle wiederfindet. Und das, was er zunächst für sein Ende hielt, war der Anfang eines unfassbaren Abenteuers.
Denn er landet zum Glück bei einem ganz besonderen Menschen, dem Professor Uriel Schnattergans. Und der hat Großes mit der kleinen Maus vor.
Ich will nicht zu viel verraten, aber es ist ein Buch über Erfindungen und über eine Zeitreise, die alles verändern sollte.
Der Autorin gelingt es sehr einfühlsam, wichtige Werte zu vermitteln. Achtung voreinander, Wertschätzung und den Glauben an die Fähigkeiten des Anderen. Zudem werden lehrreiche Inhalte kindgerecht verpackt und vermittelt.
Aber auch Erwachsene, die das Buch vielleicht kleineren Kindern vorlesen, können etwas daraus mitnehmen. Denn es gibt keine Begegnungen, die ohne Folgen bleiben. Alles hat seinen Sinn und seine Bestimmung.
Ein zauberhafter Mäuserich erobert nicht nur die viktorianische Zeit, sondern auch die Herzen der Leser.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Eine spirituelle Erzählung, die man immer wieder zur Hand nehmen kann

Das Mädchen und die Lehre vom Fluss
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In diesem wundervollen Buch begleiten wir ein kleines Mädchen, welches namenlos bleibt, auf ihrer Reise. Man könnte es vielleicht so deuten, dass es die Reise ins Erwachsenwerden sein könnte, aber eben ...

In diesem wundervollen Buch begleiten wir ein kleines Mädchen, welches namenlos bleibt, auf ihrer Reise. Man könnte es vielleicht so deuten, dass es die Reise ins Erwachsenwerden sein könnte, aber eben vielleicht auch ganz anders.
Angetrieben wird sie von der Sehnsucht nach dem Großvater, der von ihr gegangen ist und der ihr so unglaublich fehlt. Denn er war für sie da, hatte Zeit und hat ihr die Welt erklärt. Daher macht sie sich auf und hofft, ihren Großvater dabei zurückholen zu können.
In jedem Kapital lernt sie eine Lektion und das Schlagwort dazu findet man auch im Inhaltsverzeichnis, sodass man gezielt nachlesen kann, wenn man nach Beendigung der Lektüre nochmal etwas nachschlagen möchte, was vielleicht gerade in die aktuelle Situation passen könnte.
Das Mädchen macht sich über viele Dinge Gedanken und ich empfinde sie als sehr fokussiert und fast schon ein wenig zu weise für ihr Alter. Sie befindet sich auf ihrer Reise immer in einer Art Zwiesprache mit dem schmerzlich vermissten Großvater. Er steht ihr zu Seite, leitet und lenkt sie und ermutigt sie, ihren Weg weiter zu verfolgen.
Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet. So hat die Autorin eine Art Schreibschrift gewählt, was für mich als Leser den Eindruck erweckt, dass dieser Text genau für mich und extra an mich adressiert ist. Stilvolle Zeichnungen untermalen die Reise des Mädchens. Minimalistisch, aber sehr ausdrucksstark.
Die Autorin schreibt in ihrem Vorwort, dass sie sich in ihrem jungen Leben einen Ratgeber wie den Großvater gewünscht hätte und so ist dieses Buch sozusagen ein Vermächtnis an ihr inneres Kind und all die Kinder in uns.
Es ist ein Buch, welches nicht mit einem Mal lesen er-und begriffen werden kann. Es sind viele Weisheiten der östlichen Philosophie inbegriffen, die so umfassend sind, dass ich das Gefühl habe, bei jedem Lesen und betrachten sind es die jeweiligen Lektionen, die mich ansprechen, die, die ich dann am nötigsten brauche.
Viele Dinge wirken auch in mir nach und arbeiten. Manches kann ich gerade vielleicht nicht erfassen, weil es für mich im Moment nicht dran ist. Auf jeden Fall ein sehr gelungener Ratgeber, der in seiner Art unaufdringlich ist – und neue Wege aufzeigt. Den Horizont weitet und neue Perspektiven schafft, wenn man sich darauf einlassen kann.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Ein Psychogramm einer Frauenfreundschaft

Wie wir waren
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Paula und Zett kennen sich seit Kindertagen und sind beste Freundinnen. Der Roman beginnt mit einer Sommerreise der beiden Frauen. Sie sind 19 und bereisen auf gut Glück Griechenland. Es hätte eine unbeschwerte ...

Paula und Zett kennen sich seit Kindertagen und sind beste Freundinnen. Der Roman beginnt mit einer Sommerreise der beiden Frauen. Sie sind 19 und bereisen auf gut Glück Griechenland. Es hätte eine unbeschwerte Zeit werden sollen, aber ein Vorfall stellt die Freundschaft auf eine harte Probe.
Der Roman wird kapitelweise Mal aus der Sicht von Paula und dann in der von Zett geschildert. Und immer wieder gibt es so eine Art Rückblenden, die schildern, wie zum Beispiel die Kindheit von Paula verlaufen ist. Überhaupt geht es zunächst viel um Paula und unweigerlich nimmt man als Leser mehr ihre Perspektive ein. Paula, die angepasste, die, die immer alles gut und richtigmachen möchte. Und im Gegensatz dazu Zett, die sich ungebunden und frei verwirklicht und etwas aus ihrem Leben zu machen scheint. Zett, die sagt, was sie denkt…
Das Buch umfasst einen Zeitrahmen von 1986 -2004 und immer wieder kommt es zu Brüchen in der Freundschaft, ja, zu Abbrüchen. Zeiten, in denen die beiden keinen Kontakt haben und dann die Zeiten der Wiederannäherung. Man fiebert mit, man leidet mit, man hofft mit.
Und wenn man als Leser vielleicht doch eher Sympathien für die eine hegt, wird man unweigerlich in die Entwicklung der Freundschaft mit hineingezogen. Menschen entwickeln sich, reifen, treffen Entscheidungen. Trägt die Basis dieser Freundschaft?
Es ist kein luftig leichter Roman. Man trägt die Schwere der Schicksale und dennoch schafft es die Autorin, trotz allem eine Perspektive zu erschaffen. In allem gibt es ein „Dennoch“… und das feste Band der Freundschaft. Auch wenn zwischendurch harte Worte fallen und Dinge ausgesprochen werden. Oder vielleicht genau deswegen?! Und manche Dinge tragen sie in sich und man wünschte sich, sie würden miteinander sprechen. Aber manches braucht eben einfach Zeit.
Eine Zeitreise, untermalt von Dingen, die die Zeit ausmachte, wie Discman und eben die Musik. Immer wieder die Musik, die begleitet und verbindet.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die einzelnen Charaktere – auch die neben Paula und Zett – sind hervorragend herausgearbeitet und ich finde, dies Buch vermittelt einfach Hoffnung. Hoffnung, dass es Freundschaften gibt, die im Stande sind, Stürme, ja Orkane zu überstehen.

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Veröffentlicht am 24.09.2024

Ein bahnbrechendes Buch

Soul Talk
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In einer Zeit, in der alle nur noch darauf bedacht zu sein scheinen, den äußeren Schein zu wahren und sich über Äußerlichkeiten zu definieren, kommen echte Begegnungen zu kurz. Wenn man einen Menschen ...

In einer Zeit, in der alle nur noch darauf bedacht zu sein scheinen, den äußeren Schein zu wahren und sich über Äußerlichkeiten zu definieren, kommen echte Begegnungen zu kurz. Wenn man einen Menschen trifft, wird meist gefragt, wie es geht, aber an einer Antwort scheint niemand interessiert zu sein. Und dann greift dieses Gefühl der Einsamkeit um sich, weil es eben keine echten, berührenden und inspirierenden Begegnungen mehr gibt.
Und genau da setzt sie Autorin an. Sie hat in ihrem Buch 222 Fragen gesammelt, die dazu einladen, sich zum einen mit sich selbst auseinander zu setzen, aber die eben auch dazu anregen sollen, ein Gespräch zu beginnen, in denen sich Interesse und Wertschätzung zeigen.
Sehr schön finde ich auch, dass sie die Fragen in Kategorien einteilt. Fragen, die man in den unterschiedlichsten Kontexten anwenden kann. Fragen, mit denen man sich gezielt auf Situationen vorbereiten kann.
Und doch ist es mehr, als nur ein Fragenkatalog. Es ist mit ganz viel Leben der Autorin gefüllt. Eine wirklich gelungene Mischung.
Im Klappentext steht, dass durch diese klugen Fragen Soul-Talk möglich wird. Und ich denke, dies ist genau das, was in unserer schnelllebigen Zeit total auf der Strecke geblieben ist. Gespräche, die tiefer gehen, die Interesse am anderen zeigen und auch eine Bereitschaft mitbringen, von sich zu erzählen.
Ich feiere dieses Buch und bin voller Bewunderung für all die Fragen, die die Autorin zusammengetragen hat. Eine wahre Bereicherung für Menschen, die das Interesse am Gegenüber wiederbeleben möchten. Ein Schatz auch für den Leser selbst.

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