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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2017

Komplexer Thriller, der mich komplett fesseln konnte

Im Traum kannst du nicht lügen
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Ich habe schon oft ein Buch gelesen, von dessen Cover ich wirklich fasziniert, aber dessen Handlung an sich nicht so gut war. Hier ist das auf jeden Fall anders herum!
Das Cover finde ich eher unspektakulär ...

Ich habe schon oft ein Buch gelesen, von dessen Cover ich wirklich fasziniert, aber dessen Handlung an sich nicht so gut war. Hier ist das auf jeden Fall anders herum!
Das Cover finde ich eher unspektakulär und auch nicht so passend zur Geschichte, da hätte ich mir etwas Zusammenhängenderes gewünscht. Doch die Geschichte hat mich dann richtig packen können, deswegen bin ich froh, dass ich sie über die Lesejury entdeckt habe.
Aber um was geht es eigentlich in dem Jugendthriller? Maja steht in Stockholm vor Gericht. Sie wird angeklagt, an einem Amoklauf in ihrer Schule beteiligt gewesen zu sein, bei dem ihre beste Freundin, ihr Freund, ein Lehrer und zwei weitere Mitschüler ums Leben kamen. Das ist also die Ausgangssituation, das weiß man gleich zu Anfang. Und damit breitet sich ein Prozess aus, der immer mehr von den wahren Geschehnissen enthüllt. Nicht nur im Rahmen der Gerichtsverhandlungen, es gibt auch viele Rückblenden, in denen von den Vorfällen vor dem Amoklauf erzählt wird, in denen die Hintergründe ans Licht kommen, wie alles zusammenhängt. Alles in allem hat man also einen komplex gestrickten Thriller, der aus seeehr vielen kleinen Puzzlestückchen besteht, von denen man anfangs nur sehr wenige besitzt. Erst mit dem Laufe der Zeit erhält man ein klareres Bild, das sogar erst ganz am Ende komplett aufgelöst wird. Die Frage, ob Maja schuldig ist, ob sie eine Mörderin ist, zieht sich durch das gesamte Buch und hat mich so komplett fesseln können, denn ich war mir bis zum großen Finale ziemlich unsicher, auch wegen der vielen Wendungen, die die Handlung nimmt.
Der Schreibstil macht die Handlung dann nochmal um einiges interessanter. Warum? Weil das Buch aus Majas Sicht geschrieben ist, aus ihrer Ich-Perspektive. Dann weiß man ja sofort, ob sie es getan hat oder nicht, denkt ihr euch jetzt vielleicht. Aber nein! Die Autorin schafft es, aus der Sicht eines Charakters zu erzählen und gleichzeitig dessen Gedanken so unklar zu lassen, dass man sich über dessen Beweggründe nie sicher sein kann. Trotzdem hat man dieses "Ich bin direkt dabei"-Gefühl. Das Buch hat mich von Anfang an gepackt, ich liebe den Schreibstil, den Malin Persson Giolito da verwendet. Er wirkt wie echte Gedanken und vor allem wie die Gedanken einer 18-Jährigen, was es einfach sooo authentisch macht. Ich liebe die Gedankengänge, die Denkweise. Wie die Autorin es schafft, so einfach zu schreiben, dass man das Buch verschlingt, aber auch die wichtigen Themen nicht außen vor lässt. Durch die Gedankengänge Majas wurde ich immer wieder zum Nachdenken angeregt.
Es hängt natürlich alles mit der Protagonistin zusammen, dass mich sowohl Handlung als auch Schreibstil so gut gefallen haben. Denn Maja, aaah, Maja...von ihr weiß man wirklich nicht, was man halten soll. Die Ausgangssituation sagt einem, dass sie eine Mörderin ist. Ist sie das wirklich? Keine Angst, die Frage beantworte ich jetzt nicht. Die Frage beantwortet auch Maja nicht, zumindest nicht sofort. Besonders am Anfang wirkt sie unglaublich distanziert, als würde der Prozess sie nicht betreffen. Das lässt sie kalt wirken. Aber mit der Zeit merkt man, dass sie mit dieser Distanz, mit ihrem Sarkasmus ihre Gefühle verbirgt. Ist das Hass? Trauer? Scham? Man weiß es nicht. Aber diese Gefühle sind da, lauern hinter den Mauern, die Maja aufgebaut hat, sie brodeln und brodeln und drohen überzukochen und es ist einfach nicht abzustreiten, dass Maja eine tolle Protagonistin darstellt. Nicht so einfach gestrickt. Nicht so toll und perfekt und nett. Nicht mal unbedingt sympathisch. Nein, jemand der eindeutig schlecht über andere denkt und sich zum Beispiel für fast jeden, den sie trifft, einen verächtlichen Spitznamen ausdenkt. Jemand, der die Geschichte noch lesenswerter macht. Und fast noch lesenswerter sind Majas Beziehungen zu anderen Personen. Sebastian, Amanda, Samir, Majas Eltern... Und immer, wenn man denkt, man hat eine Beziehung durchschaut, wenn man denkt, man wüsste wohin die Reise geht, dreht sich alles und es entwickelt sich nochmal ganz anders. Auch bei den Nebencharakteren an sich ist es eben nicht so einfach, sie einzuordnen. Selbst die, von denen man denkt, sie wären nett und sympathisch, haben ihre dunklen Seiten und die von denen man anfangs vielleicht eher schlecht denkt, wachsen einem zum Ende hin vielleicht doch ans Herz.
Deswegen kann ich nur sagen, Hut ab. Wirklich. Denn „Im Traum kannst du nicht lügen“ hat mich komplett gepackt und überzeugt, eben weil der Thriller so undurchschaubar ist und mit einiges zum Nachdenken gegeben hat.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Ich kann den Hype nicht verstehen...

True North - Wo auch immer du bist
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Mein erster Eindruck von dem Buch war eigentlich ganz positiv: Ein schönes Cover, das mal nicht so typisch für das Genre ein Pärchen oder eine Frau zeigt, und ein sich interessant anhörender Klappentext. ...

Mein erster Eindruck von dem Buch war eigentlich ganz positiv: Ein schönes Cover, das mal nicht so typisch für das Genre ein Pärchen oder eine Frau zeigt, und ein sich interessant anhörender Klappentext. Von daher habe ich mich gefreut, das Buch im Zuge der Leserunde auf Was liest du? mitlesen zu dürfen. Nur leider konnte mich die Geschichte rund um Audrey und Griff nicht wirklich packen…
Der Roman lässt sich schön lesen, nach wenigen Tagen bin ich mit den gut 350 Seiten fertig geworden. Aber das heißt leider noch lange nicht, dass ich das Buch gut fand, denn es gibt einfach zu viele Kritikpunkte.
Schon die Handlung an sich konnte mich nicht so ganz überzeugen. Griff betreibt seine eigene Farm beziehungsweise ist die eher so eine Art Familienunternehmen und hat dabei immer mit Existenzproblemen zu kämpfen. Klar, dass er dann nicht ganz so freudig reagiert, als Audrey auftaucht, die er nicht nur als sein One Night Stand am College kennt, sondern die seinen Cider auch noch für einen lächerlich niedrigen Preis kaufen möchte. Und um viel mehr als diesen Bio-Farmer vs. Großkonzern Konflikt und die Beziehung zwischen Griff und Audrey geht es in dem Buch auch nicht. Heißt, es passiert nicht wirklich viel und auch die Tatsache, dass vieles in der Geschichte einfach total vorhersehbar ist und der Ausgang sowieso, macht das Ganze nicht spannender. Das einzig Überraschende war für mich, wie früh es zwischen den beiden Protagonisten schon zur Sache geht. Und das hatte dann seitenlange Sex-Szenen beziehungsweise Ich-stelle-mir-den-Sex-gerade-vor-Szenen zur Folge, die mich irgendwann eher genervt haben. Was mir außerdem so gar nicht gefallen hat an der Handlung war, wie schnell manches einfach abgehandelt wurde, besonders zum Ende hin. Es ist wirklich erstaunlich, wie fix manches ging, so fast ganz ohne eine vorherige Entwicklung und ohne es näher zu erläutern, dass es auf mich lieblos wirkte. Und das Ende finde ich auch nicht wirklich gelungen, es ist so abrupt und meiner Meinung nach sehr darauf ausgelegt, die Leser davon zu überzeugen, doch bitte bitte den zweiten Teil zu lesen.
Der Schreibstil hat mir an sich eigentlich ganz gut gefallen. Er war schön locker und hat dazu beigetragen, dass ich das Buch schnell durchgelesen habe. Auch hat mir gefallen, dass sowohl aus Audreys als auch aus Griffins Sicht geschrieben wurde, beides aus der Ich-Perspektive und damit sehr persönlich. Die Dialoge waren ganz nett, vor allem die Schlagabtausche zwischen Griff und Audrey. Und ich fand es ganz cool, dass viele Star-Wars-Anspielungen mit reingebracht wurden - auch wenn ich selbst kein Fan bin.
Das war's dann aber auch schon wieder an Gutem zum Stil von Sarina Bowen. Denn obwohl die Geschichte echt gut zu lesen war, habe ich ein ums andere Mal die Augen verdrehen müssen bei den vielen Wiederholungen, die die Autorin reinbringt. Damit meine ich nicht unbedingt, dass sie keinen besonders großen Wortschatz hat, sondern den Überfluss an Beschreibungen, wie toll doch Griffin (wenn man gerade in einem Audrey-Kapitel ist) oder wie absolut super Audrey ist (wenn aus Sicht von Griff erzählt wird). Wirklich, ich habe in dem Buch so oft von einer breiten Brust und weichem Bart und warmen, braunen Augen gelesen, dass ich kotzen könnte. Und Griffs Übertreibungen hinsichtlich Audrey sind sogar noch schlimmer. Weiche Haut, lange Beine, glänzende Haare, zarte Finger, sexy Lippen, blablabla. Ehrlich, das ist einfach viel zu viel zu viel! Und es hört (leider) nicht beim Körperlichen auf, nein, die beide Hauptfiguren sind auch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Persönlichkeiten so gut wie perfekt. Was ebenfalls an die tausendmal wiederholt wird. Echt jetzt? Etwas anderes, das mich am Schreibstil gestört hat, waren die Sexszenen. Wie schon erwähnt waren sie lang - meiner Meinung nach unnötig lang -, aber das war nicht mal das Schlimmste. Denn ich fand sie dabei nicht mal gut beschrieben und vor allem die Gespräche in den Szenen waren meiner Meinung nach sooo unnötig. Denn ganz ehrlich, ich brauche beim Lesen keine zehn "Mh"s und "Ah"s und "Hm"s. Das sieht doch blöd aus.
Wenn dann wenigstens die Charaktere sympathisch und liebenswert gewesen wären... na gut, halb so schlimm. Aber nicht mal das. Na gut, die Nebencharaktere - also Zach, Jude und eigentlich Griffins gesamte Familie - war mir schon sympathisch, von ihnen hätte ich auf jeden Fall gerne mehr gehabt. Aber mit den Protagonisten Audrey und Griffin bin ich einfach nicht warm geworden. Was zum Einen auf jeden Fall daran liegt, dass sie so nervtötend perfekt beschrieben werden. Aber auch wenn man die Beschreibungen mal ignoriert, werden sie nicht sympathischer. Bei Audrey kann ich nicht mal genau sagen, woran es liegt, dass ich sie nicht mag. Vielleicht, weil sie mir zu konstruiert vorkommt? Sie hat diese Charaktereigenschaften, die sie wahrscheinlich sympathisch machen sollen - lebt fürs Kochen, schweres Verhältnis zu den Eltern, tollpatschig, etwas naiv, aber trotzdem schon erwachsen, kommt mit allen gut klar -, was bei mir aber eher dazu geführt hat, dass sie unauthentisch rüberkam. Und Griffin...bei ihm hat mich vor allem die Diskrepanz genervt, die zwischen den Beschreibungen in seiner und in Audreys Perspektive aufkam. Denn wenn er gerade erzählte, verspürte er immer die zärtlichsten Gefühle und war so unglaublich verständnisvoll. Da wurde er mir dann fast schon sympathisch. Was jedoch im nächsten Kapitel, das aus Audreys Sicht war, zunichte gemacht wurde, denn da war er immer sehr grummelig und brummelig und schlecht gelaunt und über die Hälfte von dem, was er spricht, knurrt er. So sehr kann ein Mensch sich gar nicht verstellen. Und genau deswegen wirkte auch er auf mich nicht wie eine Person, die es im echten Leben gibt.
In der Leserunde und auch überhaupt habe ich schon so viele positive Meinungen zu "True North - Wo auch immer du bist" gelesen, aber ich kann mich da leider echt nicht anschließen. Ich glaube auch nicht, dass ich die Folgebände über Jude und Zach lesen werde, dafür hat mich das Buch, das von so vielen so hoch gelobt wird, enttäuscht.

Veröffentlicht am 27.03.2017

Schöne Idee, die Umsetzung jedoch mit viel zu wenig Tiefe

Forever 21
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Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend ...

Auf diesen Roman habe ich mich schon sehr gefreut. Nicht nur, weil ich ihn im Zuge einer Leserunde lesen durfte, sondern auch, weil sich das Thema Zeitreisen als Bestrafung sehr interessant und vielvesprechend anhörte.
Der Schreibstil liest sich schön flüssig. Lilly Crow schreibt angenehm, sodass man schnell man das Buch in einem Zug durchlesen kann, was auch mit an der Dicke von nicht mal 300 Seiten liegt. Zwar ist mir die dritte Perspektive, aus der hier erzählt wird, nicht die liebste, aber ich mochte den Schreibstil trotzdem. Meistens wird die Geschichte aus Sicht von Ava erzählt, manchmal auch aus der von Kyran, was ich interessant fand, denn so erfährt man etwas von beiden Seiten. Durch Kyrans Sicht bekommt man ab und an Zusatzinfos, die nochmal etwas näher erklären und so weiter, was wirklich cool ist. Die beiden Perspektiven sind auch hinreichend unterschiedlich, sodass man merkt, dass es sich hier um zwei unterschiedlich denkende Personen handelt.
Dann mal weiter zu den Charakteren. Die wichtigsten sind auf jeden Fall Ava und Kyran und beide wurden mir einigermaßen sympathisch. Obwohl mir Ava als Protagonistin mit der Zeit immer unsympathischer wurde. Die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht zu erfahren, war ziemlich cool, weil sie zu allem direkt eine Meinung hat, aber sie wirkte oft oberflächlich und egoistisch. Sie gibt zu, vor den Sprüngen eine richtige Zicke gewesen zu sein, aber auch, wenn sie manchmal ganz nette Momente hat, urteilt sie immer noch recht schnell über andere Personen und steckt sie in Schubladen. So fand ich es anfangs noch amüsant zu lesen, wie Ava sich über den Kleidungsgeschmack von anderen beschwert, später ist das dann einfach nur noch ein Beweis dafür, dass sie sich gar nicht so sehr geändert hat.
Kyran hingegen konnte mehr Pluspunkte bei mir sammeln. Er wirkt sehr melancholisch und hat eindeutig ein bisschen was an der Waffel, aber das hat seinen Grund. Seine Art fand ich auf jeden Fall sehr sympathisch und auch realistisch beschrieben, zumindest bis zum Ende, aber darauf will ich hier nicht näher eingehen…
Was die restlichen Charaktere angeht...puh, da bin ich ehrlich gesagt maßlos enttäuscht. Denn es gibt zwar haufenweise Nebencharaktere, aber die werden, wie ich finde, nicht nur sehr oberflächlich dargestellt, sondern auch klischeehaft. So ziemlich jeder bekommt einen Stempel aufgedrückt. Zurückhaltendes Mauerblümchen, süßer Rockstar, blöde Ziege, herrische Direktorin, liebende Mutter... sie alle hat's schon tausendmal gegeben und wird es auch noch weitere tausendmal geben.
Dass die meisten Charaktere nur unzureichend angeschnitten werden, hat aber vor allem einen Grund, der in der Handlung liegt. "Forever 21" besteht nämlich quasi aus mehreren Kurzgeschichten, die höchstens mal hundert Seiten lang sind. Ava ist natürlich eine immer wieder auftretende Figur, sie springt von einer Zeit in die nächste. Sie hat, wie der Klappentext schon sagt, die Aufgabe, zwei Menschen zueinander zu helfen, die füreinander bestimmt sind. Wow, keine leichte Aufgabe, denkt man sich da. Dafür braucht man Zeit. Die Autorin war da anscheinend anderer Meinung, Avas einzelne Abenteuer gehen nämlich gerade mal einen, wenn es hoch kommt zwei Tage lang. Das hatte ich eindeutig ganz anders erwartet! So wirken die verschiedenen Sprünge, die man mit Ava in diesem Buch erlebt, sehr schnell abgehandelt, sehr ähnlich und durch dieses schnell schnell auch unrealistisch.
Dabei hat die Geschichte einen so guten Start hingelegt! Ich fand den Prolog sehr geheimnisvoll und als man dann gleich in die Handlung reingeschmissen wird, hat das auch gut gepasst. Man ist quasi in derselben Situation wie Ava, die gerade in einen neuen Körper und eine neue Zeit gesprungen ist und sich nun zurechtfinden muss. Das hat richtig gut gewirkt, ich wollte alles rund um Avas Mission und ihre Strafe mit ihr erfahren, alles entdecken. Nur leider hat sich meine anfängliche Begeisterung eben damit gelegt, dass die erste kleine Geschichte in der großen Geschichte so schnell abgehandelt wurde, die zweite noch schneller und so weiter und so weiter. Meiner Meinung nach hätte Lilly Crow sich die Zeit nehmen müssen, mehr Tiefe in die Handlung mit einzubauen. Das Buch ist mit den knapp 300 Seiten sowieso nicht dick, das hätte die Autorin ruhig machen können. So wirken die einzelnen Lovestorys platt und klischeehaft und konnten mich nicht überzeugen.
Es gibt natürlich eine Liebesgeschichte in diesem Roman, der mehr Raum gegeben wird, sich zu entwickeln, nämlich der von Ava und Kyran. Die Idee dahinter finde ich auch sehr schön, wobei noch nicht ganz klar ist, wie die beiden ganz genau verbunden sind. Doch trotz der süßen Grundidee, ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Die Verbindung zwischen Ava und Kyran wird als etwas ganz besonderes dargestellt, aber bei mir kam dieses Besondere richtig, genauso wenig wie ich Bauchkribbeln hatte wegen den beiden. Schade...
Das Buch lässt auch einen ganzen Berg an Fragen offen. Über Avas Schicksal, wie Ava und Kyran zusammenhängen und noch viele, viele mehr zu den Zeitreisen an sich. Was ist denn mit Avas Körper, während sie sich auf diesen Zeitreisen befindet? Was passiert mit den Personen, in deren Körper Ava springt für diese Zeit? Was ist, wenn Ava ihre Aufgabe mal nicht lösen kann? Wie beeinflussen die Dinge, die Ava bei ihren Zeitreisen macht, die Zukunft? Bei manchen der Fragen glaube ich, dass sie noch geklärt werden, worauf ich auch schon sehr gespannt bin. Die Geschichte ist nämlich noch nicht zu Ende, sondern bekommt noch mindestens eine Fortsetzung. Doch bei anderen hab ich nicht ganz so große Hoffnung. Meine Vermutung ist, dass die Autorin bei dieser Geschichte so manches nicht richtig durchdacht hat, wodurch der ein oder andere Logikfehler entsteht, was mir auch schon hier aufgefallen ist. Vor allem in der Zeitrechnung kommen hier Verwirrungen auf, die es in einem Zeitreiseroman nicht hätte geben dürfen. Mit mehr Tiefgang und mehr Beschreibungen hätte mich die Story bestimmt auch besser mitreißen können als so.

Veröffentlicht am 01.11.2017

Wunderbare Geschichte mit interessanter Thematik

Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt
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Mhairi is back! Nachdem ich von ihrem ersten Roman "Wir in drei Worten" unglaublich begeistert war, mir die letzten zwei jedoch nicht gaaanz so gut gefallen haben, hat die Autorin es mit "Irgendwie hatte ...

Mhairi is back! Nachdem ich von ihrem ersten Roman "Wir in drei Worten" unglaublich begeistert war, mir die letzten zwei jedoch nicht gaaanz so gut gefallen haben, hat die Autorin es mit "Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt" wieder geschafft, mich vollends zu überzeugen.
Man muss natürlich dazusagen, dass das Buch ein Frauenroman ist und die Handlung doch ziemlich vorhersehbar ist. Zumindest in Teilen. Aber dazu gleich noch was. Vorhersehbarkeit gehört bei diesem Genre nunmal immer dazu, genauso wie ein gewisses Schema, dem sich auch dieser hier bedient. Denn die Liebesgeschichte spielt sich wieder einmal so ab: Mann und Frau treffen aufeinander und können sich erst mal nicht leiden. Nachdem sie sich besser kennengelernt haben, werden sie Freunde und verlieben sich langsam ineinander. Dazu kommen dann noch gewisse persönliche (meistens beziehungstechnische) und arbeitsbezogene Probleme, die gelöst werden müssen. Also ja, "Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt" ist ein typischer Frauenroman, aber gleichzeitig auch anders und einzigartig. Ich finde es schon allein sehr sympathisch von dem Buch, dass die Probleme nicht überdramatisiert und überladen daherkommen. Wie man sich vorstellen kann, bekommt Edie Probleme, nachdem sie auf einer Hochzeit den Bräutigam küsst ohne die Braut zu sein. Vor allem, da Braut und Bräutigam auch noch Kollegen von Edie sind. Doch der Shitstorm, der daraufhin losgetreten wird, wirkt nicht übertrieben, es werden nicht mehr Probleme, Krisen und Co. in das Buch gequetscht, die man eigentlich gar nicht mehr braucht. Dazu kommt, dass ich die Themen, die hier behandelt werden, unglaublich interessant finde. Es geht viel um Social Media und wie die sich auf das Leben auswirken, was man am Beispiel Edie richtig gut erkennen kann. Menschen, die sie eigentlich gar nicht kennen, hassen sie plötzlich, sie ist der Buh-Mensch und es wurde so realistisch dargestellt, was für Auswirkungen ein Fehler haben kann, was ein wütender Mob im Internet bewirken kann. Damit verbunden ist ja auch die Problematik Schauspieler-Dasein. Mit Elliot Owen hat man eine Figur, die sich nicht nur auf der Sonnenseite der Berühmtheit aufhält, man erfährt auch viel von den negativen Auswirkungen, die Berühmtheit mit sich bringt.
Ich mochte also die gesamte Handlung, die Thematik und die Entwicklung der Geschichte, weil es auf mich viel authentischer wirkte als bei anderen Romanen des Genres. Und vor allem das Ende konnte mich überzeugen, weil es nicht ganz nach dem Schema ablief, nicht ganz so vorhersehbar war und mich berührt hat.
Ein weiterer großer Pluspunkt im Buch sind die Charaktere. Schon allein Edie als Protagonistin hat mir unglaublich gefallen. Das fängt mit ihrem Namen an, den ich richtig schön finde. Edie als Abkürzung von Edith. Ich mag diese alten Namen. Ich mochte vor allem aber auch ihre Persönlichkeit beziehungsweise, wie sich diese wandelt. Wie sie von der Frau, die in der Großstadt ihre Freiheit genießt unweigerlich nach Hause in die kleinere Stadt ziehen muss und sie langsam merkt, was wirklich wichtig ist, nämlich nicht die vielen Bekanntschaften und Partys. Diese Entwicklung lässt auch einen selbst mal nachdenken.
Noch viel mehr mochte ich Elliot, den Superstar, den allseits bekannten Schauspieler. Mit ihm hatte man jemanden, der seine Arbeit liebt, aber nicht den Rummel darum herum und ich fand es schön mit Edie die Ehrfurcht vor dieser Berühmtheit abzulegen und die Person dahinter kennenzulernen. Das Einzige, was mich echt irritiert hat ist sein Aussehen. Ich kann nämlich nicht umhin zu denken, dass sich Mhairi McFarlane da an einer gewissen realen Person orientiert hat, einem Schauspieler aus dem echten Leben. Schauspieler. Um die 30 Jahre alt. Spielt in einer mittelalterlichen Serie den jungen Prinzen, der zufällig mit Wölfen in Verbindung gebracht wird. Dunkle, leicht lockige Haare. Markantes Kinn und volle Lippen. Na, klingelt's da bei dem ein oder anderen? Bei mir haben die "Game of Thrones"-Sirenen sofort losgeschrien, haben geheult "Das ist Robb! Robb Stark!". Ich habe natürlich auch gleich mal Bilder von Richard Madden gegoogelt und bin zu der Entscheidung gekommen, dass Mhairi McFarlane sich den Schauspieler als Vorbild für Elliot genommen haben muss, denn wie sonst kann man sich diese Ähnlichkeit erklären?
Und auch die restlichen Charaktere finde ich ziemlich interessant. Es gibt ein paar, die man einfach ins Herz schließen muss, ein paar, an die man sich gewöhnen muss, manche kann man nicht ganz so gut einschätzen und andere mag man von Vornherein nicht, woran sich auch später nichts mehr ändert.
Der Schreibstil gibt dem Buch dann noch den letzten Schliff. Die Autorin hat es einfach drauf so locker und leicht zu schreiben und dabei noch eine große Portion Witz mit reinzubringen. Ich musste ein ums andere Mal lachen, weil die Situation einfach so witzig oder auch komisch war, etwas, das ich bei den seichteren Liebesromanen immer sehr wichtig finde. Außerdem bekommt Mhairi McFarlane es hin, auf eine interessante Art zu beschreiben, sodass es nicht langatmig wird. Bei Personen zum Beispiel verwendet sie oft Vergleiche mit Stars und ich saß des Öfteren da und hab die dann gegoogelt, um mir die Leute besser vorstellen zu können. Überhaupt gibt es einige Anspielungen, ob auf Personen, Filme oder Songs, alle paar Seiten findet man eine Anspielung und auch wenn ich sie oft nicht verstehe, finde ich es interessant sie zu sehen. Das einzige, was ich an dem Schreibstil zu meckern habe - wenn man das meckern nennen kann - ist die Perspektive, denn der Roman wird zwar aus Edies Sicht geschrieben, aber in der dritten Form und ich denke, wäre aus der ersten Perspektive geschrieben worden, ich wäre noch einen Tick mehr mitgerissen worden als sowieso schon.
Insgesamt hat mich das Buch aber nicht enttäuscht, eher positiv überrascht und ich kann es guten Gewissens als eines meiner Lieblingsbücher bezeichnen.

Veröffentlicht am 01.11.2017

Interessant und schön, bleibt aber hinter anderen Jane-Austen-Büchern zurück

Verstand und Gefühl
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"Verstand und Gefühl", "Sinn und Sinnlichkeit" - ich denke jeder hat zumindest schon unter einem Namen etwas über diese Geschichte von Jane Austen gehört. So auch ich, selbst wenn ich nichts genaueres ...

"Verstand und Gefühl", "Sinn und Sinnlichkeit" - ich denke jeder hat zumindest schon unter einem Namen etwas über diese Geschichte von Jane Austen gehört. So auch ich, selbst wenn ich nichts genaueres darüber wusste, als dass es um zwei unterschiedliche Schwestern geht und - wie eigentlich immer bei Jane Austen - um die Liebe. Die Handlung ist dabei die folgende:
Elinor und Marianne sind Schwestern, aber sie ähneln sich kaum. Während Elinor nämlich zurückhaltend ist und sich auf Selbstbeherrschung versteht, lässt Marianne ihren Gefühlen - oft ohne Rücksicht auf andere - freien Lauf. Doch eines haben beide gemeinsam, nämlich dass sie sich verlieben und bald das Chaos um die beiden ausbricht.
Ich war ja sehr neugierig auf diesen Roman, vor allem, da die Bücher von Jane Austen, die ich bisher gelesen habe, mich alle überzeugen konnten. Hier muss ich sagen war ich nicht ganz so mitgerissen von der Handlung, ich habe nicht so mitgefiebert wie bei "Stolz und Vorurteil" und konnte nicht so viel lachen wie bei "Emma". Meiner Meinung nach braucht die Handlung eine Weile, bis sie spannender wird. Vor allem am Anfang, als noch nichts darauf hindeutet, dass etwas Schlimmes passiert, war mir das Buch stellenweise zu langatmig. Später wird es aber auf jeden Fall interessanter. Nicht nur, dass sich vieles als komplizierter darstellt, als man auf den ersten Blick dachte, es kommt zuletzt auch zu Auflösungen und natürlich zu einem Happy Ends, wobei mich die ein oder andere Entwicklung sogar ein bisschen überraschen konnte.
Der Schreibstil ist so, wie man es von Jane Austen gewohnt ist: schön beschreibend und ironisch, sodass sich das Buch gut lesen lässt, auch wenn ich auf jeden Fall länger für die Seiten brauche als bei anderen Büchern. Ich liebe es, wie ich durch den Stil in eine andere Zeit gezogen werde, es aber nicht sofort hochgestochen klingt. Und ich mag die Dialoge, die so viel aussagen. Man merkt zum Beispiel sofort die Standes- und Persönlichkeitsunterschiede zwischen den Charakteren, wenn sie reden. In "Verstand und Gefühl" macht Jane Austen allerdings einen Unterschied im Vergleich zu ihren anderen Romanen und zwar schreibt sie fast kühl und distanziert von Geldsorgen und schlechten Charaktereigenschaften. In keinem anderen ihrer Werke wird so viel von Geld gesprochen, wird so viel verglichen und darüber nachgedacht wie hier. genauso die Abgründe in der Persönlichkeit der Menschen. In keinem anderen ihrer Bücher handelt eine Person aus so schlechten Motiven heraus und vereinigt so viele schlechte Eigenschaften in sich. Besonders, dass so viele über Einkommen und dessen Konsequenzen gesprochen wird, fand ich sehr interessant, denn es besagt viel über die Zeit.
Mein Hauptproblem mit dem Buch lag glaube ich an der Erzählperspektive. Der Roman wird aus der Sicht von Elinor und Marianne erzählt, was zwar durchaus Sinn macht, aber manchmal war es ein wenig verwirrend zu verstehen, wessen Gedanken man jetzt eigentlich verfolgt.
Mit den Protagonistinnen an sich hatte ich aber keine Probleme, fand beide sehr sympathisch. Elinor ist die Besonnene. Sie denkt rational, ist oft die Stimme der Vernunft in ihrer Familie, weiß, ihre Gefühle zu verbergen. Was nicht bedeutet, dass sie keine Gefühle hat, dadurch, dass man viele ihrer Gedanken erfährt, weiß man, wie sehr sie unter mancher Situation leidet. Marianne hingegen ist leidenschaftlich und sensibel. Sie handelt vor allem so, wie sie es für richtig hält und wie sie es möchte, lässt dabei auch mal die Konventionen zurück. Mir waren beide sehr sympathisch, ich kann gar nicht sagen, wen ich lieber mag, denn sie haben beide einen interessanter Charakter und es war spannend mit anzusehen, was Elinor und Marianne erleben und wie sie sich entwickeln.
Die Nebencharaktere waren, wie für die Autorin typisch, spitz gezeichnet. Die selbstsüchtige Schwägerin, die langweilige Mrs. Middleton mit ihrem im Gegensatz zu ihr viel zu geselligen Mann, die kauzigen Palmers oder die einfältigen Miss Steele. Nur muss ich sagen, dass ich all die Personen zwar interessant fand, aber keine so herausragend wie in den anderen Austen-Romanen, was wirklich schade ist.
Der Roman war auf jeden Fall wieder lesenswert, auch wenn er meiner Meinung nach hinter den anderen Werken Jane Austens etwas zurückbleibt.