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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2026

eine wunderschöne Atmosphäre

Winterglück im Café am Meer
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Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie ...

Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie aus ihrer vertrauten Welt.
Jahre später lebt Helena in Kassel und steht kurz davor, sich ihren Traum vom eigenen Café zu erfüllen. Doch als eine ihrer Freundinnen auf Norderney Hilfe braucht, kehrt sie zurück auf die Insel und begegnet dort nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch Jannik, Fenjas Bruder, der alte Gefühle wieder aufleben lässt.
Während Helena zwischen Zukunft und Herkunft steht, entfaltet sich parallel ein Erzählstrang in der Vergangenheit über die Frauen ihrer Familie – Gretchen, Lene und Imke –, deren Geschichten eng mit der Insel verwoben sind.

Ich habe "Winterglück im Café am Meer" von Christin-Marie Below als ein ruhiges, warmes Wohlfühlbuch erlebt, das mich vor allem atmosphärisch sehr abgeholt hat. Schon nach wenigen Minuten hatte ich das Gefühl, selbst durch die winterlichen Straßen von Norderney zu laufen. Die Autorin beschreibt die Insel so bildlich, dass ich förmlich den Wind hören und das Salz in der Luft schmecken konnte. Gerade diese Nordsee-Atmosphäre ist für mich das große Herzstück der Geschichte. Der Schreibstil transportiert Stimmungen und Gefühle sehr direkt. Ich konnte Helenas Zerrissenheit zwischen Traum und Heimat gut nachvollziehen.

Besonders mochte ich die Freundschaft zwischen Helena, Fenja und Mara. Diese lebenslange Verbundenheit fühlt sich echt an, nicht kitschig, sondern getragen von gemeinsamen Erinnerungen und kleinen Gesten.
Auch Helenas Wunsch nach einem eigenen Café hat für mich gut funktioniert – ihre Leidenschaft fürs Backen gibt ihr eine greifbare Identität. Als sie nach Norderney zurückkehrt, entsteht eine schöne Mischung aus Nostalgie, Hoffnung und unterschwelliger Melancholie.
Die Begegnungen mit Jannik bringen eine leise romantische Spannung hinein, ohne die Geschichte komplett zu dominieren. Es geht mehr um Zugehörigkeit als um reine Liebesdramatik, und das fand ich angenehm.

Der zweite Zeitebenenstrang rund um Gretchen, Lene und Imke hat mich ebenfalls interessiert. Ich liebe grundsätzlich Familiengeschichten, in denen sich Generationen spiegeln. Allerdings ist das auch der Punkt, an dem ich mir mehr Raum gewünscht hätte.
Das Buch ist insgesamt recht kurz, und ich habe stellenweise deutlich gemerkt, dass der Geschichte etwas mehr Länge gutgetan hätte. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, einige emotionale Wendungen wirkten etwas abrupt. Besonders die Vergangenheit blieb für mein Empfinden zu offen. Es werden Themen angerissen, die großes Potenzial haben, aber nicht wirklich in der Gegenwart aufgelöst werden.
Das Ende kam für mich daher sehr plötzlich. Ich saß da und dachte: Das war’s schon? Es fühlte sich eher wie ein Zwischenstopp als wie ein Abschluss an.
Gleichzeitig weiß ich, dass noch ein weiterer Band geplant ist, und das relativiert meinen Eindruck etwas. Vermutlich ist vieles bewusst offengehalten, um später weitergeführt zu werden. Trotzdem hätte ich mir zumindest für diesen Teil einen runderen emotionalen Abschluss gewünscht.

Fazit

Alles in allem fand ich das Buch „ganz nett“ im besten Sinne eines gemütlichen Winterromans.
Es ist keine hochdramatische Geschichte, sondern eine sanfte, stimmungsvolle Reise zurück zu Freundschaft, Herkunft und alten Gefühlen. Die traumhafte Norderney-Atmosphäre hat mich komplett eingenommen, und der bildhafte Schreibstil hat diese Stimmung wunderbar getragen.
Mit etwas mehr Tiefe und erzählerischem Raum hätte mich die Geschichte noch stärker packen können. So bleibt sie für mich ein schönes, aber etwas zu kurzes Inselintermezzo, das neugierig auf die Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

wenig fesselnd und spannend

Minnesota
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In "Minnesota" erzählt Jo Nesbø eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 2022 berichtet ein Schriftsteller in der Ich-Form davon, wie er versucht, Mordfälle aus dem Jahr 2016 zu rekonstruieren. Damals ...

In "Minnesota" erzählt Jo Nesbø eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 2022 berichtet ein Schriftsteller in der Ich-Form davon, wie er versucht, Mordfälle aus dem Jahr 2016 zu rekonstruieren. Damals ermittelte der Polizist Bob Oz in Minnesota in mehreren brutalen Mordfällen, eingebettet in ein gesellschaftlich und politisch extrem angespanntes Klima.
Die Ereignisse von 2016 werden aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, während die Erzählebene von 2022 eine rückblickende, kommentierende Funktion einnehmen soll.

Ich muss sagen: "Minnesota" von Jo Nesbø konnte mich leider gar nicht abholen.
Schon der Einstieg war für mich eine echte Zumutung. Über viele Seiten hinweg war ich völlig orientierungslos: Wer erzählt gerade? In welchem Jahr befinde ich mich?
Statt Neugier oder Spannung zu erzeugen, hat mich der Roman von Anfang an eher verwirrt.

Die doppelte Erzählebene hätte interessant sein können, empfand ich letztlich jedoch eher als unnötig kompliziert und schlecht austariert. Besonders der Strang von 2022 hat sich für mich nie wirklich erschlossen. Auch nach dem Ende des Buches habe ich nicht verstanden, welchen echten Beitrag diese Erzählebene leisten sollte. Dass dieser Erzählstrang gegen Ende fast vollständig verschwindet, bestätigt für mich eher, wie überflüssig er letztlich ist.

Noch problematischer fand ich jedoch das Erzähltempo. Die Geschichte zieht sich für mich quälend langsam dahin. Bis weit ins letzte Drittel hinein hatte ich das Gefühl, dass kaum etwas passiert, das wirklich relevant oder spannend wäre. Viele Passagen wirken aufgebläht, redundant und ermüdend. Statt Spannung aufzubauen, verliert sich der Roman immer wieder in Perspektivwechseln und Nebenfiguren, die kaum im Gedächtnis bleiben. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich mich so sehr zum Weiterlesen zwingen musste.
Die wenigen spannenden Momente am Ende kommen viel zu spät und können den zuvor entstandenen Eindruck von Langatmigkeit für mich nicht mehr retten.

Ein großes Problem war für mich zudem die Hauptfigur Bob Oz.
Ja, er ist ein Antiheld: alkoholkrank, aggressiv, respektlos, traumatisiert und vollkommen regelresistent. An sich ist das nichts Neues – problematisch wird es dort, wo diese Eigenschaften nicht mehr kritisch reflektiert, sondern fast schon routiniert abgespult werden. Bob Oz war mir von Anfang an unsympathisch, und das änderte sich im Laufe des Romans kein bisschen. Sein Verhalten gegenüber anderen und insbesondere gegenüber Frauen empfand ich als unangenehm und teilweise auch altmodisch. Dass seine Vergangenheit als Erklärung herangezogen wird, reicht mir nicht aus.
Für mich bleibt er eine Figur, zu der ich keinerlei Beziehung aufbauen konnte und ohne diese emotionale Bindung fehlt mir schlicht die Motivation, ihm über mehrere hundert Seiten zu folgen.

Stilistisch war das Buch an sich zwar solide, aber auch hier hatte ich das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre.
Die Sprache ist kühl, teilweise beinahe monoton, und trägt stark zur zähen Wirkung des Romans bei. Atmosphäre ist zwar vorhanden – Minnesota wirkt kalt, düster und gesellschaftlich zerrissen –, doch diese Stimmung allein reicht für mich nicht aus, um über die erzählerischen Schwächen hinwegzutrösten.

Positiv hervorheben kann ich lediglich, dass der Roman aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgreift. Rassismus, Polizeigewalt, die Präsidentschaftswahl und die Debatte um Waffengesetze sind klar präsent und verleihen der Geschichte eine gewisse zeitgeschichtliche Relevanz. Allerdings hatte ich auch hier oft das Gefühl, dass diese Themen eher angerissen als wirklich tiefgehend verarbeitet werden.

Fazit

Am Ende bleibt für mich ein insgesamt enttäuschender Eindruck. "Minnesota" von Jo Nesbø ist für meinen Geschmack überkonstruiert, erzählerisch schleppend und mit einer Hauptfigur ausgestattet, die mir das Weiterlesen eher verleidet als schmackhaft macht.
Die überraschende Auflösung am Schluss ist zwar gut gemacht, kommt aber viel zu spät, um das vorherige Leseerlebnis für mich noch zu retten.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Zwischen Herzklopfen, Misstrauen und Götterchaos

Loki − Her Twisted Heart
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Harlow ist eine Agrai – eine von der Göttin Artemis erschaffene Kriegerin. Obwohl sie den Göttern ihr Leben verdankt, verachtet sie sie aus tiefstem Herzen. Als ihr Heimatdorf von infizierten Wesen aus ...

Harlow ist eine Agrai – eine von der Göttin Artemis erschaffene Kriegerin. Obwohl sie den Göttern ihr Leben verdankt, verachtet sie sie aus tiefstem Herzen. Als ihr Heimatdorf von infizierten Wesen aus der Götterwelt angegriffen wird und ihre beste Freundin dabei schwer verletzt wird, bleibt Harlow keine Wahl: Sie muss selbst in die Götterwelt reisen, um ein Heilmittel gegen die mysteriöse Krankheit zu finden. Dort ist sie ausgerechnet auf die Hilfe von Loki angewiesen – dem Gott des Chaos, der Lügen und der Tricks. Widerwillig geht sie einen Deal mit ihm ein, der sie nicht nur in gefährliche Aufgaben verwickelt, sondern sie durch einen Pfeil Amors auch noch unauflöslich an ihn bindet. Je länger ihre Reise dauert, desto stärker gerät Harlows Weltbild ins Wanken, denn hinter Lokis provokanter Fassade scheint weit mehr zu stecken, als sein Ruf vermuten lässt. Doch kann sie ihm wirklich trauen – vor allem, wenn er offenbar mehr weiß, als er preisgibt?

Ich habe „Loki – Heart Twisted“ von Franka Neubauer insgesamt wirklich sehr gern gelesen.
Besonders der Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich schnell in die Geschichte hineingefunden habe. Er ist leicht, flüssig und sehr zugänglich, wodurch sich das Buch zügig lesen lässt. Die Kapitel fliegen förmlich dahin, und ich hatte kaum das Bedürfnis, Lesepausen einzulegen.
Gleichzeitig liegt hier für mich aber auch ein kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen war mir der Stil etwas zu schlicht oder stellenweise sogar etwas platt. Bestimmte Formulierungen, Redewendungen und innere Gedankengänge haben sich für mein Empfinden recht häufig wiederholt, was dazu führte, dass sich auch Emotionen und Reaktionen der Figuren zeitweise im Kreis zu drehen schienen. Das hat den Lesefluss zwar nicht zerstört, aber stellenweise leicht gebremst.

Die Handlung selbst fand ich sehr spannend angelegt. Besonders die Götterwelt hat mich sofort abgeholt. Sie wirkte lebendig, atmosphärisch und bildhaft beschrieben. Ich konnte mir Orte, Wesen und Götter mühelos vorstellen. Ich hätte ehrlich gesagt gern noch mehr Zeit dort verbracht, weil dieses Setting unglaublich viel Potenzial bietet.
Die verschiedenen Aufgaben und Prüfungen, die Harlow und Loki bewältigen müssen, waren abwechslungsreich und passend zur Geschichte. Auch die Begegnungen mit anderen göttlichen Wesen haben der Handlung Tiefe verliehen.
Mein persönliches Highlight war der kleine Wassergeist Kaia, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass er als Sidekick noch etwas aktiver in die Handlung eingebunden wird.

Harlow mochte ich als Protagonistin grundsätzlich sehr. Ihre unerschrockene, kämpferische Art und ihr Hass auf die Götter machen sie interessant und geben ihr eine klare innere Motivation. Dennoch war sie mir stellenweise etwas zu naiv – besonders im Umgang mit Loki. Für mich als Leserin war relativ früh erkennbar, dass hinter ihm und der gesamten Situation deutlich mehr steckt, und genau das hätten Harlows Zweifel meiner Meinung nach noch stärker widerspiegeln dürfen.

Loki selbst ist natürlich eine der spannendsten Figuren des Buches. Er ist charmant, nervig, geheimnisvoll und moralisch schwer greifbar – genau so, wie man es von ihm erwartet. Gerade dieses Spiel mit seiner Fassade und seinem Ruf hat mir gut gefallen.

Das Ende – ohne spoilern wollen – war einfach niederschmetternd. Nicht im negativen Sinn, weil es schlecht geschrieben wäre, sondern weil mir Harlow unglaublich leidtat. Es war schmerzhaft zu lesen, was ihr widerfährt. Gleichzeitig hat mich das Finale kaum überrascht, da relativ früh klar war, dass es einen zweiten Band geben muss und ein heftiger Cliffhanger unausweichlich ist. Dennoch hat der Twist gesessen und neugierig gemacht.

Fazit

Insgesamt ist „Loki – Heart Twisted“ von Franka Neubauer für mich ein spannender Auftakt mit einer faszinierenden Götterwelt, einer interessanten Dynamik zwischen den Hauptfiguren und viel emotionalem Potenzial. Trotz kleiner Schwächen im Schreibstil und in der Figurenentwicklung hat mich das Buch sehr gut unterhalten. Nach diesem Ende bin ich extrem gespannt auf Band 2 und darauf, wie die Ereignisse aufgearbeitet werden – und welche Geheimnisse Loki wirklich verbirgt.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Spannung und Magie pur

The Ordeals
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Im Mittelpunkt von "The Ordeals" von Rachel Greenlaw steht Sophia de Winter, die durch einen mächtigen magischen Blutschwur an ihren Onkel gebunden ist. Dieser zwingt sie, ihre Fähigkeiten zu nutzen, um ...

Im Mittelpunkt von "The Ordeals" von Rachel Greenlaw steht Sophia de Winter, die durch einen mächtigen magischen Blutschwur an ihren Onkel gebunden ist. Dieser zwingt sie, ihre Fähigkeiten zu nutzen, um für ihn weitere Menschen zu „sammeln“. Für Sophia gibt es nur einen Ausweg: die magische Eliteuniversität Killmarth, deren uralte Schutzrunen stark genug sein sollen, den Blutschwur zu brechen. Doch um dort aufgenommen zu werden, muss sie eine Reihe gefährlicher und tödlicher Prüfungen – die sogenannten Ordeals – bestehen. Dafür verbündet sie sich mit Alden Locke, den sie früh kennenlernt und dem sie schnell vertraut. Schon bald wird jedoch klar, dass die Ordeals weit grausamer sind als erwartet und dass im Hintergrund eine viel größere, tiefere Bedrohung lauert, die alles zum Einsturz bringen könnte.

Der Schreibstil von Rachel Greenlaw ist für mich einer der größten Pluspunkte des Buches. Er ist flüssig, bildhaft und gleichzeitig sehr direkt, ohne überladen zu wirken. Besonders die Beschreibungen der Ordeals und der magischen Umgebung sind intensiv, teilweise brutal, aber immer so geschrieben, dass ich komplett in die Szenen eintauchen konnte. Die Atmosphäre ist durchgehend düster, angespannt und von einer unterschwelligen Bedrohung geprägt. Dieses Gefühl, dass jederzeit alles kippen kann, zieht sich konsequent durch das gesamte Buch und sorgt dafür, dass wirklich keine Langeweile aufkommt und ich das Buch in kürzester Zeit beendet habe.

Sophia als Protagonistin ist mir unglaublich schnell ans Herz gewachsen. Ihre innere Zerrissenheit, die Schuldgefühle wegen des Blutschwurs und ihr verzweifelter Wunsch nach Freiheit wirken authentisch und emotional nachvollziehbar. Zudem ist sie unglaublich stark - sowohl für sich als auch für ihre Freunde.
Alden Locke ist ebenfalls ein Charakter, den ich von Anfang an sympathisch fand – nicht perfekt, nicht überzeichnet, sondern mit Ecken, Kanten und eigener Geschichte.
Und auch die Nebencharaktere sind überraschend vielschichtig und bleiben nicht bloß Staffage für die Handlung, sondern tragen aktiv zur Spannung und Dynamik bei. Ich habe während der Ordeals nicht nur um Sophia und Alden gebannt, sondern auch um die anderen.

Die Handlung selbst ist extrem abwechslungsreich. Kaum glaubt man, das Prinzip der Ordeals verstanden zu haben, kommt wieder etwas Neues, Unerwartetes, Gefährlicheres. Jede Prüfung fühlt sich anders an, stellt andere Fähigkeiten in den Vordergrund und fordert die Charaktere sowohl körperlich als auch psychisch heraus.
Das Ende hat mich ehrlich gesagt emotional komplett erwischt. Es war heftig, schockierend und hat mich mit einem Kloß im Hals zurückgelassen. Ein Teil von mir hofft wirklich, dass es sich noch irgendwie wenden lässt. Denn wenn nicht, wäre das schlicht grausam und traurig. Gleichzeitig passt genau diese Konsequenz zur düsteren Grundstimmung des Buches und macht den Abschluss so wirkungsvoll.

Fazit

Alles in allem hatte ich unglaublich viel Spaß beim Lesen. "The Ordeals" von Rachel Greenlaw ist super spannend, nie langweilig, voller sympathischer Charaktere und überraschender Wendungen. Ich freue mich jetzt schon sehr auf Band 2 und kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie es weitergeht. Vor allem nach diesem Ende, das mich einfach nicht loslässt.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

nicht zeitgemäß

Not My Type
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„Not my Type“ von Lucy Score begleitet, Francesca - von allen nur Frankie genannt -, die ihre Rolle als erste Brautjungfer extrem ernst nimmt. Für ihre beste Freundin würde sie alles tun, und genau das ...

„Not my Type“ von Lucy Score begleitet, Francesca - von allen nur Frankie genannt -, die ihre Rolle als erste Brautjungfer extrem ernst nimmt. Für ihre beste Freundin würde sie alles tun, und genau das muss sie auch, als ausgerechnet kurz vor der luxuriösen Traumhochzeit alles schiefläuft, was nur schieflaufen kann. Der Bräutigam wird entführt, die Hochzeitsgesellschaft entpuppt sich als Ansammlung arroganter, reicher und völlig realitätsferner Menschen, und Chaos scheint vorprogrammiert.
An Frankies Seite steht dabei ausgerechnet Aidan Kilbourn, der Trauzeuge des Bräutigams: wohlhabend, kontrollierend, selbstgefällig – und für Frankie der Inbegriff all dessen, was sie eigentlich meidet. Während sie versucht, die Situation zu retten und einen kühlen Kopf zu bewahren, funkt Aidan ihr nicht nur organisatorisch dazwischen, sondern auch emotional.

Dieses Buch war für mich eine absolute Ausnahme – und leider keine gute. „Not My Type“ von Lucy Score ist das erste Buch meines Lebens, das ich nicht zu Ende gelesen habe, weil ich es einfach so unfassbar schlecht fand. Und das ist mir wirklich noch nie passiert.

Schon die Protagonist*innen waren für mich ein großes Problem. Sie wirkten auf mich extrem flach, klischeehaft und vor allem: unsympathisch. Ich konnte ihre Handlungen kaum nachvollziehen, ihre inneren Konflikte fühlten sich konstruiert an, und eine emotionale Verbindung kam bei mir zu keinem Zeitpunkt zustande.
Leider galt das nicht nur für die Hauptfiguren, sondern auch für die Nebencharaktere. Besonders die reichen Brautjungfern waren für mich kaum erträglich: verzogen, überheblich, eindimensional und einfach nur nervig. Keine Nuance, keine Brechung, nichts, was sie irgendwie menschlich oder interessant gemacht hätte.

Die Handlung selbst hat mein Leseerlebnis zusätzlich massiv verschlechtert. Der Einstieg mit der Entführung war derart überdramatisch und gleichzeitig so realitätsfern, dass ich schon hier stark ins Zweifeln kam. Was mich aber wirklich fassungslos zurückgelassen hat: Diese zentrale Konfliktsituation war nach nicht einmal der Hälfte des Buches im Grunde abgeschlossen. Ich saß da und habe mich ernsthaft gefragt, was jetzt eigentlich noch kommen soll. Die Antwort schien zu sein: Sex, Leerlauf und Bedeutungslosigkeit. Viel expliziter Sex, wenig Handlung, kaum Entwicklung. Für mich fühlte sich das nach erzählerischer Ideenlosigkeit an und es war schlicht langweilig.

Auch mit dem Schreibstil bin ich überhaupt nicht warm geworden. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, allerdings nicht in Form eines Ich-Erzählers oder klar abgegrenzter personaler Sichtweisen, sondern durch einen allwissenden Erzähler, der permanent in die Köpfe aller Figuren springt und Gedanken, Gefühle und Motivationen erklärt. Für mich war das extrem anstrengend zu lesen, teilweise sogar verwirrend.

Das Schlimmste an diesem Buch waren für mich jedoch die Ansichten, die darin völlig unkritisch reproduziert werden. „Not My Type“ strotzt meiner Meinung nach nur so vor Sexismus, Vorurteilen, Bodyshaming und problematischen Rollenbildern, und nichts davon wird reflektiert oder hinterfragt. Im Gegenteil: All das wird als normal, sexy oder witzig dargestellt. Dazu kommen extrem vulgäre Ausdrücke, eine sehr derbe Sprache und Beschreibungen, die ich nicht nur unangenehm, sondern schlicht nicht mehr zeitgemäß finde. Das Ganze wirkte auf mich altmodisch, respektlos und in vielen Momenten einfach daneben.

Fazit

Unterm Strich bleibt für mich eine riesige Enttäuschung. Ich hatte mir etwas völlig anderes erhofft und stattdessen ein Buch bekommen, das ich als oberflächlich, langweilig und inhaltlich problematisch empfunden habe. Dass ich es abbrechen musste, sagt für mich alles. „Not My Type“ von Lucy Score war für mich nicht nur „nicht mein Typ“, sondern leider ein echtes Negativhighlight.

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