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Veröffentlicht am 27.03.2017

Schöne Idee, die Umsetzung jedoch mit viel zu wenig Tiefe

Forever 21
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Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend ...

Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend anhörte.
Der Schreibstil liest sich schön flüssig. Lilly Crow schreibt angenehm, sodass man schnell man das Buch in einem Zug durchlesen kann, was auch mit an der Dicke von nicht mal 300 Seiten liegt. Zwar ist mir die dritte Perspektive, aus der hier erzählt wird, nicht die liebste, aber ich mochte den Schreibstil trotzdem. Meistens wird die Geschichte aus Sicht von Ava erzählt, manchmal auch aus der von Kyran, was ich interessant fand, denn so erfährt man etwas von beiden Seiten. Durch Kyrans Sicht bekommt man ab und an Zusatzinfos, die nochmal etwas näher erklären und so weiter, was wirklich cool ist. Die beiden Perspektiven sind auch hinreichend unterschiedlich, sodass man merkt, dass es sich hier um zwei unterschiedlich denkende Personen handelt.
Dann mal weiter zu den Charakteren. Die wichtigsten sind auf jeden Fall Ava und Kyran und beide wurden mir einigermaßen sympathisch. Obwohl mir Ava als Protagonistin mit der Zeit immer unsympathischer wurde. Die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht zu erfahren, war ziemlich cool, weil sie zu allem direkt eine Meinung hat, aber sie wirkte oft oberflächlich und egoistisch. Sie gibt zu, vor den Sprüngen eine richtige Zicke gewesen zu sein, aber auch, wenn sie manchmal ganz nette Momente hat, urteilt sie immer noch recht schnell über andere Personen und steckt sie in Schubladen. So fand ich es anfangs noch amüsant zu lesen, wie Ava sich über den Kleidungsgeschmack von anderen beschwert, später ist das dann einfach nur noch ein Beweis dafür, dass sie sich gar nicht so sehr geändert hat.
Kyran hingegen konnte mehr Pluspunkte bei mir sammeln. Er wirkt sehr melancholisch und hat eindeutig ein bisschen was an der Waffel, aber das hat seinen Grund. Seine Art fand ich auf jeden Fall sehr sympathisch und auch realistisch beschrieben, zumindest bis zum Ende, aber darauf will ich hier nicht näher eingehen…
Was die restlichen Charaktere angeht...puh, da bin ich ehrlich gesagt maßlos enttäuscht. Denn es gibt zwar haufenweise Nebencharaktere, aber die werden, wie ich finde, nicht nur sehr oberflächlich dargestellt, sondern auch klischeehaft. So ziemlich jeder bekommt einen Stempel aufgedrückt. Zurückhaltendes Mauerblümchen, süßer Rockstar, blöde Ziege, herrische Direktorin, liebende Mutter... sie alle hat's schon tausendmal gegeben und wird es auch noch weitere tausendmal geben.
Dass die meisten Charaktere nur unzureichend angeschnitten werden, hat aber vor allem einen Grund, der in der Handlung liegt. "Forever 21" besteht nämlich quasi aus mehreren Kurzgeschichten, die höchstens mal hundert Seiten lang sind. Ava ist natürlich eine immer wieder auftretende Figur, sie springt von einer Zeit in die nächste. Sie hat, wie der Klappentext schon sagt, die Aufgabe, zwei Menschen zueinander zu helfen, die füreinander bestimmt sind. Wow, keine leichte Aufgabe, denkt man sich da. Dafür braucht man Zeit. Die Autorin war da anscheinend anderer Meinung, Avas einzelne Abenteuer gehen nämlich gerade mal einen, wenn es hoch kommt zwei Tage lang. Das hatte ich eindeutig ganz anders erwartet! So wirken die verschiedenen Sprünge, die man mit Ava in diesem Buch erlebt, sehr schnell abgehandelt, sehr ähnlich und durch dieses schnell schnell auch unrealistisch.
Dabei hat die Geschichte einen so guten Start hingelegt! Ich fand den Prolog sehr geheimnisvoll und als man dann gleich in die Handlung reingeschmissen wird, hat das auch gut gepasst. Man ist quasi in derselben Situation wie Ava, die gerade in einen neuen Körper und eine neue Zeit gesprungen ist und sich nun zurechtfinden muss. Das hat richtig gut gewirkt, ich wollte alles rund um Avas Mission und ihre Strafe mit ihr erfahren, alles entdecken. Nur leider hat sich meine anfängliche Begeisterung eben damit gelegt, dass die erste kleine Geschichte in der großen Geschichte so schnell abgehandelt wurde, die zweite noch schneller und so weiter und so weiter. Meiner Meinung nach hätte Lilly Crow sich die Zeit nehmen müssen, mehr Tiefe in die Handlung mit einzubauen. Das Buch ist mit den knapp 300 Seiten sowieso nicht dick, das hätte die Autorin ruhig machen können. So wirken die einzelnen Lovestorys platt und klischeehaft und konnten mich nicht überzeugen.
Es gibt natürlich eine Liebesgeschichte in diesem Roman, der mehr Raum gegeben wird, sich zu entwickeln, nämlich der von Ava und Kyran. Die Idee dahinter finde ich auch sehr schön, wobei noch nicht ganz klar ist, wie die beiden ganz genau verbunden sind. Doch trotz der süßen Grundidee, ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Die Verbindung zwischen Ava und Kyran wird als etwas ganz besonderes dargestellt, aber bei mir kam dieses Besondere richtig, genauso wenig wie ich Bauchkribbeln hatte wegen den beiden. Schade...
Das Buch lässt auch einen ganzen Berg an Fragen offen. Über Avas Schicksal, wie Ava und Kyran zusammenhängen und noch viele, viele mehr zu den Zeitreisen an sich. Was ist denn mit Avas Körper, während sie sich auf diesen Zeitreisen befindet? Was passiert mit den Personen, in deren Körper Ava springt für diese Zeit? Was ist, wenn Ava ihre Aufgabe mal nicht lösen kann? Wie beeinflussen die Dinge, die Ava bei ihren Zeitreisen macht, die Zukunft? Bei manchen der Fragen glaube ich, dass sie noch geklärt werden, worauf ich auch schon sehr gespannt bin. Die Geschichte ist nämlich noch nicht zu Ende, sondern bekommt noch mindestens eine Fortsetzung. Doch bei anderen hab ich nicht ganz so große Hoffnung. Meine Vermutung ist, dass die Autorin bei dieser Geschichte so manches nicht richtig durchdacht hat, wodurch der ein oder andere Logikfehler entsteht, was mir auch schon hier aufgefallen ist. Vor allem in der Zeitrechnung kommen hier Verwirrungen auf, die es in einem Zeitreiseroman nicht hätte geben dürfen. Mit mehr Tiefgang und mehr Beschreibungen hätte mich die Story bestimmt auch besser mitreißen können als so.

Veröffentlicht am 03.06.2017

Tolle, interessante Idee, die jedoch vor allem zu langatmig geriet

Winterseele. Kissed by Fear
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„Winterseele – Kissed by Fear“ hat mich schon allein durch seine Idee neugierig gemacht, denn die hört sich zu gut an: Gefühle, die in menschenähnlicher Gestalt daherkommen und ein Mädchen, das gar nichts ...

„Winterseele – Kissed by Fear“ hat mich schon allein durch seine Idee neugierig gemacht, denn die hört sich zu gut an: Gefühle, die in menschenähnlicher Gestalt daherkommen und ein Mädchen, das gar nichts fühlt? Also ich kenne jedenfalls kein Buch, das in diese Richtung geht.
Die Handlung fand ich dann auch vor allem wegen dieser Idee interessant. Es ist ja nicht nur so, dass Gefühle eine Gestalt haben, auch Elemente wie Nebel oder die Jahreszeiten tauchen auf. Ich fand es immer wieder faszinierend, welche Erscheinung sich Kelsey Sutton für diese Gefühle und Elemente ausgedacht hat.
Ansonsten muss ich aber sagen, dass die Handlung teilweise an Spannung hat fehlen lassen. Es gibt zwar Passagen, in denen Action vorkommt, die dann auch spannend sind, aber viele Teile am Anfang, in der Mitte und auch ganz am Ende wieder dröppeln so vor sich hin, es passiert einfach nicht sehr viel. Selbst die Suche nach der Lösung des Rätsels, wieso Elizabeth rein gar nichts fühlt, streckt sich. Ab und an gibt es Hinweise und ich wollte auch wissen, was es damit auf sich hat, aber es zog sich einfach.
Den Schreibstil fand ich genauso interessant wie die Idee hinter dem Roman. Das Buch ist ja aus Elizabeths Sicht geschrieben und ich hab echt Respekt vor der Autorin, denn ich kaufe ihr die Gefühlslosigkeit, mit der sie die Geschichte beschreibt, ab! Noch besser finde ich aber, wie Kelsey Sutton gaaaanz langsam den Übergang dazu schafft, dass Elizabeth irgendwann doch etwas fühlt. Man merkt ihr immer mehr Gefühle an und dabei muss es dann gar nicht mal so sein, dass die Autorin das Gefühl konkret benennt, nein, sie beschreibt die Auswirkungen, was gleich nochmal authentischer wirkt.
Doch auch der Schreibstil hatte meiner Meinung nach seine 'Schattenseiten'. Denn vor allem, wenn es um die Liebesgeschichte in dem Buch geht, merkt man, wie hier die Klischees hochkommen. Da blitzen die Augen, werde Haare aus den Augen gestrichen, fallen goldenen Sprenkel in den Augen auf. Dinge, die man eben schon in gefühlt tausend anderen Jugendbüchern gelesen hat. Gut, dass die Autorin es nicht ganz so übertreibt, denn es gibt diese Klischees zwar, aber sie halten sich doch einigermaßen in Grenzen.
Mit den Charakteren war es in "Winterseele" ganz eindeutig schwierig! Die Nebencharaktere - und damit meine ich gerade alle bis auf Elizabeth - waren meiner Meinung nach nicht so gut ausgearbeitet. Nicht schlecht und oftmals auch sympathisch, aber irgendwie hat mir da immer das gewisse Etwas gefehlt. Selbst bei Fear, Joshua oder Maggie, die ja durchaus interessante Figuren sind.
Und mit Elizabeth musste man erst einmal warm werden, Sie als Protagonistin war auf jeden Fall spannend, einfach wegen der Leere in ihr, aber genau das hat eben auch dazu geführt, dass sie ein sehr seltsamer Charakter war, den sehr distanziert wirkte. Mit dem man nicht richtig mitfühlen konnte.
Außerdem gibt es eine Sache an diesem Buch, die ich absolut unverständlich finde und die gar nicht mal an der Autorin liegt, sondern an der Übersetzung. Und zwar meine ich die Namen der Gefühle und Elemente. Sie alle heißen wie das Gefühl beziehungsweise Element, das sie repräsentieren, alle, ausnahmslos. Fast alle tragen den deutschen Namen. Also Freude, Trauer, Winter, und so weiter. Bis auf die Angst. Der heißt nämlich nicht Angst, wie es ja logisch wäre, sondern Fear. Und das hat mich dermaßen gestört. Denn entweder hätte man alle der Namen englisch lassen oder sie alle übersetzen sollen, aber bitte nicht so ein Mischmasch.
Insgesamt hatte ich mir ein wenig mehr von diesem Buch erhofft, denn obwohl vieles gut war und vor allem die Idee so originell und interessant, gab es überall ein Aber, das das ein wenig zerstört hat.

Veröffentlicht am 03.06.2017

Schöner Liebesroman abseits vom Schema F

Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
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Die Geschichte hört sich erstmal nach dem typischen Liebesroman an. Bea muss wohl oder übel Zeit mit Tim, dem gefeierten Autor verbringen, und mit ihm auf Lesereise gehen. Natürlich mögen sie sich anfangs ...

Die Geschichte hört sich erstmal nach dem typischen Liebesroman an. Bea muss wohl oder übel Zeit mit Tim, dem gefeierten Autor verbringen, und mit ihm auf Lesereise gehen. Natürlich mögen sie sich anfangs nicht, obwohl eine gewisse körperliche Anziehung sofort da ist. Am Ende gibt es dann natürlich ein Happ End. So weit, so gut. Aber mich hat der Roman dann wirklich überraschen können, denn er weicht - zumindest ein Stück weit - vom allseits bekannten Schema F ab. Inwiefern, verrate ich jetzt natürlich nicht. "Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt" ist aber definitiv nicht übliche Chick Lit, es geht meiner Meinung nach etwas tiefer und hat mich so auch an manchen Stellen echt berühren können. Genauso toll finde ich, dass so gut wie gar kein Kitsch vorhanden ist. Die Liebesgeschichte zwischen Bea und Tim wird so zart erzählt, ist total unaufdringlich und selbst wenn mal eine klischeehafte Situation entsteht, wird diese doch noch anders gelöst, als man es erwartet hätte.
Auch das Thema Drumherum mit dem Verlagswesen fand ich unglaublich interessant, den Einblick 'hinter die Kulissen' fand ich richtig spannend. Genauso das andere große Thema im Buch, nämlich Familie.
Was mich nicht ganz überzeugen konnte, war das Ende. Eigentlich finde ich den Zeitpunkt, den Kristina Günak für das Ende wählt, sehr passend und schön, aber die ein oder andere Aktion war mir ein bisschen zu viel, ein bisschen zu gequetscht. Das hätte meiner Meinung nach nicht alles in den letzten fünf bis zehn Minuten im Buchgeschehen passieren müssen.
An den Schreibstil der Autorin musste ich mich erst einmal gewöhnen und zwar allein wegen der Tatsache, dass er oft sehr kurz angebunden wirkt. Was ich nicht schlecht finde, eher interessant und ungewöhnlich für ein Genre, in dem die meisten schöne, ausgeschmückte Sätze verwenden. Kristina Günak hingegen setzt viele Punkte und das war wirklich erstmal gewöhnungsbedürftig. Schön zu lesen war das Buch trotzdem und wie schon gesagt finde ich den Schreibstil eben weil er so anders ist nochmal interessanter. Etwas, das mich an dem Stil gestört hat, waren die Wiederholungen mancher Worte. Beispielsweise liest man wirklich dauernd von Tims grauen Augen, was mich dann irgendwann auch ziemlich genervt hat!
Bei den Charakteren bin ich ein bisschen zwiegespalten: Die beiden Hauptfiguren Bea und Tim finde ich super. Bea ist zwar einerseits der totale Fan von Liebesromanen, die allesamt Happy End und alles, was dazugehört, haben, glaubt aber für sich selbst nicht an die große Liebe. Sie kann nicht nein sagen und hilft bei allem und jedem, kann selbst aber keine Hilfe annehmen. Diese Gegensätze plus noch das ein oder andere Detail aus ihrer Vergangenheit machen sie zu einer für mich richtig tollen Protagonistin mit vielen Facetten, die ich liebgewonnen habe, auch wenn sie manchmal eine ganz schöne Ordnungswut entwickeln konnte.
Tim ist wiederum ganz anders und dann doch wieder Bea ähnlich. Er wirkt wie der große, böse Mann, dem die Meinung aller anderen egal ist und sein Ding durchzieht, aber im Laufe der Geschichte bemerkt man dann auch andere Seiten an ihm. Und selbst als diese anderen Seiten von ihm langsam ans Tageslicht kommen, fand ich diesen 'Wandel' in der Persönlichkeit nicht seltsam, wie ich es schon das ein oder andere Mal hatte, wenn ein Bad Boy auf einmal seine weiche Seite zeigt, nein, es kam mir ganz normal vor.
Tja, aber wie schon gesagt bin ich zwiegespalten und das liegt an den Nebencharakteren. Denn die Protas können noch so toll dargestellt und vielseitig beschrieben sein, die Nebencharaktere waren für mich einfach nicht greifbar. Ein paar kleine Ausnahmen gibt es, zum Beispiel Norman, den fand ich ganz unterhaltsam, aber sonst bleiben die anderen Personen sehr blass und damit auch sehr leicht in eine Schublade steckbar. Das liegt zwar auch am geringen Umfang des Buches und dass die unwichtigen Charaktere ganz einfach nicht sehr oft vorkommen, ist aber trotzdem schade.
Insgesamt ist „Wer weiß schon, wie man Liebe schriebt“ auf jeden Fall lesenswert für alle, die gerne Liebesromane lesen.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Eigentlich ein schönes Buch, ABER...

Küssen und andere lebenswichtige Dinge
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Wenn man sich den Klappentext durchliest, hat man eigentlich ganz andere Erwartungen an das Buch. Was einerseits ganz gut ist, weil sich die Handlung ganz anders entwickelt, als ich es erwartet hätte, ...

Wenn man sich den Klappentext durchliest, hat man eigentlich ganz andere Erwartungen an das Buch. Was einerseits ganz gut ist, weil sich die Handlung ganz anders entwickelt, als ich es erwartet hätte, andererseits aber der Survivaltrip im Klappentext sehr in den Mittelpunkt gerückt wird, was gar nicht so sehr der Fall ist. Ja, es gibt zwar diesen Trip, aber Moskitoangriffe und Sommerblizzard sind doch übertrieben.
Was die Handlung an sich angeht, war ich positiv überrascht. Was zum einen daran liegt, dass sie sich, wie schon gesagt, anders entwickelt, als ich das erwartet hätte. Und nachdem ich schonmal ein paar Rezensionen zu dem Buch gelesen hatte, war ich auch ein bisschen skeptisch. Es hieß nämlich, dass der Survivalkurs gar nicht so lange vorkommt. Und ja, nicht das gesamte Buch, von Anfang bis Ende, dreht sich um das Überlebenstraining in der Wildnis, erstmal braucht es davor ein bisschen, bis es anfängt und danach passiert auch noch das ein oder andere, aber zumindest die Hälfte des Buches dreht sich um den Kurs. Außerdem finde ich den Survivaltrip an sich auch echt interessant. Auf was die Teilnehmer alles verzichten mussten, worauf man achten muss und was dort alles passieren kann. Manchmal wurden die Tage zwar ziemlich schnell abgehandelt, aber das war auch gut so, da es sonst schnell hätte langatmig werden können. Das Ende war dann ziemlich ungewöhnlich, was ich aber auch wieder irgendwie cool fand. Im Epilog erklärt Helen nämlich, wieso sie genau diese Geschichte aus ihrem Leben erzählt und wieso sie sie so enden lässt. Also schonmal witzig, dass es überhaupt erklärt wird und das hat es für mich verständlich gemacht.
Die Charaktere fand ich ebenfalls interessant und Helen als Hauptfigur ziemlich sympathisch. Sie ist nicht unbedingt das, was man selbstbewusst nennt und ist vor allem nach ihrer Scheidung noch ein bisschen durch den Wind und einsam. Ich konnte ihre Handlungen immer gut nachvollziehen und wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert fand ich schön beschrieben, vor allem, dass sie lernt, sich an die schönen Dinge, die ihr an dem Tag passiert sind, zu erinnern statt an die schlechten, und wenn die schönen noch so klein erscheinen.
Auch Jake war mir sehr sympathisch, wenn auch teilweise ein bisschen seltsam, was wahrscheinlich am Kleidungsstil liegt, den ich mir immer noch nicht so richtig vorstellen kann^^
Auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, wobei mein Favorit hier Duncan ist, Helens kleiner Bruder. Er kommt einfach genau so rüber, wie die Autorin das wahrscheinlich geplant hat, nämlich chaotisch und etwas planlos, aber doch total liebenswert. Genauso gut fand ich GiGi, Helens Großmutter, oder auch die anderen Kursteilnehmer, die man zwar am Anfang mit Helen zusammen etwas komisch und nervig finde, sich aber im Laufe der Geschichte an sie gewöhnt und irgendwie auch mag.
So, nun zum letzten Punkt, dem Schreibstil. Das ist auch der, an dem ich am meisten zu kritteln habe. Ich kann jetzt nicht sagen, dass er schlecht ist, nein, er lässt sich schon ganz gut lesen. Aber die Wortwahl teilweise... Manchmal kam es mir so vor, als wäre Helen nicht 32 Jahre alt, sondern 52, so, wie sie sich ausdrückt! Ganz ehrlich, sie redet echt geschwollen daher. Selbst wenn es nur kurze Sätze sind, fällt es auf und auch sonst bei den Erklärungen und Beschreibungen ist mir einfach aufgefallen, dass die Autorin immer wieder hochgestochene Worte benutzt, die sich meiner Meinung nach dann einfach zu geschwollen angehört haben. Was mir in der Hinsicht außerdem noch aufgefallen ist, ist, dass Katherine Center den Altersunterschied zwischen Helen und Jake sowie auch den restlichen Kursteilnehmern ziemlich extrem darstellt. Ja, okay, sie liegen zehn Jahre auseinander, aber deswegen sind die 20-Jährigen trotzdem keine kleinen Kiddies mehr und wenn man 30 ist, hat man auch nicht automatisch die Weisheit mit Löffeln gegessen! Das hat mich dann schon aufgeregt, als es immer wieder erwähnt und betont wurde. Auf jeden Fall hat mich das doch ziemlich gestört, selbst wenn der Rest des Romans ziemlich gelungen war.
So hat der Schreibstil und ein paar kleinere Schwächen bei mir dazu geführt, dass ich ein wenig enttäuscht von dem Roman war, selbst wenn ich ihn stellenweise echt gut fand.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Tolle Welt und authentische Charaktere - nur leider ist der Anfang ein wenig zäh

Rat der Neun - Gezeichnet
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Nach Veronica Roths Erfolg mit der „Bestimmung“-Trilogie, habe ich ja immer mal wieder Ausschau gehalten, ob sie nicht eine neue Reihe beginnt. Als ich dann „Der Rat der Neun“ entdeckte, konnte ich es ...

Nach Veronica Roths Erfolg mit der „Bestimmung“-Trilogie, habe ich ja immer mal wieder Ausschau gehalten, ob sie nicht eine neue Reihe beginnt. Als ich dann „Der Rat der Neun“ entdeckte, konnte ich es gar nicht erwarten, schon allein das Genre hört sich ja ungemein interessant an, nach einer Mischung aus Science Fiction und Fantasy.
Aber erstmal zur Handlung: Akos und sein älterer Bruder werden von den Shotet, ihren Feinden, entführt und so treffen er und Cyra, die Schwester des Herrschers der Shotet, aufeinander. Am Anfang fand ich es ein bisschen zäh, es passiert nicht wirklich viel. Da liegt der Fokus dann mehr auf den Protagonisten und ihren Hintergründen, ihrem Charakter. Aber ich finde, man muss dem Buch ein bisschen Zeit geben, denn wenn man das tut, wird es eindeutig besser und vor allem auch spannender. Vor allem den Mittelteil finde ich sehr gut und auch das Ende lässt einen nicht so leicht vom Buch wegkommen. Was ich auch sehr gut finde, ist, dass der Fokus nicht zu sehr auf der Liebesgeschichte liegt. Klar, sie läuft nebenbei immer mit, aber ist nicht so penetrant, es wird nicht pausenlos schmalzig vor sich hingedacht oder geredet. Was außerdem auffällt, aber nicht unbedingt überrascht, ist, wie gnadenlos und auch blutig die Autorin teilweise beschreibt. Sie macht es ihren Charakteren – wie auch schon in „Die Bestimmung“ - wirklich nicht einfach und an der ein oder anderen Stelle war ich dann doch überrascht, wie ‚hart‘ es wurde. "Rat der Neun - Gezeichnet" hatte vor allem auch ein paar Dinge, die nicht unbedingt überraschend kamen, aber die mich doch zum Nachdenken angeregt haben. Ich hab schon ein paar Vermutungen angestellt und bin mehr als gespannt, ob sie richtig sind oder nicht, auch wenn das erst im zweiten Teil der Dilogie dann (hoffentlich) herauskommen wird.
Eine der besten Sachen an dem Buch ist außerdem die von Roth ausgedachte Welt. Am Anfang war ich ein bisschen verwirrt, ob die Charaktere eigentlich Menschen sind oder nur menschenähnlich, aber inzwischen hab ich herausgefunden, dass es wohl Menschen sein müssen. Menschen von verschiedenen Planeten, die sich teilweise stark unterscheiden, aber Menschen, ohne irgendwelche ganz seltsamen Merkmale wie grüne Haut oder Kiemen oder was weiß ich. Die Geschichte spielt im Weltall in einem eigenen Sonnensystem, das vom sogenannten Strom umkreist wird, der für die dort lebenden Völker eine besondere Bedeutung hat. In diesem Sonnensystem befinden sich neun Planeten und sie alle haben ihre Eigenheiten, sind total interessant beschaffen.Die neun Planeten stehen unter der Regierung des Hohen Rates. Was es mit dem auf sich hat, wüsste ich auch gerne, denn man erfährt zumindest in dem Teil noch nicht sehr viel davon.
Der Planet Thuvhe ist der für die Handlung wichtigste Planet und dort gibt es auch die meisten Probleme. Hier teilen sich nämlich zwei Stämme den Planeten, Thuvhesi und Shotet, und während die Thuvhesi vom Hohen Rat anerkannt sind, sind es die Shotet nicht, was sie jedoch ändern wollen. Für Konfliktpotenzial ist also gesorgt.
Ich finde ja auch schon allein die Namen cool, die die Autorin sich ausgedacht hat. Ich hab schon gelesen, dass manche damit nicht zurechtkamen, die Namen unaussprechbar fanden, aber da kann ich nicht zustimmen. Klar ist es gewöhnungsbedürftig, sich an die ganzen schon etwas seltsam klingenden Namen zu gewöhnen, aber wenn ich sie laut ausgesprochen habe, hat das immer geklappt. Und außerdem finde ich, dass sie sich gut anhören, passend, sowohl zu den Personen als auch zu den Planeten. Dass Thuvhe immer ein bisschen gehaucht klingt, kann ich mir gut vorstellen und Eijeh, ein thuvhesischer Name, passt da meiner Meinung nach super hin.
Was in dem Roman auch sehr wichtig ist, ist der Strom, den ich schon erwähnt habe. Den konnte ich mir allerdings nicht ganz genau vorstellen, wie er anscheinend von jedem Planeten aus zu sehen ist und auch verschiedene Farben annimmt. Der Strom ist deshalb für alle Bewohner der Planeten so wichtig, weil er quasi durch alle hindurch fließt und ihnen somit eine Lebensgabe gibt. Die können ganz unterschiedlich aussehen und sind vor allem nicht immer nur gut. Das fand ich auch wieder unglaublich interessant, denn meistens wird Magie und ähnliches als Nonplusultra dargestellt und hier eben nicht. Hier hat sich die Autorin auch wieder sehr interessante Sachen einfallen lassen, die nicht so "alltäglich" sind wie Telekinese oder Elemente beherrschen. Stattdessen kann eine Person zum Beispiel Schmerz weiterleiten. Dazu kommen dann noch Orakel, die die Zukunft in ihren Visionen voraussehen, die aber nicht in Stein gemeißelt ist. Nur die Schicksale der sogenannten gesegneten Familien sind unausweichlich und auch da hat sich die Autorin wieder einige coole Sachen ausgedacht. Ich kann nur sagen: Wow!
So, jetzt aber genug von den Hintergründen der Welt beziehungsweise des Weltalls, komme ich mal lieber zu was anderem. erstmal der Schreibstil. Der lässt sich gut lesen, was ich auch nicht anders erwartet hätte, denn ich kenne ja bereits Bücher der Autorin. Was ich nur ein bisschen unpassend fand, war die Art und Weise, wie die Charaktere manchmal denken, nämlich wie Erwachsene. Es ist nicht so, dass Roth hochgestochen schreibt, aber manchmal hat das, was die Personen gesagt haben, einfach nicht zu ihrem Alter gepasst. Gut, man könnte jetzt sagen, dass die Charaktere Sachen erlebt haben, die sie frühzeitig haben altern lassen, aber für mich hat es einfach nicht so ganz zueinander gepasst, denn die Protagonisten, aus deren Sicht erzählt wird, sind trotzdem noch 16 Jahre alt.
Das Buch ist außerdem aus zwei Sichtweisen erzählt. Einmal die von Akos, dessen Sicht aber aus dritter Perspektive geschrieben ist, und dann die von Cyra, die aus der Ich-Perspektive erzählt. Von den Sichtweisen fand ich Cyras ein bisschen besser, einfach weil man bei ihr mehr Einblick erhalten hat. Was seltsam ist, denn von den Charakteren her mochte ich Akos ein wenig mehr^^
Dann komme ich auch schon zu den Charakteren. Wie schon gesagt sind Cyra und Akos die Protagonisten und die sind auch wirklich interessant. Beide haben sehr spannende Lebensgaben, Cyras ist der Schmerz und schon allein, wie sie beschrieben war, war unglaublich interessant. Ich kann mir zwar absolut nicht vorstellen, wie es sein muss, jede Minute meines Lebens mit Schmerz zu verbringen, aber die Autorin hat das gut rübergebracht und so fand ich auch Cyras Charakter authentisch. Sie ist durch ihre Gabe nämlich nicht gebrochen, sondern stärker geworden und ihr Humor ist einfach klasse. Und Akos als ihr Gegenpart ist ebenfalls super. Er ist nicht der knallharte Typ, wie man ihn aus anderen Büchern kennt, sondern einfühlsam und nicht skrupellos, obwohl er viel hat durchmachen müssen und sein Schicksal genau kennt. Zwar ist er manchmal sehr stur und hat einen unerschütterlichen Glauben daran, seinen Bruder retten zu müssen, der schon fast wahnhaft ist, aber vielleicht macht genau das ihn so sympathisch. Beide Protagonisten machen auch im Laufe der Geschichte eine schöne Wandlung durch, die ganz langsam voranschreitet, sodass man sie fast gar nicht merkt.
Auch die unwichtigeren Charaktere fand ich sehr interessant, vor allem Ryzek und Eijeh. Als ich den Klappentext gelesen habe, musste ich irgendwie sofort an Joffrey aus „Game of Thrones“ denken, aber Ryzek ist da doch nochmal ganz anders und ich finde, dass die Autorin unglaublich gut beschrieben hat, wie er zu dem Mann geworden ist, der er eben ist. Und Eijeh...ich will jetzt wirklich nicht zu viel verraten, aber Eijeh hat Veronica Roth auch mega gut hinbekommen. Genauso sind die anderen Charaktere gut beschrieben, mit den verschiedenen Motiven, warum sie etwas tun und so weiter. Egal, wie unsympathisch mir ein Charakter dadurch wurde, was er getan hat, ich konnte es meistens nachvollziehen.
Insgesamt kann ich zwar nicht sagen, dass „Der Rat der Neun – Gezeichnet“ mich total mitgerissen hat und ich nun sehnsüchtig auf Teil 2 warte, aber der Roman konnte mich auf jeden Fall überzeugen.