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Veröffentlicht am 17.11.2020

Eine im besten Sinne netter und leichter Liebesroman

Aller guten Dinge sind zwei
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Ganz allgemein würde ich dieses Buch als nett beschreiben und das meine ich gar nicht abwertend. In diesem Roman von Mhairi McFarlane geht es um Laurie, eine Anwältin Mitte 30, die von ihrem langjährigen ...

Ganz allgemein würde ich dieses Buch als nett beschreiben und das meine ich gar nicht abwertend. In diesem Roman von Mhairi McFarlane geht es um Laurie, eine Anwältin Mitte 30, die von ihrem langjährigen Freund verlassen wird. Anstatt dass Dan einwilligt, des mit dem Kinderkriegen mit Laurie zu versuchen oder sie auch nur zu heiraten, behauptet er, er wolle etwas anderes als sie und sich selbst finden. Nur um Laurie nach zwei Monaten zu verkünden, dass er eine neue Freundin hat und die bereits – tadaa – schwanger ist. Als wäre Ersteres für Laurie nicht schon schwierig genug gewesen, arbeiten sie und Dan doch in derselben Kanzlei. Als sie mit Jamie (der bekannt ist für seine kurzweiligen Affären mit Frauen) im Aufzug steckenbleibt, reift ein Plan: Sie werden eine Fake-Beziehung führen. Laurie, um über Dan hinweg zu kommen (und vielleicht auch, um ihn ein klein wenig eifersüchtig zu machen) und Jamie, um sein Ansehen in der Kanzlei zu steigern. Doch natürlich bleibt es nicht bei Fake-Gefühlen...
Anfangs war ich ehrlicherweise etwas entnervt von der Handlung, ganz einfach weil die Basis dieselbe ist wie von all den anderen McFarlane-Romanen. So fühlte es sich für mich zumindest an. Die Frau Anfang bis Mitte 30, die von ihrem langjährigen Freund verlassen wird und dann einen anderen kennenlernt, auf welchem Weg auch immer. Die nebenbei übrigens immer erst einmal in Selbstmitleid verfällt, á la "Wer will mich denn jetzt noch haben?". Es hätte mir schon gereicht, hätte Laurie sich von Dan getrennt. Etwas emanzipatorischer, bitte!
Anfangs war ich demnach nicht allzu begeistert von "Aller guten Dinge sind zwei". Doch nach und nach fand ich Gefallen an der Story. Vielleicht lag es an der doch sehr schönen Entwicklung der Beziehung zwischen Laurie und Jamie und der beiden Charaktere als solche. Auch wenn ich die beiden ab und an hätte schütteln können. Ehrlich, teilweise stellen sich Protagonisten wirklich dämlich an! Außerdem fand ich gut, dass Mhairi McFarlane diesmal die Perspektive einer Schwarzen gewählt hatte. Die Thematik wird nicht allzu weit vertieft, aber allein dass sich die Autorin dazu entschieden hat, ihr Buch ein wenig diverser zu gestaltet, fand ich doch schön.
Mhairi McFarlanes Schreibstil liest sich bei alldem so schön wie immer. Es war wirklich großartig, mal wieder etwas so Leichtes zu lesen, bei dem ich nicht das Gefühl habe, mich anstrengen zu müssen. Bei manch einem Buch, das ich in letzter Zeit gelesen hatte, hatte ich nämlich genau dieses Gefühl. Mit "Aller guten Dinge sind zwei" konnte ich stattdessen einfach schön abschalten und auch lange Zeit am Stück lesen, ohne dass es anstrengend wurde.
Bei den Figuren im Buch bin ich wieder etwas zwiegespaltener. Die Nebencharaktere sind mir ehrlicherweise nicht allzu stark im Gedächtnis geblieben. Damit meine ich Emily, Dan, Bharat, Diana und Co. Sie waren nicht komplett blass, waren allerdings schon eher typisch gezeichnet, nicht so, dass ich sie ins Herz geschlossen hätte. Und auch die Protagonisten Laurie und Jamie machten es mir teilweise schwer, sie zu mögen. An sich mochte ich beide sehr gern. Jamie hatte mehr Facetten an sich als der typische Aufreißer, der nicht an das Konzept Liebe glaubt, nur um dann, wegen der richtigen Frau (Laurie) eines besseren belehrt zu werden. Er zeigte durchaus Tiefgang und das nicht erst in der zweiten Hälfte, was ihn direkt sympathischer machte. Und Laurie war nicht (immer) das selbstmitleidige Häufchen Elend, das sich fragt, warum Dan sie denn nun verlassen hat, ob ein weiterer Mann sie begehren wird und ob sie jemals Kinder haben wird. Diese Phasen durchgeht sie zwar durchaus (und wird im Laufe der Geschichte auch noch ein, zwei mal davon eingeholt), aber das geht auch wieder vorüber und die echte Laurie erscheint. Nämlich eine, die sehr gut für sich selbst einstehen kann und nicht bloß alles hinnimmt. Eine, die ich als Hauptperson sehr mochte. Nur leider hatten beide auch ihre Anfälle von ganz schrecklich klischeehaftem Verhalten, bei dem ich sie gerne einmal geschüttelt und dabei gebrüllt hätte, ob sie sich denn nicht einfach zusammenreißen und miteinander reden könnten.
Dazu kam noch, dass auch das Happy End ein wenig erzwungen überhastet wirkte. Das ging mir nämlich eindeutig zu schnell und kam mir auch sehr naiv vor. Als hätte dieses Happy End ausgereizt werden müssen. Hätte Laurie in der Schlussszene schnell noch Jamies Kind gebären können, hätte sie das wohl getan (das passiert glücklicherweise nicht).

Doch alles in allem kann ich sagen, dass mich der Roman gut unterhalten hat. Zwar hatte „Aller guten Dinge sind zwei“ ein paar Tiefen, doch vieles mochte ich an der Geschichte sehr gerne.

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Veröffentlicht am 09.10.2020

Für mich ein doch sehr schwacher Abschluss

Beta Hearts
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Für mich war klar, dass ich "Beta Hearts" lesen muss. Als finaler Band einer Trilogie, die mich anfangs richtig gecatched hat, musste ich nun wissen, wie es weiter- beziehungsweise ausgeht. Auch wenn mich ...

Für mich war klar, dass ich "Beta Hearts" lesen muss. Als finaler Band einer Trilogie, die mich anfangs richtig gecatched hat, musste ich nun wissen, wie es weiter- beziehungsweise ausgeht. Auch wenn mich Teil 2 schon lange nicht mehr so einfangen konnte, wie der Auftakt der Reihe. Ich hoffte, hier nochmal ein paar schöne, spannende Lesestunden zu bekommen.
Allerdings muss ich leider sagen, dass ich Teil 3 leider noch einmal etwas weniger gut als "Cyber Trips" fand und damit als den schlechtesten der Reihe empfand.
Dabei fing es eigentlich vielversprechend an. Wir werden direkt an das Ende von Band 2 geworfen, als die Gruppe auf der Flucht ist. Eben standen sie noch KAMI selbst gegenüber und nun müssen sie aus der von Mojas überrannten Stadt fliehen. Ich war nicht direkt gefesselt, aber die kommenden Geschehnisse bauen eine unterschwellige Spannung auf. Denn natürlich wollte ich nun, im Finale, endlich Antworten auf gewisse Fragen erhalten. Zudem kommen Geheimnisse ans Tageslicht, die auch noch nach Erklärung bedürfen und die zusätzlich dafür sorgten, dass ich am Ball blieb.
An sich also wirklich keine schlechten Voraussetzungen. Doch dann löste sich dieses Versprechend für mich nicht ein. Denn trotz dieser Spannung, wurde mir die Handlung durch zum Teil inszeniert wirkende Entwicklungen vermiest. Oder die Hintergründe fehlten mir. Oder manche Parts, von denen ich gerne gelesen hätte, wurden lediglich angerissen. Das alles führte bei mir zu einer ersten Verstimmung.
Die Zweite rührt daher, dass mir die Aufteilung der Perspektiven mehr oder minder einseitig vorkam. Besonders Andra wird in "Beta Hearts" stark in den Fokus gerückt und das fand ich nunmal schade. Ich hätte zum Beispiel viel lieber mehr von Byth und Luke gelesen, anstatt gefühlt immer und immer wieder Andras Gedankengängen zu folgen.
Was vielleicht auch mit Marie Graßhoffs Stil in ihren Kapiteln zu tun hat. Der wirkte in Andras Kapitel auf mich eine Stufe zu gestelzt. Generell habe ich nichts gegen ihren Schreibstil, denn er lässt sich schön lesen, doch ab und an war es mir eben doch zu steif. Und das besonders bei Andra.
Doch noch mehr als der Stil in ihren Kapiteln hat mich Andra höchstselbst genervt. Anfangs hatte ich eigentlich nichts gegen sie, doch nun, im finalen Band, nahm sie mir eindeutig zu heldenhafte Züge an. Dauernd steht sie im Mittelpunkt, hat die rettenden Einfälle, weiß das Richtige zu sagen und ist natürlich, was auch sonst, besonders. Also irgendwann ist doch mal gut! Denn so wurde mir die für mich eigentlich neutrale Andra, mit der ich anfangs aufgrund ihrer Situation mitfühlen konnte, zunehmend unsympathisch.
Und leider konnten das die anderen Protagonisten nicht für mich aufwiegen. Okijen war ja vorher mein geheimer (na gut, nicht zu geheimer) Liebling. Doch in diesem Buch hat er A nicht ganz so viel Platz und dadurch B nicht allzu viele Chancen, sich hervorzutun, agiert aber C in einer Szene ganz schrecklich, sodass auch er als Lieblingscharakter nicht mehr wirklich infrage kommt. Luke hat, wie schon erwähnt, recht wenig Kapitel und die waren meist auch noch eher austauschbar. Mit Byth ging es mir ähnlich, sie hätte ich hier nur allzu gern mal näher kennengelernt, denn sie zeigte auf alle Fälle interessante Züge. Flover, den ich vorher eigentlich nicht zu meinen Lieblingen gezählt hätte, schneidet fast am besten ab. Allerdings gab es auch mit ihm Aktionen, die nicht hätten sein müssen.
Von wem ich in "Beta Hearts" wirklich gern noch viel mehr gelesen hätte, waren die Goldenen Drei, also Alaska, Marshall und Liza. So viel kann ich verraten, über sie erfährt man im Buch noch einiges, doch das war mir leider noch zu wenig. Da gibt es meiner Meinung nach sooo viel Material, so viel zu ergründen und ich hätte wirklich gern mehr über die Drei gelesen. Wer sie sind. Warum sie sich vor Jahrzehnten der Rebellion anschlossen beziehungsweise sie anführten. Wie sich das auf ihre jetzigen Handlungen auswirkte.
Überhaupt habe ich das Gefühl, dass die Autorin einen Teil des Potenzials des Buches und der gesamten Trilogie verschenkt hat. Nach diesem Ende gab es für mich noch so viel, was nicht nur offen, sondern auch noch nicht stimmig war. Erklärungen, die mir fehlten. Handlungsstränge, die einfach abgeschnitten wurden und deswegen so wirken, als hätte die Autorin sich hier einfach keine weiteren Gedanken zu den Hintergründen gemacht. Was nicht mal stimmen muss, aber das fahle Gefühl bleibt trotzdem. Außerdem hat mich dieses Top-und-Deckel-Ende wirklich aufgeregt.
Ich gehe also mit stark gemischten Gefühlen aus dieser Sci-Fi-Reihe. Anfangs war ich wirklich hellauf begeistert, doch eben diese Begeisterung nahm bei mir leider peu á peu ab. Das Grundgerüst war für mich zwar auch in "Beta Hearts" noch wirklich spannend, vor allem das Unterschwellige ließ mich hier Seite um Seite umblättern, doch letzten Endes mich ärgerte zu viel.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Leider ziemlich konfus und nicht mehr so grandios wie die Vorgänger

Im Sturm der Echos
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"Im Sturm der Echos" war wohl mein für 2020 am sehnsüchtigsten erwartetes Buch. Nachdem die ersten drei Teile der Reihe im letzten Jahr so kurz aufeinander folgten, war ich nur allzu ungeduldig auf das ...

"Im Sturm der Echos" war wohl mein für 2020 am sehnsüchtigsten erwartetes Buch. Nachdem die ersten drei Teile der Reihe im letzten Jahr so kurz aufeinander folgten, war ich nur allzu ungeduldig auf das Finale dieser neuen Herzensreihe.
Diesmal knüpfte die Geschichte direkt an den Vorgänger an. Wir befinden uns auf Babel, kurz nachdem ein Teil dieser Arche ins Nichts gestürzt ist. Und so geht es auch gleich richtig los, denn Ophelia und Thorn begeben sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die wir uns alle schon so lange stellen, um den Einsturz ihrer gesamten Welt zu verhindern.
Ich bin ehrlicherweise ein wenig ernüchtert. Die ersten drei Teile der Spiegelreisenden-Saga habe ich geliebt. Ich bin mit der Erwartung an dieses Buch gegangen, dass es mir hier ebenso ergehen würde. Nur war das leider nicht so. Anfangs dachte ich, ich müsse bloß in die Geschichte einfinden, im Mittelteil dachte ich, die Spannung würde sich jeden Moment hochschaukeln, aber gegen Ende wurde mir langsam klar, dass der Wow-Effekt bei mir nicht mehr eintreten würde. Ich habe das Buch noch immer sehr gerne gelesen, keine Frage. Christelle Dabos hat hier eine zu schöne Welt erschaffen, als dass es anders sein könnte. Doch ich hatte ganz einfach ein Problem mit der Dramaturgie. Irgendwie geschah alles auf Hochspannung, gab es immer wieder etwas Neues zu entdecken, zu verarbeiten, dass ich nicht, wie man vielleicht denken könnte, an die Seiten gefesselt war, sondern es mir stattdessen eher anstrengend wurde. Wo ich mich bei den Vorgängern immer von den Seiten lösen musste, brauchte ich hier lange und war stellenweise fast schon unaufmerksam. Wenn ich im Vergleich dazu an zum Beispiel "Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" denke, wo sich die Handlung langsam aufbaute und sich am Ende jedes Puzzlestückchen logisch an seinen Platz fügte, war ich fast enttäuscht von der Auflösung, die hier geboten wird. Ich hatte dieses Ende zwar nicht erwartet, doch die Hinführung dorthin war mir doch zu holprig, vor allem eben verglichen mit den Vorgängern.
Was glücklicherweise grandios geblieben ist, ist der Schreibstil der Autorin. Sie hat einfach eine ganz eigene Art zu schreiben weiß wunderschön mit Sprache und Bildern umzugehen. Auch wenn die Handlung an sich mich manchmal hat abschweifen lassen, hat ebendieser Schreibstil mich ein ums andere Mal wieder eingefangen.
Und auch die Charaktere sind natürlich wieder eine einzigartige Erfahrung. Ich habe sie ja durch die Bank weg alle sehr liebgewonnen und mich gefreut, ihnen hier wieder zu begegnen. Christelle Dabos hat Persönlichkeiten erschaffen, anders kann ich das gar nicht beschreiben. Gleichzeitig kam es mir hier allerdings vor, als würden die Figuren in "Im Sturm der Echos" auf der Stelle treten, sich nicht mehr weiterentwickeln, egal, wie viel sie in diesem Buch erleben. Fand ich schade, dass man hier nicht noch tiefere Einblicke in diese mir wirklich liebgewordenen Charaktere erhaschen konnte.
Ihr glaubt gar nicht, wie gerne ich an dieser Stelle positiver wäre, begeisterter. Ich bin selbst ein wenig erstaunt, wie mich dieses Finale der Spiegelreisenden-Saga enttäuscht hat. Sie sollte ein Jahreshighlight für mich werden. Stattdessen hat vor allem die etwas konfuse und überhastet wirkende Handlungsentwicklung das Buch für mich mittelmäßig werden lassen. Vielleicht habe ich auch einfach zu hohe Erwartungen hierein gesteckt... So bekommt "Im Sturm der Echos" von mir mit einem weinenden Auge 3,5 von 5 Sternen – und trotzdem eine Leseempfehlung, weil es sich natürlich trotz allem noch lohnt!

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Mutig, welche Themen die Autorin behandelt und auf welche Weise

Der gefährlichste Ort der Welt
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"Der gefährlichste Ort der Welt". Wenn man diesen Titel hört, denkt man nicht unbedingt sofort an einen Jugendroman, zumindest ich nicht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dahinter vermutete, aber ...

"Der gefährlichste Ort der Welt". Wenn man diesen Titel hört, denkt man nicht unbedingt sofort an einen Jugendroman, zumindest ich nicht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dahinter vermutete, aber wenn man mich konkret danach fragen würde? "Jugendroman" wäre garantiert nicht meine Antwort. Aber wenn man so darüber nachdenkt, passt es doch.
Das Thema ist aber auch wirklich interessant. Eine Kleinstadt in den USA, in der alles sehr harmonisch wirkt, in der jeder glücklich scheint. Zumindest auf den ersten Blick. Denn das ist natürlich alles nur Fassade und das nette kleine Städtchen entpuppt sich als wahre Hölle für manche der Bewohner. Dass die Autorin die High School als Schauplatz ausgewählt hat, ist da nur passend, denn hier passiert wohl das meiste. Liebe, Mobbing, Freundschaft, Partys, Zukunftssorgen, und und und. Ich fand es jedenfalls sehr spannend, darüber zu lesen und auch ziemlich authentisch geschildert. Lindsey Lee Johnson ist nämlich nicht besonders zimperlich und beschreibt die Dinge geradeheraus, ohne abzumildern. Besonders das Thema Cybermobbing war wirklich krass dargestellt und das fand ich sehr mutig.
Das Buch wurde grob in drei Teile unterteilt: Die achte Klasse, die zehnte und die elfte. Davor ein kurzer Prolog, der aus dem Aufsatz einer der Protagonisten über Mill Valley, der Kleinstadt, in der alles geschieht, besteht. Dieser Aufsatz war zwar nicht sonderlich spannend, aber mir hat er doch ganz gut helfen können, mir ein Bild über Mill Valley zu machen. Ein Bild, das im Verlauf der Geschichte verstärkt wurde.
Ich finde die behandelten Themen sehr wichtig, nicht jeder Autor hat den Mut, die Gesellschaft so zu kritisieren, wie Johnson es tut. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Ereignisse am Ende zu abgehackt finde. Vielleicht soll es so sein, damit der Leser selbst ein bisschen darüber fantasieren kann, was mit den verschiedenen Figuren vielleicht noch passieren wird, aber ich hatte dabei ganz einfach ein bisschen das Gefühl, im Regen stehengelassen zu werden. Da wären ein paar mehr Schilderungen auf jeden Fall gut gewesen.
Die Art, wie erzählt wurde, hat mir gut gefallen. Ich mochte, dass man so viele Einsichten bekam. Die verschiedenen Kapitel waren nämlich immer aus einer anderen Sicht erzählt und so hat man sehr viele Gedanken mitbekommen. Man bekommt als Leser mit, wie die einzelnen Charaktere mit den Geschehnissen umgehen, die ja auch nicht ohne sind. Allerdings ist es mir teilweise richtig schwer gefallen, die Seiten zu lesen. Es hat einfach so lange gedauert und war echt anstrengend, was auch erklärt, wieso ich so lange für das Buch gebraucht habe. Der Schreibstil ließ sich einfach nicht so flüssig lesen, war mir auch zu oft zu beschreibend und damit langatmig.
Bei den Charakteren bin ich mir ein bisschen unsicher. Einerseits war es wie schon gesagt klasse, von so vielen die Gedanken zu erfahren. Vor allem war es hier auch interessant, manche Figuren erst aus der Sicht der einen Person kennenzulernen und später die Innensicht genau der Figur zu erfahren. Was es da für Unterschiede gibt, ist echt krass, sehr schön rübergebracht von der Autorin, wie sich Selbst- und Fremdwahrnehmung unterscheiden können!
Andererseits hat es kein Charakter geschafft, dass ich ihn wirklich sympathisch fand. Ich finde, dass sie alle sehr gut gezeichnet waren. Gut, nicht jeden habe ich komplett verstanden und es haben meiner Meinung nach auch Teile der Charaktere gefehlt, um diese richtig verstehen zu können. Und dass sie alle ihre Macken haben, machen sie ja authentisch. Aber obwohl ich authentische, aneckende Charaktere sonst wirklich mag, hat es hier keiner geschafft, viele Sympathiepunkte bei mir zu sammeln.
Insgesamt spricht der Roman wirklich wichtige Themen an und ist meiner Meinung nach schon allein deswegen sehr spannend. Jedoch hat er mich trotzdem nicht wirklich packen und überzeugen können. Der Grund? Charaktere, die zwar authentisch gezeichnet sind, dafür aber an Sympathie mangeln lassen, eine Geschichte, die hintenraus zu abgehackt wirkt, und ein Schreibstil, der mir zu langatmig war. An sich kann ich das Buch aber weiterempfehlen, vor allem für Leser, die vielleicht auch noch nach Ende des Buches etwas zum Grübeln haben wollen.

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Witzige Ideen und Einfälle, aber die Umsetzung ist dann doch nicht so gut.

Die verkehrte Stadt
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Ich bin ein wenig zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Wobei man da wahrscheinlich sagen muss, dass ich nicht wirklich die Zielgruppe bin.
Die Geschichte ist schon sehr interessant, vor allem Quiver ...

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Wobei man da wahrscheinlich sagen muss, dass ich nicht wirklich die Zielgruppe bin.
Die Geschichte ist schon sehr interessant, vor allem Quiver Town hat mir echt gut gefallen und die ganzen Seltsamheiten, die hier beschrieben wurden. Es ist also echt interessant zu lesen, was sich Alyson Noël da ausgedacht hat. Andererseits finde ich, dass eben die hier ein wenig kurz kommen. Die Stadt wird ziemlich schnell normal, was zwar einerseits gut ist, weil das die Handlung nach vorne bringt, aber auch dafür sorgt, dass ich nicht ganz so viel über Quiver Town gelesen habe, wie ich gerne hätte. Ansonsten fand ich den Verlauf der Handlung ziemlich interessant, aber bei vielem kam es mir ziemlich hastig erklärt vor. Beziehungsweise wurde manches einfach dem Leser vorgesetzt, ganz ohne große Erklärung. Was ich doch sehr schade fand, war, wie wenig viele der Charaktere eigentlich vorkommen. Ich dachte eigentlich, dass Grimslys Freunde Ming, Ollie und Penelope häufiger in der Geschichte vorkommen, sogar zu den Hauptcharakteren gehören würden, aber eigentlich ist Grimsly die einzige Person, die in der Geschichte wirklich wichtig ist.
Ganz allgemein bin ich der Meinung, dass die Handlung in "Die verkehrte Stadt", selbst für ein Kinderbuch, sehr vereinfacht wurde.
Den Schreibstil kann ich kaum kritisieren. Er ist gut zu lesen und ich fand es schön, dass man alles aus Sicht von Grimsly erfährt, der ja der einzige Normale in Quiver Town ist, gleichzeitig aber mit all den Verrücktheiten aufgewachsen ist. Man kommt also gut durch und alle Orte und Personen sind schön anschaulich beschrieben, ich konnte mir das alles gut vorstellen. Die Gefühle kam bei mir allerdings nicht so richtig an und es war auch nicht sooo spannend. So konnte ich das Buch immer sehr einfach wieder aus den Händen nehmen und war nicht in diesem Lesesog gefangen. Was mir auch noch aufgefallen ist, war, dass der Schreibstil auffällig unkindlich war. Was ich zwar nicht sonderlich schlimm fand, ich mir aber vorstellen kann, dass es für Jüngere nett gewesen wäre, hätte die Autorin ein wenig kindlicher geschrieben. Stattdessen wirkte der Schreibstil eher nüchtern und aufgeklärt.
Einen etwas größeren Kritikpunkt habe ich dann wegen der Charaktere. Das liegt vor allem daran, dass, wie schon gesagt, Grimsly die einzige Figur im Buch war, die wirklich wichtig war. Die anderen werden zwar vorgestellt und tauchen dann ab und an mal auf, aber sie hatten für mich keine großartige Persönlichkeit. Was dann dazu führte, dass es nur Grimsly zum Identifizieren gab. Er ist auch ein recht guter Charakter zur Identifikation, so als Junge, der inmitten all des Seltsamen normal ist, mit dem Wunsch, auch etwas Besonderes zu sein. Aber trotzdem war er mir doch eher neutral. Heißt, weder mochte ich ihn besonders gerne, noch konnte ich ihn nicht leiden. Aber sein Job als Tierbestatter war schon ganz witzig, das habe ich auch noch nie gehört.
Ich habe zwar noch nichts dergleichen gelesen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es noch weitere Teile zu Quiver Town geben könnte. Ob ich die dann lesen würde, ist zwar mehr als fraglich, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Bücher für Kinder sehr schön als erste "richtige" Lektüre geeignet sind.
Ich kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, denn ich hatte keine besonders hohen Erwartungen an das Buch. Trotzdem hatte ich mir ein wenig mehr erwartet, vor allem ein wenig mehr Charakterbeschreiung und Spannung. Ansonsten ist "Die verkehrte Stadt" ein nettes Buch, das ich denen empfehlen kann, die gerade richtig lesen gelernt haben und nun ein schönes, witziges Buch suchen.

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