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Veröffentlicht am 27.03.2017

Schöne Idee, die Umsetzung jedoch mit viel zu wenig Tiefe

Forever 21
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Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend ...

Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend anhörte.
Der Schreibstil liest sich schön flüssig. Lilly Crow schreibt angenehm, sodass man schnell man das Buch in einem Zug durchlesen kann, was auch mit an der Dicke von nicht mal 300 Seiten liegt. Zwar ist mir die dritte Perspektive, aus der hier erzählt wird, nicht die liebste, aber ich mochte den Schreibstil trotzdem. Meistens wird die Geschichte aus Sicht von Ava erzählt, manchmal auch aus der von Kyran, was ich interessant fand, denn so erfährt man etwas von beiden Seiten. Durch Kyrans Sicht bekommt man ab und an Zusatzinfos, die nochmal etwas näher erklären und so weiter, was wirklich cool ist. Die beiden Perspektiven sind auch hinreichend unterschiedlich, sodass man merkt, dass es sich hier um zwei unterschiedlich denkende Personen handelt.
Dann mal weiter zu den Charakteren. Die wichtigsten sind auf jeden Fall Ava und Kyran und beide wurden mir einigermaßen sympathisch. Obwohl mir Ava als Protagonistin mit der Zeit immer unsympathischer wurde. Die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht zu erfahren, war ziemlich cool, weil sie zu allem direkt eine Meinung hat, aber sie wirkte oft oberflächlich und egoistisch. Sie gibt zu, vor den Sprüngen eine richtige Zicke gewesen zu sein, aber auch, wenn sie manchmal ganz nette Momente hat, urteilt sie immer noch recht schnell über andere Personen und steckt sie in Schubladen. So fand ich es anfangs noch amüsant zu lesen, wie Ava sich über den Kleidungsgeschmack von anderen beschwert, später ist das dann einfach nur noch ein Beweis dafür, dass sie sich gar nicht so sehr geändert hat.
Kyran hingegen konnte mehr Pluspunkte bei mir sammeln. Er wirkt sehr melancholisch und hat eindeutig ein bisschen was an der Waffel, aber das hat seinen Grund. Seine Art fand ich auf jeden Fall sehr sympathisch und auch realistisch beschrieben, zumindest bis zum Ende, aber darauf will ich hier nicht näher eingehen…
Was die restlichen Charaktere angeht...puh, da bin ich ehrlich gesagt maßlos enttäuscht. Denn es gibt zwar haufenweise Nebencharaktere, aber die werden, wie ich finde, nicht nur sehr oberflächlich dargestellt, sondern auch klischeehaft. So ziemlich jeder bekommt einen Stempel aufgedrückt. Zurückhaltendes Mauerblümchen, süßer Rockstar, blöde Ziege, herrische Direktorin, liebende Mutter... sie alle hat's schon tausendmal gegeben und wird es auch noch weitere tausendmal geben.
Dass die meisten Charaktere nur unzureichend angeschnitten werden, hat aber vor allem einen Grund, der in der Handlung liegt. "Forever 21" besteht nämlich quasi aus mehreren Kurzgeschichten, die höchstens mal hundert Seiten lang sind. Ava ist natürlich eine immer wieder auftretende Figur, sie springt von einer Zeit in die nächste. Sie hat, wie der Klappentext schon sagt, die Aufgabe, zwei Menschen zueinander zu helfen, die füreinander bestimmt sind. Wow, keine leichte Aufgabe, denkt man sich da. Dafür braucht man Zeit. Die Autorin war da anscheinend anderer Meinung, Avas einzelne Abenteuer gehen nämlich gerade mal einen, wenn es hoch kommt zwei Tage lang. Das hatte ich eindeutig ganz anders erwartet! So wirken die verschiedenen Sprünge, die man mit Ava in diesem Buch erlebt, sehr schnell abgehandelt, sehr ähnlich und durch dieses schnell schnell auch unrealistisch.
Dabei hat die Geschichte einen so guten Start hingelegt! Ich fand den Prolog sehr geheimnisvoll und als man dann gleich in die Handlung reingeschmissen wird, hat das auch gut gepasst. Man ist quasi in derselben Situation wie Ava, die gerade in einen neuen Körper und eine neue Zeit gesprungen ist und sich nun zurechtfinden muss. Das hat richtig gut gewirkt, ich wollte alles rund um Avas Mission und ihre Strafe mit ihr erfahren, alles entdecken. Nur leider hat sich meine anfängliche Begeisterung eben damit gelegt, dass die erste kleine Geschichte in der großen Geschichte so schnell abgehandelt wurde, die zweite noch schneller und so weiter und so weiter. Meiner Meinung nach hätte Lilly Crow sich die Zeit nehmen müssen, mehr Tiefe in die Handlung mit einzubauen. Das Buch ist mit den knapp 300 Seiten sowieso nicht dick, das hätte die Autorin ruhig machen können. So wirken die einzelnen Lovestorys platt und klischeehaft und konnten mich nicht überzeugen.
Es gibt natürlich eine Liebesgeschichte in diesem Roman, der mehr Raum gegeben wird, sich zu entwickeln, nämlich der von Ava und Kyran. Die Idee dahinter finde ich auch sehr schön, wobei noch nicht ganz klar ist, wie die beiden ganz genau verbunden sind. Doch trotz der süßen Grundidee, ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Die Verbindung zwischen Ava und Kyran wird als etwas ganz besonderes dargestellt, aber bei mir kam dieses Besondere richtig, genauso wenig wie ich Bauchkribbeln hatte wegen den beiden. Schade...
Das Buch lässt auch einen ganzen Berg an Fragen offen. Über Avas Schicksal, wie Ava und Kyran zusammenhängen und noch viele, viele mehr zu den Zeitreisen an sich. Was ist denn mit Avas Körper, während sie sich auf diesen Zeitreisen befindet? Was passiert mit den Personen, in deren Körper Ava springt für diese Zeit? Was ist, wenn Ava ihre Aufgabe mal nicht lösen kann? Wie beeinflussen die Dinge, die Ava bei ihren Zeitreisen macht, die Zukunft? Bei manchen der Fragen glaube ich, dass sie noch geklärt werden, worauf ich auch schon sehr gespannt bin. Die Geschichte ist nämlich noch nicht zu Ende, sondern bekommt noch mindestens eine Fortsetzung. Doch bei anderen hab ich nicht ganz so große Hoffnung. Meine Vermutung ist, dass die Autorin bei dieser Geschichte so manches nicht richtig durchdacht hat, wodurch der ein oder andere Logikfehler entsteht, was mir auch schon hier aufgefallen ist. Vor allem in der Zeitrechnung kommen hier Verwirrungen auf, die es in einem Zeitreiseroman nicht hätte geben dürfen. Mit mehr Tiefgang und mehr Beschreibungen hätte mich die Story bestimmt auch besser mitreißen können als so.

Veröffentlicht am 25.04.2017

Das Potenzial der interessanten Protagonistin wurde hier verschenkt

Schwestern des Mondes - Die Vampirin
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Wenn man "Die Hexe" und "Die Katze" aus der "Schwestern des Mondes"-Reihe gelesen hat, hat man gewisse Erwartungen an "Die Vampirin". Ich jedenfalls war gespannt und hab mich jetzt auch beim zweiten Lesen ...

Wenn man "Die Hexe" und "Die Katze" aus der "Schwestern des Mondes"-Reihe gelesen hat, hat man gewisse Erwartungen an "Die Vampirin". Ich jedenfalls war gespannt und hab mich jetzt auch beim zweiten Lesen darauf gefreut, denn dieses Mal ist es Menolly, aus deren Sicht geschrieben wurde. Sie ist die jüngste der D'Artigo-Schwestern und bestimmt die interessanteste, denn sie wurde vor kurzem erst in eine Vampirin verwandelt, muss noch lernen, damit umzugehen und außerdem ist ihr Charakter nicht so angepasst, sondern eher bissig und sarkastisch. Könnte man zumindest denken. Denn eigentlich unterscheidet sie sich nicht so sehr von den anderen beiden, bis auf dass sie manchmal sagt oder denkt, wie hammerhart und eiskalt sie doch ist und was sie für Probleme hat, seit sie ein Vampir ist. Kommt aber eben nicht so rüber.
Also, wie schon gesagt, von der Protagonistin bin ich etwas enttäuscht, denn man hätte sie eindeutig besser ausbauen können. Sie ist mir zwar nicht so unsympathisch wie Camille, aber auch nicht so sympathisch wie Delilah, siedelt sich irgendwo dazwischen an. Zwar wirkt sie ein kleines bisschen unnahbarer als ihre Schwestern, aber das kommt eben vor allem durch ihre Gedanken rüber, nicht weil man es aus ihren Verhalten schließen könnte. Ihre Vorgeschichte, also vor allem, wie sie in einen Vampir verwandelt wurde, könnte auch sooo interessant sein, Menolly könnte dadurch zu einem schön vielschichtigen Charakter werden, aber irgendwie hat selbst das auf mich nicht richtig gewirkt.
Dass mich die Emotionen nicht richtig erreichen, könnte natürlich sehr gut am Schreibstil liegen. Der ist nicht unbedingt schlecht, denn er lässt sich ganz nett lesen und ich konnte mir Orte und Personen bis jetzt auch ganz gut vorstellen. Nur fesseln kann er mich nicht. Wenn ich das Buch lese, drifte ich öfters mal ab und mach dann etwas anderes, einfach weil ich nicht wirklich drin bin in der Geschichte. Und so ist es eben auch mit den Gefühlen, aber was will man anderes erwarten, wenn ganz schreckliche Schmerzen, die eine Person erlebt in etwa so beschrieben werden: "Die Schmerzen waren schlimmer als alles andere, was ich bis jetzt erlebt hatte."
Was mich am Schreibstil aber richtig stresst, ist, dass die Autorin anscheinend eine solche Liebe zu bestimmten Sätzen und Wörtern beziehungsweise Wortgruppen entwickelt hat, dass sie gefühlt tausendmal im Buch vorkommen. Vor allem bei den Sexszenen. Dauernd fällt da jemand in den Abgrund, das gibt's doch gar nicht! Daran merkt man auch, dass sich die verschiedenen Sichtweisen total ähneln, denn nicht nur Menolly, nein, auch Camille und Delilah sind in den von ihnen erzählten Teilen in den Abgrund gefallen und zwar ebenfalls mehrmals. Es wird auch dauernd gesagt, mit welchen Autos die Leutchen durch die Gegend fahren. Mal ist es das von Camille, mal das von Chase und meistens fahren sie sowieso mit mehreren Wägen, weil sie sich anscheinend gar keine Sorgen um Benzinpreise oder die Umwelt machen müssen. Zumindest lässt die Autorin es so dastehen.
Was die Handlung angeht wird es leider auch nicht viel besser. Ich kann nur betonen, dass hier mehr Potenzial dagewesen wäre, das aber leider nicht ausgenutzt wurde. Denn dass der Mann/ Vampir, der Menolly verwandelt hat, jetzt nach Seattle kommt und dort Ärger macht, könnte durchaus spannend werden. Aber nein, lieber werden Sexszenen in die Handlung eingebaut oder Menolly denkt über Sex nach. Oder es passiert etwas, das nicht wirklich in die Story reinpasst beziehungsweise keinen großen Sinn für die Haupthandlung macht. Und als es am Ende dann mal spannender wird und zu mehr Action kommt, wird das viel zu schnell abgehandelt, als dass es wirklich spannend hätte werden können.

Veröffentlicht am 25.04.2017

Die Such nach sich selbst

Nur ein Tag
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„Nur ein Tag“ ist ein Teil der Zwillings-Bücher der Autorin Gayle Forman. Nachdem ich mir den Roman gekauft habe, schob ich es eine ganze Weile vor mir her, ihn zu lesen, weil es da ja noch einen zweiten ...

„Nur ein Tag“ ist ein Teil der Zwillings-Bücher der Autorin Gayle Forman. Nachdem ich mir den Roman gekauft habe, schob ich es eine ganze Weile vor mir her, ihn zu lesen, weil es da ja noch einen zweiten Teil dazu gab. Ich hatte auch eine ganz genaue Vorstellung von den Büchern, was mich dabei erwarten würde. Ich hatte natürlich den Klappentext (zumindest des ersten Teils) gelesen und kannte die Titel, natürlich hatte ich eine Vorstellung davon, was mich erwartet. Und dann fing ich an zu lesen und irgendwann sah ich mir das dicke Buch nochmal an und mir wurde klar, dass der Roman ganz anders war, als ich erwartet hatte.
Ich hatte nämlich gedacht, "Nur ein Tag" würde sich ausschließlich um diesen einen Tag drehen, den Allyson und Willem in Paris verbringen. Weil, na ja, das Buch heißt schon so. Im Nachhinein wurde mir klar, dass das, hätte ich beim Lesen des Klappentextes mal ein bisschen nachgedacht, eher unwahrscheinlich wäre, denn dafür verrät er zu viel. Also nein, in "Nur ein Tag" geht es nicht ausschließlich um den Tag in Paris, sondern auch um das Jahr danach, das ich eigentlich dem zweiten Buch "Und ein ganzes Jahr" zugeordnet hätte.
Na ja, aber nun mal zu meiner Meinung:
Erstmal muss ich sagen, dass ich den Schreibstil von Gayle Forman schön zu lesen finde. Er ist vielleicht nicht übermäßig besonderes, aber er ist angenehm und die Seiten sind nur so geflogen :)
Die Charaktere fand ich ziemlich interessant, zumindest die wichtigeren. Mit Allyson, aus deren Sicht geschrieben wird, konnte ich gut mitfühlen. Sie ist eigentlich eine eher ruhige Person, zweifelt an sich selbst und will gleichzeitig aus sich raus, was natürlich nicht so leicht geht. Sie will niemanden enttäuschen und macht deswegen Sachen, die sie eigentlich gar nicht will. Mit ihr können sich glaube ich viele junge Erwachsene identifizieren. Allysons Eltern...hm... Vor allem die Mutter ist überfürsorglich und ich fände es grässlich, wenn meine Eltern mein gesamtes Leben für mich planen würden, aber irgendwo kann man sie doch auch verstehen. Auch Melanie konnte ich mir gut vorstellen, diese Freundin in der Selbstfindungsphase und ich finde auch, dass die Autorin damit wieder etwas Wichtiges anspricht. Nämlich, dass sich selbst Freundinnen, die mal unzertrennlich waren, auseinanderleben können. Und Dee war auf jeden Fall einer der spannendsten Charaktere, wie er sich immer wieder anpasst, beziehungsweise extra die Erwartungen der anderen Personen erfüllt. Ach ja, und dann gibt es natürlich noch Willem. Er wurde mir sehr sympathisch, auch wenn er seine seltsamen beziehungsweise unsympathischen Momente hatte. Manchmal kam er schon sehr unberechenbar rüber.
Die unwichtigeren Personen hingegen fand ich oft nicht ganz so authentisch beschrieben, vor allem die, die zum Ende hin vorkommen. Bei denen hatte ich nicht so das Gefühl, ihre Motive zu verstehen wie das bei den anderen der Fall war.
Die Handlung hat mich, wie schon gesagt, ziemlich überrascht. Was aber nicht wirklich schlecht ist, denn ich stelle mir das schon ein bisschen langatmig vor, wenn wirklich nur ein einziger Tag in diesen gut 400 Seiten beschrieben worden wäre. So nimmt der Tag in Paris vielleicht ein Drittel ein, aber nicht mehr, was ganz gut so ist. Wie Allyson und Willem dort hin kommen und was sie dort erleben ist unglaublich interessant geschrieben, vor allem, was sie dort machen. Denn es werden nicht die bekannten Touristenattraktionen abgeklappert, stattdessen bekommt man viele verschiedene Facetten von Paris zu sehen beziehungsweise liest man davon. Und die Zeit nach Paris, nachdem Willem einfach verschwunden ist...hm, da bin ich eindeutig zwiegespalten. Denn vor allem am Anfang zieht sich das, die Handlung ist nicht mehr ganz so interessant und nimmt erst nach einer Weile wieder Fahrt auf. Es ist aber auf jeden Fall schön, dass die Geschichte so, wie sie ist, sehr von den bekannten Jugend- und Liebesromanen abweicht, denn es geht hier auch viel um Selbstfindung. Das Finale wirkt dann zwar vor allem auf den letzten Seiten ein bisschen überstürzt, aber das offene - und damit meine ich wirklich sehr offene - Ende konnte mich auf jeden Fall überzeugen. Es bleiben noch sooo viele Fragen offen, die ich echt gerne beantwortet hätte.
Alles in allem ist „Nur ein Tag“ ein wirklich schöner Roman über Selbstfindung, das mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 24.04.2017

Ungewöhnliche Protagonistin und spitzzüngige Kommentare der Autorin

Kloster Northanger
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"Kloster Northanger" ist ja einer der dünneren Romane von Jane Austen und außerdem der erste, den sie geschrieben hat. Ganz grob geht es um Catherine Morland, 17 Jahre alt, die bis zu diesem Zeitpunkt ...

"Kloster Northanger" ist ja einer der dünneren Romane von Jane Austen und außerdem der erste, den sie geschrieben hat. Ganz grob geht es um Catherine Morland, 17 Jahre alt, die bis zu diesem Zeitpunkt ein eher langweiliges Leben führt. Als sie dann aber von Mr. und Mrs. Allen eingeladen wird, mit nach Bath zu kommen, lernt sie einige neue Menschen kennen, darunter auch Henry Tilney, in den sie sich verliebt.
Schon allein, wie Jane Austen ihren Roman anfängt, ist total anders als das, was ich bis jetzt gelesen habe. Sie sagt nämlich selbst, dass Catherine eigentlich überhaupt nicht zur Romanheldin gemacht ist, sie gar nicht in das Schema dafür passt. Dauernd erwähnt die Autorin das, immer wieder kommentiert sie die Handlungen der Hauptperson oder die der anderen Charaktere mit viel Witz und Humor. Das war wahrscheinlich schon damals ungewöhnlich und auch heute liest man nicht viele Bücher, in denen der Autor selbst seine Meinung einfließen lässt. Ich fand es aber auf jeden Fall erfrischend, denn wie schon gesagt, sind die Kommentare oft sehr ironisch.
Was bei "Kloster Northanger" auch auffällt, ist, dass Jane Austen sich über die Schauerromane zu ihrer Zeit lustig macht. Sie macht sie zwar nicht wirklich nieder, dafür erwähnt sie viel zu oft, wie gerne die Protagonisten solche Geschichten lesen und wie spannend sie sie finden, aber trotzdem macht sie sich einen Spaß daraus, das Genre auf die Schippe zu nehmen. In der Geschichte wird auch sehr oft auf verschiedene Romane der Zeit hingewiesen und da war ich wirklich froh, dass es auf den letzten Seiten des Buches die Anmerkungen gibt, in denen ich nachlesen konnte, was eigentlich gemeint ist. Ohne diese hätte ich bestimmt nicht alles verstanden...
Die Handlung an sich ist ziemlich interessant. Wie Catherine zum ersten Mal in eine größere Stadt kommt und die Bälle, die beschrieben werden. Der Aufenthalt in Bath und vor allem die unterschiedlichen Ziele, welche die Charaktere verfolgen. Das war wohl das Interessanteste am Buch, zu verfolgen, was die Personen mit was beabsichtigen. Catherine war ja auf jeden Fall eine ganz gute Protagonistin. Zwar, wie die Autorin eben bemerkt, nicht unbedingt gemacht zur Romanheldin, aber trotzdem war es spannend zu sehen, wie sie sich vom unerfahrenen und naiven Mädchen weiterentwickelt hin zu jemanden, der nicht mehr ganz so blauäugig durch die Welt geht. Sie ist zwar nicht unbedingt die sympathischste Hauptperson, aber auf jeden Fall war es nett, aus ihrer Perspektive die Geschichte zu erleben. Henry Tilney hingegen war mir von Anfang an sehr sympathisch. Er hat diese unglaublich ironische Art und ich konnte ihn mir sehr gut vorstellen, wie er alles humorvoll kommentiert. Auch ein paar weitere Charaktere waren sehr sympathisch, während andere eher unsympathisch waren beziehungsweise mit der Zeit wurden. Am schlimmsten fand ich eindeutig John Thorpe, den ich mir einfach grässlich vorstelle, wie er Catherine die ganze Zeit über langweiliges Zeug zutextet und dabei auch noch so arrogant und von sich selbst überzeugt ist...wah, nein, echt, da schüttelt es mich!
Den Schreibstil Jane Austens kenne ich ja inzwischen aus "Stolz und Vorurteil" und kann nur sagen, dass er mich wieder voll überzeugt hat. Er ist richtig schön zu lesen und so ganz anders. Und wie schon gesagt sind ihre kleinen, spitzzüngigen Kommentare echt witzig.
Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich den Roman zwar gut finde, er mich jedoch nicht umgehauen hat wie andere der Autorin, es fehlte mir hier an irgendetwas…

Veröffentlicht am 24.04.2017

Insgesamt interessant, aber nicht so mitreißend wie erhofft

Good as Gone
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Schon vor ein paar Wochen wurde ich auf den Thriller aufmerksam und schrieb ihn auf meine Wunschliste. Das Thema hörte sich unglaublich interessant und auch ziemlich creepy an. Als ich das Buch dann zu ...

Schon vor ein paar Wochen wurde ich auf den Thriller aufmerksam und schrieb ihn auf meine Wunschliste. Das Thema hörte sich unglaublich interessant und auch ziemlich creepy an. Als ich das Buch dann zu lesen begann, wurde es auch direkt spannend. Es geht direkt mit der Handlung los, nach vielleicht gerade mal zwanzig Seiten ist die entführte Julie wieder zurück, nachdem nur kurz die Entführung an sich beschrieben wurde und dann die allgemeine Situation kurz vor der Rückkehr. Danach bleibt es sowieso interessant. Man stellt sich dauernd die Frage, wer diese junge Frau eigentlich ist, was ihr passiert ist. Dabei finde ich es ebenfalls spannend, wie die Familie auf Julies Rückkehr reagiert, aber vor allem eine Frage: Wenn jemand so lange weg war, man eine Person zuletzt als Kind gesehen hat, woran erkennt man, dass es tatsächlich dieselbe Person ist? Selbst wenn man Schwester, Mutter oder Vater ist, ist das sehr schwierig und genau das hebt die Autorin Amy Gentry hier hervor.
Die Handlung birgt auch den ein oder anderen Plot-Twist, wie man es von einem guten Thriller wohl erwartet. Da muss ich leider sagen, habe ich eine Wendung schon ziemlich bald geahnt, was mich ein klein bisschen enttäuscht hat, denn in diesem Genre möchte ich gerne geschockt werden...
Beim Schreibstil bin ich mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Das Buch ist super geschrieben, abwechselnd aus Sicht der Mutter, Anna, und aus einer anderen Sicht, die auf eine sehr interessante Art ein paar Hintergründe aufdeckt. Doch aus irgendeinem Grund konnte der der Roman mich nicht fesseln. Ich habe immer wieder gerne weitergelesen, aber nie die Dringlichkeit verspürt, erfahren zu müssen, wie die Story sich entwickelt.
Was die Charaktere angeht, finde ich die ziemlich gut ausgearbeitet. Mein Hauptproblem hier war allerdings, dass ich mich nicht so wirklich in Anna, die ja die Protagonistin ist, hineinversetzen konnte. Ihre Handlungen konnte ich zwar zu jeder Zeit nachvollziehen und sie wirkte allgemein sehr authentisch auf mich, bis zu einem gewissen Grad war sie mir auch sympathisch, aber mit ihrer Denkweise bin ich manchmal einfach nicht klargekommen. Ihren Ehemann Tom habe ich nie ganz durchschauen können, genauso Julie, auch wenn beide wie ich finde gut dargestellt sind. Wen ich in dieser Geschichte sehr gerne mochte, war Jane, Julies jüngere Schwester. Mit ihrer rebellischen Ader ist sie mir direkt ans Herz gewachsen ?
Das Ende des Buches fand ich irgendwie ein bisschen zu schnell und zu abgeklärt. Mir kam es vor, als wäre für alles eine Lösung gefunden worden, was vor allem für einen Thriller ungewöhnlich ist und meiner Meinung auch nicht ganz so passt.
Im Allgemeinen hat mir der Roman also schon gefallen, vor allem die Thematik hat mich sehr interessiert, nur konnte er mich nicht so recht mitreißen und dass ich den Plot-Twist erahnen konnte, hat mich enttäuscht. Deswegen gibt es von mir auch nur 3 gute Sterne.