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Veröffentlicht am 18.02.2026

Schmerzhafte Erinnerungen

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan ...

In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan Heerma van Voss, den sie in ihrem Buch "A" nennt.

Es ist ein kalter Tag im März 2022, die Beerdigung ihres Mannes liegt gerade hinter ihr, als die Ich-Erzählerin Christien feststellt, wie verwahrlost ihr Haus ist. Es wirkt unordentlich und ist vollgestopft mit unzähligen Büchern, Zeitschriften und allerlei Krimskrams. Nach den langen Jahren, in denen sie sich um ihren kranken Ehemann kümmerte, beginnt sie nun mit den dringend notwendigen Arbeiten. Das Aufräumen und Aussortieren fällt ihr anfangs schwer, es weckt nicht nur schöne Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre.

Als Christien und A sich in den späten Siebzigern kennenlernen, ist die junge Frau fasziniert von der Intelligenz und dem Humor des Juristen, der als Chefredakteur tätig ist. Sie verlieben sich ineinander und verbringen glückliche Jahre, nach der Hochzeit werden die beiden Söhne geboren. Christien, inzwischen Professorin für Frauenforschung, ist glücklich in ihrem Beruf und fühlt sich wertgeschätzt. Der häusliche Alltagsstress mit zwei Kleinkindern überfordert sie trotz der Unterstützung durch ein Kindermädchen und die beiden Töchter aus A's erster Ehe zusehends. A ist stolz auf seine erfolgreiche Frau, hatte aber heimlich darauf gehofft, dass sie sich nach ihrer Dissertation hauptsächlich ihm widmen würde. Die Ehe ist nicht mehr glücklich, das Paar ist zu verschieden, hat unterschiedliche Interessen. A, geprägt durch den frühen Tod seiner Schwester, ist melancholisch und launisch. Als er mit 64 Jahren pensioniert wird, stürzt seine Welt vollends ein, er fühlt sich überflüssig. Christien kommt mit seinem Pessimismus und seinen düsteren Stimmungen nicht zurecht und zieht sich immer mehr zurück.

Mit schonungsloser Offenheit und klaren Worten beschreibt die Autorin ihre unglückliche Ehe und die zunehmende Entfremdung. Ich mochte Christien und habe nicht verstanden, dass die selbstbewusste Professorin sich ihrem dominanten Mann unterordnete, sogar auf sein Drängen hin ihr Haus verkaufte, das sie liebte, um in das Amsterdamer Zentrum zu ziehen.

Ich habe das intelligente Buch, in dem die Autorin ihr Leben mit A Revue passieren lässt, trotz mehrerer Wiederholungen sehr gern gelesen, es hat mich berührt und erschüttert. Christiens innere Konflikte konnte ich gut nachvollziehen, sie zweifelt an ihrer Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, fragt sich, ob sie als Mutter das Recht dazu hat. Während des Schreibens hinterfragt sie auch ihre Rolle in der Beziehung und in der Familie, und sie stellt sich die Frage, warum sie ihren Mann nicht verlassen hat.

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" ist ein sehr mutiges und sehr persönliches Buch, in dem es neben Trauerbewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit auch um Feminismus, Enttäuschung, Verzweiflung - und Liebe geht.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Berührende Geschichte

Moosland
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In ihrem Debütroman "Moosland" erzählt Katrin Zipse die Geschichte der jungen Elsa, die 1949 gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda als eine von knapp 300 Frauen nach Island gekommen ist. Die beiden sind einem ...

In ihrem Debütroman "Moosland" erzählt Katrin Zipse die Geschichte der jungen Elsa, die 1949 gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda als eine von knapp 300 Frauen nach Island gekommen ist. Die beiden sind einem Aufruf der Isländischen Bauernpartei gefolgt, um für die Dauer eines Jahres auf isländischen Bauernhöfen zu arbeiten. Viele junge Leute sind in die Städte abgewandert, und die Bauern hoffen nicht nur auf Arbeitskräfte, sondern auch auf Heiratskandidatinnen.

Elsa ist total erschöpft von ihrer langen Reise, als sie mit nur einem Rucksack als Gepäck vom Knecht der Bauernfamilie an der Küste abgeholt wird. Der Bauernhof liegt abseits, der Weg dorthin ist nur mühsam zu bewältigen. Die junge Frau wird von nun an bei einer Familie leben und arbeiten, die aus dem Bauern Jón, seiner Frau Ingibjörg und den beiden Söhnen Ólafur und Skúli besteht. Die Eingewöhnung fällt ihr sehr schwer, die Verständigung ist ein großes Problem, da Elsa nach erlittenen Kriegstraumata nicht mehr spricht und die isländische Sprache nicht versteht.

Wir begleiten Elsa für die Dauer eines Jahres und erleben ihren harten Alltag mit den vielen Pflichten im Haushalt, auf dem Hof und den Feldern. Sie ist in tiefer Trauer um ihre Familie und ihre beste Freundin Sola, und doch gelingt es ihr nach und nach, ihren Platz in der Familie zu finden. Viel Unterstützung findet sie in dem Knecht Halldór, der ihr die fremde Sprache nahezubringen versucht. 

"Moosland" hat mir sehr gut gefallen, ich mochte die ruhige Erzählweise und die schöne Sprache der Autorin. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Empathie gezeichnet, ich konnte mich sehr gut in Elsas Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen und ihren Kummer nachempfinden. Die Geschichte, in der es neben Heimat, Verlust und Neuanfang auch um ein Familiengeheimnis und einen Bruderzwist geht, hat mich bis zu ihrem stimmigen Ende gefesselt und tief berührt. 

Ich fand die intensive Beschreibung der Landschaft mit ihrer Kargheit und der rauen Natur sowie des extremen Klimas, das seinen Bewohnern so viel abverlangt, faszinierend. Entbehrungen und harte Arbeit gehören für die Menschen auf den Höfen zum normalen Leben, in den wenigen Sommermonaten arbeiten sie fast rund um die Uhr, um für die langen und eisigen Wintermonate genügend Vorräte für Mensch und Tier anzulegen. Katrin Zipse bringt dem Leser den täglichen Überlebenskampf der Bauern überzeugend nahe und vermittelt ein beeindruckendes Bild der damaligen isländischen Verhältnisse.

Absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Beeindruckend und faszinierend

Jenseits der Wintersonne
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In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste. ...

In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste.

Veronica wohnt seit drei Jahren auf einem Segelboot. Das Boot hat zwei Masten und vier große Segel, es wurde 1982 gebaut und ist 16 Jahre älter als sie. Drei Jahre lang segelte sie damit ganz allein in den Gewässern vor der Finnmark. Nun ist es Herbst, und sie wird sich aufmachen zu den Gegenden an der äußersten Küste am Nordpolarmeer.
Es wird ein Reiseabenteuer, das sie an ihre Grenzen bringen wird, immer wieder gerät sie wetterbedingt beim Segeln in gefährliche und bedrohliche Situationen. An Land hat sie viele interessante Begegnungen, sie lernt die gastfreundlichen Bewohner der Inseln kennen, die ihr von ihrer Insel und deren Geschichte erzählen, von Sagen und Mythen. Manchmal bleibt sie länger an einem Ort und lernt die Bewohner dabei noch besser kennen. Die Fischer erzählen von ihren Problemen, es geht neben der schlechten Infrastruktur auch um die fehlende Trinkwasserversorgung, die Vermüllung des Meeres durch Plastik und den zunehmenden Angeltourismus.

Die Autorin beschreibt nicht nur eindrucksvoll die Schönheit der Natur, sie lässt den Leser auch tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken. Sie erzählt von ihrer Hoffnung, dem Familienfluch zu entrinnen, indem sie Abstand sucht von ihrer Familie, die auf den Lofoten lebt. Die selbstgewählte Einsamkeit auf See gibt ihr eine gewisse Sicherheit, sie gelangt aber auch zu der Erkenntnis, dass im Segeln auf dem offenen Meer nicht die von ihr ersehnte Freiheit liegt, da der Wind und das Wetter bestimmen, wann es wohin geht.

Ich habe das Buch, das eine Mischung aus Reisebericht und ganz persönlicher Reflexion ist, sehr gern gelesen. Es war spannend und hochinteressant, Veronica auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe mit ihr gebangt und gezittert, wenn sie mit ihrem Boot in gefährliche Situationen geriet, und ich habe mich mit ihr gefreut, wenn ihr die Inselbewohner freundlich und offen begegneten.
Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne und hochwertige Gestaltung des Buches. Das Covermotiv findet sich auch auf dem Einband wieder, im Innern finden wir 18 kunstvolle Illustrationen, die die Geschichten ergänzen.

Absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch, das so viel mehr ist als nur ein Reisebericht!

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Beeindruckendes und packendes Debüt über ein wichtiges Thema

Gelbe Monster
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Im Mittelpunkt von Clara Leinemanns Debütroman "Gelbe Monster" steht die junge Mathematikstudentin Charlotte, genannt Charlie, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt und bei ihrer Freundin Ella aus ...

Im Mittelpunkt von Clara Leinemanns Debütroman "Gelbe Monster" steht die junge Mathematikstudentin Charlotte, genannt Charlie, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt und bei ihrer Freundin Ella aus Kindheitstagen wohnt. Sie ist in ihrer Beziehung gewalttätig geworden und wird an einem Antiaggressionsprogramm teilnehmen. Mit Unterstützung von Psychologen wird sie sich in 25 Sitzungen gemeinsam mit anderen Frauen über Gewalt, Konfliktverhalten, Macht und Kontrolle austauschen.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Während wir Charlie im Hier und Jetzt in ihrem Alltag und bei den Therapiesitzungen begleiten, blättert sich im zweiten Erzählstrang ihre Vergangenheit langsam auf.
Charlie schmiedet Zukunftspläne, als sie den attraktiven Literaturstudenten Valentin kennenlernt und sich in ihn verliebt. Doch der versprochene Anruf des jungen Mannes bleibt aus, erst ein Jahr später begegnen sie sich auf einer Vernissage wieder, treffen sich von nun an häufiger und werden schließlich ein Paar. Charlies Wunsch ist es, Valentin eine gute Freundin zu sein, und sie erkennt dabei nicht, dass er in ihrer Beziehung nicht glücklich ist ...

Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Der Autorin ist es gelungen, nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenfiguren sehr authentisch zu zeichnen. Ich hatte Mitgefühl für die unsichere Charlie, die uns tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken lässt. Sie besitzt ein nur geringes Selbstwertgefühl, findet sich faul und hässlich und ist gleichzeitig gefangen in ihrem Zorn. Seit ihrer Pubertät versucht sie immer wieder, ein besserer Mensch zu werden. Mit Valentin an ihrer Seite fühlt sie sich endlich wie ein besserer Mensch, möchte nur bei ihm sein, alles andere wird zur Nebensache. Sie lehnt seinetwegen sogar eine Stelle in einer Forschungsgruppe in Madrid ab.

Sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Gruppenarbeit und Gespräche innerhalb des Antiaggressionsprogramms. Hier werden unterschiedliche Frauenschicksale und verschiedene Facetten von Gewalt in Beziehungen intensiv beschrieben.
Die mitreißende Geschichte, in der es neben Liebe und weiblicher Gewalt auch um emotionale Abhängigkeit geht, ist mir unter die Haut gegangen und wird mich noch länger beschäftigen.

Absolute Leseempfehlung für dieses großartige Debüt!

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Mythos "verklebte" Faszien

Die Faszienlüge
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In ihrem Buch mit dem etwas provokanten Titel "Die Faszienlüge" stellen die Orthopäden Dr. Matthias Manke und Dr. Patrick Julius den Hype um das Faszientraining samt umfangreichem Equipment auf den Prüfstand ...

In ihrem Buch mit dem etwas provokanten Titel "Die Faszienlüge" stellen die Orthopäden Dr. Matthias Manke und Dr. Patrick Julius den Hype um das Faszientraining samt umfangreichem Equipment auf den Prüfstand und gelangen dabei zu der Erkenntnis, dass die diversen Faszientools keinen nennenswerten Nutzen haben und bestehende Probleme sogar verschlimmern können.

Das sehr schön und übersichtlich gestaltete, 176 Seiten umfassende Buch ist in vier Kapitel gegliedert:
Im ersten Kapitel geht es nicht nur um den Bewegungsapparat, sondern auch um so wichtige Themen wie z.B. Stress, Atmung, Ernährung und Schlaf.
Das zweite Kapitel widmet sich dem Aufbau, der Struktur und Funktion der Faszien sowie dem Mythos Faszientraining und dem Geschäft mit der Faszie.
Im dritten Kapitel thematisieren die Autoren die Schmerzen im Bewegungsapparat sowie orthopädische Krankheitsbilder.
Im vierten und letzten Kapitel "Bewegung hilft Muskeln, Faszien & Co." werden nicht nur die Themen Sitzen ("wer sitzt, verliert") und Bewegung behandelt, sondern auch ein 30 Übungen umfassendes Programm vorgestellt.

Das Buch, das von viel Fachwissen und Kompetenz zeugt, hat mir sehr gut gefallen. Es liest sich flüssig, ist durch seine lebendige Sprache äußerst kurzweilig und auch für medizinische Laien wie mich gut verständlich. Viele Fotos und anschauliche Illustrationen ergänzen die informativen Texte.
Die letzten 30 Seiten motivieren den Leser, selbst aktiv zu werden, denn hier werden von den Autoren 30 Übungen vorgestellt, die uns dabei helfen können, unsere Schmerzen zu lindern oder sogar ganz loszuwerden. Die Autoren agieren hier selbst als Vorturner, pro Seite gibt es eine Übung mit Fotos und ergänzenden Texten. Dieser Teil des Buches war besonders interessant für mich, auch wenn mir einige der Übungen bereits bekannt waren und mir die Nackengreiferübung vielleicht nie gelingen wird. Ein umfangreiches Equipment ist nicht erforderlich, eine gute Bodenmatte reicht, und Therabänder gehören schon lange zu meiner Ausstattung. Zwei der gezeigten Übungen erfordern einen großen Gymnastikball, der sich aber auch durch einen Stuhl ersetzen lässt. Für drei Übungen ist ein guter Gleichgewichtssinn erforderlich, hierbei stabilisiere ich meine eher wackelige Ausgangsposition, indem ich mich mit einer Hand an einem Tisch festhalte.

Auf den ersten und letzten Seiten befindet sich ein Test, mit dem jeder feststellen kann, wie es um seine eigene Beweglichkeit bestellt ist. Ich muss gestehen, dass mich dieser Test teilweise etwas frustriert hat, doch ich bin optimistisch, mit den vorgestellten Übungen und der nötigen Disziplin wieder gelenkiger zu werden.

Der Ratgeber hat mich inhaltlich vollends überzeugt, zumal ich mich selbst über Jahre mit unterschiedlichen Faszienrollen und -bällen malträtiert habe und keine Besserung meiner Beschwerden erzielen konnte.

Absolute Leseempfehlung für diesen Ratgeber, der sicherlich für Aufsehen sorgen wird!

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